Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1926)
- Date
- 1926-04-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 17 Der Israelit 22. April 1926 Vorstandes selbst Hervorrufen muhte? fjctfd^em 9 Sp^orHaui bss «mgcjogenen Darmstadt, den 15. An den Vorstand der Israelitischen Ist das ein Kid- Äriefes antei: Februar 1925. Religionsgemeinde Hier Wir empfingen Ihre frdl. Einladung zum Festgottesdienst anläßlich des 50jährigen Bestehens Ihrer Synagoge. Die völlig entgegengesetzten Weltanschauungen die Ihrer und unserer Gemeinde zu Grunde liegen und die von einander durch unüberbrückbare Weiten geschieden sind, machen es unmöglich, Ihrer frdl. Aufforderung Folge zu leisten. Wir hoffen, daß Sie unsere aus rein sachlichem und religiösem Empfinden gegebenen Beweggründe zu würdigen wissen werden. Rabbinat und Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft Rabb. Dr. Merzbach Dr. Bodenheimer R. beseitigt Hierzu wird uns von orientierter Seite geschrieben. Wir sind dem Herrn Einsender dankbar, daß er die Gelegenheit gibt, die rmn des Vs-nzrm 'nn ori"ni zu erfüllen, obgleich öffentliche Auseinandersetzungen über nur aus genauester Kenntnis rein lokaler Verhältnisse zu beurteilende Vorgänge unzweckmäßig und unersprießlich sind. Zunächst müssen zwei Mißverständnisse werden. Es handelt sich erstens in Darmstadt nicht um eine E l n h e i t s - und sine Austrittsgemeinde, so daß der Vergleich etwa mit Frankfurter Verhältnissen völlig wegfällt. Vielmehr ist die der orthodoxen Religionsgesellschaft gegenüberstehende Religionsgemeinde eine bewußt roitt liberale, in Theorie und Praxis die überlieferte 21^ Mt snsMiMM GemMve. (Wie Weil diese selbst der Nesr'gronsgeseHschaft ellkgögöNSröettöl UflD die Trennung, wo sie noch nicht bestand, von sich LUS herbeigesührt hat, möge hier nicht behandelt werden.) Die Einführung der Orgel in der Gemeindesynagoge hatte seinerzeit die Trennung veranlaßt. Zweitens ist in dem zitierten Schreiben keineswegs von einer Unüberbrückbarkeit der zwischen den Gemeinde n bestehenden Kluft die Rede, sondern von der zwischen den Weltanschauungen, die ihnen zu Grunde liegen, herrschenden Gegensätzlichkeit. Den besten Beweis für diesen Unterschied dürfte wohl die Tatsache bieten, daß erst neuerdings seitens der Religions g e fell fch aft die Plattform gesunden wurde, aus der beide Gemeinden in manchen Wohltätigkeitsfragen friedlich Zusammenarbeiten können. Daß aber die Anschauungen des liberalen und des gesetzestreuen Judentums durch unüberbrückbare Weiten geschieden sind, dürfte wohl ernstlich von Niemandem geleugnet werden. Bleibt also nur noch die Frage, ob es notwendig und richtig war, diesen Grund für die Ablehnung der Einladung anzugeben. Und da scheint es uns, gerade im Interesse des friedlichen Nebeneinanderlebens, stets das Richtigere, die wahren Gründe in ruhiger, offener Weise klar zu sagen, als mit diplomatischen Formen sich aus nicht ehrliche Weise aus der Situation zu ziehen. Denn daß eine Teilnahme an einer Feier in der Orgelfynagoge mit sonntägiger Thoravorlesung unmöglich war gibt doch auch der Herr Einsender zu. Es ist «°> trauriges Zeichen der Zeit, daß die im Schlußsatz Schreibens ausgesprochene Hoffnung auf gerechtes ständms offener Worte eine trügerische war. nocf> eine «»cchrhaft offene - b. fj_ gen fließende - 9Tnf?Ofle äft Slft S&H11 tUlufete es beim zotritteff fettt, daß man Form einer öffentlichen Sprechsaalpolsmik erfüllt, die der im Grunde doch völlig uninteressierten Oesfentlichkeit nur eine „Sensation" gibt und sie zur Weitertragung und Schürung des Streites veranlaßt? Oder wäre es nicht richtiger und jüdischer, was man zu sagen hat, in ehrlichem, offenem, Vertrauen gebenden und Vertrauen heischendem Wort Bruder zu sagen? ein des Ver- — chlntz <rrrs o||encm Einsender rrow n2in in statten, haben Leitung und Lehrerschaft auf die Wünsche der ®tgieI)unjsbere(^Hgten die roeüejlge^enbe Rücksicht ge» nommen. Als Beweis für Dm hohen Stand her Lei stungsfähigkeit unserer Unterrichtsanstalten mag die Tatsache angeführt werden, daß die nichtjüdischen Schulen, in die Schüler unserer Anstalt nach Erreichung ihres Zieles zur Fortsetzung ihres Studiums übergeben, sich über das hohe Maß ihrer positiven Kenntnisse wie über ihre geistige Schulung lobend aussprechen Gemäß den geltenden Bestimmungen hätte Herr Direktor Dr. Fink mit Erreichung des 65. Lebensjahres (September 1925) in den Ruhestand treten müssen. Mittlerweile hat der Herr Minister die Genehmigung erteilt, daß der derzeitige Leiter ein weiteres Jahr im Amte verbleibe. Von der richtigen Wahl eines Nachfolgers hängt die gedeihliche Entwicklung der Schule und der Gemeinde ab. Wir hoffen, daß uns das S'chuß des Gründers der Schule beistehen, und es uns ermöglichen werde, die geeignete Persönlichkeit zu finden. Löst der Blick auf die ruhige, von innerer Gesundheit getragene Entwicklung der Unterrichtsanstalten ein Gefühl der Befriedigung aus, so gilt dies in nicht geringerem Maße von der unserer Gemeinde so nahestehenden „Israelitischen Volksschule". Die neue Leitung läßt es sich angelegen sein, belebend auf das Schulganze zu wirken und ein Geist der Vorwärtsbewegung und des Ausstiegs erfüllt Kollegium und Schüler. Einem langgehegten Bedürfnis entsprach die Einrichtung der Nachmittagskurse. An den Nachmittagen wird viermal in der Woche je drei Stunden Unterricht in Chumesch mit Raschi, T'nach, Mischna und Gemoroh erteilt. Diese Kurse erfreuen sich l?kgm rimfnsskiMli UNS gMkgknm Tkysflnm? Neues aus der Aguda Jugendgruppe. im MMNMM m NM" chcngruppc eine Nrlhe Murlnrichtungm vor: Cm rottmkurs unter Leitung von Frau Hilde Joseph wird ab Donnerstag, den 29. d. Mts., wöchentlich abends 9 Uhr stattfinden, der hebräische Sprachkurs findet im Sommersemester unter Leitung der Frau Oberlehrerin Machtei statt. Die Stunden finden zweimal wöchentlich Montag, abend 7.45—8.45 Uhr, Mittwoch abend 7.30—8.30 Uhr im Vereinslokal, Hanauerlandstraße 17, statt. Weitere Anmeldungen von Damen werden noch entgegengenommen. Der Stenographiekurs unter Leitung von Herrn Guth findet wöchentlich Dienstag abend ^9 Uhr statt. Damen und Herren können noch teilnehmen. Am Mittwoch, den 28. d. Mts., findet ein Vortrag über: Jüdische Geschichte (der erste im Sommerzyklus) von Herrn Red. S. Schachnowitz statt. Die Veranstaltung beginnt pünktlich 8.45 Uhr und bitten wir um zahlreichen Besuch. Die Lesebibliothek ist wieder neu in Stand gesetzt; die erste Ausgabe wird am 19. Mai abends 8.45 Uhr stattfinden. (Von da ab immer wöchentlich Mittwoch.) Bücher, die noch im Besitz der Mitglieder sind, müssen in den Abendstunden bis spätestens 1. Mai dem Verwalter abgegeben werden. Die Leitung und Ausgabe dev Bibliothekhat Herr Dachauer übernommen. Getragene, noch gut erhaltene Kleidungsstücke werden von der Kleiderausgabe unserer Sozialen Kommlssion benötigt. Dieselben werden vom Verwalter im Haus abgeholt. Anmeldungen find an die Jugendgruppe zu richten. nm 'j?ns-Vorträge. Mit diesem Samstag nimmt im Mekor Chajim Herr Professor Weyl seine man -Vorträge (Frauensynagoge der Klaus 12.15 Uhr) wieder auf. Genesungsheim Oberstedlen. Anfang Mai wird ans MnesuMMU Der Kanne " .. ° «. v r.. i Awi-ui ujilu uuv läfiuiiuiiyiuituu uei JUUIU* gk'ößst' VsttöbHökt uns starken Zuspruchs. Das Lööön Ser Msinng in Ollerflemen wiener eröffnet. MölSunasn Sk- Schule ist von idealem Schwünge beflügelt, und ihre Leistungen finden die uneingeschränkte Anerkennung der Aufsichtsbehörden. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird die dritte Grundschulklasse eröffnet werden. Im Berichtsjahre war die Schule von 371 Kindern besucht. Das Schulgebäude der Volksschule erhielt im Laufe der Berichtsperiode ein neues Gewand. Aeuheres und Inneres wurden mit erheblichem Aufwand einer gründlichen Renovierung unterzogen und darüber hinaus erfuhren die Lehr- und Lernmittelbestände die so dringend benötigte Auffrischung und Ergänzung. Unser Ziel ist, diese Anstalt, die den Unterbau unserer Realschule bildet, zu einer Musterschule auszugestalten, was bei einer Fortentwicklung in den vorgezeichneten Bahnen mit Gotte __f etholungsbedürftiger Israeliten beiderlei Geschlechts find unter Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses an Fräulein Cilly Epstein, Frankfurt a. M., Langestr. 30, zu richten, wo auf Wunsch gerne jede weitere schriftliche oder mündliche Auskunft erteilt wird. Der Dybuk. (Zur Aufführung im Frankfurter Neuen Theater.) Die chaffidifche Legende von Anfky hat das Interesse der Welt erregt, erst nachdem die Nachkriegszeit die Mystik in Mode gebracht hat. Ansky hat sein Werk früher geschrieben, und die Fabel ist noch älter, ist Urbestand der chassidischen Legende, hat somit mit Erscheinungen und Strömungen unserer Zeit nichts zu tun.. Aus der „Welt der Gilgulim" geistert sie zu uns herauf. Ein Jüngling freit ein Mädchen, das er, nach galizifch chafsidifcher Art, nie zuvor gesehen hatte. Das Mädchen wird aber auf dem Gang zur Chuppa von Wahnsinn Hilfe erreicht werden wird. Die Mittel für die Reparabefallen, und Wahnsinn wird dort auf einen bösen Geist l_ _c. rr- .... — . . . ... 21 trf't rfrt.of 11 nr»« Sew. 1T. ... «. als Bruder dem frankfurter Berichte. Aus dem Jahresbericht der Synagogengemeinde «Israelitische Religionsgesellschaft". (Fortsetzung). Wenn wir bei Erstattung unseres Berichtes der Leistungen unserer verschiedenen Institutionen gedenken und uns fragen, ob sie auch in dieser ungewöhnlichen Zeit die Aufgaben lösen konnten, die ihnen gestellt wurden, so glauben wir auf das Geleistete befriedigt zurückschauen zu dürfen. Auf der Erziehung unserer Jugend für die Ideale unserer Gemeinde basiert die Blüte der Gemeinde. Die Anteilnahme der Elternschaft an den Erziehungsfragen sowohl als auch an der Schule im allgemeinen ist stetig im Wachsen. Soweit es die erzieherischen Interessen geturen und Ergänzungen sind der Schule aus den Ueberfchüssen künstlerischer Veranstaltungen unter der bewährten Leitung des Herrn Neumann zugeflossen. An dieser Stelle sei allen denjenigen, die sich um das Gelingen dieser Unternehmungen verdient gemacht haben, der wärmste Dank der Gemeinde und der Verwaltung ausgesprochen. Die Schule, die sich einstens aus Zinserträgnissen erhielt, hat bedauerlicherweise ihr ganzes Vermögen durch die Inflation eingebüht, und derjenige Teil ihres Vebcrrfs, derbxrrcf) «Spertbert xxrtb .Qiifcfjxtffe rctctjt czixfgc* bracht wird, muß vvm gNragrn w?rvrn Die Spenden, die ihr früher in erheblichem Umfange zuflossen, sind leider unter dem Druck der Wirtschaftskatastrophe fast aus ein Nichts zusammengeschmolzen. Der Zuschuß, den sie von der Stadt empfängt, bewegt sich in geringer Höhe. Wir richten daher an alle den eindringlichen Appell, zur Erhaltung dieser in hohem Ansehen stehenden Anstatt nach Kräften beizutragen. Möge man angesichts der hohen Bedeutung dieser Schule ihrer sich mit herzlicher Wärme annehmen und ihrer stets bei freu digen und ernsten Anlässen gedenken. Vermitteln die Schulen unseren Kindern die weltliche Bildung und legen sie den Grund zu elementarem jüdischem Wissen, so ist die Thora-Lehranstalt Jeschiwa diejenige Institution, die sich unter der unermüdlichen Leitung unseres verehrten Herrn Rabbiners und gefördert durch hingebungsvolle Arbeit ihrer Lehrkräfte der erhabenen Ausgabe widmet, der schulpflichtigen und der schulentwachsenen Jugend ein erweitertes und vertieftes Maß an Thorawissen zu geben. Die Anstalt steht Hinsicht- , , -. w-r, vycift zurückgesührt, von dem der Unglückliche durch eigene oder väterliche Schuld besessen ist. Die Zuschauer wissen in diesem Momente schon genau, woher dieser Geist kam und was er will. Man hatte im ersten Akte einen Talmudjünger gesehen, der sehr schmachtend nach' Lea ausschaute, der unklare kabbalistische Reden führte und darüber zu Grunde ging. Dessen unausgelebte Seele war es nun, die in das Mädchen gefahren ist und ihr Recht forderte. Ja ihr Recht, denn — das erfährt man erst aus dem dritten Akt —, Sender, dev, Vater der Braut, hat es dem Vater des Thorajüngers, bevor noch beide Kinder zur Welt waren, in die Hand MM §B(jti &um MM m MMN. Dir „Mtmmtr war aller em armer WaiMMngling, so übersah er ihn za Gunsten eines reichen Bräutigams. Das die Schuld und das Schicksal Senders. Der Rabbi von Miripol sucht den Dybuk aus dem armen Mädchen durch Beschwörungen hinauszutreiben. Es wird aber damit zugleich» auch die eigene Seele der Braut hinausgedrängt. Sie stirbt, ohne befreit worden zu sein. Es ist hier nicht der Platz, über die Legende uyd die Art, wie sie Ansky erfaßt und künstlerisch gestaltet hat, zu sprechenr. Sie war ihm mehr Unterlage für Milieu, für Stimmung, für mysttsche Religionsphilosophie, für die Tragik eines jungen Menschenlebens, für Schuld und Sühne. Soviel uns bekannt, fehlt der Legende an der Quelle dieser erschütternde Abschluß. In den Erzählungen der Chassidim treibt der Wunderrabbi den Dybuk mit Erfolg heraus und die Kranke gesundet daran. Das nur nebenbei. Es ist geradezu erstaunlich, wie esdem jüdischen und erst recht dem chassidischen Milieu ganz fremde Schauspieler auf einer modernen Bühne des Westens verstanden, soviel chassidisches Leben auf den Brettern zu leben, chasfidische Worte mit Inbrunst zu sprechen und chasfidische Lieder ohne Worte aus tiefstem Empfinden heraus zu singen, zu trällern, zu murmeln. Das dürfte in erster Reihe das Verdienst des Regisseurs Max O p h u l s und des Herrn Julius H a h l o, der die „ . ■ ..... ”•»(! .w Y v i i, «m, uts njuuus ji u u i u , vev llie uch ihres charakteristischen Aufbaues ln Deutschland einzig Bühnenbilder herstellte, sein. Auch die große Reibe dev ' -1 n, > l ... . . ... , . __ __fl.ff 1 - J f m. *> . > . r, i ° / in ihrer Art da. Sie hat durch ihre hochstrebenden Ziele und den hohen Grad ihrer Leistungen selbst über die Grenzen Deutschlands hinaus einen guten Klang gewonnen. Die Jeschiwa K'tano war in der Berichtsperiode von 150 Kursteilnehmern besucht; die eigentliche Jeschiwa zählte 64 Bachurim, darunter 24, die aus unserer Schule hervorgingen. (Fortsetzung folgt.) Darsteller tat ihr Möglichstes, der schweren Aufgabe gerecht zu werden. Gelingen konnte es natürlich nur bis zum gewissen Grade. Das Publikum folgte in den ersten Akten nur langsam der Handlung und fühlte sich im dritten Akte von der menschlichen Tragik des Ganzen hingerissen. Westliches Publikum, das Chassidim und chassidisches Leben nur vom Hörensagen kennt, hat doch dabei einiges gelernt. Kenner des chassidischen Ostens konnten indes kaum ein fröhlich Wiedersehen feiern. Die Gestalten waren mehr m Maske als in Hal-