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Der Israelit · 1926-04-15 · Heft 16 (15.4.1926) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 16 (15.4.1926)
Date
1926-04-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SÄte L. Är..>6 ... .................... ............. .. . aufmerksam zu machen und die konipetenten Faktoren oder Länäesörganlsation zu bevollmächtigen, für den gesetzlichen und statutarischen 'Schütz den 'Gemeinden gegen jedwede Bestrebung, die auf die Beeinträchtigung dieses Charakters der Gemeinde hinzielt, die geeigneten Schritte 'zu unternehmen. Hierbei haben folgende Gesichtspunkte als Richtschnur zu dienen: 1. Die orthodoxe jüdische Gemeinde ist eine autonome Körperschaft mit ausschließlich traditionellem religiösen Charakter und einem Aufgabenkreis, der in den religionsgesetzlichen Vorschriften seine Begründung findet. Die Gemeinde hat die Institutionen zu errichten, zu erhalten, zu fördern und zu verwalten, die der religiösen Pflichterfüllung ihrer Mitglieder dienen und im Sinne der Statuten nach den Vorschriften des Schulchan Aruch'eingerichtet sind. 2. Jede Bestrebung, welche geeignet erscheint, den religiösen Charakter der Gemeinde zu beeinträchtigen oder in ihren Auswirkungen Unternehmungen fördert, welche den Aufgabenkreis der Gemeinden überschreiten, ist aus dem Rahmen der Gemeinde unter allen Umständen auszuschließen. 3. Die Ideologie des Zionismus und die praktische Auswirkung der jüdisch-nationalistischen Bestrebungen zur Derweltlichung der Gemeinden bedeuten eine Gefährdung des religiösen Charakters der jüdischen Gerneinden. Es ist tiastip Hprg? g« tragen, daß im Nahmen der orthodoxen Gemeinden und der von ihnen errichteten, erhaltenen, geförderten oder verwalteten Institutionen der Zionismus und seine Institutionen sowie die jüdischnationalistischen Bestrebungen keinerlei Wirkungsstätte finden oder irgendwelche Förderung erfahren. Die Versammlung beauftragt die kompetenten Faktoren der orthodoxen Landesorganisation, die Beschlüsse der Rabbinerversammlung und deren Konsequenzen praktisch im Gemeindeleben durchzuführen. Cs folgen 72 Unterschriften. Esilerir-. kein hebräischer Unterricht in den jüdischen Schulen Rußlands. R i g a, 4. April. Das Komitee für nationale Minderheiten in Rußland hat das Gesuch von 10 000 jüdischen Schulkindern um Einführung des hebräischen Unterrichts in den jüdischen Schulen abgelehnt. tfvanfveicfy. __ Line zionistisch-arabische Disputation. Paris, 10. April. Zn Paris werden in letzterer Zeit des öfteren Ausspracheabende über das arabische Problem in Palästina veranstaltet, die von zionistischer und arabischer Seite ausgehen und von beiden Parteien stark besucht werden. Der jüngste Ausspracheabend fand unter dem Vorsitz eines Arabers, Dr. Samnis, statt. Auch viele Nichtzionisten wohnten aus Interesse und Neugierde den Auseinandersetzungen bei. Der erste arabische Redner brachte vor, daß die Juden in ein Land einzudringen suchten, das seit anderthalb Jahrtausenden Heimat der Araber sei. Eine jüdische Majorität im Lande sei undenkbar, da die arabische Vermehrung der jüdischen Einwanderung standhaltrn werde. Palästina sei zu klein. lim alle Iudsn miMiüffl ml m MUKIüig In i>en Nachbarländern würde gu neuen Schwierigkeiten Und Verwicklungen führen. Der Redner sieht in der Politik des Zionismus, in der Ausbreitung der hebräischen Sprache, auch in der Bildung der Iewish Agency einen Eingriff in die arabischen Rechte. Ein zweiter arabischer Redner fürchtet von der jüdischen Einwanderung eine Trübung der alten, reinen arabischen Kultur durch Einführung des europäischen Elementes. Den zwei Araoern traten drei jüdische Redner ent» gegen. Der erste, Herr T r o s a l s k i, warf der arabischen Intelligenz vor, daß sie ganz künstlich den unnatürlichen Judenhaß in die Araberdörfer verpflanze und übersehe, daß die Juden dem Gesamtstaate und der arabischen Kultur ungeheuren Nutzen bringen. Ein «nderer, Herr Vogel, weist aus die großen brachliegenden Landflächen hin, die aber die Ejsendis weder selber nutzbar machen, noch an die Juden herausgeben, seitdem die künstliche Hetze gegen die Iudein eingesetzt hat. Der dritte Redner, Herr Kalmi, weist den Vorwurf zurück, als seien die Juden Emissäre der euro- .2) c..r.,b;5 r,o e l i t ,, 'palslHen KAiür. Sie lehren vielMhr europamüde zuralten Heimat züruck und fühlen sich kulturverwandt mit den Arabern. Das höchste Ziel fei heute der Friede' nirt den arabischen Nachbarn, die gemeinsame Sorgen' und gemeinsame Hoffnungen verbinden. Die Araber ergriffen nicht mehr das Wort. . Die Aussprache bewegte sich in ruhigen Bahnen und inan hatte das Gefühl, daß sie einiges zur Klärung und Versöhnung beigetragen hat. Der Wert dieser Auseinandersetzungen muß natürlich an dem problematischen Einfluß gemessen werden, den diese kleine in Paris lebende arabische Intelligenztruppe auf ihre Stammesgenossen in der Heimat ausübt. «Sitglanfe. Die Alarannen sollen wieder Juden werden. London, 10. April. Dieser Tage fand hier eine Versammlung der Anglo Iewish Association statt, der ein Bericht des Joint Foreign Committee (Kommitee für auswärtige jüdische Angelegenheiten) vorlag. Ueber Rußland stellt der Bericht fest, daß die Behinderung des jüdischen religiösen Unterrichtes fortdauert. Mohammedaner und Christen unterliegen mit Bezug auf Religionsunterricht nicht solchen Beschränkungen wie die Juden. Wenn dieser Zustand MtvlMtt. lann fiü Mische Jugend in Rußland dM Judentum verloren gehen. Der russischen Regierung wurde eine ernste Beschwerde übermittelt. Herr Lucien Wolf erstattete nun Bericht über seine Mission in Portugal, wo er im Aufträge der Alliance Israelite Universelle und der Anglo Iewish Association das jüdische Schulwesen inspiziert und unterstützt hat. Vor zwanzig Jahren erst wurde mit dem Studium des Lebens der Marannen in Portugal begonnen. Der polnisch-',üdische Ingenieur Samuel Schwartz hat sich darin besondere Verdienste erworben. Allgemein wird angenommen, daß die Marannen, die unter dem Drucke der Inquisition zum Katholizismus übertraten, in ihrem Inneren bis auf den heutigen Tag Juden geblieben sind. Wäre dies der Fall, so hätten die Marannen nach 1910, da in Portugal der katholische Kirchenzwang aufgehoben wurde, wieder sich zum Judentum bekennen müssen. Bis jetzt hat dies aber kein Maranne getan. Dis Wahrheit ist, daß die schweren Verfolgungen die Marannen geistig erschöpft haben. Mehrere von ihnen nahmen endgültig den katholischen Glauben an, andere sind in der Auswanderungsperiode 1580 bis 1700 zugrunde gegangen, der Rest lebt in Portugal arm, isoliert und ist degeneriert. Noch immer werden jüdische Glaubensübungen von ihnen im Geheimen ausgeübt,- sie beobachteten den Sabbath, das Pessachfest und den Versöhnungstag. An jedem Freitagabend werden an geheimem Ort Kerzen angezündet. An den Pessachabenden versammelt man sich zu einem geheimen „Seder", Mazzoth werden gegessen. Der Iom- Kippur-Fasttag wird streng eingehalten. Der Ingenieur Schwartz hat nur wenige Marannengebete sammeln können. Aus diesen Gebeten geht aber hervor, daß die Marannen wahrhafte Juden geblieben sind. Interessant ist, daß die religiösen Dienste von den Frauen geleitet werden; Frauen sind Rabbiner, Vorbeter und Synagogenbeamte. Es ist nicht zu verwundern, daß verschiedene abergläubische Bräuche platzgegrifsen haben. Herr Schwartz schätzt die Zahl der portugiesichen Ma- MNIM auf öllva 10,000. in WstMM G 341 nicht so hoch. — tfeeft einigen Jahren besteht unter den Marannen Portugals eine lebhafte Bewegung, sich nunmehr offen zur jüdischen Religion zu bekennen. Diese Bewegung hat insbesondere unter dem Mittelstand platzgegriffen. Dieser Stand weist die typischen jüdischen Rässenmerkmale auf. Lucien Wolf führte aus, die Schaffung jüdischer Schulen in Portugal sei ein wichtiges Problem, reiche aber nicht hin, um die Frage der Renaissance der Marannen und ihrer Rückkehr zum Judentum zu lösen. Erziehung und Unterricht muß sich auch aus die Erwachsenen erstrecken. Herr Wolf hat in diesem Sinne die Abhaltung von Kursen und Vorträgen organisiert. Im allgemeinen widerstrebt die Masse der Marannen einer formalen Rückkehr zum Judentum. Man muß sie an ihre glorreiche Vergangenheit, an das Martyrium ihrer Vorfahren erinnern, sowie durch andere Mittel ihren Heimweg zum Judentum erleichtern. — -- ..... - ..._-l^npiU 1926 Die Reorganisation der palästinensischen tmfe kkÜNsiordäNifchen Schützmacht. London, 3. April. Eine Mitteilung des britischen Kolömalamts, datiert: vom 31. März, besagt: In Anbetracht der in den letzten fünf Jahren in Palästina und in Transjordanien stattgefündenen Aenderung der Lage wurde auf Empfehlung des Oberkommiffars für- Palästina beschlössen, die Militär- und Polizeimächt in diesen Territorien auf einer mehr ökonomischen Basis zu reorganisieren. Es wurde das Prinzip angenommen, daß zwischen der Polizei und der Militärmacht eine klare- Unterscheidung bezüglich der Funktionen in der Organisation bestehen soll. Den Regierungen Palästinas und Transjordaniensunterstehen a) die palästinensische Polizeimacht; b) die palästinensische Gendarmerie, geteilt in zwei Sektionen: eine progressiv sich vermindernde britische und em^ progressiv steigende palästinensische Sektion; c) die arabische Legion in Transjordanien. Gemäß dem Reorganisationsplan'werden beide Sektionen der palästinensischen Gendarmerie aufgelöst, aber fünf Offiziere und 200 Mann der britischen und zwei Offiziere und 250 Mann der palästinensischen Sektion werden von der palästinensischem ^oit^eiiiTad^ die vergspM; ffisS, Mkmommen mtrDeiL Auch die arabische Legion in TkansMdattien wird ausgelöst; in Transjordanien wird eine Polizeimacht geschaffen, die hierzu sich eignenden Mitglieder der aufgelösten Legion werden von der Polizei übernommen werden. Der Rest der palästinensischen Gendarmerie- Sektion wird den Kern einer Militärmacht bilden, die transjordansche Grenzwacht genannt werden wird und hauptsächlich für den Dienst in Transjordanien ausersehen ist. In der Mitteilung des Kolonialamts heißt es zum Schluß: Die Meldung, daß Juden vom Dienst in den Grenzkorps ausgeschlossen werden sollen, ist unrichtig. Eine gewisse Zahl jüdischer Gendarmen, die gegenwärtig in der palästipensischen Gendarmerie-Sektion Dienst tun, wurde bereits in die Listen der neuen Macht eingetragen. Da jedoch die Grenzschutzmacht zunächst für den Dienst in Transjordanien ausersehen ist, so wird die Zahl den Juden in ihren Reihen nicht groß sein. Der Rest desjüdischen Personals in der palästinensischen Gendarmerie wird in die erweiterte palästinensische Polizeimacht überführt werden. (ITA.) Personalien. Schweinfurt. 4. April. Rabbiner Dr. Stein- Schweinfurt, Mitglied des Rates bayerischer israelitischen Gemeinden und Vorsitzender des Verbandes bayerischer gesetzestreuer jüdischer Gemeinden, beging am 27. März seinen 60. Geburtstag. Dr. Stein hat am Hildesheimer Rabbiner-Seminar und an den Universitäten Berlin und Würzburg studiert. Seit 35 Jahren ist er als Rabbiner von Schweinfurt eine Stütze des gesetzestreuen Judentums in Bayern. Rephofen (Pfalz), 12. April. Herr Israel Fischer feiert am 14. April seinen achtzigsten, seine Gattin, Sara Fischer geb. Maue, feierte am 5. April ihren einundachtzigsten Geburtstag. Beide Ehegatten erfreuen sich vollster geistiger und körperlicher Gesundheit. Prenzlau, 9. April. Am 1. Mai d. Js. begeht'Rabbiner Dr. O. Bähr, Prenzlau, seinen 70. Geburtstag, verehrt und geschätzt von allen, die ihn kennen. Rabbiner Dr. Böhr ist ein Schüler des Hildesheimerfchen Seminars in Berlin und wirkt seit mehr als 40 Jahren in her MslMllcr MmeiM. wm LlliMNschwllwllld, 15. April. Zll Bericht!n herjüngsten Nummer über das Amtsjubiläum des Herrn Lehrer Spier teilt uns der Berichterstatter ergänzend mit, daß Herr Dr. Lazarus in feiner Eigenschaft als Bezirksrabbiner von Wiesbaden (Langenfchwalbach gehört dem Bezirksrabbinate Wiesbaden an) die Festrede gehalten hat. Uffenheim, 8. April. Der über die Grenzen Bayerns hinaus als streng religiöser -nw, wie solche leider in den Landgemeinden immer seltener werden, bekannte ehemalige Kaufmann Herr Josua Flamm dahier, wurde im 76. Lebensjahre aus dieser Welt abberufen. Flamm war - Gründer und langjähriger Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde, der Erbauer ihrer Synagoge, fast ein halbes Jahrhundert Chafan an den a'K-mi ww und Förderer aller religiösen Institutionen. Er verfügte neben einem gediegenen profanen über ein bedeutendes religiöses Wissen, war, wie ein Fachmann, in allen d'j-t oewandert und erfüllte das Schriftwort: ia. r-m nWi dt»- S. R. Hirschs Werke waren seine ständigen Begleiter. Im Sinne des eigenen Lebenswandels, getreu den Traditionen der ihm verwandtschaftlich nahestehenden Familie des alten Würzburger an S. B. Bamberger Vt. erzog er mit Hilfe der ihm vor 15 Jahren im Tod vorausgegangenen ebenbürtigen Gattin seine Kinder in gleich religiösem Geiste. Zwei seiner hervor-

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