Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1926)
- Date
- 1926-04-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Der Isr a e l i t Nr. 17 Seite 3 22 Llpril 1926 iwährten Neutralität für die geeignete Basis, auf der die Sportidee in wahrhaft großzügiger und erfolgreicher Weife propagiert werden kann." Mit'seinen 50 bestehenden Sportgruppen ist er führend auf dem Gebiete des jüdischen Sportes. In einer Resolution bezeichnet er als den Zweck der Sportgruppen, „eine Regeneration des Judentums und eine Stärkung des jüdischen Volksbewuhtfein" herbeizuführen. Die tapferen jüdischen Soldaten haben an allen Fronten treu ihre Pflicht getan, prozentual rrtel)»* als etile emberert ßottfefftonett. Es ist tf>vtert wenig El«rrt d«für gervorderr, wie wäre tmWri? ein eigener Jüdischer Frontbund denkbar? Aber gerade an der Front haben es unsere tapferen Brüder und Söhne erlebt, daß es nicht die g r ö ß t e n L e g i o n e n f i n d, die ein Volk erhalten, ein Volk stark machen und es in gegebener Lage aus Gefahr retten. Hier sind es andere Faktoren geistiger Natur, die den Kitt nach innen und den Panzer nach außen ergeben. Auch Selbstbewußtsein kommt weniger aus dem Gefühle der stärkeren Faust als vielmehr aus dem Bewußtsein innerer Kraft, innerer Ausgeglichenheit, aus dem Frieden mit sich, seinem Volke, seinem Gotte und seiner gottgegebenen alten Kultur. Achten wir sehr darauf, daß wir in einer Aebertreibung und Uebersteigerung des Kraftmeiertums, mit unseren auf Sport- und Spielplätzen gut trainierten Füßen und Fäusten, unseres Lebens heiligste Güter nicht niedertreten und niederboxen! Vom Sinn des Judentums. Von Direktor Dr. Llias in Fürth. I. Historische Tatsachen bedürfen keiner Sinngebung, um anerkannt zu werden, so wenig wie die Tatsache des Lebens, das sich, ob mit, ob ohne Sinn kraft seines eigenen Rechtes vollendet. Das Judentum, das uns historisch und lebendig ist, scheint demnach keines besonderen Sinnes zu bedürfen, und wenn wir unserer Geistesverfassung gemäß immer wieder uns damit beschäftigen, dem Sinn des Judentums nachzuspüren, ja, wenn wir ganze Bücher schreiben und lesen, in denen über den Sinn des Judentums gehandelt wird, so scheint es, als ob wir damit vom historischen und vom mmüwn Zuöentmn gleilWcil entfernt wären. Dem ist aber nicht so. Begegnen wir doch in den Tagen der Jugend unseres Volkes und seiner stärksten Kraftentfaltung bereits der immer wiederkehrenden Frage nach dem Sinn des Ju- Kolonisation Palästinas schluckt oet ihnen nicht alle Pflichten auf Dem Zionismus aber ist die Beste delung Palästinas Weltanschauung geworden, ihm ist sie Religionsersatz. Aber nicht nur dieses. Auch das nationale Gefühl, das. wenn es echt ist — international wirkt, schrumpft bei ihm zum Nationalismus. zum Chauvinismus ein. wird von ihm zur verkappten Religion degradiert. Dieser Religionsersatz wird der indischen Jugend von den zionistischen Führern systematisch eingehämmert. Die Blau-Weiß-Jugendbewegung zum Beispiel. Daß Turnen den Körper stählt, bestreitet niemand. Daß Ausflüge gesund sind, ist zweifelsfrei. Aber der Blauweiße tut ja dies alles nicht nur aus Gesundheitsgründen, er turnt und wandert aus Ueb erzeugung. Jeder verkappt Religiöse ist »besessen", hat etwas Don-Quichothaftes an sich, sieht bewaffnete Soldaten, wo Windmühlen sind. Cr ist zweiseitig verkapptpositiv und negativ. Der Antisemit beschrankt sich ja nicht auf seinen Antisemitismus Er hat dem meistens etwas Positives entgegenzusetzen, sei es völkisches Gefühl. Ariertum oder sonst etwas. Das Don-Quichotenhafte seines zur verkappten Religion gewordenen Ariertums ist sein Antisemitismus. ' Zur Don Quichoterie des Zionisten bildet sich allmählich ein Anti-Frankfurtismus heraus. Wo er geht und wo er steht: überall stößt er an Frankfurt. Ich rede gar nicht davon, daß wenn man z. B. neuerdings von Unbilligkeiten des Gemeindegesetzes in Palästina gegenüber den thoratreuen Juden spricht, er verzerrten Angesichts einem ins Wort fällt- »Wer sind denn diese thoratreuen Juden? Da stecke dsck NM dis ManklmM DlMMA." Ja. öle Frankfurter . . . llttd dSNtt Stzht'S l0S. Odöü Z. B. 'etwas anderes: ich sitze ln einem Restaurant, dis dentums. Und nun, fragt unser großer Lehrer, was verlangt denn Gott von dir. Und er antwortet: Gottesfurcht, Wandel in seinen Wegen, Gottesdienst und Gottesliebe. Nachdem Moses mxa mn613 Pflichten zur Aufgabe gemacht hatte, kann seine Frage und seine Antwort nichts anderes bedeuten als den Hinweis auf den großen, tiefen Sinn, auf den das Ganze und all seine Teile gebracht werden sollen. Daß diese Sinngebung aber nicht etwa für alle Zeiten und alle Geschlechter dogmatische Geltung l)ab&r betfiit? haben unsere Grüßen gesorgt, Äuf drefelöe ^rage tjaben sie Me r,erfch!etzenften Antworten gegeben. Wenn der Sänger jüdischen Lebens fragt: Wer kann den Berg Gottes besteigen, wer auf der Höhe seiner Stätte sich halten, so antwortet er z. B.: Wer reiner Hände und lauteren Herzens ist, nicht beiträgt zum Falschen und nicht schwöret zum Trug. Sein Sohn rhn'p sagt wieder schlicht: Fürchte Gott und halte seine Gebote, das macht den ganzen Menschen und damit auch den Juden. Und so kommen die Propheten und Gelehrten alle, und alle stellen sich die Frage, ziehen das Fazit jüdischen Lebens und alle haben ein anderes Stichwort. Bekannt ist das schöne Wort des Propheten Micha: Gott hat dir verkündet, o Mensch, was gut, und was er von dir verlangt: Recht zu tun, Liebe zu üben, bescheiden zu wandeln mit deinem Gott. Und nicht minder die bündige Formel, in die mehrere Jahrhunderte darauf Hillel dem Juden des Judentums Kern gefaßt hat: Was du nicht willst, das man dir tue, das füge auch keinem anderen zu!, mit der ausdrücklichen Bemerkung, das fei die Hauptsache, alles andere nähere Ausführung. Die Besinnung auf einen dem Judentum und seinen Vorschriften innewohnenden Hauptsinn, von dem sich alles übrige ableiten ließe, das Bestreben, zum mindesten die Fülle des Tatenlebens auf Ideen und diese womöglich unter eine Ueberschrift zu bringen, kurz: das Nachdenken über den Snin des Judentums ist kein Zeichen der Schwäche und des Alters, es ist so alt wie das Judentum selbst. Das liegt im Wesen desselben. Es ist kein Volk, dessen Geschichte beginnt, wenn es nicht mehr da ist, es ist keine Religion, die da stirbt, wenn sie ins Licht des Bewußtseins gerückt wird, im Gegenteil, es muß leben und im Bewußtsein lebendig sein, wenn sie gewürdigt werden soll, der Kultur eines jeden Zeitalters neue Impulse zu geben, sie zu beeinflussen, und dazu mnr es notwnWig; für ]eöe Zelt geraöe fotüje Seiten des Judentums herauszustellen, die ihr entweder besonders nahe oder besonders fremd waren, auf jeden Fall besonders nachhaltigen Eindruck versprachen. Ihrer Zeit, Juden wie Nichtjuden, solche Präzisierungen vom Geist des Judentums besonders augenfällig, in besondere Lebensnahe zu rücken, war die Methode unserer großen Erzieher von Moses an das ganze Altertum und Mittelalter, Mendelsson nicht ausgeschlossen, die alle auch nicht im entferntesten daran dachten, mit jenen kurzen Formeln Einzelheiten, ja auch nur eine einzige Einzelheit des Judentums, außer Geltung zu setzen. Sie zeigten ein Tor, von dem aus der Weg zum Ganzen führt. Darum mutzten diese Formten verschieden ausfallen, denn jede Zeit hat ihren besonderen Geist uttb ihre befonberen Interessen. Das SnberiHim ats Sangen rnuß von Me|em Äerft Wr Zeit hängig sein. Aber das Motiv, die Parole, der Aufruf, unter dem es die Herzen gewinnt, das Zeichen, unter dem es kämpft, ist nicht dasselbe, war vor 1000 Jahren ein anderes wie vor 100, und vor 100 ein anderes wie gestern. In der Anerkennung des Judentums und seiner Pflichten sind wir 3000 Jahre alt, bei der Suche nach dem Sinn sind wir Kinder unserer Zeit. Solange beides zusammen ist, hat es keine Gefahr. Die Gefahr entsteht, wenn aus der Suche nach dem Sinn die Konsequenz gezogen wird, das Judentum nur teilweise anerkannt wird, wenn eine Lehre, ein Satz, ein Motiv des Judentums auf den Schild erhoben und das andere über Bord geworfen wird. Während zweier Jahrhunderte war diese Gefahr immer da und immer abgewehrt worden. Der Bruch entstand mit der Epoche Mendelssohns. Die Geistesgeschichte von Mendelssohn bis heute ist nichts anderes als ein Kampf um den Sinn des Judentums, der vielfach für das ganze Judentum gehalten wird. II. Für das Westjudentum nach Mendelssohn gab es ein Jahrhundert lang nur ein Problem, das Judentum europafähig zu machen. In drei Generationen vollzieht sich der Kampf, in zwei Lagern kämpfen sie theoretisch um den Sinn des Judentums, praktisch um die Konsequenzen. Von der Aufklärungsbewegung erfaßt, beantworten sie in beiden Lagern die Frage nsch dem Sinn des Judentums damit, daß sie es als eine Religion der Vernunft, als eine Lehre der Menschheit bezeichnen. Der hervorragendste Kämpfer des einen Lagers, der im dritten Gefchlechte mehr wie die vorhergehenden vom Judentum erfaßt, zwingender als sie es an sich gerissen hat, ist Hermann Cohen. Cohen sieht im Judentum die Religion der Vernunft, die höchste Lehre der Sittlichkeit. Nicht Daß sie Don ©oft lsi: mrsit Daß sie üüer ©Ott unters richtet, macht sie dazu. Daß sie gerade das nicht will, das ist entscheidend. Der Sinn dieser ReligionoffenbartsichinderSittl i ch k e i t, die sie lehrt, das Eigenartige ist, daß sie zu einer Zeit, wo alle anderen Religionen Gäste effen im Hut, auch ich fitze im H t. neven mir ein holländischer Freund mit einem Käppchen. Sie sind wohl aus Frankfurt", redet ihn mein zionistischer Bekannter an. .Nein, aus Amsterdam, antwortet mein Freund. Doch irre machen lassen gilt nicht. ,Solche Schamkäppchen hat aber nur ein Frankfurter", gibt mein zionistischer Bekannter nicht verlegen zur Antwort: „überhaupt dieses Frankfurter Prinzip . . . ." und lustig geht es weiter. Mein Freund aber ist aus Amsterdam. Wenn man die heutigen amerikanischen jüdischen Zeitungen liest, was sie ü.er die Keren Hajischuw- Kampagne der Aquda schreiben: ein Haßgesang gegen — Frankfurt. - Selbst der zionistisch informierte Delegierte Englands vor dem Völkerbund informiert die Bundesmitalieder ff''er das palästinensische Gemeindenesetz dahin, daß „Frankfurts Juden" sich durch dieses Gesetz, durch dieses palästinensische Gesetz verqewaUtgt s cklen. Greift diese Frankfurtmanie bei Zionisten weiter um sich, mag es noch dahin kommen, daß wenn man einen Zionisten harmlos auf die Gesetzgebung am Sinai hinweist, er überlegen mildlächelnd abwehrt: .Damit habe ich nichts zu tun, das ist eine rein Frankfurter Angelegenheit". Ernst gesprochen: gibt es aesetzestreue Juden, die der Mizwas Jifchub Erez Jisroel sremd oder gar feindlich gegenüberstehen? Nein, Und Zionisten verstehen nicht, daß diese trotzdem dem Zionismus feindlich gegenüberstehen Ja, wenn die zionistische Bereinigung ein Kolonisationsverein wäre. Aber der Zionismus hat die Kolonisation Palästinas zum Religionsersatz erhoben, ist damit zur verkappten Mligion geroorDen mto roirD Darum uon allen, me das erkennen oder suhlen, vekarnpst. östliche Slalistik. Laut der zuletzt veröffentlichten Statistik erreicht die Zahl der Bevölkerung des Kreises Minsk 519.104 Seelen: die Stadt Minsk selbst zählt 120.009 Einwohner. Die jüdische Bevölkerung erreicht in den Städten 40pCk., in den Dörfern 29pCt. der allgemeinen Bevö kerung. In der staatlichen Industrie sind 4461 jüdische Arbeiter beschäftigt, qualifizierte jüdische. Handwerker gibt es 7387, in den Arbeits- Kollektiven sind 1668 Juden beschäftigt. Im Jahre 1926 hat sich die Zahl der privaten jüdischen Unternehmungen aus 92 vermindert, die der staatlichen auf 169 vergrößert. Andererseits ist die Zahl der in Minsk an jüdische Handwerker gegebenen Patente aus 372 gestiegen. 90pCt. des Kunsthandwerks ist in jüdischen Händen. Die Zahl der jüdischen Mitglieder in den Gewerkschaften des Minsker Kreises beträgt heute 11.657, also 2976 Mitglieder mehr als im Jahre 192?. Laut privaten Erhebungen leben in Taschkent etwa 1300 jüdische Familien mit mehr als 6000 Seelen, nicht eingerechnet die Buchararr?uden, die im asiatischen Teil der Stadt unter der muselmanischen Bevölkerung zerstreut leben. Bis zur Februar-Revolution lebten in Taschkent nur wenige Hunderte jüdische Familien. Abkömmlinge der.Nikolai-Soldaten' (die als Kinder durch die Chergen Rikolasts I. ihren Eltern entrissen und in Soldaten-Kolonien erzogen wurden), ferner K mfleute erster Gilde. Andere Juden hatten dort kein Wohnrecht. Seit der Revolution nokmen viele Hunderte \m\m Wammen DauernDen wufemQoit in Taschkent. Dem Zentrum Der mittelasiatischen Sowjet, republiken.