Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1926)
- Date
- 1926-05-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 4 Nr. 19 Der 9 » i ac U t 6 Mai 1926 i Abteilung für Koscher-Waren, vermittelst deren sie sich das Recht auf das gewünschte Aushängeschild mit den drei hebräischen Buchstaben erkaufen, einen fünf Mal so großen Betrieb mit „streng tresenen" Gegenständen unterhalten. Man kann sich denken, was dabei herauskvmmt. Die Schaufenster sind koscher und im Laden hält es schwer, das kleinste Stückchen ritueller Wurst oder ritueller Delikatessen zu finden. Eine Versammlung des Waad Harabanim in Nerv-Park hat am 9. Februar eine Resolution gefaßt, die sich mit diesen Mißständen beschäftigt, und in der den Rabbinen verboten wird, derartigen Restaurants oder Geschäften irgend welche m mellen over sie mm AMlA zu nehmen. Bemerkenswert ist, daß auch etttzelne Schiffahrtsgesellschaften sich mit solchen quasi Koscher-Waren versehen haben und damit ihre Passagiere, die auf rituelle Verköstigung Wert legen, täuschen. Es ist also auch in dieser Hinsicht vorausgehende Erkundigung und insbesondere Feststellung, welches Rabbinat die Verantwortlichkeit für die Schiffsküche trägt, vonnöten. Damit ist an einen anderen wunden Punkt des amerikanisch-jüdischen Lebens gerührt, aus den wir heute nicht näher eingehen wollen, an die chaotischen Zustände aus dem Gebiete des Rabbinats. Mit Recht weist das „Jüdische Licht" in Nerv-Park darauf hin, daß die Kaschruthverhältnisse niemals gebessert werden können, solange nicht das orthodoxe Rabbinat in Amerika organisiert wird und lediglich eine ausgewählte Zahl gänzlich unabhängiger Persönlichkeiten die Aussicht über das Ritualwesen übernimmt. Von Mizrajim zum Sinai. Don Kfaac Wreuer in Frankfurt a. W. Aus dem in Kürze bei I. Kauffmann Verlag unter dem Titel „Die Welt als Schöpfung und Natur" erscheinenden religionsphilosophischen Werke Jsaac Breuers geben wir im folgenden eines der einleitenden Kapitel, sowie den Schlußabschnitt wieder. Eine Würdigung des Buches bleibt »orb sh alten, IV. Auf Moabs Heiden reiht sich Zelt an Zelt. Gottes Zeugnis in der Mitte, lagern Jisraels Stämme. Freude füllt die Herzen. Denn wenn die Sonne glühende Strahlen sendet, blitzt dort unten Jardens Wasser aus, und jene Palmen sind Jerichos Palmen, und was da in den Himmel ragt, sind Jerichos getürmte Mauern. Das Ziel vierzigjähriger Wanderung ist erreicht. Trunken Kleines Feuilleton. kizzur Schulchan Oruch. Die sechste Lieferung des Kizzur mit Punktation und deutscher Uebersetzung, hergestellt von Rabbiner Dr. S. Bamberger, Hamburg, und herausgegeben von A. I. H o f m a n n, Frankfurt a. M., ist erschienen und an die Abonnenten versandt. Die zwei Bogen der sechsten Lieferung enthalten die Vorschriften über „die Eigenschaften des Menschen", „das Verbot der Verleumdung" ufw., „die Absicht, dem Ewigen zu dienen", „Schutz des Körpers aus Grund der Natur". Der Preis jeder Lieferung beträgt Mk. 1.50. Alle bisher erschienenen Hefte, 192 Seiten, sind zum Preise von Mk. 9.— vom Verlage zu beziehen. Ruhiges oder bewegtes Gebet? Ein Aufsatz unseres Mitarbeiters, Herrn Heinrich Einstädter, in der Kinderecke unter dem Titel „Wie soll man beten?" hat uns einige Anschriften erngebr'crcht, die es dem Wer7^cr^er7 fs^r7 nsrndeln,. £>ajj Gr ^>re fe&^>a|ten Bewegungen beim Gebete als absolut unschicklich bezeichnet und sie sogar auf eine Stufe mit dem Sprechen und sonstigem unanständigem Betragen in der Synagoge stellt. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns u. a.: „Abgesehen davon, daß von vielen Aschkenasim heute dieses früher dem Osten eigentümliche „Schokeln" mit mehr oder weniger Echtheit angenommen worden ist, läßt sich gegen die Bemerkung, ob man einem i"*» gegenüber auch so auftreten würde, einwenden, daß selbst kosen die Blicke den Saum des Landes, das die hohen Väter birgt. Dort haben sie geweilt und gewirkt, geduldet, und gehofft; dort haben sie, verheißungssicher, der Kinder Leben im voraus gelebt. Run sind sie da, die Kinder. Rührt sich's nicht um Machpelahs Gräber? Trägt nicht der Wind den heißen Atem sehnender Kinder hinüber? Von Gottes Flügeln getragen, sind sie gekommen und grüßen jubelnd, als Heimat, das Land, das sie noch nie geschaut. — Schon einmal hatte, von Mizrajim her, der Zug der Kinder sich genaht. Aber welch ein Unterschied zwischen einst und jetzt! Damals umwob Jaakobs Erben fürstliche Pracht. Fremder Purpur slymiilM Dm ßmm Loch vuiupsc BclMkiflung nistete in ihrer Brust. Den Bater tragen sie zur Ruhe, und wenn Machpelah sich wieder geschlossen, müssen sie vom teueren Boden weichen, und keiner sieht ihn nochmals lebend. Hinter sich lassen sie der Väter Grab, und vor ihnen winkt, längst verkündet, Golus in der Heimat der — Sklaven. Es hat nicht lange auf sich warten lassen. Abrahams Familie, die ihr von Gott umhegtes Menschentum der verstaatlichten Erde entgegenstellt, wird, zu volkstümlicher Zahl angewachsen, vom ägyptischen Machtstaat, der Menschentum nicht kennt, aus der Geschichte hinausgestoßen, ihrer geschichtlichen Rechtsfähigkeit beraubt und zum Objekt der Geschichte erniedrigt. Da der Machtstaat in ihrem Menschentum dunkel Gefahren wittert, glaubt er ihr selbst Philisterfreiheit nicht belassen zu dürfen, und namens des vom Staatsegoismus diktierten öffentlichen Rechts, das privates Recht bricht, entzieht er ihr schließlich auch die private Rechtsfähigkeit und wandelt sie gewaltsam in eine Sklavenhorde. Wie der Machtstaat Menschentum nicht nur entwürdigt, sondern letzten Endes durchaus entrechtet, wie die Scheidung zwischen öffentlichem und privatem Recht die selbstherrliche Idee der Gerechtigkeit aus dem Menschennebeneinander überhaupt verscheucht, wie untrennbar in tiefem Grunde das nackte Menschendasein mit seinem bescheidensten Anspruch auf Gattentum und Vatertum, auf Sohnschaft und Bruderschaft ganz unmittelbar mit der „hohen Politik", also mit geschichtlichem mmw, mttniiM i[t:, all VW MMUlMN, von denen sonst dem Philister immer nur bann eine Ahnung aufdämmert, wenn und solang er im Krieg gezerrt wird: im eisernen Tiegel Mizrajims verschmelzen sie sich mit der Seele der gemarterten Sklavenhorde zu unauslösbarer Einheit und wecken in ihr, die jahrhundertelang den Krieg immerfort als Besiegte erlebt, jahrhundertelang unter den Fußtritten gottentfremdeter „Geschichte" stöhnt, den Sehnsuchtsschrei nach geschichtlicher Auferstehung, den Sehnsuchtsschrer nach dem Gott der Geschichte. Und der Gott der Geschichte naht. Als Abrahams Gott, als Jizchaks und als Jaakobs, als Gott der Familie kündet er sich an und sichert diesem Namen Dauer zu für alle geschichtliche Zukunft, Gedächtnis für jegliches Geschlecht. Die Gotteskindschaft aller Völkerfamilien läßt er verkünden, da er Jisrael als seinen „erstgeborenen Sohn" bezeichnet, und als Vater aller Völkerfamilien fordert er von der einen die Freiheit der anderen. Doch wie der Machtstaat den Ruf des Gottes der Geschichte verhöhnt und Gewalttat aus Gewalttat häuft, da ist es der Gott der Schöpfung, dcr aus MvoalnM ycroommin jifyWam Wundern fortwirkendsr Schöpfung sich üffsnbart, den Willen der Staatsmänner bricht und schließlich im grausigsten aller Schöpfungswunder Abrahams Familie aus dem Flutengrab des Machtstaats zur geschöpflichen Freiheit emporsteigen läßt. Menschengeschichte ist Geschichte freier Schöpfung, wie Naturgeschichte Geschichte unfreier Schöpfung. Nur die Erkenntnis des Gottes der Schöpfung führt zur Erkenntnis des Gottes der Geschichte. Die Leugnung des Gottes der Geschichte schließt die Leugnung des Gottes der Schöpfung in sich. Der Machtstaat, der einen Teil der unfreien und der freien Schöpfung annektiert, empört sich zunächst und vor allem gegen den Gott der Schöpfung. Der Schöpfungssabbat, Denkmal göttlicher Schöpfung, ist zugleich „Denkmal des Auszugs aus Mizrajim." — Abrahams Familie, in Mizrajim aus dem Bereich freier Schöpfung gerissen und als Sklavenhorde dem Machtstaat wie ein unfreier Gegenstand ausgeliefert, wird durch die zermalmenden Allmachttaten des Schöpfungsgottes auf. ursprünglichen Schöpfungsstandort zurückgeführt. Am jenseitigen Ufer des tobenden Meeres erwacht die Kreatur zu Menschendasein und begrüßt, nicht anders als Adam einst, in zitternder Freude den Schöpfer. Im Anfang von Jisraels Volksgeschichte steht, wie einst vor Beginn der Menschengeschichte, die Schöpfung. Aber die zweite Schöpfung ist, im Gegensatz zur ersten, nicht vor und außer jedem geschichtlllljöll Mm. mmi ist ne ernte CesHilW, erlebte Volksgeschichte- Da Adam zum Volke unb zu Völkern wurde, ging er der Schöpfung verloren. Nun wird ein ganzes Volk durch Schöpfungswunder der Schöpfung wiedergewonnen. Das jüdische Volk, Wunder aller Wunder, erlebt seine eigene Schöpfung als erste geschichtliche Erfahrung. Es kann durch sein Volkstum sich nicht, gleich Adams Völkern, außerhalb der Schöpfung stellen. Denn sein Volkstum selber D'pnp-ra zuweilen, um sich besser zu sammeln, an die Stirne greifen oder gar das Gesicht bedecken, was wohl vor einem König von Fleisch und Blut tunlichst unterbliebe. Man muß doch wohl einen Unterschied machen zwischen dem, was i-v 11122 zuwiderläuft (wie Sprechen während der nV’sn) und dem, was die rmii unterstützen soll. 22N nrri' '-ii Wir brauchen uns vor mn sicher nicht wie eine Marmorsäule hinzustellen, bewegungslos, starr in Etikette, wenn wohl auf der anderen Seite die Bewegung nicht übertrieben werden darf. Ich erinnere mich in dem schönen Roman von Schachnowitz: „Merelaika" einen dieser Verschiedenheit Rechnung tragenden Hinweis gelesen zu haben, in dem ebenfalls die Absicht als das Prominente heroorgehoben wird." Wir müssen dem Einsender Recht geben, wiewohl wir auf der anderen Seite uns bewußt sind, daß auch Herrn Einstädter ehrlichstes Gefühl die erzieherische Lehre diktiert hat. Ob ruhiges oder bewegtes Gebet, das ist lediglich eine Frage der inneren Einstellung, über die man nicht streiten kann. Es ist manchem Westjuden ebenso unbegreiflich, daß man beim Beten ohne stramme Haltung zur Andacht kommen kann, wie es unseren Brüdern im Osten, besonders in den Kreisen der Chassidim, aber heute auch vielfach im Westen, einfach unmöglich ist, sich im Sinne der nrro zu konzentrieren, ohne den g a n - 3. e n Körper mit all feinen <SIteöma|3en miibeben <511 lassen. -“p»3 't nanaaerj rrmsaty Allgemeine Normen lassen sich hier nicht aufstetten. Es wähle jeder den Weg, der ihn nach seiner Beschaffenheit und Gewohnheit am sichersten zu .12112 bringt. Uebertreibungen sind selbstverständlich auf beiden Seiten zu vermeiden. Aus talmudischen und nachtalmudischen Quellen ließe sich die eine wie die andere Art rechtfertigen, woraus man schließen muß, daß man es auch damals dem individuellen Empfinden überließ. In Talmud Traktat „Berachoth" Fol. 30 und 31 wird empfohlen, das Gebet unter Bekundung echter „Mizwohfreude" zu verrichten. Raw Hamnunah führt aber als Muster das Gebet Chanas an, das er Satz für Satz zitiert, um zu beweisen, daß Ruhe und Anstand dem Gebete ziemen .1N^'2N2 1^>1p rP2Srfr 112«v JN2Ö Das kann aber dem Zusammenhangs nach sich lediglich auf das Achtzehngebet beziehen. Rabbi Akiba begann, wenn er für sich betete, sein Gebet an einer Ecke und fand sich beim Schluffe desselben, infolge der in tiefer Andacht unbewußt ausgeführten Bewegungen, in der entgegengesetzten Ecke (ebenda). Baalschem Tow, der Begründer des Chassidismus, sagte, er wundere sich, daß er nach dem Gebete überhaupt noch lebe, nachdem er das ganze Herz und die ganze Seele mit seinem Gebete ausgegosien hatte. Es dürfte dem Sinne des Artikels keineswegs widersprechen, wenn wir ergänzend hinzufügen: die Bewegung während des Gebetes, sofern sie aus tiefer Empfindung entspringt, als Folge tiefer Andacht oder als Mittel zu einer solchen, kann nicht unter dem Gesichtspunkte des Anstands gewertet werden. Unanständig, häßlich und absolut verwerflich ist es freilich, den Gottesdienst durch Sichumdrehen und Unterhaltung zu stören und damit sich und andere um die wahre Andacht zu bringen. 302 as aus ehrlicher», tiefem Gefühl kommt, farsrt aller aus tzerr 8^aihl»ar ullhl störeul» mrrleu, souireru mujj, im Gegenteil ovn anregender und belebender Wirkungauf seine Andacht sein. Familiennachrichken. Barmizwo: Paul, Sohn des Herrn Sigmund' Singer» Röderbergweg 32. Samstag, 8. Mai er Synagoge Börneplatz.