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Der Israelit · 1926-05-06 · Heft 19 (6.5.1926) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 19 (6.5.1926)
Date
1926-05-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 19 Der Israelit 6. Mai 1926 aus verschiedenen Kolonien die Zuverlässigkeit allgemein bekannt und anerkannt ist, kann man es Jaffaer Orangen wirklich nicht ansehen, ob für sie nainn usw. gegeben ist. Wir hörten dieser Tage, daß in Berlin Jaffaer Orangen in größeren Kisten verkäuflich sind. Es ist uns nicht bekannt, ob an diesen Kisten irgend ein Zeichen ist, daß die p«a ni'i^nn nnxa vollzogen sind. Verneinenden Falles dürfte aber dieser Hinweis genügen, um eine entsprechende Signierung von autoritativer Seite zu veranlassen. Da in den fraglichsn Orten die pnxa nva^nn mixa fast öffentlich rechtlich nahezu ven je^em Eigner y«?n Orangengärten vollzogen werden, ist es in diesem Falle gewiß nicht schwer, durch den zuständigen Ortsrabbiner eine religiöse und technisch einwandfreie Kennzeichnung vornehmen zu lassen. In ähnlicher Weise wäre bei Kleidung irgend ein Kennzeichen der Zuverlässigkeit (kein nvpw usw.) notwendig. Außer auf die wirtschaftliche Organisation zum Bezug von Landesfrüchten und Erzeugnissen darf auch aus die religiös-moralische Notwendigkeit der Beschäftigung und Ausbildung jüdischer Arbeitskräfte hingewiesen werden. Einer der ergreifendsten, traurigen Eindrücke in war, als dem Verfasser gegenüber von privater Seite der Standpunkt vertreten wurde, die Mädchen brauchten nicht min i"n zu lernen. Und einer der ergreifendsten — trotz allem Schmerze — freudigen Eindrücke war es, als die Schwägerin eines der Großen im Osten gelegentlich einer Unterhaltung über die apy n'2" Schulen von selbst ungefähr die Worte sprach: „Ach, wären nur die aps?' n'a - Schulen 20 Jahre früher errichtet worden." Und als der Verfasser diesem unerfüllbaren Wunsche beipflichtete und ferner bemerkte, wenn jemand vor 20 Jahren in Warschau oder Lublin diese Forderung ausgesprochen hätte, so wäre er „gehargent" worden, war diese kluge Dame — sie ist schon Großmutter — ehrlich genug, dies zuzugeben.*) Nicht tausende, sondern Myriaden von Seelen — ohne jede Uebertreibung — wären gerettet worden, wären diese apsp n'a- Schulen 20 oder 30 Jahre früher errichtet worden, denn die sittlichen Folgen der völligen Unbildung eines großen Teiles der Mädchen in Galizien usw. waren schon lange vor dem Kriege sehr betrübliche. Es handelt sich weniger um die Masse als um die Tiefe des Wissens bei diesen meist sehr begabten Mädchen. Und man wird bei diesen UNäbchsn tm Qft&ri tote trt z. 95. birvch bte *) Anmerkung: Der Verfasser bat bereits im Jahre 19'9 in d?r Oeffenilichkeit auf diese furchtbaren Gefahren und Krankheitsherde Angewiesen, ist aber damals noch von einem deutschen Laienführer der No. Iisr sanft getadelt worden. Vom Zählen. Von Rabbiner Dr. W. Lewin in Kamöurg. »naan 22b K'an jnin p 11'»' Lehre uns recht zählen unsere Tage, daß wir gewinnen ein weises Herz." Der diese Worte zum ersten Male gesprochen, das ist Moses gewesen, dessen irdisches Sein sich unerreicht hoch über alles Menschenleben erhoben — durch die Fülle der Ausgaben, die jeder Tag und jede Stunde ihm gebracht wie durch die Macht der Ideen, die sich an seinen Namen geknüpft. Ein Mensch nur, wie alle anderen Erdenkinder aus Fleisch und Blut, mit Leidenschaften und Trieben, mit Mängeln und Schwächen, hat er diese überwunden und ist er zum 'p’pan F’N geworden, zum Manne Gottes, der schon hienieden die Sinnlichkeit abgestreist und der Gottesschau gewürdigt worden. — Den Himmel für sein Volk aus Erden zu pflanzen, daß es werde Gottes Volk, dieser Aufgabe diente n nm im? mm? sim?, mn imsi stincr Kraft, opferwillig, voller Hingebung unv Selbstverleugnung» unerschöpflich in feiner Geduld und niemals verzweifelnd an Israel, ob es auch hundertmal sich hartnäckig aufgelehnt und des Meisters Ruhe auf eine harte Probe gestellt. Er war des Göttlichen und Heiligen inne und für die Lektüre des dem Griechentum — auch sin seinen edelsten Formen — gerechtwerdenden Aufsatzes von Samson Raphael Hirsch: „Der Hellenismus und das Judentum" (vielleicht unter Beifügung von Proben der edelsten attischen Philosophie) weit mehr erreichen als durch die Lektüre von hundert schulmeisternden Aufsätzen, die lange Aermel, Scheitel usw. postulieren, ohne in der ganzen Tiefe den Gegensatz zwischen Griechentum und Judentum klarzulegen. Diesen Gegensatz erlebt man übrigens packend, wenn man aus Haifa mit seinen verschleierten Araberinnen direkt nadj Könstänlrnöstsl lllä Pä?l-8 lll ÄAp llstüdö triumphiert, und man kann nur bedauernd seststellen, daß sehr viele unserer Schwestern mehr oder minder geschmacklos zwischen dem jüdischen und dem griechischen Sessel sitzen. S. R. Hirsch hat sehr scharfe Worte gegen auspeitschendes Schrifttum gesunden, aber er und seine geistigen Kampfgenossen haben sich nicht nur auf das Negative beschränkt. Sie haben auch ein großes positives Programm aufgestellt, einerseits in der Forderung einer reichen jüdischen Bildung und andererseits in der Anerkennung der Werte edler außerjüdischer Dichter und Denker; man lese die berühmte Schillerrede. Spätere haben mit vollem Recht an der Verurteilung der Alliance-Schulen usw. festgehalten. Aber worin besteht das positive Programm der späteren Jahrzehnte? Aber nicht nur die jüdische Unbildung, das Fehlen des Unterrichts in nun ist an der Verwilderung von Mode und Sitte und an der so häufigen Widerstandslosigkeit gegenüber schlimmen Einflüssen schuld. Eine weitere Wurzel des Uebels ist auch — und ich darf diese Feststellung ganz besonders im Hinblick auf die reiche Persönlichkeit meiner durch großes jüdisches Wissen wie durch praktische Lebenskenntnis ausgezeichneten Gattin Vst schreiben —, daß bei den Mahlzeiten, bei festlichen Anlässen usw. die Frauen und Mädchen völlig getrennt von den Männern in anderen Räumen sitzen. In diesen etwas luft-, d. h. thoraleeren Köpfen und in diesen etwas luft-, d. h. thoralosen Sälen, in denen die edlen und reinen min nm der Männer meist akustisch und vor allem mangels Kenntnissen geistig nicht verstanden werden, ist natürlich sehr viel Platz für Gespräche über Mod'e usw., und in diesen Köpfen, in denen keine oder fast keine jüdischen Bildungshemmungen sich vorfinden, kann natürlich das Gift schon eines einzigen schmutzigen Nornanes sin für ollsrnal dsn Untergang be- ^gc!n. Der Verfasser ist sich klar darüber, daß er wegen dieser Darlegungen vielleicht von mancher Seite „gehargent" wird und hält es trotzdem für feine Pflicht, nicht zu schweigen; man kann ja aufrichtigerweise feststellen, daß nicht nur bei uns in Deutschland vielfach große Thoragelehrte auch ihre Töchter die Worte des Vaters mithören lassen, sondern auch im Osten vereinzelt Väter ihre Töchter am „Quell des reinen Wassers" mittrinken lassen. (Schluß folgt.) tVochenrunbschau. mmwmama Zur Frage des Reichsverbandes. Wie aus dem in der vorigen Nummer des „Israelit" verösfentlichten Berichte aus Berlin ersichtlich, ist in der dort stattgehabten Versammlung fast sämtlicher jüdischer Gemeindeverbände des Deutschen Reiches die Gründung eines Reichsverbandes auf dem Wege der Zusammenfassung der Einzelverbände grundsätzlich beschlossen und eine lögliedrige Kommission gewählt worden, die einer weiteren Versammlung über die Verfassungsgrundlagen des neuen Verbandes im einzelnen Vorschläge unterbreiten soll. Es ist ein charakteristisches Zeichen für die bereits früher von uns hervorgehobene innere Gegensätzlichkeit der nebeneinander arbeitenden ehrgeizigen Verbände, daß die Gründung des neuen Reichsverbandes, eigentlich wider Willen allen Beteiligten, als eine Art Gegendemonstration gegen das Vorgehen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und seines Diktators, des Herrn Jsmar Freund, erfolgen mußte. Entgegen allen in München getroffenen Abmachungen hatte Dr. Freund nichts Besseres zu tun gewußt, als den D. I. G. B. durch eine eigenmächtige Aktion bei der Reichsregierung als geeigneten Ersatz an die Stelle des damals ins Auge gefaßten Verbandes der Verbände in Vorschlag zu bringen, und es blieb, um diese offenbar schon weit gediehene Aktion zu vereiteln, den versammelten Verbänden nichts anderes übrig, als schleunigst die Konstituierung des Reichsverbandes auf den ursprünglich in Aussicht genommenen Grundlagen im Prinzip zu beschließen. Wir haben uns über die Frage des Reichsverbandes kurz nach der Münchener Tagung bereits geäußert und möchten erneut darauf Hinweisen, daß für die geseße streue Judenheit in r berliner!8er§annn!ung durch den Halberstädter Gemelndebund vertreten worden ist, an und für sich ein Bedürfnis nach einer neuen organisatorischen Zusammenfassung im Reiche nicht vorliegt. Der Bund hehrsten Aufgaben und Ziele bestimmt, dieweil fort und fort ihm das Gebetswort von den Lippen floß: .Lehr' uns recht zählen unsere Tage, daß wir gewinnen ein weises Herz ' Nicht Gold und Gut erfleht er. nicht dem, was Macht und Größe verleiht, gilt fein Sehnen und Ringen. Schaffen nur und streben für Gott und sein heiliges Gesetz, das wurde der Inhalt seines Lebens, und das macht Moses zum Lehrer aller Zeiten und zum Beispiel und Vorbild aller Geschlechter.... Zählen und rechnen, wägen und messen, das sind uns gar wohl vertraute Begriffe. Wir messen unsere Kraft und zählen die Erfolge unseres Schaffens, wir rechnen, wie wir meistern können, was sich nicht beugen will unserem Willen und wägen und prüfen auf der Wage nnserer Erfahrungen, um neue Energie zu sammeln . . . Das ist wohl alles so menschliche Natur und Wesensrichtung des Erdenstandes. daß Zahl und Menge zum Hebel seines Fleißes und seiner Schaffensfreude wird. Ist das aber auch schon Zeugnis seiner Menschenwürde, Entfaltung seiner gottentstammten Natur? Triumphiert das Göttliche in uns, wenn wir ringen um das. was uns Erfolg und Genuß verheißt und Macht und Ehre uns sichert? Ist das Ausfluß der Herzensweisheit, wie sie Moses erfleht —, wenn irdischer Glanz und Flitter unfern Sinn betört und unser Auge blendet, daß wir das Mittel schon als das Ziel nehmen und die Schale für den Kern? WNfksOkkZ «nö ekrsksnvMknsmn bkklmsm wir nur dann, wenn wir vllö Leben richtig werten, wenn wir es begreifen in feiner Endlichkeit und wir mit unserm flüchtigen Sein einzumünden suchen in den Strom des Ewigen, des Unendlichen. Knüpfen sollen wir unser dahineilendes Leben an das Reine und Heilige und darum beten. wie Moses uns beten gelehrt: „Lehr uns recht zählen unsere Tage, damit wir gewinnen ein weises Herz U Und das ist auch der Sinn der ni'so. die da uns zur Pflicht gemacht jwird durch das Wort der Schrift: anisvi« »Und zählt euch, für euch." Lernet so zählen, die Tage und die Wochen, daß ihr euch selber erhebt über den Alltag und euer Sein zu heiligen und zu weihen den Ansporn gewinnt. Vom nvs zum nijnap hin. Das ist die Weisung: Don der Freiheit zum Gesetz, oder keine wahre echte Freiheit ohne Bindung, ohne Verpflichtung. Wie in der Natur gerade zur Zeit der m'Sö sich neues Leben entfaltet und zur Blüte gelangt, so soll die Zeit des Zählens uns mit jüdischem Lebenswillen erfüllen, daß wir Werte der Ewigkeit schaffen und das eigene Ich in uns zur wahren Geltung bringen. Wir sollen's erfassen, daß die Bedeutung des Lebens nicht zu bemessen ist nach seinen äußeren Zufälligkeiten, sondern nach dem Inhalt, den sein Träger ihm verliehen, ob er sich selber ewige Werte zu sichern verstanden hat. — Die Zeit zwischen nvs und niyiatp ist mit Blut in den Annalen unserer jüdischen Geschichte verzeichnet. Sie erinnert an die vielen, vielen, die wildem Fanatismus zum Opfer gefallen und ihren Glauben mit ihrem Leben bezeugt haben. Hätten diese Märtyrer gezählt und gewogen, wie die Menschen gewohnt sind zu zählen und zu wiegen, vergessen wären sie. gemein aus asm mm ast SiVMM» m lwklr weil sie jüdisch zählten» hur ihr Heldentum immer neuen Opfermut in Israel erzeugt, daß wir das ll^iu ay blieben, das Volk der Ewigkeit, das von Gottes Ruhm und Ehre singt und aus dem Jungbrunnen seiner nun immer neue Kraft zur Bewährung schöpft. So erblüht uns aus der Zeit der

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