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Der Israelit · 1926-04-29 · Heft 18 (29.4.1926) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 18 (29.4.1926)
Date
1926-04-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 18 Seite 5 29. April 1926 MllMM MW ötöaffens, Zu Dem er Ti© m irteben suhlt. Diese TöttLgttz sühnte ihk Zrt ütuei^ Religion der Mizwaus, zur stärksten Aktivität im Wirtschafts- und Gesellschaftsleben, ihr tieferer Sinn ist selten erfaßt worden: die Unbedingtheit der inneren Stimme, die zur Tat ruft, im Handeln zu bezeugen, sie nicht durch die Materie und die "Dinge dieser Welt einzuschränken und abzuschwächen; wie die Mizwa geheiligt war durch die Verbindung mit Gott, so sei jede Handlung heilig, die nicht in menschlicher Bedingtheit, sondern in göttlicher Unbedingtheit geschieht. Und die dritte Tendenz ist die der Zukunft. Ueber die Gegenwart hinweg die Zukunft zu denken, als ebenso sicher wie die Vergangenheit, ja mit dieser untrennbar verbunden zu denken, ist ein echt jüdischer Zug. Dem Nichtjuden ist Re Zukunft eine Zeit, von der er nichts weiß, nichts wissen will, eine Zeit ohne ihn, an der er nicht teil hat. Dem Juden ist sie so sicher wie die Vergangenheit, eine Zeit, die er ganz genau kennt, an der er teil hat, an deren Kommen er arbeitet, die seinem Leben einen Sinn gibt und nicht nur seinem, sondern dem Leben, der Geschichte des Volkes, der Geschichte der Menschheit. Denn der Messianismus begründet nicht nur die Idee der Menschheit, sondern auch die der Geschichte. Diese in unserem Blute liegenden drei Tendenzen, die wie die Leidenschaften zu Entartungen führen können und im nibi besonders dazu geführt haben, mit neuem Leben zu erfüllen, eine neue Einheit, eine neue Tat und eine neue Zukunft herbeizuführen, das ist nach Buber der Sinn ^ubentums. Aber auf der Suche nach den Epochen, ln denen sich dieser Sinn des Judentums besonders deutlich offenbart hat, ist Buber etwas Eigenartiges passiert. Die Tücke des Objekts wollte es, daß ausgerechnet die Perioden und Menschen, die nach ihm diesen Sinn, am reinsten verkörpert haben, keinen Platz in der jüdischen Geschichte behaupten konnten. Man denke, welche Ironie! Er, der dem jüdischen Blut die jüdische Substanz, Geist und Lebensmut zuspricht, muß zugeben, daß das jüdische Leben und die jüdische Geschichte über all jene Strömungen, die das echte Judentum widerspiegelten, hinweggegangen ist; Essäertum, Urchristentum, Spinoza haben im Judentum keine Spuren hinterlassen, das schwächliche, zum Tode verurteilte rabbinische Talmudjudentum vor dem Richterstuhl der Geschichte Recht behalten. Diesen Fehler im System Bubers will Brod gut machen. Einig mit Buber in der Anerkennung des mystischen Geheimnisses, das die Grundkraft jeder Religion und unseres Volkes ausmacht, entfernt er sich weit von ihm in seiner unverhohlenen Bewunderung des Talmuds, in seiner Begeisterung für die tiefgründige Lebensweisheit feiner Weifen und in der Anerkennung der nationalen Bedeutung des Gesetzes, das heute wie ehedem an der wunderbaren Erhaltung des Volkes einen geheimnisvollen Anteil hat. Er schöpft aus anderen Quellen wie Buber. So wie er in der Frage nach dem Wesen des Judentums von ihm abrückt, so auch in der nach seinem Sinn, Judentum beschränkt sich nicht auf die Eigenart einer Rasse, es ist vielmehr eine bestimmte Haltung des Geistes, die ihn mitten hineinstellt zwischen mn und rwn hiezwischen iDüsfgifg uhd 3ön[0ita, unD jum TWlMr MKchl an grver Westen.?t>as WesettlltHö tsk für 23TDD das Erlebnis des Diesseitswunders, mittels dessen er sich nicht vor der Materie in die Einsiedelei flüchtet, sondern allem Materiellen einen geistigen Sinn abringt. So sieht er den Sinn des Judentums darin, als n"2pr\h yniw als Kompagnon Gottes durch Vernunft und Gefühl, durch Halacha und Hagada die materielle Welt in gemeinschaftlichem Tun zu vergeistigen, Gott aus einem Gott des Himmels zu einem Gott der Erde zu machen, wie es unsere Weisen von Abraham berichten. Als Rahmen zur Ausschöpfung dieses Sinnes denkt er sich den Zionismus, nach welchem das jüdische Volk sein Leben selbst bestimmen, dem Sinn des Judentums gemäß leben, seine Weltanschauung in die Tat umsetzen kann. Dom BroDfcöen MSsnttlMgk MN Klatzkm auf öen harlM VsSsn D&r Tatsachen UND Der Wirklichkeit. Was sind wir? Ein Volk. Was ist unser Leben? Ein verzweifeltes Suchen nach einem Strohhalm, um uns über Wasser zu halten; denn das jüdische Volk braucht wie jedes andere Lebensformen, die es erhalten und Zusammenhalten. Sprache, Land und Staat sind für es bei seiner Volkswerdung dagewesen und ein normales Volksleben begründet bis zum Ruin des Staates und seiner Wanderung ins Exil. Dann übernahm das „Gesetz" als wandernder Staat die Rolle der Konservierung und ihm gelang es bis zur Mendelssohnschen Zeit die in Ghettis isolierten Juden national zu einigen. Von da an verliert das Gesetz seine Gewalt. Was nützt es, wenn es nicht gehalten wird? Seine Tage sind gezählt, mit ihm die Tage des Volkes, das damit seine letzte Lebensform verloren hat. Denn die Lehre bildet kein nationales Ferment. Selbst wenn alle Juden auf dem Boden der Lehre und Lebensanschauung ständen, selbst wenn sie gegenüber der antisemitischen Verkleinerung und bibelkritischen Zerstückelung allgemeine Anerkennung erlangte, so wäre sie, ja dann erst recht, nicht mehr nationales Gut, sondern Gemeingut der Menschheit, internationale, menschheitliche Lehre, ob sie nun, wie der soziale Teil, bereits praktisch anerkannt, oder, wie der Messianismus, der Zukunft Vorbehalten ist. Der geistige Kern des Judentums als Lehre und Lebensanschauung ist seinem Wesen nach universal, kosmopolitisch, paßt ebenso auf Deutsche wie auf Juden. Soll das Judentum eine Qfiaitort Metbert, so mufe fte, BetJOr biß ÜJiaUßf Des Gesetzes gänzlich tfl> Lebensformen gewinnen, in denen sich sein nationaler Charakter erhalten kann. Ob der Zionismus mit seinem Bestreben, Land und Sprache zu gewinnen, diese starken normalen Lebensformen Herstellen wird können, das ist die Hauptfrage, von deren Lösung Sein und Nichtsein des Judentums abhängt. Jedenfalls ist es der letzte Versuch, es zu wecken, auf Palästinas Boden normales Volksleben, einen normalen Volkstypus zu begründen, dessen Recht und Sinn mit dem allen anderen Nationen zugesprochenen Recht aufs Leben beschlossen ist. Die Juden der Diaspora haben dieses Recht nicht, ihre Assimilation wird weiter fortschreiten, ihr Untergang ist sicher, desto sicherer, je mehr in Palästina ein nationales Leben erblüht. Damit hat Klatzkin den weitaus größten Teil des lebenden Judentums auf den Aussterbetat gesetzt, ein kleiner Teil soll versuchen, auf Grund der Sprache, die noch gar nicht Volkssprache ist und im Lande, das nicht das seinige ist, zu einem Volke zu werden, wie Montenegriner und Albaner Ein trostloser Ausblick nach all den Hoffnungen, die Achad Haam, Buber und Brod erweckt haben. Aber es ist nicht zu leugnen, daß Klatzkin aus den Voraussetzungen, die Buber und Brod statuiert haben, logischere Folgerungen zieht. Bubersches Judentum ist Rasse mit bestimmtem Geist, aber ohne einheitliches Leben. Nach Brod ist es eine Geistesrichtung mit einer nationalen Kultur, aber ohne nationale Bindung. Das sind keine Realitäten, auf denen irgend ein Volk basiert. Er läßt den Sinn und sucht die Entscheidung bei den psychischen Möglichkeiten des Dcr^si^rs. (Schluß folgt.) llonerponaenren « Racbricbten. Gründung eines Reichsverbandes von Gemeindeverbänden. Berlin, 26. April. Am 25. April fand in Berlin eine Versammlung statt, die vom Deutsch-Jsraelitschen Gemeindebund einberufen war und zu der die Vertreter aller jüdischen Gemeindeverbände in Deutschland eingeladen waren. Die Anregung mmlung hatte eine Münchener . S. 3s. MMll. all raeMjcr m Landesverband jüdischer Gemeinden in Bayern. D. I. G. V., der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, Sitz Berlin, und andere Verbände teilgenommen haben. Daselbst wurde folgende Resolution gefaßt: „Der Reichsverband soll baldmöglichst ins Leben gerufen werden. Zu diesem Zwecke treten die bereits bestehenden Landesorganisationen mit dem D. I. G. B. zusammen, mit dem Ziele, alle deutschen Juden der Reichsorganisation anzugliedern. Andere Gemeindeverbände, insbesondere der Halberstädter Bund, sollen sofort zur Mitarbeit bei der Vorbereitung aufgefordert werden. Der Ausschuß besteht aus je drei Mitgliedern des D. I. G. B. und des Preußischen Verbandes, aus zwei Mitgliedern des Bayrischen Landesverbandes und aus je einem Mitglied der übrigen Vereinigungen. Die von den Verbänden gewählten Vertreter handeln im Aufträge ihrer Verbände. Der Ausschuß tritt beim D. I. G. B. zusammen." Der Vorsitzende des D. I. G. B., Legationsrat Dr. Sobernheim, überträgt Kammergerichtsrat W o l f f, dem Vorsitzenden des Preußischen Landesverbandes 'jüdischer Gemeinden, Berlin, die Leitung der Versammlung. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, München, als Vorsitzender des Bayrischen Landesveroandes, eröffnet die Erörterung mit dem Ausdruck entschiedener Verwunderung über die vom D. I. G. B. nach der Münchener Tagung und abweichend von denMünchener Beschlüssen unternommenen Schritte. Von dem D. I. G. B. sei nämlich vor einigen Tagen die Mitteilung eingelaufen, daß er bei der Reichsregierung die Anerkennung seiner selbst als Reichsverband öffentlich-rechtlichen Charakters Bram« Bobs, unn ln A«M WM jgsfssn i:i! diese Anerkennung auf Grund des Art. 137 der RölkhSverfassung noch vor dem 25. April d. Js. ausgesprochen werden würde. Während in München festgesetzt gewesen sei, über den Modus der Bildung des Reichsverbandes zunächst in Berlin Bestimmungen zu treffen, habe der D. I. G. B. den in Bayern sehr befremdenden Schritt unternommen, die gegenwärtige Konferenz vor ein fait accompli zu stellen. Dieser Schritt habe in Bayern bei allen Beteiligten niederschmetternd gewirkt und Entrüstung ausgelöst. Die Bayern hätten in Verbindung mit anderen süddeutschen Landesverbänden den Beschluß gefaßt, das Vorgehen des D. I. G. B. zu mißbilligen und den Reichsverband in Form eines Verbandes der Landesverbände i u s L e b e n z u r u f e n. Im Aufträge des D. I. G. B. versucht Dr. Jsmar Freund in ausführlichen Darlegungen das Vorgehen des D. I. G. V. als das am schnellsten zu einer praktischen Lösung führende zu rechtfertigen. Dem gegenüber gaben fast sämtliche Vertreter der Landesverbände ihrem Erstaunen über das Vorgehen des D. I. G. B. Ausdruck. Nach sehr langwieriger Debatte wurde ein 15-gliedriger Ausschuß gewählt, der über die Aufgaben und Satzungen eines Reichsverbandes beraten und einer späteren Tagung zur Beschlußfassung vorlegen soll. Voraussetzung soll die Bildung eines Reichsverbandes durch Zusammenschließung der Landesverbände und des D. I. G. B. sein. Für den Halber st ädter Verband haben die Herren Rabbiner Dr. Munk, Berlin, und Rabbiner Dr. Auerbach, Halberstadt, sowie als Stellvertreter die Herren I. Halber st adt und Jacob L e v y , Berlin, an der Versammlung teilgenommen. War der Vorstand des gesetzestreuen Verbandes sich von Anfang an klar, daß einer Beteiligung an einem einheitlichen Reichsuerbcmbo erhebliche Hemmungen religiöser Natur im SIL«* fMjen. fo gaL ler ülÄUi M Sgü UvsMNgW von Bayern angeregten Einladung Folge, um die Lerlnehmer an der Versammlung über die mit der Schöpfung eines einheitlichen Reichsverbandes für die Orthodoxie erwachsenden Gewissenskonflikte aufzuklären. Andererseits wollten sie auch ihre Bereitwilligkeit erklären, an den öffentlichen Aufgaben in einem Rahmen und einer Form, welche ihre religiöse Ueberzeugung etwa noch gestatten würde, mitzuarbeiten. Die offenen Darlegungen seitens der Herren Rabbiner Dr. Munk, Berlin, und Rabbiner Dr. Auerbach, Halberstadt, fanden anscheinend das Verständnis der Versammlung. Die von einigen Vertretern vorgeschlagenen Ueberbrückungsversuche konnten die Halberstädter Abgeordneten nicht als ausreichend erachten, ihre Gewissensbedenken zu beseitigen. Sie gaben schließlich folgende von der'Versammlung willkommen geheißene Erklärung ab:

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