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Der Israelit · 1926-04-22 · Heft 17 (22.4.1926) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 17 (22.4.1926)
Date
1926-04-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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-! -Kr. 17 9 » T * 22 April 182§ voll waren — und sind — des Aberglaubens und der Mystik, eine scharfe Grenzlinie zog zwischen Körperlichem und Geistigem, zwischen Natur und Sittlichkeit. Dieser Unterschied ist die Grundlage aller Sittlichkeit und in dieser Unterscheidung liec : der Wert, die Größe des Judentums. Sittlichke : steht auf allen Blättern der Bibel, Sittlichkeit i t Ausgangs- und Endpunkt alles jüdischen Lebens Als junger Kantianer wurde er von dieser Ent deckung ergriffen, sie wurde zum Erlebnis seine Jugend, der er treu blieb bis zu seinem Tod. So entstand sein Lebenswerk, die einzig ori ginale Fortsetzung der Kantischen Philosophie durch die Philosophie des Judentums, in der er die Philosophie der Menschheit sah. Kern des selben ist die Erkenntnis Gottes als des Vor Hildes der Sittlichkeit. Gott ist ihm freilich nur ein Begriff, keine Wirklichkeit. Aber solange er Gott denken, ihn als den höchsten Begriff der Sittlichkeit verehren kann, solange glaubt er den Sinn des Judentums erfaßt zu haben, den er auch in den Symbolen des Judentums begeistert wiedererkennt. So wird ihm das Glaubens bekenntnis zur Lehre von der unbedingten abfslutstt Attövksnnuttg däe Sittlich keilhhk jLi heißt nicht nur, es gibt keinen Gott außer ihm sondern, was viel wichtiger, es gibt nur eine außerweltliche, übermenschliche Sittenlehre, die nicht in der Natur und nicht im Menschenwesen sondern im Reiche des Geistes begründet ist. Da rum ist ihm min nicht Gesetz, sondern Lehre, die die Gotteserkenntnis lehrt, d. h. Erkenntnis der Sittlichkeit. So ist ihm der Versöhnungstag in erster Linie Versöhnung mit Gott als Vorbild der Sittlichkeit, d. h. Sieg über die Kräfte im Innern, die der Sittlichkeit entgegenstehen, und da die Sittlichkeit im Verhalten zu den Mit menschen besteht, Versöhnung mit den Neben Menschen. Darum seien in iroa nur Vergehungen sittlicher Art bekannt, da die größten Verbrechen solche der Menschen gegen die Menschen sind. - Darum steht er bewundernd vor dem Sabbat, der ihm zum Symbol der jüdischen Religion wurde. Rückt er doch die großartige Bedeutung des Judentums für den sittlichen Fortschritt der Menschen ins hellste Licht, "snvxi rmvp^ •pas, damit dein Knecht und deine Magd ruhen wie du selbst, darum hat dir Gott befohlen, den Sabbat zu halten. Damit ist zum ersten Male in der Weltgeschichte die Gleichheit aller Menschen vor dem.Gesetz verkündet. Daß aber Gott befiehlt, das. bedeutet für Cohen soviel wie „Vorbild" sein. Ob wir Gott als Vorbild nehmen und wie weit wir es tun, das steht bei uns, wie die Freiheit zum Leben. ll"N2 sagt' die min unfl erlegt, uns Damit nicht nur Die Pflicht sondern auch die Verantwortlichkeit auf. Wir Von den Juden in Taschkent sind 60pCt. Hand werker, 25 pCt. Arbeiter und Sowjet-Angestellte, 15 pCt. Kaufleute und unbestimmten Berufes. Die kulturelle Lage der Juden in Taschkent steht nicht auf höherer Stufe; es existiert ein Arbeiterhaus und eine kleine Bibliothek. Auch ihre soziale Lage ist nicht die beste. Im vorigen Jahre gründeten Tasch kenter Juden zwei landwirtschaftliche Kolonien. In der Altstadt unterhalten die Buchara. Juden zwei Elementarschulen, eine Mittelschule und eine Lehrererziehungsanstalt. Während der soeben in Moskau beendeten Konferenz dpr jüdischen Lehrerschaft in Rußland. der Ukraine, Weißrußland, der Krim und der Tatarischen Republik wurde festgestellt, daß das. jiddische Schulnetz eine große Ausdehnung erfuhr. In Rußland existieren 110 Schulen mit 15.000 Schülern, in der Ukraine 470 Schulen mit 75 000 Schülern, in Weißrußland 170 Schulen mit 25.000 Schülern. Es wurde berichtet, daß infolge der fortschreitenden Sowjettsterung der jüdischen Massen ein gutes Verhältnis zwischen der jüdischen Bevölkerung und den jiddischen Sowjetschulen besteht. — Wie steht es dabei mit der Religion? (Rothschilds Gemeindesteuern).^ In der letzten Wiener Gemeindesitzung teilte Stadtrat Breitner mit, daß die achtgliedrige Familie Rothschild, das reichste Wiener Haus, allein an Gemeindesteuern jährlich 100.000 Dollar zahlt; das ist soviel, als 6200 Wiener Familien zahlen. müssen selbst nach Gottes Vorbild uns Gesetze geben. T1®?» Vsi ö. h. tue alles um des Guten willen, ... a^m *vn bsn d. h. die Entscheidung zur Sittlichkeit liegt bei uns. Worin dieses Gute liegt, hat er bereits gesagt. Es liest in dem Wirken für andere. Darum ist die Sik lichkeit des Einzelnen ihm nicht denkbar ohne Zusammenhang mit der Menschheit, darum ist es kein Zufall, daß die Propheten, die die Pflichten der Sittlichkeit so eindringlich gelehrt hatten, zu gleich die Verkünder des Messiasreiches waren Im Messianismus hat das Judentum der Welt die Idee der Menschheit und der Weltkultur ge geben und damit den Sinn seiner Lehre aufs herrlichste für die spätesten Zeiten enthüllt. Das ist nach Cohen der Sinn des Juden tums, der in dieser Fassung nicht entfernt ein Bild gibt von der Art seines Schreibens, von der warmen Begeisterung und der zwingenden Logik, von der philosophischen Tiefe, die da verbunden ist mit einer bewundernswerten Vertrautheit mit dem jüdischen Schrifttum. Daß dieser Mann ohne an einen persönlichen Gott zu glauben, ohne geseßestreu zu sein, mit solcher Begeisterung das Judentum verkÜndeU, Uirt solcher 6chöt^se andere Religionen polemisieren konnte, wie ist es möglich? Nur dadurch verständlich, daß die eine Seite des Judentums, mit der die erste der Tafeln aufhört und die zweite beginnt, so seine ganze Seele erfüllte, daß er darüber die andere vergaß, daß er in der menschlichen Aufgabe den ganzen Sinn des Judentums beschlossen sah. Aber das Judentum ist mehr als eine logische oder ethische Erkenntnis, und niemand hat dies wirkungsvoller verkündet als S. R. Hirsch, der im anderen Lager bereits eine Generation früher auf den Plan getreten war. Judentum ist auch nach ihm eine Lehre. Und mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele stellt er diese Lehre in ihrer Ganzheit wieder auf, ohne die der Reform unbequemen Sätze wegzulassen. Aber die Hauptsache war ihm, festzustellen, daß diese Lehre eine Lehre des Lebens, keine kalte Wissenschaft, kein philosophisches System, kein verknöchertes Gesttz, sondern eine Lehre des frisch pulsierenden Lebens sei. Des Wissens Blüte sei das Leben, doch daß dem Wissen das Leben entblühe, dazu genügt das Wissen nicht. Was erkannt, .muß anerkannt, muß vom, Kopf in die Hapd zur freudigen Pflichttat ühren. Gegenwgrtslehre wird solchergestalt alles, die schriftliche und mündliche Ueberlieferung, das Gesetz und - die Opferlehre, die Trauertage der Vergangenheit und die Freudentage der Zukunft. Und diese Lehre des Lebens ward in breiter Oeffentlichkeit, vor Juden und Nichtjuden verbündet, denn es waren ja Menschheitslehren, die die Duden «ls die ersten Priester der Menschheit verkündigten. Nur daß er nicht wie Cohen bei dem stehen blieb, was das Judentum mit der Menschheit verband, nur daß er auch den Wert des Nationalen für die Menschheit erkannte und predigte: das Ideal des Menfch-Jsroel, d. h. über das Allmenschtum hinaus zum Israel Beruf aufteigen. Damit wird die menschliche Aufgabe zu einer nationalen Aufgabe, der kommenden Generation ist der Weg vorgezeichnet. (Fortsetzung folgt.) llomspoiläenreil « Dacbricbren. Deutscher Reich. Knorr und Knubben. IV. E. B. Berlin, 19. April.~ Zu der Berichtigung des Herrn M. A. Loeb im Sprechfaul" voriger Nummer schreibt uns Herr Dr. Ed. Biberfeld in Berlin: Herr M. A. Loeb behauptet, daß die Angabe in meinem Artikel „Knorr und Knubben" (Nr. 66 d. Bits.), er habe f. Z. die Errichtung eines Gotteshauses für die Reformgemeinde als dringlich anerkannt, nicht den Tatsachen entspräche. Mein Zitat aus dem Sitzungsbericht der Repräsentantenversammlung fei die Aeußerüng einer Privatmeinung des Herrn Prof. Türk, und ich habe unverantwortlich gehandelt, indem ich sie ihm (Herrn M. A. Loeb) unterschob. Die Schwere dieser gegen mich erhobenen Beschuldigung literarischer Falschmünzerei zwingt mich, in diesem Streit das Urteil der Leser anzurufen. Sie' mögen nach Kenntnisnahme des im Folgenden gegebenen Wortlauts des zur Frage stehenden Berichts entscheiden, wen in dieser Angelegenheit der Vorwurf unrichtiger Tatsachendarstellung trifft. Der betreffende Passus lautet: „Herr D r. Türk referiert sodann über die Vorlage betr. das Verhältnis der jüdischen Gemeinde zur Reformgemeinde. Die Herren M. A. Loeb und Justizrat Sonnenfeld haben gemeinsam den vom Gemeindevorstand vorgelegten Entwurf abgeändert. Danach wird der Reformgemeinde für ihre Ausgaben eine Pauschalsumme überwiesen. Die Errichtung eines GotteshausesderReformgemeindewirdals b r i n j en h anertannl. Die Ücbcrta|jung von 'ötfju träumen in einem Gemeinüeger bäude wird zugesagt und der Wunsch aus Veröffentlichung der Ankündigung der Gottesdien sie und Beschlüsse im Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wird nach Möglichkeit erfüllt werden. Redner empfiehlt die Annahme des geänderten Entwurfs und spricht die Hoffnung aus, daß bei dessen Annahme nun endlich die unerquicklichen Debatten über diese Frage aus den Sitzungen der Repräsentantenversammlung verschwinden mögen." Soweit der Bericht in vollem Wortlaut. Wenn Worte überhaupt.noch einen Sinn haben, so kann das Wörtchen „bonach" doch gar nichts anderes besagen, als daß die dann folgenden Ausführungen den Niederschlag des in gemeinsamer Tätigkeit von Herrn M. A. L o eb und Herrn Justizrats Sonnenfeld fertiggestellten Entwurfs wiedergeben! Daß das für die Bewilligung einer Pauschalsumme, Ueberlassung von Schulräumen, die Veröffentlichung. der Ankündigungen usw. zutrifft, bestreitet auch Herr M. A. Loeb nicht. Und ausgerechnet der mitten drinstehende Satz von der Anerkennung der Dringlichkeit der Errichtung eines Gotteshauses soll Privatmeinung des Herrn Referenten sein, die er in unzulässiger Weise in sein Referat eingefügt hat?! Ich halte diese Zumutung an die Gutgläubigkeit der Leser für entschieden viel zuweitgehend! Und dann: Wäre der Satz Aeußerung einer Privatmeinung des Herrn Prof. Türk, so müßte sie etwa so lauten: „Redner anerkennt die Errichtung usw." Die objektive Forrrn dev Qfetxjgerttrt^ tpiri* anerkannt"), läßt darüber keinen Zweifel, daß auch sie wie anderen Ausführungen Teile des Referats sind.— Und, wie, um den letzten Zweifel in dieser Hinsicht zu beseitigen, werden die Privatäußerungen des Herrn Referenten in einem neuen Absatz nach dem Schluß des Referats angebracht und durch die Worte „Redner empfiehlt usw." deutlich als solche eingeführt und untertrichen! Ueberdies: Herr M. A. L o e b ist in derselben Sitzung kurz nach dsm Referenten zum Worte gelangt. Hier seine Ausführungen (nach derselben Quelle): „Herr M. A. Loeb: Wenn auch an dem Entwurf materiell nichts geändert wurde, so sind doch einige redaktionelle Aenderungen vorgenommen worden, welche äußerst wichtig erscheinen. So vor allem wurde jetzt klar zum Ausdruck gebracht, daß die Beamten nicht auf unsere Gemeinde übernommen werden. An der ablehnenden Stellung seiner Fraktion habe sich nichts geändert. Seine- Fraktion werde deshalb Stimmenthaltung üben." Soweit! Vergebens sucht man in diesen Ausführungen ein Wort der Verwahrung gegen die omniöse „Privatmeinung" des Herrn Referenten und ihre Einfügung in das Referat. Man sollte doch aber meinen, daß ein sehr deutlicher und kräftiger Protest des Herrn M. A. L o e b an dieser Stelle unbedingt erforderlich war — wenn er hätte angebracht werden können! Und damit glaube ich, das Erforderliche zur Klartellung des Sachverhalts getan zu haben und dem Urteil, der Leser ruhig entgegensehen zu dürfen.

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