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Der Israelit · 1926-04-15 · Heft 16 (15.4.1926) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 16 (15.4.1926)
Date
1926-04-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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©eite 4 Nr. 16 Vernichtungswille versagte. War Israel der Aufenthalt in einem Lande unmöglich gemacht, so öffnete ihm ein anderes Land gastlich seine Grenzen. Finster waren gleichwohl die vergangenen Jahrhunderte jüdischer Golusnacht. Val er Jaakauws Aufschrei „hazileeni noo" blieb auf den Lippen langer Geschlechterreihen. Dieses erste Stadium unserer Volksnot scheint zu Ende gegangen zu sein'), und es ist die gesellschaftliche Ablehnung, die, begründet mit dem Rufe an Jizchok: ki ozamto mimenu meaud, das zweite Golus-Stadium kennzeichnet. Bürgerrecht haben alle Staaten ihren jüdischen Bürgern gesetzlich eingeräumt; und wenn in Rußland Thoralernen und Thoraerfüllung mit Strafen belegt sind, so ist der Grund eine allgemeine Verpönung jeglicher Religionsübung: das Motiv ist nicht Judenhaß. D0lH SSL Unglück pllsMsn Sufcen ist groß. Dem Gottesgesetz ungehemmt leben und huldigen zu können, ist der erste Anspruch Israels an die Völker, und nie ist auf dieses Recht verzichtet worden, kann darauf verzichtet werden. Andere Forderungen als auf Menschenrecht und Gewissensfreiheit hat Jisroel nicht zu stellen. In diesem Zusammenhang mag eine Bemerkung über nationalistische Ansprüche jüdischerseits angebracht sein. In Polen war es, wo die Zionisten erstmalig praktisch eine nationalistischkulturelle Autonomie für die jüdische Bevölkerung erstrebten. Das bedeutete nicht mehr und nicht weniger als die Anerkennung vonfeiten Polens, daß in dem neuen Staate sich eine nichtpolnische Nationalität, nämlich die jüdische, einrichten könne. Das bedeutete nicht mehr und nicht weniger, als daß anstelle des mit gewaltiger Begeisterung von allen polnischen Parteien begrüßten Nationalstaates ein Nationalitätenstaat nach dem Muster des alten Oesterreich entstanden wäre, bestehend aus einer Hauptnatilmalität, der polnischen, und aus Minderheitsnationalitäten, nämlich deutscher, jüdischer, litauischer, weißrussischer, ruthenischer (uss.) Gattung. Alle politischen Parteien Polens, mit keiner einzigen Ausnahme, lehnten das entrüstet ab. Lodernden haß aus die Juden rief schon die Zumutung hervor. Die Führer der Aguda in Polen verstanden die Sachlage, sie erkannten, daß m ftnntos mors, eino NW MBilliz m EMU gewährte nationalistische Autonomie zu erstreben und daß der Versuch allein schon ein Unglück sei. Vielmehr verlangte und erreichte die Aguda in Polen die religiös-kulturellen Erfordernisse, die öffentlich-rechtliche Anerkennung des Judentums. Das ist ja, in unsere Sprache übertragen, 3) Vergl. S. R. H. Kommentar I, 26. 16. ..... Der Israel»»__ nichts anderes ms die wahren thoranationa len Rechte, also einschließlich jüdischer Privat- und Volksschulen. Näheres darüber bringt auf Seite 13—17 das Hälberstädter Heft „Was will, was ist Agudas Jisroel?" (von der Landesorganisation kostenlos zu beziehen). Gottes Thora ist vollkommen, gibt Antwort auf jede auftauchende Frage: sie läßt keinen Zweifel bestehen und keinen Widerstreit der Pflichten. Wer sie und nur sie befragt, des Weg ist gerade, des Schritt ist fest, des Ziel ist klar, des Herz ist froh, des Aug ist hell. aV 'nvvv 'n nipö '2'2'p lN'x» rm 'tt nix» ../«s_ Korrespondenzen « ßaebriebten. Knorr und Knubben. III. E. B. Vörlin, im Marz. Noch ein Wort zum Kapitel von der Toleranz. Wenn auf irgend einem Gebiet, so muh auf diesem, soll anders das Wort nicht zur Lüge werden, volle Gegenseitigkeit verbürgt sein, und mit vollem Recht wird der Ausspruch, der dem Führer des französischen Ultramontanismus in den Mund gelegt wird, als vollendetstes Beispiel einer unwahren Sophistik gewertet, der zu seinen Gegnern gewendet gesagt haben soll: Wenn wir die Macht haben, verweigern wir Euch die Toleranz im Namen unserer Prinzipien, aber wenn Ihr die Macht in Händen habt, fordern wir sie auf Grund Eurer Prinzipien. Nein! Wir wollen Toleranz gegenüber Andersdenkenden üben; und gerade darum treten wir aus Gemeinden, die Reformcharakter tragen, aus, weil unsere religiöse Ueberzeugung uns bei Anderen Auflehnung gegen das Gottesgesetz nur dann ertragen läßt, wenn das einigende Band der gemeinsamen Religion bis aufs letzte durchschnitten ist! Aber wir fordern auch für uns Toleranz von der Gegenseite! Ein kleines Beispiel nun für deren Toleranz! Bor einigen Monaten führte ich an dieser Stelle Benm BOFiifw, Mg Bis iüf$8 LMW: wagt habe, die Ehe von nichtausgetretenen Frauen mit Mitgliedern der Adaß Jisroel als Mischehe zu bezeichnen, und erhob gegen die Führer der Gemeindeorthodoxie den Vorwurf, daß sie diese unerhörte Beschimpfung und Kränkung frommer jüdischer Frauen ohne ein Wort des Tadels hingehen liehen. Niemand, der den Artikel liest, wird bezweifeln, daß ehrliche Empörung ihn diktiert hat. Die Antwort auf diese Anklage wurde mir __ 15 April 1926 von demselben — oder um int Jargon des Familienblattes zu sprechen! — von dem gleichest Herrn erteilt, der die Dringlichkeit des Gotteshauses für die Reformgenossen attestiert hat zuteil; sie bestand, abgesehen von einigen geistvollen persönlichen Anzapfungen, in dem Zugeständnis, daß „das Steuerbüro hierbei keine glückliche Hand gezeigt habe". Auch nicht die leiseste Andeutung eines Verständnisses für das seelische Trauma, das einfach denkenden jüdischen Männern und Frauen durch die mit Recht als ärgste Beschimpfung empfundene Bezeichnung ihrer Ehe als eines Konkubinats im religiösen Sinne angetan. wurde! Weiter! Wie damals berichtet, wurde seitens einer „Mischehelichen" Klage gegen ihre Veranlagung zur Gemeindeeinkommensteuer bei dem Verwaltungsgericht erhoben. In dem Schriftwechsel, den diese Klage hervorrief, leistete sich der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde folgende ätusfiiljrungett, bte ft<f> fetbfi am £>efiert c^iarafieripereri; unserer bisherigen Musfu^vungen fei noch auf ffolgenöes hingewiesen: Bei Aufnahme der Bestimmung über die Besteuerung von „gemischten Ehen" in unser Statut bestand bei den Gemeindekörperschaften zweifellos die Absicht, damit auch alle diejenigen Fälle steuerlich zu erfassen, wo ein Gemeindemitglied durch den Austritt aus unserer Religionsgemeinde sich der Steuerpflicht entzog, die Ehefrau aber sich die Möglichkeit der Benutzung unserer Einrichtungen erhalten wollte. Es würde nicht der Gerechtigkeit entsprechen, wenn diese Ehefrauen zwar berechtigt sind, an allen Einrichtungen der Gemeinde teilzunehmen, aber nicht verpflichtet wären, nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit Steuern zu entrichten. Wenn sie keinen Wert auf die Zugehörigkeit zur Gemeinde legen, so steht es ihnen frei, aus der Gemeinde .«uszutreten. Bleiben sie aber Mitglieder der Gemeinde, so müssen sie auch zu den Lasten der Gemeinde beisteuern." Man merkt der Stilisierung dieser Sätze den geschickten Juristen an. Die Behauptung wird vermieden, daß Frauen der Mitglieder von Adaß Jisroel von den Einrichtungen der Gemeinde Gebrauch machen, denn über diese groteske Vorstellung müßten sich sogar die' Bäume vor innigem Lachen biegen. Aber der Phantasie des Lesers, das sind in diesem Falle die Mitglieder des Verwaltungsgerichts, wird dnch genügend Stoff geboten, um sich aus dem zwischen den Zeilen Lesbaren seinen Vers zu bilden. Aber darum bleibt es für WMgß \m sisis fisfs? \n U, bei, daß wir Separatisten stets dabei sind, das Wasser zu trüben! Diese Auswahl aus dem überreichen Stoff, der uns zur Verfügung steht, möge für heute genügen. Zum Schluß nur noch ein kurzes Wort an den Verfasser des Artikels: Die Charakteristik, die Sie von den Verwaltungsmaximen und der Verwaltungspraxis der Adaß Jisroel geben, enthält so viel Ungereimtheiten und Russifizierungswut in der Aera des Alexander III. dem Rabbi, der in seiner Kulturaussassung mehl deutsch eingestellt war. und so kam es. daß u nach zehnjähriger Wirksamkeit Libau und Rußland verlassen mutzte. Jetzt aber erössnele sich ihm erst das eigentlicbe Arbeitsfeld, das feiner harrte. Der bekannte JacobJofef ^7. der ..Magid von Wilna" (Jankale Charis) wurde damals von Wilna nach New-2)ork berufen» wo ihm das Oberrabbinat für die vereinigten Gemeinden Amerikas übertragen wurde. Don den Enttäuschungen dieses Rabbi, der mit größten Hoffnungen nach Amerika gegangen war. zu sprechen, ist hier nicht der Platz. Mit scharfem Blicke hatte Rabbi Jacob Joses in Amerika gleich ersaßt, daß neben ihm. dem alten Rabbi, in dieser neuen Welt noch einer wirken mußte, der Kraft se ner modernen Bildung auch aus andere Kreise Einfluß gewinnt und dort rettet, was noch zu retten war. So setzte er es durch, daß der „Libauer Rabbiner", den er gut kannte, nach New- Pork berufen wurde, und zwar als Rabbiner der angesehenen ungarischen Synagoge Ohew Zedek. Schon nach wenigen Jahren hatte er das Vertrauen der amerikanischen Judenkeit in einer Art, daß selbst Abseilsstehende, vom Zauber seiner Persönlichkeit angezogen, sich zur jüdischen Arbeit fanden. Don seinem Gönner Rabbi Jacob Josef, den er lange Jahre überlebt hat, gingen Autorität und Einfluß aus ihn über. Ohne daß er jemals sich diesen Titel anaematzt hätte, galt er doch allgemein als der Oberrabbiner und der Führer der amerikanischen Orthodoxie von der westlichen Schattierung. Der ßolel ..Scftomte fjadjomotlj* in ^Jeru|aletn ü&er» ftUS lßM Olaffltällr&e, rote er auch fort ft irrt 33f” sitze vieler Ehrenämter war. Wie schon mitgetettt, durften bei der Beerdigung, auf den letzten Wunsch des Verstorbenen, keine Reden gehalten noch die Bahre in die Synagoge oebracht werden. Die nicht minder allbeliebte Frau Rabbiner erkrankte durch ein tragisches Zulammentreffen zur gleichen Zeit und ohne daß ihr der Verlust des Gatten zum Bewußtsein kam, folgte sie ihm nach einigen Tagen in den Tod. Die amerikanischen Zeitungen aller Parteien widmen dem verstorbenen Rabbi ehrende Nachrufe! Seminarstudienral Elias Gut. Zu feinem 25jährigen Semmarjubiläum am Kölner Lehrerseminar. Kategorische Pflichterfüllung im Rahmen der durch Natur und Verhältnisse gezogenen Grenzen ist selbstverständliche Voraussetzung jeder Lebensarbeit, die zu beantworten, nicht jedem beschieden ist. Der Strom des Alltags reißt die Masse mit sich fort und gibt nicht Raum für die Hervorhebung der Verdienste derer, die ihr ganzes Leben in einer gleichmäßigen Etappe zurückgelegt haben. Nicht vorübergehen aber können wir an solchen Männern, die, den Rahmen des Alltags überschreitend, an einem bestimmten Punkte ihres Lebens angelangt sind, von dem aus sie Heerschau auf das Werden und Gestalten ihres Lebenswerkes halten können, b^n b& 12^'. Bei ihnen vollzieht sich das Leben in vorgezeichneten, aufsteigenden Etappen, und ein Rückblick auf die verflossene bedeutet gleichzeitig den frohverheißenden Ausblick in die kommende. An einer solchen Etappe des Lebens ist Herr Seminarstudkenras Tg; «MlSW. Mil Mllllls MM SMlmhres tfjeirt Gut auf eine Wjayngs Xatigfeit als Lehrer am Kölner Lehrerseminar zurück. Zahlreich sind die Schüler, die unter seiner Führerhand die Reife erlangt haben, selbst Lehrer und Führer des Judentums zu sein. Zahlreicher noch der weitere Kreis seiner Schüler, die Lehre und Weisheitsfpruch von ihm empfangen. Herr Gut ist nicht nur ein Lehrer, einer unter vielen, sondern ist der Lehrer, der jedem seiner Schüler den Stempel seiner Persönlichkeit aufprägt. Elias Gut ist am 21. Februar 1869 zu Gailingen (Baden) geboren. Nach Besuch der dortigen Volksschule und der Realschule zu Dießenhofen in der Schweiz stu- Seminarstudienrat Elias Gut. vierte er von 1885—1888 auf dem Jüdischen Lehrerseminar zu Köln, legte 1889 die erste, 1893 die zweite Lehrerprüfung ab, bestand 1894 die Mittelschullehrerprüfung und 1898 die Rektoratsprüfung. Von 1892 bis 1901 wirkte er als Religionslehrer an der Synagogen- Gemeinde Köln. Seit 1888 steht er als Kantor und Religionslebrsr im _ Disnfts her iReftgtcmsgefellfc^afi 2ldaß SöflfHMlR 11HÖ ist fzit 1001 Ijaitjilämiltil) als ficirer am JudischM üöhLörseminar zu Köln tätig. Er ist zur Zeit der dienstälteste Lehrer und führte während des Krieges die Amtsgeschäfte des abwesenden Direktors. 1923 wurde

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