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Der Israelit · 1926-04-09 · Heft 15 (9.4.1926) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 15 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
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9. April 1926 langen: Jetzt wurde die Frage der Trennung akut, da ihr keinerlei äußerliche Hemmungen mehr im Wege stehen. Als erster Referent und Verfechter dieser Ideologie trat der mutige Kämpfer und politische Syndikus der Aguda, Herr Eh. I. Eiß auf und begründete sie mit großem Geschick. In meiner Erwiderung suchte ich seine Argumente zu entkräften und bezeichnete die Behauptung von einer Vesgp. dis i« mw MMNigung füv Um doxe Judentum bestehe, als zu „schwarzsehend". Obwohl wir beide die Aguda groß und stark und am Gipfel ihrer heiligen Ziele angelangt sehen möchten, gehen doch meine Ansichten bezüglich der Wege, die zum Ziele führen mit denjenigen meines Freundes Eiß nicht einig. Während Eiß die Trennung als den „einzig besten Weg zur Gerechtigkeit" bezeichnet, sehe ich nur im Friede nund in der Eintracht die einzig mögliche Lösung der Gemeindefrage in Erez Jisroel. Daß ich mit dieser meiner Meinung nicht allein dastshs, betwetjeri die ga^Ireic^erx Anerken-- nungssHreiven, die mir aus Grund meines Artikels von prominenten Agudisten zugegangen sind. Aber selbst die offizielle Aguda war ja eine Zeit lang von gleichen Gefühlen getragen und unternahm wiedrholt den Versuch, eine Synthese zwischen beiden Gemeinden zu schaffen. Die Knessio Hagdaulo bestellte sogar eine spezielle Delegation, die sich nach Erez Jisroel begeben sollte um über die Friedenspräliminarien zu verhandeln. Anck> Syexv S^ojcrt^exm verhandelte vor einem Jahre in Basel mit Rabbi Kur diesbeMiich. Da klingt doch meine Forderung nach Frieden gar nicht so „grotesk" und „rätselhaft", Herr Goldschmidt! Weshalb kam nun der Friede nicht wirklich zustande? Diese Frage läßt sich schwer beantworten. Allerdings waren die Bedingungen für die Aguda damals ungünstig. Das Oberrabbinat war eine uneingeschränkte Macht und genoß bei Herbert Samuel das größte Ansehen; die Aguda war klein und unbedeutend. Inzwischen hatte das ständige Zuströmen von orthodoxen Einwanderern nnd das intensive Eingreifen der rührigen ber Ägubll Die Kraft Der Darr Ligen Aguda vielfach gestärkt. Ihr politischer Einfluß wuchs rapid und erhielt durch den Genfer Entscheid das offizielle Siegel, und sie wurde zu einem bedeutenden, nicht mehr zu übersehenden, Machtfaktor. Anderseits hatte das Oberrabbinat durch das diesmal konsequente Richtmitmachen im zionistischen Tanze und durch sein Eintreten gegen das von den Zionisten propagierte Frauenwahlrecht, die Zionisten sehr verärgert, und wird heute teilweise von der zionistischen Presse desavouiert. Also wäre gerade jetzt, wo das Oberrabbinat zur Nachgiebigkeit bereit würf, hss hkMpttt tzkstk Moment UND Die günstigste Gelegenheit fül' Scholaum. Ein kurzes Communique machte durch die Agudapreffe die Runde, daß der Friede zwischen den Rabbinern Kuk und Sonnenfeld bereits beschlossen sei. Aüfatmend vernahm man diesen sanften Frühlingswind, aufjauchzend und hoft nungserfüllt richteten wir unsere Blicke nach Jerusalem, auf deren Höhen einst der heilige Tempel des Friedens stand. Doch das herrliche ÄUfleUchten lex verschwand öalD hinter Den Dunklen Wolken. Schnee und Regen betrübten wieder unsere Gemüter. Eine überraschende Agudameldung besagt, daß der Friede gescheitert ist, angeblich weil das Oberrabbinat seine Schächter der Kontrolle des Sonnenfeldschen Rabbinats nicht unterstellen wollten. („Israelit" vom 16. Februar a. c.) Im palästinensischen Haarez wird die Sache jedoch in ein ganz anderes Licht gestellt: „Das Kuksche Oberrabbinat stellte zur Bedingung, daß nur wenn die Aguda in der Einheitsgemeinde eine Religionsgefahr erblicken werde, die Aguda ihr Bündnis auflöfen dürfe, wogegen sich die Sonnenfeldsche Aguda-Gemeinde Der Israelit Blätter stets freie Hände bewahren wollte und auch, wenn nur politische Momente eine Trennung fordern werden, sie sich solche Vorbehalten will." Welchem von den beiden sich widersprechenden Berichten mehr Glauben zu schenken sei, läßt sich aus der Ferne schwer entscheiden. Auf alle Fälle sind es nur Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten, und bei Hintansetzung und Ausschaltung jeglicher parteiogorstischsr Mornsnts können öj? IAerengen leidet geschlichtet werden. Also weshalb das Läuten der Alarmglocken um in der Welt den Eindruck aufkommen zu lassen, daß für das Thora-Judentum wirklich eine Gefahr im Anzuge sei und daß nur die Trennung das einzige Rettungsboot sei, um der Gefahr zu entrinnen? Wo stürmen die Wogen und wo ist die Gefahr? Weshalb das naive Publikum in die Irre führen und ihnen "^"M-Geschichten erzählen? Der neutrale Beobachter kann keine wirklich drohende Gefahr feststellen, wohl aber erkennt er «llf mm ffiffli WuvMMWe MMW Machenschaften, die wirklich eine Gefahr heraufbeschwören können. Herr Goldschmidt verübelt mir meinen Ausdruck „Chauvinismus" so sehr, empfand ihn als verletzend und frägt empört, wo ich auch nur einen Agudisten auf chauvinistischen Allüren ertappt hatte. Ferner fand er meine Mahnung zur Bescheidenheit als deplaziert uno unbegründet. Ttauft St. a. OttavHan verwendet St 3. Telegramme zu haben bei B. Rachelsohn * Bergmann * Wahrmann * Sänger & Friedberg sowie bei dem Vorstand der Ortsgruppe Frankfurt am Main Nun verehrter Herr Goldschmidt, Sie scheinen den Begriff Chauvinismus sehr dehnbar zu gestalten und in seiner Ausdeutung allzufrei umzugehen. Chauvinismus heißt: Rigorosität, hartnäckiges Streben nach Erweiterung und Befestigung s?mer Macht; Äörralli wo Symptome solcher Erscheinungen zu Tage treten, sind es „chauvinistische Allüren"! Und wenn in Halberstadt ein anderes Französisch als in Montreux gesprochen wird, trifft mich keine Schuld. Wenn also durch formelle Gründe der Scholom und die Ganzheit Israels preisgegeben werden, so ist es wohl auch kein Zeugnis von Bescheidenheit, nicht wahr, Herr Goldschmidt? Und diese Unbescheidenheit in den Friedensbedingungen ist eben eine Folge des Sieges in Genf, denn gestärkt und ermutigt durch diese politischen Errungenschaften, hat die Aguda Ton und S^ract^e ^ervec^selt. Dvrhsr Sttlsälldlen wir Friedensholen, den Gerer und Sokolower Rabbi, nach Jerusalem, um über den Frieden zu verhandeln, jetzt dagegen erklärt Herr Eiß jegliches Zusammengehen als absurd. Dieser neuen, „übermütigen" Denkweise und Gesinnung gegenüber, die eine Folge des Genfer Sieges ist, galt mein eindringlicher Appell zur Bescheidenheit und zur vermehrten Rücksichtnahme. Won gebrandrnarkten „GewasjpMM UND rohen EsvaMänDen" aber war in meinem Aufsatz nichts zu lesen, ebensowenig von einer „Heilsarmee", da scheint sich auch Herr Goldschmidt der „Ausschmückung" bedient zu haben. Und wenn ich gegen krasse Macht- und Kraftausübung appellierte, so war es selbstredend nicht im buchstäblichen Sinn zu verstehen. Ob ich mich dadurch gegen die Aguda versündigt habe, glaube ich kaum, denn nicht immer ist derjenige der beste Agudist, welcher vor der Leitung resigniert und zu allem Ja und Amen sagt. ... Anderseits haben Sie, geehrter Herr Goldschmidt, mit ihrer Bemerkung recht, daß ich Eiß gemeint und die Aguda getroffen habe. Ich Nr. 8 Seite 3 glaubte in den Ausführungen von Eiß, der der engeren Leitung der Aguda angehört, eine wirkliche Wiedergabe des Geistes, wie er in unferm „politischen Departement" herrscht, zu sehen. Weshalb soll ich denn einen Strich ziehen zwischen Eiß und Aguda? Ich wäre aber bereit, meine Kritik sofort zurückzuziehen, sollte mich Herr Eiß, oder sein Anwalt, Herr Goldschmidt, eines Besseren belehren. Dedoc^ ist es ijerrn d?!^schNÜ^l mit seinem Artikel „Herz und Verstand" nicht ganz geglückt, meine Bedenken sind noch nicht geschwunden. Herr Goldschmidt fragt mich ferner, wie ich es vereinbaren könne, einerseits über Frieden und Eintracht zu predigen und anderseits über den Erfolg in Genf zu jubeln, der doch bei Frieden und Eintracht nie möglich gewesen wäre. Aber da fällt mir die Antwort wirklich leicht: Wie und wann hätten wir die Medizinen mit Erfolg angewendet, wenn wir stets gesund gewesen wären. . . .? Wenn der Volkskörper und seine Seele gesund mp ganz Qmejm wären unü friedlich u»ö Mlrächtrg zusammengelebt hätten, hätten wir wahrhaftig die „Genfer Medizin" garnicht nötig gehabt! . . . Leider ist dies aber nicht der Fall. Daher war die Genfer Medizin ein gutes Stärkungsmittel, eine Stärkung und Befestigung der agudistischen Front. Wenn von einer Medizin aber zuviel genossen wird, kann sie mehr Schaden stiften als Nutzen bringen. Daher meine Mahnung zur Bescheidenheit! fflm lomanD feinen visisMtt PH in L* Tasche hat, so verpflichtet ihn dies noch nicht zum Uelierschretten der Grenze; er kann dies zu jeder Zeit tun, wenn er es für nötig erachtet. Genf hat den „Agudapaß" visiert, hat uns die Berechtigung erteilt, nach Wunsch und Bedarf eine eigene Schechita, ein eigenes Rabbinat und eine eigene Gemeinde zu haben. Es ist gewiß gut, daß wir ein solches Visum erreicht haben, denn dasselbe ermöglicht uns, frei über die Grenze zu gehen. Wir sind zu allem gerüstet und sind in der Lage, jeder eintretenden Gefahr kraftvoll entgegenzutreten, sie zu überwinden. Und gerade SW MMstUW. ÜW TnUIMllMst mm tz8N Gögn^ii zwingen einen für UNK in allen Teilen ehrenvollen Frieden abzuschließen, einen Frieden ohne Sieger und Besiegte, einen Frieden, der ganz Israel zum Heil und Glück gereichen wird. Verpaffen wir aber den Moment nicht! Eine Friedenshand wurde uns zugestreckt; hüten wir uns, sie zurückzuweisen, und laßt uns bedenken, daß da das Schicksal von ganz Israel auf dem Spiele steht! Denken wir auch daran, daß, wenn die Schechita nicht einheitlich fein wird, sondern jeder Gemeinde freigegeben wird, auch die Liberalen, Ehaluzim usw. eine eigene Schechita haben werden, mivd garnl^jf TU?f}¥ kontrolliert werden können. Daraus aber.werden mannigfache Mißgeschicke und Mißgriffe entstehen. Denn Jeruscholaim, wohin fortwährend Juden massenweise strömen, kann in diesem Falle nicht mit einem gutgeordneten Frankfurt verglichen werden. Die Stunde drängt unerbittlich. Es ist keine Zeit für lange Diskussionen. Das jüdische Volk benötigt Taten und Männer, die in der Lage sind, to Drohende Unheil m ßeföMron. DaZ böinähe zur Melancholie und Vergweiflung geratene Volk erhebt in tiefem Vertrauen seine Augen zu Agudas Jisroel, insbesondere zu ihrem selbstlosen, allgeachteten und überragenden Führer Jacob Rosenheim. Möge es der Aguda und ihrem taktvollen und klugen Führer vergönnt sein gerechte und vernünftige Formeln zu finden, um den Weg der Verständigung zu gehen. In diesen heiligen Befreiungstagen denket an Jerusalem, strebt seine Ganzheit an, fördert seinen Frieden! tu mmn •»mi mn „Um meiner Brüder Willen will ich deinen Frieden wünschen!" me rwpBN irp'pn n rra P. S. Auf die weiteren, an mich gerichteten

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