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Der Israelit · 1926-04-29 · Heft 18 (29.4.1926) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 18 (29.4.1926)
Date
1926-04-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 18 „Der Preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden (Sitz Halberstadt) bedauert, unter Bezugnahme auf die im Laufe der Erörterungen ausführlich dargelegte Begründung, ein Mitglied in den AllgMk nitijt entfmen tu rönnen, efflörr m nßer bereit, zu bert Verhandlungen des Ausschusses einen mitberatenden Gast zu entsenden." (Wir kommen auf die Frage des Reichsverbandes zurück. Red.) Der Prozeß Max warburg gegen Theodor 5rttsch- Hamburg, 15. April. Heute fand vor dem hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg die Revisionsverhandlung in dem politischen Beleidigungsprozeß statt, den die beiden Hamburger Bankiers Max M. W a r b u rg und Dr. Karl Melchior gegen den Herausgeber der antisemitischen Zeitschrift „Hammer", Theodor Fritsch, angestrengt hatten. Die Revisionsverhandlung führte zu einer vollen Aufhebung des in der zweiten Instanz ergangenen Urteils, indem der Schutz des Paragraphen 193 dem Angeklagten nicht mehr zugesprochen wurde. Auch die von dem Angeklagten Fritsch eingereichte Revision wurde verworfen. Nunmehr wird also der Prozeß gegen Fritsch noch einmal zur Verhandlung kommen. Zum Problem der Lehrerbildung. C ö l n , 27. April. Wir erhalten soeben die'Nachricht von nachstehendem Ministerialerlaß an das Provinzialschulkollegium in Coblenz. „Auf den Bericht vom 30. März d. Js. II. 4137. Wiewohl ein Mangel an Lehrern für die vorhandenen jüdischen Volksschulen bisher hier nicht festgestellt worden ist, will ich mich unter den obwaltenden Umftönößn augMmsweisö damit einverstanden erklären, daß kn die zweite Klasse des privaten jüdischen Lehrerseminars in Köln Ostern d. Js. Schüler und Schülerinnen, welche eine ausreichende Vorbildung Nachweisen, ausgenommen und nach erfolgreichen Besuch der beiden obersten Seminarklassen Ostern 1928 zur staatlichen Entlassungsprllfung nach den Bestimmungen der Prüfungsordnung vom 1. Juli 1901 zugelassen werden. gez. Becker." Danach ist also bis zur Klärung des Problems, wie jüdische Lehrer in Zukunft ihre Ausbildung zu empfangen haben, ob an jüdischen Akademien oder durch jüdische Dozenturen, die an allgemeinen pädagogischen Akademien zu errichten wären, eine Notlösung, eine Zwischenregelung in dem Sinne getroffen, daß vorläufig noch werdende Lehrer und Lehrerinnen am Jüdischen Lehrerseminar in Köln vorgebildet werden dürfen. Abiturienten und Abiturientinnen können noch bei sofortigem Eintritt ins Seminar in die oberste Klasse ausgenommen werden. Für die Interessen des gesehestreuen Judentums in Baden! Karlsruhe, 23. April. Der Vorstand des „Vereins zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden" hat in letzter Zeit in längeren Besprechungen die bisherige Vereinstätigkeit und die Wege zu künftiger Arbeit ausgiebig erörtert. Ein Arbeitsausschuß, bestehend aus den Herren Dr. S. L e v i -Mannheim, Lehramts-Assessor Karl D a r m stä d t e r -Ladenburg und Dr. med. Michael W ürgburger -Mcrrere^eirre rourbe gebildet unb mit Der löcarDeitung aller augenblicklich zur Erörterung stehenden Fragen betraut. Im Juni sollen auf einer Generalversammlung alle die Richtlinien aufgestellt und alle die organisatorischen Maßnahmen getroffen werden, die für die künftige Vereinsarbeit notwendig sind und die die gesetzestreuen Kreise Badens von einer derartigen Vereinigung erwarten dürfen. Jedenfalls muß die Erwartung ausgesprochen werden, daß den Wünschen weiter Kreise nach intensiver Tätigkeit des Vereins auch deren Opferbereitschaft entspricht; denn selbst wenn in den letzten Jahren so gut wie keine Vereinsarbeit geleistet worden ist, so muß doch die Erinnerung an weiter zurückliegende Jahre, und an die Kämpfe, die die leitenden Männer des Vereins damals für die Emunoh zu bestehen hatten, alle Freunde der gesetzestreuen Sache in Baden zu erhöhter ideeller und materieller Hilfsbereitschaft für den Verein anspornen. Wer es noch nicht getan hat in Baden, sende noch vor Der Israelit nunatb seinen Beitrag an Herrn Samuel I e s e l s o h n nach Neckarbischofsheim (Baden). Mit ideeller und materieller Unterstützung wird s. G. w. auch in Baden die Emunoh weitere Blütezeiten erleben. Die t)e\i\d)en (Semembceerbänbe unb bte Lek)tev. Darmstadt, 20. April. Am 19. April fand eine aus allen Teilen der Provinz Starkenburg zahlreich besuchte Versammlung jüdischer Lehrer statt, um über die zurzeit in Hessen brennend gewordene Frage des Zusammenschlusses der Religionsgemeinden zu beraten. Nach eingehender Aussprache erfolgte die einmütige Annahme nachfolgender Entschließung: „Wir stehen vor der vollendeten Tatsache der Gründung zweier jüdischer Gemeindeverbände im Freistaate Hessen. Da in dem Landesverband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens die liberalen Großgemeinden eine dominierende Stellung einnehmen, während andererseits die Jsr. Religionsgesellschaften, sowie zahlreiche gesetzestreue Mittel- und Kleingemeinden des Landes ihm nicht angehören, ist dieser Landesverband in Wirklichkeit als ein liberaler zu bezeichnen. Die Belange des gesetzestreuen Judentums können deshalb nur in dem Hessischen Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden gewahrt werden. Wir erwarten jedoch, daß in allen Fragen nicht religiöser Natur, insbesondere in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht, sowie hinsichtlich der Erlangung eines Staatszuschusses, die beiden Verbände möglichst zu gemeinsamem Vorgehen sich verständigen." Israelitische Lehrerbildungsanstalt. Würzburg, 27. April. ' Die satzungsgemäß alljährlich stattfindende Visitation des jüdischen Unterrichts an der israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg wurde in diesem Jahre von hsrn Äurcrtorlurnsrnttgskebe!8ezlrksrüßßill4i^ 88 ä h I - gemuth -Kitzingen vorgenommen. Sie ergab wiederum ein sehr befriedigendes Resultat. Die Renaissance des Thorastudiums, die seit einigen Jahren in Deutschland eingesetzt hat, und weite Kreise mit einem neuen Geiste der Liebe zum „Lernen" beseelt, hat auch die künftige Lehrergeneration erfaßt, die auf dem Würzburger Lehrerseminar ihre Ausbildung empfängt. Der gründliche und gediegene, hingebungsvolle Unterricht in den Religionsfächern — täglich mindestens 3 Stunden — im Verein mit der Begeisterung der Schüler für das „Lernen" hob den Stand des jüdischen Wissens auf ein beachtliches Niveau. Nicht nur in Pentateuch mit Raschi und anderen Kommentaren, T'nach, Mischna und Dinim zeigten die Schüler gute Beherrschung des Stoffes und Meisterung der sprachlich-technischen Schwierigkeiten, sondern auch auf dem Gebiete des talmudischen Unterrichts bewiesen sie die Fähigkeit, den Stoff (Gemoro mit Raschi und ausgewählten Tossafoth) nach der technischen und logischen Seite zu bewältigen. Hervorzuheben ist, daß die logische Durchdringung und das Verständnis des Verhältnisses der einzelnen Lehrmeinungen zu einander den Schülern wesentlich durch die geschichtliche Betrachtungsweise erleichtert wurde, zu der sie im Unterricht durch Vermittlung der Kenntnisse über die Generationen der Tannaiten und Amoräer und späterer Lehrer angehalten wurden. Es überraschte, daß Schüler, die mit einem ganz geringen Maß von jüdischen Kenntnissen in das Seminar eingetreten waren, schon nach einem Jahr befriedigende Erfolge auch auf talmudischem Gebiete aufzuweisen Ratten. Söejonbere 2fnert ennuncj oerbient es, bajj gco-ei Herren, Die nach Absolvierung De3 Seminars Den Fortbildungs(Jeschiwa)-Kursus ein Jahr lang besuchten, ihre Befähigung, ein mittelschweres Stück aus dem Talmud selbständig zu erarbeiten, darlegten. Der eine dieser Absolventen wurde aus Grund seiner Kenntnisse bereits für die Erteilung des Unterrichts in der Unterabteilung der Hoffmannfchen Jefchiwoh in Frankfurt a. M. angestellt. Da auch zwei Absolventen des vorjährigen Jeschiwakurfus in ähnlichen Stellungen erfolgreich fungieren, der eine als Talmudlehrer an der Talmud Thora- Präparandenschule zu Höchberg, der andere an den Schulen der Adaß Jisroel in Berlin, dürften die vertiefende Neugestaltung des jüdischen Unterrichtes und die Führung des anschließenden Jeschiwakursus am Seminar zu Würzburg die Feuerprobe der Leistungsfähigkeit und Notwendigkeit bestanden haben und die israelitische Lehrerbildungsanstalt Würzburg, wie auch immer das Problem der Lehrerbildung sich entwickeln wird, eine 29. April 1926 , Lebensnotwendigkeit für das deutsche Judentum ßarstellen. Münchener Brief. (Sott unfevettt Äcrrerpöttbentcit.) Ät ü re e n f 23. Die Wahlen zum Landesverband der jüdischen Gemeinden Bayerns finden im Monat Mai statt. Bei dem hier gültigen idealen Verhältniswahlrecht müssen Listen eingereicht werden, und bei der Aufstellung dieser Listen kommen bekanntlich weniger die Wähler in Frage, die wohl oder übel nach den ihnen vorgelegten Listen wählen müssen, als die Parteivertreter, die diese Listen aufstellen, was begreiflicherweise nur in kleinerem Kreise geschehen kann. Wird nur eine Liste eingereicht, so entfällt die Wahl überhaupt, und es ist daher der begreifliche Wunsch der maßgebenden Persönlichkeiten, einen Wahlkamps zu vermeiden, der Zeit und Geld kostet und der unter Umständen auch diesem oder jenem Herrn gefährlich werden könnte. So ist auch dieses Mal geschehen, die drei in Frage kommenden Parteien, Liberale, Zionisten und Orthodoxe (letztere leider unter dem Decknamen Volkspartei, der sie zu Wahlzwecken verbündet) haben sich gegenseitig ihren Besitzstand garantiert, man hat den Ausländern gütigst einen Sitz eingeräumt, nachdem man ihnen das aktive Wahlrecht bewilligt, ihnen aber das passive kraft einer glücklich gefundenen gesetzlichen Bestimmung, über die man ja nicht hinaus kann, sorglich vorenthalten, und es ist alles in schönster Ordnung. Nur muß man, um das Gesicht zu wahren, den in dem Verein Ohel Jacob zusammen geschlossenen Orthodoxen doch wenigstens sagen, welche Leute gewählt werden, oder besser gesagt, ernannt werden, denn eine eigentliche Wahl findet ja nicht statt, und so fand sich denn gestern Abend eine leider nur kleine Zahl Mitglieder zusammen, um die Schritte des Vorstandes zu billigen. Hierbei kam es leider zu einem sehr bedauerlichen Möinunggstroit. ößp aber recht deutlich zeigt, wohin die Orthodoxie mit ihrer so sehr beliebten Kompromißpolitik gerät. Einige Zionisten von unzweifelhaft durchaus orthodoxer Gesinnung wünschten einen der Ihrigen als Vertreter von Ohel Jacob zu sehen, wozu sich ein großer Teil des Vorstandes ungeachtet aller persönlichen Achtung und Freundschaft für den zionistischen Kandidaten aus wohlerwogenen prinzipiellen Gründen nich: verstehen wollte. Der Kandidat selbst betont seit langem seine zionistische Gesinnung, er und der Senior der hiesigen Zionisten sind sozusagen die Koscherzettel der hiesigen Ortsgruppe, deren eigentlicher Führer, persönlich ebenfalls ein durchaus konservativer Mann, sich sorgfältig von diesen Fragen fernhält; er bekleidet auch hohe Ehrenstellen in der Ortsgruppe, er darf z. B. bei den Makkabäerfesten die Chanukka-Lichter anzünden, damit neben dem Nationalen auch die Religion nicht zu kurz kommt; er und sein Genosse sorgen auch dafür, daß die Gefühle der Religiösen nicht verletzt werden — aber er ist unzweifelhaft Zionist mit der Prätention, im Landesverband die orthodoxen Interessen zu vertreten. Solange dank der ausgezeichneten Leitung des Landesverbandes Differenzen vermieden werden, und solange die gegenwärtige, dem positiven Judentum sehr günstige Stimmung anhält, wird das auch gehen; sollten aber einmal, was wir ja auch schon erlebt haben, Gegensätze aufrauchen, so wäre der Gewissenskonflikt vorhanden, und man kann natürlich nicht im voraus sagen, ob das orthodoxe Gefühl über die zionistische Einstellung siegen würde. Die Versammlung entschied sich gegen den zionistischen Kandidaten, und brachte damit Unfrieden in die Ver- [ammfung, bet* oermteben morbert »äre, menn her stnntz nicht seit vielen fuhren eine vxpvrtnniMche Pvlistk getrieben hätte. Nur um der prinzipiellen Frage willen, ob Zionisten eine orthodoxe Gemeinschaft vertreten können, wird dieser Vorfall berichtet. Ernstere Sorgen bereitet der Gesamtgemeinde gegenwärtig die neueste Aktion zu Gunsten eines Schächtverbots. Ein hoher Staatsbeamter, dessen dienstliche Tätigkeit seine Zeit anscheinend nicht ausfüllt, hat feit Monaten eine intensive Tätigkeit zu Gunsten des Betäubungszwanges aller Schlachttiere entfaltet, nachdem schon im vorigen Jahre bei Gelegenheit der Generalversammlung des Tierschutzvereins heftige Debatten über diesen Gegenstand stattfanden. Der Tierschutzverein, unterstützt von den deutschnationalen „Münchener Neuesten Nachrichten", an deren Spitze der auch sonst sehr viel von sich vedenmachende Prof. Cosmann (ein getaufter Jude, natürlich!!) steht, hat eine große Eingabe an den Bayerischen Landtag gerichtet, und bei den hie-

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