Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1926)
- Date
- 1926-04-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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22. April 1926 Nr. 17 Seite 5 Für Sieben Mk. 40 Pfg Der Israelit liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern^ Double ohne Fassung, der eigens für Nase und G esichtsbildung hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Äugen dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fachleuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert Lieferung für aUe Kassen. Orthozentrische Kneiler-Gesellschaft, Operaplatz« Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk. an. Schutzbrillen und Kneifer in allen Farben Wenn am Schlüsse seiner Ausführungen Herr M. A. Loeb dann noch bittere Klagen über die Störung seiner Rettungsarbeit der Orthodoxie durch meine Angriffe ausstößt, so sei ihm auch darauf die Antwort erteilt: Niemand mehr als ich beklage es, daß der Reichtum geistiger Fähigkeiten und religiöser Energie, über den er verfügt, an nutzlose Aufgaben von ihm verschwendet wird, die nicht im wahren Interesse der Orthodoxie liegen und ihn zwangsläufig in Situationen versetzen, die besser vermieden werden sollten! Der Deutsch-Isr. Gemeindebund als Reichsverband? Berlin, 20. April. Unter Berufung auf die „geschichtliche Continuität" Hat der D. I. G. B. beschlossen, sich selbst als „Reichsverband der isr. Gemeinden Deutschlands" zu konstituieren um damit den geplanten „Verband der Verbände" überflüssig zu machen. Das Reichsministerium des Innern hüt. MUß Ö6Ü 2. 9. (B- ÜB. Hiiiidili, sich tereii erflari, nach Vornahme einiger Satzungsänderungen ihn als öffentlich-rechtlichen Reichsverband anzuerkennen. (Wenn am gleichen Tage auch die öffentlich-rechtliche Anerkennung des „Bundes gesetzestreuer Gemeinden Deutschlands" erfolgt, wäre gegen diese einfache Lösung nichts einzuwenden; gegen eine etwaige Ueberrumpelung des Ministeriums und die einseitige Festlegung des Reiches auf den D. I. G. B. müßte allerdings aufs schärfste protestiert werden. Red.) Die Gemeindewahlen. Berlin, 20. April. Die Zionistische Volkspartei hat als Spitzenkandidaten Dr. Klee aufgestellt, die Poale Zion Dr. Oskar Kohn. Deülfchnationale gegen „Maß Jisroel". Berlin, 14. April. Die deutschnationale Stüdtverordnetensraktion hat in der Stadtverordnetenversammlung eine Anfrage eingebracht, die sich dagegen wendet, daß der Gemeinde „Adaß Jisroel" gestattet werde, in dem von dieser Gemeinde erworbenen „Siegmundshof" Me Synagoge und Schule zu errichten. Die Anfrage strotzt von antisemitischen Ausfällen. Die Positionen für die jüdischen Gemeinden. B e r l i n, 16. April. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags hat bei der Verabschiedung des Kultusetats 1926 auch den Positionen für die jüdischen Gemeinden in einer Gesamtvon 450 000 Mark (200 OOO Mark pr die Rabbiner und deren Hinterbliebenen und ZOO 000 Mark zur Bestreitung der Kosten des Religionsunterrichts) zugestimmt. Da nun die Positionen für die Synagogengemeinden einen normalen Bestandteil des Gesamtetats bilden, wurde über sie nicht gesondert abgestimmt, sondern sie wurden summarisch mit dem Gesamtkultusetat verabschiedet. Sie werden nunmehr'automatisch in jedem neuen -Budget als-Teilposten erscheinen. Ahndung des Attentatsversuchs gegen die Leipziger Synagoge. Leipzig, 13. April. Das Leipziger Schwurgericht verhandelte gegen sechs .Mitglieder der rechtsradikalen Vereinigung „Frontbann", die . im Oktober v. I. einen Bombenanschlag gegen die Leipziger Synagoge geplant hatten. Es sind dies der Buchhandlungsgehilfe Herbert Reinhardt (Leipzig), der Handlungsgehilfe Max Kirsten (Leipzig), der Goldschmied Rudolf Dupre (Hagen), der Bäckergeselle Walther Roth (Leipzig), der Bäckergeselle Herbert Schöne (Leipzig) und der Landwirt Hermann Krause (Leipzig). Die Angeklagten stehen im Alter von 18 bis 22 Jahren, nur Krause ist 27 Jahre alt. Diese sechs Mitglieder des „Frontbanns" faßten den Plan, zum Reichskriegertag einen Bombenanschlag auf die Synagoge ins Werk zu .setzen. Dtzr Plan wurde von dem Portier Bläske der Polizei angezeigt. Die Aussagen der Angeklagten waren verworren; der eine schob die Schuld auf den anderen. Jöa5 gab dem Vorsitzenden die Veranlassung zu der Bemerkung: „Sie sollen nicht vorspiegeln, daß Sie für das Deutschtum wirken, da der Deutsche in erster Linie über Mut verfügen muß." Erst die Zeugenaussagen brachten einige Klarheit und ergaben, daß Reinhardt und P i r st e n die Urheber des Planes waren. Das Gericht verurteilte die beiden Hauptangeklagten Reinhardt und Kirsten wegen Verbrechens gegen Paragraph 6 des Sprengstoffgesetzes zu je fünf Jahren Zuchthaus und die übrigen vier Angeklagten wegen Vergehens gegen Paragraph 12 desselben Gesetzes zu Gefängnisstrafen von drei Tagen bis zu einem Monat. Den Nebenangeklagten wurde eine dreijährige Bewährungsfrist zugebilligt. Von Aberkennung der Ehrenrechte wurde abgesehen. Pdleit. Amerikareise des Präsidenten des Rabbinerverbandes in Polen. Warschau, 13. April. Ngkki iisrtjtötti LipWgi Der iftaDDiner von KalisH und Präsident des Berbandss der Näbbinse in Pslsn, wurde von der Union der amerikanischen Rabbiner eingeladen, der amerikanischen Rabbinerkonferenz beizuwohnen. Er begibt sich im Verlaufe der nächsten Woche nach Amerika. Rabbi Lipschitz wird der Regierung der Vereinigten Staaten eine Petition des polnischen Rabbinerverbandes unterbreiten, in welcher gebeten wird, daß im Falle von 800 jüdischen Frauen in Polen, deren Männer in Amerika Deklaranten (Bürgerschaftsanwärter) sind, eine Ausnahme gemacht und diesen Frauen samt ihren minderjährigen Kindern die Einreise außer der Quote gestattet werde. (ITA.) Waad Leumi sendet ein Memorandum an den Völkerbund. Jerusalem, 14. April. Der Waad Leumi hat soeben beschlossen, für die Juni-Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes, die in Genf stattfinden wird, einen Bericht und ein Memorandum über die jüdische Arbeit in Palästina zu senden. Das Schriftstück wird durch die Zionistische Organisation im Rahmen ihres eigenen Memorandums der Mandatskommission übermittelt werden. Es ist möglich, daß der Waad Leumi nach Genf eine Abordnung zur- Tagung der Mandatskommission entsenden wird. Die Mitglieder der Abordnung würden die von der Mandatskommission über die Lage im Lande zu stellenden Fragen beantworten. ^«fonafißtt. Tütil Lchtttcktitt Mainz, 18. April. Am •>'»» n"i schloß Frau Toni Lehmann nach kurzer schwerer Krankheit die Augen. Eine der a->m ni'bpix, eine 4"n nvrr im wahrsten Sinne des Wortes ist mit dieser seltenen Frau dahingegangen, einer Frau, die selbstlos bis zum äußersten sich den Aufgaben widmete, die der jüdischen Frau vorgezeichnet sind. Geboren 1869 in Frankfurt a. M. als Tochter von Eh. B. Rabinowitz, einem der größten russischen Wohltäter, wurde sie in Bobruisk (Rußland) erzogen in dem jüdischen Milieu, das bester als alles andere wahre jüdische Menschen heranbildet. Ihre Mutter war eine Enkelin des Naudoh Bijehudoh, eine herrliche Frau, die bei ihren Kindern die besten Eigenschaften zu nähren und zu wecken verstand. Schon in jugendlichem Alter vermählte sie sich mit Oskar Lehmann, dem Sohne des großen Rabbiners Dr. Markus Lehmann, des Begründers des „Israelit". Wie sie dort die Traditionen von beiden Seiten aufnahm und pflegte, wie sie ein jüdisches Haus ausbaute und in ihm eine zahlreiche Kinderschar zu Thora und Jiroh erzog, das zu schildern, sind Worte zu gering. Wo es zu helfen galt, war sie an erster Stelle, Wohltun war ihr. Bedürfnis, mit ihrer ganzen starken echt weiblichen Persönlichkeit setzte sie sich ein, wo es nötig war. Der Krieg, der ihren engsten Kreis berührte — drei Söhne im Feld und zwei Töchter im feindlichen Ausland, abgeschnitten von ihr — war ihr dennoch Veranlassnng, sich der vielen jüdischen Soldaten in Mainz anzunehmen, von denen Unzählige bei ihr den Ersatz eines Heimes fanden. Ihrem Mann, der sein ganzes Leben jüdischer Forschung und Publizistik gewidmet, war sie eine feinfühlige Mitarbeiterin und Gefährtin. Daß es ihr vergönnt war, in den letzten Jahren Kinder und Enkel als echte Jehudim um sich zu sehen, war ihr Freude und Trost, n-vxm- Ankerriedenberg b. Brückenau, 18. April. Am 27. April ds. Js. feiert Frau Minna Edelstein, geb. Goldbach, in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren achtzigsten Geburtstag. Sie zählt feit vielen Jahren zu den ersten im Gotteshause, wie überhaupt die schönsten jüdischen Eigenschaften sie schmücken. Wir wünschen n:t? D’“!E73tt ntw Tff! Vermischtes. Butzbach (Hessen), 20. April. Schon mehr als vier Jahrzehnte erstrebte die kleine hiesige israelitische Gemeinde den Bau eines eigenen Gotteshauses; bisher jedoch ohne jeglichen Erfolg. Erst in der Gegenwart beginnt sich der Wunsch der Gemeinde durch den Zwang der Verhältnisse zu verwirklichen. Am Rausch-chaudesch Jjor (14. April) wurde der Grundstein der Synagoge gelegt. Idyllisch und dennoch zugleich würdig an der Hauptverkehrsstraße gelegen, wird sich das kleine Gotteshaus erheben als ein Zeichen neuerwachenden jüdischen Lebens und Opfersinns einer Kleingemeinde, welche für diesen Zweck bereits bedeutende Geldopfer gebracht hat und noch zu bringen hat, da die Hauptsumme für den Bau geliehen werden mußte. Diesen Opfersinn einer Kleingsmeinde zu fördern^ dürfte heute^ t»o bas jüdische Qfi&ftH IH ÄldillAällidilldsn fo ßcrrnießerlieHi. mil eine der vornehmsten Ausgaben der Allgemeinheit bedeuten, und es wird deshalb herzlichst gebeten, das heilige Werk nach Kräften durch Spenden zu unterstützen und zu fördern. Spenden nimmt entgegen der Vorstand des israelitischen Gemeinde Butzbach (Hessen), Weiselerstraße. Fr ). in Briefkasten. 13. KTl 'slvMNQ- M. H. in N. lieber das Jubiläum der Lehrerveteranen sind uns von anderer Seite getrennte Berichte zugegangen» die auch erschienen sind. Besten Dank. Rabb. Dr. W. in K.» I. in N. und Andere. Ihre Zuschriften haben wir dem Fragesteller zur Bearbeitung zugeschickt. Besten Dank. Lehrer S. Gr. in B. Besten Dank für die sreundl. Mitteilungen. Im übrigen verweisen wir aus die Brieskastennotiz in Nr. 16 unseres Blattes. Sprechsaal. t-wegen Raummangel verspätet.); j. Offene Anfrage nach Darmstadt. Gelegentlich des 50. Synagogenjubiläums der Israelitichen Gemeinde in Darmstadt war auch der Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschast mit einer Einladung beehrt worden: ein All selbstverständlicher Höflichkeit. Daß der Vorstand persönlich der Einladung nicht Folge leisten konnte, ist ohne Weiteres verständlich. Wenn aber in dem Absagebrief, dessen Tert nachfolgend wiedergegeben ist, auf di- Gegensätze der Weltanschauungen mit besonderem Nachdruck hingewiesen und die Kluft, welche zwischen beiden Gemeinden besteht, ausdrücklich betont und für alle Ewigkeit als nicht überbrückbar bezeichnet wurde, so erhebt sich notgedrungen die Frage: Ist es aus religionsgesetzlichen Gründen notsahliHkell überhaupt jj« UNs«llS j«, UOi CJ aus obigen Gründen erforderlich, sie in dieser Form hervorzuheben in einem Antwortschreiben aus eine Einladung zu einer solch seltenen .Feier, an welcher neben den Vertretern aller Behörden auch die Geistlichen der anderen Konfessionen teilgenommen haben? Die Frage ist um so berechtigter, als der Herr Rabbiner den Absagebrief mit unterzeichnet hat. Es erscheint mindestens sehr zweifelhaft, ob der Vorstand der Franffurter Religionsgesellschaft hierbei sich zu einer solchen Antwort in Form und Inhalt hätte entschließen können. Ob derartige Vorgänge geeignet sind, das Gefüge der Darmstädter Religionsgesellschast zu festigen, ein freudiges Interesse an der Gemeinde zu erhalten, oder gar — was recht vonnöten scheint — zu wecken und zu fördern?! Lag wirklich ein Anlaß oder eine „passende" Gelegenheit vor, ein derartiges Schreiben auf eine höfliche Einladung loszulassen, welches eine allgemeine Entrüstung auch zahlreicher Mitglieder der Israelitischen Religionsgesellschast und sogar einiger Mitglieder des Wochenkalender. vom 24. April bis 1. Mai 1826.' vom 10.-17. Jjar 6688 Samstag V- 24 nm nnJlO Sonntag s 25 11 Montag 26 12 Dienstag 27 13 Mittwoch 28 14 Donnerstag 29 15 Freitag 30 16 Samstag Mai 1 "MSR 17