Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1926)
- Date
- 1926-05-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M., den W.'zj«Ms Oer Israeli «[j| Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum wS III 5Rpflrilnhpf nrm <E)t Qohmimn In sHIrtlna tl 1 M Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. 's« Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Bierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 13 Fr.; Belgien 13 Fr.; Holland 2 fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 35 Din.; Litauen 7.30 Lit.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5^Fr.; Tschecho-Slowakei 23 Kronen; Ungarn 30000 Kronen; Dänemark 3 Kronen; .. Norwegen 5 Kronen; Schweden 3.50 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die siebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 75 mm breite ReHaniezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textseite 2.— Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Franks a. M., Gr. Eschenheimer Straße 23, Tel. Hansa 3312 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Geschäftsanzeigen: Jul. Schmidt, Langestratze 7, H. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79605. — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18424.— Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Böhmische Unionbank in Prag - Banca Marmarosch Blank & Cojn Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflrchtungen ist Frankfurt a. M. In Crcz )isrdöl. Don Ar. Eugen Araenkcl' in München. Wenn man in einer orthodoxen Zeitung, in einem Zentralorgan für das orthodoxe Judentum, Eindrücke über eine Palästinareise veröffentlicht, so muß der Schreiber besonders vorsichtig sein. Unter den Lesern befinden sich viele Thotagrößen und durch jüdisches Wissen hervorragende Laien, deren Anschauungen hinsichtlich zahlreicher mit zusammenhängender Fragen erheblich auseinandergehen. Der Verfasser darf daher vorausschicken, daß er über seine sehr starken Eindrücke ausführlicher in einem vertraulichen Memorandum z. G. berichten wird und hier manches, was zu Mißverständnissen oder Polemik Anlaß geben könnte, unterdrückt, aber in dem, was er bringt, die subjektive Wahrheit zu sagen sich bemüht. Der Gesamteindruck läßt sich zusammenfassen in den Worten, mit denen der spezielle Teil des Mincha-Gebetes am Sabbat nachmittag beginnt: „Du bist einzig und Dein Name ist einzig und wer ist wie Dein Volk Israel ein einziges Volk auf Erden." Auf diesem lichten Untergrund finden wir freilich viele Schatten. Und gemäß'dem bewährten jüdischen Grundsatz: „Rüstet Euch und dann rüstet andere" wollen wir zunächst die Schatten innerhalb der Orthodoxie betrachten. Der erste Eindruck, der sich uns schon vor der Reise und auf dem Hinweg aufdrängt, ist der einer Kräftezersplitterung — schon innerhalb der OrlkMoxic. Wer t«uu nun eigen*K«$ eine autoritative Auskunft Uber vas Kuschruth auf d?n bi° rekten Dampfern Triest—Jaffa geben? Der Hamburger Verein, die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, das Oberrabbinat in Jaffa usw.? Tatsächlich ist zu sagen, daß wir uns, nachdem die Auskunft verschiedener europäischen Stellen kein ausreichend günstiges Bild ergab, in Triest selber umsahen und daß der Schauchet in Triest wie der 'Maschgiach auf dem „Trento" einen sehr günstigen "Eindruck machte. Die nicht kleine Mühe der Erkundigungen in Triest hätten wir uns erspart, hätten wir schon dort gewußt, was wir erst in Jaffa-Tel-Awiw erfuhren, daß der bekannte Jaffaer Oberrabbiner Aronsohn die Aufsicht über das Kaschruth auf den direkten Dampfern Triest— Jaffa des Lloyd Triestino grundsätzlich übernommen hat und nunmehr nicht nur auf dem Trento" unter dem Maschgiach Melchior, sondern auch auf den beiden anderen Schiffen bezüglich Der Mllschgichim Die Wünsch? des D-rfs-rer Oberrabbinats erfüllt sind. Cs ist Pflicht der Gerechtigkeit und Recht der Pietät, festzustellen, daß der Lloyd Triestino, der diese Linie auf Anregung meines Vaters einrichtete, großes Entgegenkommen bezüglich der Wünsche des Maschgiachs zeigt. Dafür, daß eine Zeitlang auf einem anderen der direkten Dampfer ein inzwischen abberufener nicht genügend pflichtbewußter Maschgiach waltete, ist wirklich der Lloyd Triestino nicht verantwortlich. Um ganz sicher zu gehen, empfiehlt es sich, vor Antritt der Reise beim Oberrabbinat in Jaffa unter Benennung des Schiffes anzufragen. Auf der anderen Seite muß 'von*? Viwoa gesagt werden, daß auf dem rumänischen Schiff „Dacia" das sogenannte Kaschruth nicht im entferntesten festgestellt werden kann. Wollen wir noch ein wenig bei der Magenfrage stehen bleiben: Vor unserem geistigen Auge erblicken wir am 1. Tage Peßach einen frommen würdigen Familienvater, zu seiner Synagoge wandernd und dort nach dem Schacharith-Gebet das -101» mit dem Tal-Gebet andächtig betend. Er betet: ^s-irr mn1? *|n bv „Tau gib zum Wohlgefallen Deines Landes" und weiter nw ms h\s msanVi jitob pan ns mo»ai nmo* „In Tau entbiete ein gutes und gekröntes Jahr, die Frucht des Landes zur Hoheit und zur Pracht . . ." Nach beendigtem Gebet kehrt unser Beter heiter in sein festlich geschmücktes Heim zurück. Sofort spricht er das Envp über trefflich mundenden Ungarwein, sodann die K'sia über Mazzoth aus bestem amerikanischem Weizsrrrnshl. Nach vollendetem Mahle verspeist er noJj an» a-.* «liie köstlichfflflmftfjO OMIM und verteilt seinen freudestrahlenden Kindern eine Tafel Schokolade, die an den Ufern des Genfer Sees hergestellt wurde. Und dabei merkt dieser Beter nicht, daß zwischen seinem Gebet und seinem Tun eine Lücke der Unwahrhastigkeit klafft, daß er ebenso gut Palästinawein, aus der Haifaer Fabrik vorzügliche Mazzoth, köstliche Jaffa-Orangen hätte genießen und seinen Kindern sogar trefflich schmeckende Pralinen aus jüdischpalästinensischen Fabriken hätte verteilen können. Aber nicht nur um deswillen, weil gegenüber dem Schöpfer die 2. Brochoh unseres Tischgebetes wahrer und herzlicher klingt, wenn der Beter die Früchte des norni nmo man pK nicht — unbewußt oder bewußt — boykottiert, nicht nur, um deswillen, weil aus diesen Früchten, an denen die pan rvrV?nn mxa vollzogen wurden, auch ein ideelles Fluidum in den Organismus des Gerttejjers übergeht, ist '-,0 ZU kaufen, sondern vor allrm auch NM besrvrllen^ rr>ell ÖU¥ff) Deinen Kauf einer Tafel Palästina-Schokolade der Unternehmer veranlaßt wird, eine weitere jüdische Arbeiterin einzustellen und diese dadurch von der Alternative befreit wird, entweder körperlich zu verhungern oder moralisch unterzugehen. Verzeihung, lieber Leser! Aber wenn Lessing den Vater der Emilia Galotti in der furchtbaren Wahl zwischen dem Tode oder dem moralischen Untergang seiner Tochter die Worte sprechen läßt: „Wer über gewisse Dinge seinen Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren", dann darf vielleicht in einer orthodoxen Zeitung die Wahrheit wenigstens angedeutet werden. Der Segensspruch über das Land findet sich nicht nur in unserem Tischgebet, er findet sich auch unter den Segnungen, die Jisroels Jünglinge und Jungfrauen in der weihevollsten Stunde ihres Lebens, unter der Chuppoh hören. Und doch wird auch dieser Segensspruch zu einer — meist unbewußten — Lüge, wenn die Ausstattung der Braut aus wunderbaren Brüsseler Spitzen, aus bestem böhmischen Leinen besteht, aber die Arbeit von Zijons Töchtern boykottiert wird. Gewiß, man sagt einen Augenblick „omen", wenn der die Kidduschin erteilende Raw den Segensspruch schließt: „Gepriesen bist Du, Ewiger, der erfreut Zijon in ihren Kindern", und man kann dann diese Kinder beruhigt materiell und moralisch zu Grunde gehen lassen. Und doch ist die Wahrscheinlichkeit, Menschen vor dem Ertrinken zu retten, nirgends so groß als in den Nähstuben von Jerusalem usw. Die Wllschö, MMr, Tischvellen usw. sind gudsm billiger und meist geschmackvoller als in Europa. Selbst die Herrenkleidung ist vielfach billiger und wir hörten von einem Bekannten, der sich dort Kleidung für ein halbes Jahr vorgekauft hat. Zur Organisation dieses Bezuges von Landesfrüchten und Landeserzeugnissen erscheint uns, ebenso wie dem Wirtschaftsamt der Agudas Jisroel in Tel-Awiw, die Errichtung einer jüdischen Handelskammer in Tel-Awiw, wünschenswert. Diese jüdische Handelskammer sollte aber zweckmäßigerweise als Unterorgane Handelskammern in allen Hauptstädten der Welt unterhalten, ebenso wie wir etwa eine Deutsche Handelskammer in Zürich usw. finden. Politische Aufgaben hätten solche Handelskammern selbstverständlich nicht, wohl aber in gewissem Umfange religiöse: denn wenn auch bei den Weinen 1