Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1926)
- Date
- 1926-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 16 Seite 5 15, April 1926 Schiefheiten der Auffassung und des Urteils, daß eine Widerlegung desselben bei weitem den Umfang eines oder selbst mehrerer Artikel überschreiten müßte. Ihrem Scharfblick gereicht diese — Unzulänglichkeit der Beobachtung, trotz eines „Zuschauens seit Jahren und aus nächster Nähe", keineswegs zur Ehre. Ein Motiv, das aus Ihrer Auffassung der Dinge und in deren Bewertung sehr stark durchklingt, ist der Respekt vor der Zahl; die große jüdische Gemeinde und die kleine Adaß Iisroel — diese Anthese der metallischen Schwergewichte hat es Ihnen offenbar angetan; lym sei der Schluß dieser Ausführungen ins Stammbuch geschrieben. Unser Zitat vom Knorr und Knubben hat nämlich bei Lessing noch eine kleine Fortsetzung, sie lautet:/ „Nur muß ein Gipfelchen sich nicht vermessen, Daß es allein der Erde nicht entsprossen!" Rabbiner-Seminar zu Berlin. SßFlin, 8. WM. Im Nabbinerstminar gu Berlin (Artlllerieflraße ZI) werden während des Sommerhalbjahres 1926 neben den regelmäßigen Vorlesungen der Herren Dozenten mehrere allgemein zugängliche Sondervorträge von jüdischen Gelehrten gehalten werden. Herr Prof. Jsaac larcon (aus Leningrad) wird 6 Vorlesungen über „Streifzüge durch unbekanntes Gelände der jüdischen Geschichte" halten, ebenso der Geschäftsführer der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Herr Dr. Jakob S e g a l l, 5 Vorträge über „Jüdische Sozialfürsorge"; sie werden 14tägig am Montag nachmittag (Beginn: letzte Aprilwoche) gehalten werden. Ferner wird Herr Dr. Willy Halber st adt, Direktor der Volksschule der Adaß Jisroel-Gemeinde, seine im Wintersemester begonnene Vorlesung über „Praktische Pädagogik des jüdischen Religionsunterrichts" fortsetzen. Die Teilnahme an den Vorträgen ist jedermann gestattet. Auf schriftliche Anmeldung, die unter Angabe von Name, Beruf und Wohnung an das Rabbinerseminar zu Berlin, Artilleriestraße 31, zu richten ist, werden Zutrittskarten zugesandt werden. Von den Repräjentantenwahlen. Berlin, 12. April. Mit Hinblick auf die am 16. Mai stattfindenden Reprösentantenwahlen fanden in den letzten Wochen zwischen den Liberalen, der Jüdischen Volkspartei, den Konservativen und der Mittelpartei Verhandlungen statt, die aus die Aufstellung einer Einheitsliste abzielten. Diese j»HK S™ KMm SK «IN!» SlDDES; verbandSwahlen zusammengesetzt werden. Die Verhander vom Provinzialschulkollegium zu Koblenz zum Seminaroberlehrer, 1924 zum Seminarstudienrat ernannt. Weit über die Grenzen seines Wirkungskreises hinaus ist Elias Gut bekannt. Auf allen Gebieten des profanen Wissens ein Meister, ist er auch mit reichem jüdischen Wissen begabt, das er sich in unermüdlichem Streben errungen hat. Mit klarem, zielbewußtem Blick, mit dem er die Synthese zwischen trockener Schulweisheit und den praktischen Lebenserfordernissen zu finden weiß, ist er seinen Schülern, die mit Verehrung zu ihm aufblicken, nicht nur Lehrer, sondern auch Freund und väterlicher Berater. Sein sprudelnder Witz, sein unerschöpflicher Gedankenreichtum lassen, bei welcher Gelegenheit auch immer sein Wort gehört wird, einen nachtönenden Eindruck im Herzen der Zuhörer zurück. Elias Guts Wirken ist nicht in hen Rahmen dieser Zeilen zu spannen, seinen Verdiensten kann die gebührende Würdigung nicht werden, weil ein Lehrerlos nicht auf den Dank der Menge ausgebaut ist. tm?n '22122 v'2in- „Die da viele zur Gerechtigkeit 'führen,' gleichen den Sternen des Himmels", die unentwegt leuchten, ob auch Nacht sie umgibt. Wenn aber der verehrte Jubilar sich heute anschickt, in eine neue Etappe seines Lebens einzutretery dann mag ihn das erhebende Bewußtsein weitergeleiten, daß zahlreichen Herzen der Wunsch entströmt, ihn noch Jahrzehnte hinaus wirken zu sehen, nn-nrrn^i nun _ Wochenkalender. vom 17.-24. April 1826.' vom 3.-10. Jjar 5686 Samsiog 17 S7'Tn jnixn 3 2"N2 f222tt '2 jns Sonntag 18 4 Montag r 19 5 ■w rroi'n Dienstag gS$ 20 6 i"rr Mittwoch 21 7 Donnerstag 22 8 JröitQQ 23? Samstag 24 a-nrrnp 10 langen sind jedoch gescheitert, da die Mittelpartei, die Konservativen und die Jüdische Volkspartei übereinkamen, den Liberalen nicht die Mehrheit in der Repräsentanten-Versammlung zu gewähren, worauf diese nach dem vorjährigen Wahlresultat Anspruch machten. Dazu wird von oolksparteilicher Seite geschrieben: Der Anspruch der Liberalen Partei aus Majorität in der Repräsentanten-Versammlung entspricht nicht der augenblicklichen Besetzung. Gegenwärtig hat die Repräsentanten-Versammlung eine Zusammensetzung von 10 Liberalen, 5 Volksparteilern, 5 Mitgliedern der Konservativen Arbeitsgemeinschaft und einem Handwerker. Auch die Landesverbandswahlen haben in Groß-Berlin keine entscheidende Majorität für die Liberalen erbracht. Der Anspruch der Liberalen Partei auf die Majorität in Repräsentanten-Versammlung und Vorstand für die gesamte, nächste Wahlperiode ist nicht berechtigt, zumal die Liberale Partei es auch abgelehnt hat, gewisse Kauteten zrr getxm durch Wahlen von solchen Perfönlichtcitcuj von man «me SßFÜffi sichtigung der Interessen der anderen Parteien erwarten könnte. Unter diesen Umständen ist ein Wahlkampf, den auch die Jüdische Volkspartei mit Rücksicht auf die augenblickliche schwere Lage gern vermieden hätte, nicht zu umgehen. Die Münchener jüdische Gemeinde und der Schächkverbotsantrag. München, 4. April. Zu der von dem Münchener Tierschutzverein an den Landtag gerichteten Eingabe mit der Bitte um Erlassung eines Schächtverbots, haben Rabbinat und Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München in einer Erklärung Stellung genommen, die ungefähr besagt: Die Eingabe des Münchener Tierschutzvereins an den Landtag stellt die Behauptung auf, das Schächten stelle eine Tierquälerei dar. Diese Auffassung ist unbewiesen und vielfach angefochten. Den in der Eingabe angeführten fchächtgegnerischen Gutachten stehen Hunderte von Gutachten von Männern der Wissenschaft und der Praxis, darunter 98 Professoren von Universitäten und tierärztlichen Hochschulen, gegenüber, die bis in die neueste Zeit hineinreichen. Diese Gutachten, die das Schächten als eine einwandfreie und humane Tötungsart erklären, sind weder durch neuere Gutachten, noch durch verbesserte Schlachtmethoden entkräftet worden. In der Erklärung, wird eine Reihe dieser Gutachten zitiert und festgestellt, daß die Bewegungen nach dem Schnitt laut Bekundung von wissenschaftlicher Seite Reflexbewegungen sind, die in, ZüsUni: 82? MM«!« MID Wk 8M2U empsindung erfolgen. Andererseits haben wissenschaftliche Autoritäten festgestellt, daß die Anwendung der Schu߬ oder Schlagmaske nicht immer die sofortige Tötung oder Betäubung der Tiere verursacht. Die Erklärung schließt: „Die rituelle Schlachtmethode ist eine religiöse Satzung des Judentums, die im biblischen und nachbiblischen Schrifttum ihre Begründung hat. Keine Stelle ist befugt, das Schächtgebot aufzuheben. Das Tier darf nur dann geschachtet werden, wenn es in keinem seiner wesentlichen Organe verletzt ist. Die Betäubung durch Hirnschlag, Schußmaske usw. würde somit einem Schächtverbot gleichkommen und Hunderttausende Bekenner unserer Religion zwingen, aus den Genuß dieses wichtigen Nahrungsmittels zu verzichten, um nicht ihr Gewissen durch Uebertretung einer Religionssatzung zu belasten." Vsl««. Der Alachlgebrauch der Orthodoxie. Warschau, 9. April. Die Macht, die die orthodoxe Fraktion in den Gemeindeverwaltungen von Warschau und Lodz sich erworben hat, wird nicht, wie von anderer Seite, in der Absicht, gruseln zu machen, vorausgesagt wurde, mißbraucht, sondern wird einzig für eine Besserung im religiösen und gesamten E'emeindeleben in Einsatz gebracht. In der Erklärung der Aguda-Fraktion auf der Sitzung des Warschauer Kehillorates wird unter anderem gesagt: Die Arbeit der Kehilloh erstreckt sich auf folgende Gebiete: 1) geistig religiöse Angelegenheiten, 2) Kultur und Erziehung, 3) sozialwirtschaftliche Anliegen. Zum 1. Punkte gehört die Organisation des Rabbinates als die Führung der Warschauer Großgemeinde. Sodann die Regelung der Schechita und des Kaschruthwesens, ebenso die Ob- J8FJJ? Jur ÄOTlkwr», bie Csrric^iung r>ort Beiu_rth Häusern, öa§ DeerMgungswrM, Zn ^untt 2 g<4"ri die Errichtung von genügenden und gutjüdisch geleiteten Schulen und Fortbildungsmöglichkeiten für männliche und weibliche Jugend. Chedarim und Jeschiwaus, besonders aber Waisenanstalten müssen die nötige Unterstützung erhalten. Die soziale und wirtschaftliche Arbeit muß sich darauf konzentrieren, das Elend der Massen zu lindern ohne Rücksicht auf Klasse und Richtung, durch Errichtung von Kreditanstalten, durch Schaffung von Werkstätten und Lehrlingskursen, durch Regelung der Krankenpflege. Zu diesem Kapitel gehört auch die Palä st inaarbeit im Geiste des jüdischen Gesetzes. Die Erklärung wurde mit größtem Interesse von allen Fraktionen angehört. Eine ähnliche Erklärung mit genauer Erörterung ihres Arbeitsprogrammes gab die orthodoxe Fraktion auch im L o d z e r Gemeinderat ab. SttmanUit. £jf uttb die Iftinbef- (jciteiu Bukarest, 4. April. Ueber die Position der neuen Regierung Averescu gegenüber den Minderheiten und den Juden läßt sich heute Bestimmtes noch nicht sagen. Es sei an das seinerzeitige Interview des JTA.-Vertreters mit Herrn Dr. Meyer Ebner, einem Führer der Bukowinaer Judenheit, erinnert, der die Erwartung ausfprach, daß General Averescu, der weder Judenfreund noch Judenfeind ist, auch in der Zeit feiner zweiten Ministerpräsidentschast für Ruhe und Ordnung im Lande sorgen und auch den antisemitischen Desperados energisch entgegentreten wird. Herr Dr. Meyer Ebner glaubt ferner, daß in einem Ministerium Averescu Herr Dori Popovici, der eine gerechte Politik gegenüber den Minderheiten geführt hat, wieder das Ministerium für die Bukowina übernehmen wird. Diese Erwartung ist eingetroffen. Herr Dori Popovici, der Minister für die Bukowina, erklärte im „Adeverul", die Minderheiten werden als Brüder behandelt werden, da sie vollberechtigte Staatsbürger sind. Tseheehs-Slsrnnkei. Die Rabbinerkonferenz in der Tschechoslovakei. Bratislawa, 1. April. Die Rabbinerversammlung hat folgende zwei Resolutionen einstimmig angenommen: Resolution 1. — Orthodoxie und Zionismus. Die am 22. Adar 6686 in Poprad tagende Versammlung der orthodoxen Rabbiner in der Slovakei — die im & WMM N M oi vkl mmsissr,r sationen zur Entscheidung der religiösen Angelegenheiten der Konfession berufen ist — konstatiert, daß die im Jahre 5664 von den rabbinischen Autoritäten herausgegebene Kundgebung gegen den Zionismus und seine misrachistische Fraktion unverändert in voller Kraft besteht. Die Entwicklung, die der Zionismus seit jener Zeit genommen hat, und die Agitationen, die seine Anhänger mit allen Mitteln der Propaganda auf allen Gebieten des privaten, des Gemeinde- und Gemeinschaftslebens entfalten, und im besonderen die Erweiterung der zionistischen Ideologie zu einer geistigen und kulturellen Bewegung mit dem Ziele der Säkularisation (Verweltlichung) des Judentums und der Entkleidung des Judentums seines historischen religiösen Charakters, gestalten den Zionismus und seine Fraktionen zu einer eminenten Gefahr für das Judentum und seine religiösen Institutionen und kennzeichnen ihn als eine Bestrebung zum Abfall von der traditionellen Religion der Väter. Die Rabbinerversammlung beschließt, die frühere Kundgebung vom Jahre 5664 aufs neue zu veröffentlichen und nachdrücklichst zu erhärten. Es wird festgestellt, daß die Zionisten und Misrachisten sowie alle diejenigen, die den Zionismus und seine Institutionen oder Bestrebungen auf irgendeine Weise unterstützen oder fördern, sich im Gegensatz zum historischen Judentum und seinen Grundlagen befinden und infolgedessen keine orthodoxen Juden sein können. Es müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden, daß die Erkenntnis von dieser Feststellung in das Bewußtsein aller Juden übergeht. Resolution 2. — Die orthodoxe jüdische Gemeinde. Weiter beschließt die Landesversammlung der orthodoxen Rabbiner, die orthodoxe jüdische Bevölkerung des Landes auf die dringende Notwendigkeit der Erhaltung rmk Achtung KSL r-slizisssn ChlMktM Der MMiMil