Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1926)
- Date
- 1926-04-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 8 triebe der „The Habaith Co. Ltd.". Ein Teil der Arbeiterschaft arbeitet daher ständig bei der neugegründeten landwirtschaftlichen Kooperative „Haklai", die flir eigene Rechnung auf zirka 700 Dunam Weizen, Gerste, sowie Futter angebaut hat. Der Saatenstand ist sowohl auf den Feldern der Palästinazentrale als auch auf den Aeckern der Kooperative andauernd vorzüglich. Abgesehen vom Bodenreichtum dieses Jahres, hat auch die MMMOnttk' LWllsfkWklt ves LvvkNI von Mächttö Jjsräöl viöl zu diöstm günstigön Nösultät beigetragen. Auch der Mustergarten und die Baumschule können schöne Fortschritte aufweisen. Die Anfiedlung Machne Jisrael ist durch die katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa, insbesondere in Polen, etwas ins Stocken geraten. Durch die Aufklärungsarbeit der Agudas Jisroel haben sich die tragischen Fälle vermindert, daß Menschen ohne Kapital und ohne Fachkenntnisse nach Erez Jisroel einwandern und in einer Zeit der allgemeinen Arbeitslosigkeit erwerbslos im Lande umherirren. Aber noch immer kommen Vodeneigentümer ins Lcrnd, oljne vorder mU bem der Agudas Jisroel (Tel-Awiw P. O. B. 366) in Verbindung zu setzen. Wir sind daher neuerlich zur Erklärung genötigt, daß der Ankauf von Boden keinerlei Garantien oder Verpflichtungen weder für Arbeit noch für eine Existenz in sich einschließt. Wer bei Agudas Jisroel Land besitzt, hat ein Anrecht auf Boden, der vorbereitet ist (Hachscharah), auf eine sachgemäße Beratung durch Instrukteure und schließlich auf den Rat und die Rechtshilfe des Wirtschaftsamtes der Agudas ^isr-oel. xrcjen&eme ^ßer^Vnijlurxoj^ Vodeneigentümer in den Baubetrieb der „The Habaith Co. Ltd." einzustellen, haben wir niemals übernommen. Wir fordern daher die agudistischen Palästinazentralen der einzelnen Länder auf, die Immigranten in jedem Falle zu veranlassen, noch vor der Uebersiedlung unseren Rat einzuholen. Die allgemeinen Verhältnisse und Lebensbedingungen in Erez Jisroel fixjb grundverschieden von denen Europas. Es ist wirklich nicht mehr nötig, daß Einwanderer mit dem letzten Rest ihrer Ersparnisse eine naive Unkenntnis der wahren Sachlage bezahlen müssen, wenn Agudas Jisroel eine MM Pschssfttt fjat, M MMMN ite Anfrage kostenlos eine zuverlässige Auskunft erteilt. Adresse: Tel-Awiw (Palestine), P. O. V. 366. (Rchow Lilienblum 36A, neben dem Hauptpostamt.) Der Frieden Jerusalems. Von E. R. Botschto. I. „Fördert und mehret den Frieden Jerusalems! Glück und Wonne wird herrschen bei denen, die dich lieben und der ewige Friede wird einkehren in ihren Mauern und Palästen." (Psalm 122, V. 6. 7.) Als ich meine Zeilen „Auf dem Marsche gur Gerechtigkeit" schrieb, war ich von vornherein auf eine Erwiderung gefaßt, anders war es auch nicht möglich. Die offizielle Aguda wird ja nicht leichten Herzens meine Pillen verschlucken, ohne auf sie zu reagieren und ohne mich dafür gehörig zu rügen. Rur habe ich diese Erwiderung vom Autor, Herrn Eh. I. Eiß, der doch selbst Manns genug ist feine Sache zu vertreten, erwartet. Nun find plötzlich für ihn andere Anwälte aufgetreten, namstttlich GL GslöschuiHt. iw mit giufjaHi Clan und Energie die Sache seines Klienten, die er auch sich zu eigen macht, vertritt und sich stellenweise sogar vom Verteidiger zum Gegenkläger erhebt. Herr Goldschmidt operiert kraftvoll und mit ungeahnter advokatorischer Geschicklichkeit, und es freut mich, einen solch ehrenvollen, an der Spitze der Aguda stehenden Partner gefunden zu haben. Mir ist es zwar nicht vergönnt,. meine Replik „auf einem Fuß" zu halten, doch setze ich die Aufmerksamkeit des Lesers voraus. Zunächst danke ich Herrn Goldschmidt für seine vorzügliche Diagnose, in der er bei mir einen Strich ziehen will zwischen „Kopf und Herz" und Der Israelit B l ä 1 t e r es freut mich, in den Fußstapfen unseres großen Dichters Rabbi Jehuda. Halevi wandeln zu dürfen, der in seiner schrankenlosen Liebe zu Erez Jisroel begeistert ausrief: nnrv2 ■’nb" "2 -> vs qiv 2 (Während ich imWesten stehe, strebt mein Herz dem Osten zu. (Erez Jisroel.) Geehrter Herr Goldschmidt, Sie analysieren mit großem Scharfsinn nud hoher Eloquenz all meine Thesen und Antithesen und stellen meinem gesuiMli LMlaiw WN,eiserne Mageni 1- Do gibt eine geeinte Basis für das Judentum in gottgeprägter Form und für dasjenige, das dem cratp nivb» den Gehorsam gekündigt habe? 2. Wieso ist eine derartige Konfusion von Austrittsorthodoxie mit dem palästinensischen Problem, wo Ein- oder Ausschaltung der ganzen Thora auf dem Spiele steht, meinem Verstände möglich? Daraufhin ziehen Sie mit mir zu Gericht und beweisen schwarz auf weiß, daß hier ein Kompromiß gar nicht in Frage kommen kann. Sehr richtig, Herr Goldschmidt! Nur ist Ihrem meisterhaften Plaidoyer ein kleiner Irrtum unterlaufen und ganger Äau gerfalU In nichts: Me Vereinigung und Zusammenschmelzung mit dem Waad Leumi oder mit dem Zionismus lag meinen Ausführungen zu Grunde, (dieses Kapitel habe ich bereits in meinem Buch „Das Palästinaproblem im Lichte der tradittonellen und nationalen Parteien", Verlag Goldschmidt, Basel, ausführlich behandelt, und werde in meinem nächsten Aufsatz noch darauf zurückkommen), sondern eine Vereinigung der palästinensischen Gemeinden, nnd hier stehen eben M??mgf gang nnWrfi hnb?n wir ff nlchl mit „nationalen oder kosmopolitischen Assimilanten" zu tun, mit „Feinden Gottes", sondern mit Juden, die gleich uns jüdisch denken und fühlen, gleich uns die „Generalprobe Gottes" (wie Isaak Breuer dies trefflich formuliert) glänzend bestanden haben, nur daß sie zufällig nicht die agudistische Schablone tragen, und nicht Sonnenfeld, sondern Kuk zu ihrem geistigen Oberhaupt haben. Wo bleibt also die überzeugende Durchschlagskraft Ihres Plaidoyers, guter Herr Goldschmidt? Vereinigung oder Trennung der palästinensischen Gemeinden, freie Schechita usw.. war das Ui Lh. 8. Trß rü ftrüeiü Öfril?e[ „Sie Gerechtigkeit auf dem Marsche" behandelte, und worin er, nachdem er das Problem von verschiedenen Seiten treffend in seiner Art beleuchtete, zum Schlüsse kommt, daß dem Thora-Judentum durch eine Vereinigung die Gefahr der „Mamserimvermischung" drohe, und daß daher eine solche Vereinigung unter allen Umständen abgelehnt werden müsse. Dagegen erhob ich meine Stimme: Wo ist die Gefahr? Wozu uns verbarrikadieren und weswegen eine chinesische Mauer schaffen zwischen Juden und Juden, wozu zu den Waffen greisen, tüerm fern Feind uor uns steht? Und darauf hin habe ich auf die deutsche Trennung angespielt und bewiesen, daß die Verhältnisse in Erez Jisroel nicht so besorgniserregend sind, wie s. Zt. in Deutschland, und daß hier nicht zwei Kontraste, religiöse und «religiöse, sondern bloß zwei politische Richtungen sich gegenüberstehen, deren Kluft sich bei gutem und ehrlichem Willen leicht überbrücken läßt. Aus welcher Seite besteht also eine Konfusion? Gestatten Sie mir. daß ich die Sache deutliche MmtyU (mb iUfSÖUI *ei« sächlich, ähue jede „Ausschmückung"). In Jeruscholaim bestanden seit hunderten von Jahren zwei Gemeinden, eine sephardische und eine aschkenasische. In der sephardischen Gemeinde sind die Spaniolen, Portugiesen, Jemeniten, Bucharen und sonstige Juden des Orients vereinigt, in der aschkenasischen Gemeinde daaegen alle Juden, die aus Europa dort einwanderten. Die sephardische und die aschkenasische Gemeinde sind aus begreiflichen Gründen getrennt, da ihr Ritus und ihre Gesetze verschiedenartig von den unsrigen sind. Die östlichen und die westlichen eingewanderten Juden, sowohl Chasidim wie Misnagdim schlossen sich aber zu einer 9. April 1926 Gemeinde zusammen, so war es in Jerusalem, so in Jaffa und überall in Erez.Jisroel und es herrschte Ruhe und Frieden. Rabbi Schmuel Salant war der letzte Oberrabbiner, der unter diesen Verhältnissen in Jeruscholaim wirkte. Nun wurde durch den Krieg eine neue Situation in Erez Jisroel geschaffen. England, die neue Beschützerin Palästinas, gewährte den Ziomrttn große moünftmmin um ms MiMsn Nähmen dort die Zügel ln die Hände. Ein Waad Leumi (Nattonalrat) in völlig zio-' nistischer Färbung wurde ins Leben gerufen und als deren Vorinstanz die Asifat Haniwchorim. Die beiden vertreten die Interessen der Juden von ganz Erez Jisroel, aber im Geiste des „Neunationalismus", wie ihn Herr Goldschmidt definiert. Neben diesen beiden Instanzen besteht in Jerusalem noch eine dritte, der Waad Hoir, (Stadtrat) unter der Leitung von D. Jellin und Mejuches, zweier ehemaligen russischen Maskilim, die im privaten Leben orthodox, im politischen aber gaug gwnlstlskh elngesteüt sind. Der Waad Hoir, der etwa 20 000 Mitglieder vertritt, dem auch zahlreiche Orthodoxen angehören, bewahrt jedoch noch eine gewisse neutrale Haltung, die mehr nach rechts als nach links neigt. Neben diesen drei Institutionen besteht noch ein Waad Hakolelim und Hajeschiwot, der sich ausschließlich aus einigen tausend Männern des alten Jischuws rekrutiert, also streng orthodoxer Richtung ist, und diesem Waad gehört das Oberrabbinat Kuk an. Welches später von den Rabbinern Palästinas «I? Mlfrnb Haraöanut gewählt und von der englischen Regierung anerkannt wurde. Eine Zeitlang, als die Aguda noch keine LebenskeiNle in Palästina besaß und von den Zionisten als Verräter und englische Feinde, deren Hauptquartier Frankfurt sei, bezeichnet wurde, war das Oberrabbinat gezwungen, eine Anlehnung an den Waad Hoir und Waad Leumi anzustreben. Oberrabbiner Kuk, der zu den Schöpfern der Aguda gehörte, der von Charakter aus von einer außerordentlichen und uferlosen rorm und ]y>x mnK beseelt ist, und, um mit Gold- Schmidt zu sprechen, ein weiches, gutmütiges und liebevolles Hrez hat. fah in den Zionisten eine k^chll^e ÜNrl^rl^e jotr &ert S3te&eratx^£>cm ^{orts. Seine Begeisterung für den Zionismus stieg auch manchmal ins Groteske, so daß die Aguda allmählich in eine Opposition ihm gegenüber trat. Rabbiner Sonnenfeld und Rabbiner Diskin feine einstigen Freunde, Getreue und Untergebenen rückten von ihm ab und mit ihnen der dort bestehende ungarische Kolel und bildeten daraufhin eine Aguda, welche sich an die Weltaguda anlehnte. Die Aguda nahm bald an Kraft zu und vereinigte sich in einem Waad Aschkenasi, der heute bereits mehr als 1500 Mitglieder zählt. Zrvischsn diesen zrvei Richtungen hat sich ein ungeheurer Kampfder keine Mengen kenntent? fesselt, der bereits schon vor die Schranken des Kadi führte. Dieser erbitterte Streit schmiedete das Band von Rabbi Kuk mit den Zionisten noch enger zusammen. Als offizielle Gemeinde figurierte nur die des Rabbi Kuk, der die gesamte Schechita und die Mazzothsteuer unterstand. Dagegen sträubte sich die agudistische, Sonnenfeldsche Gemeinde und unternahm wiederholt diplomatische, durch die Welt-Aguda unterstützte LchAttA. um tyn LMskäMzkztt zu ManZä», Die liberale Lloyd Georgsche und sozialistische Mac Donaldsche Regierungen Englands schenkten den Aguda-Forderungen kein Gehör. Auch Herbert Samuel war erbitterter Gegner der Trennung. Die Uebernahme der englischen Regierung durch die Konservativen und der damit bedingte Wechsel im palästinensischen Oberkommissariat schuf für die konservative Aguda bessere Be- ° dingungen und Möglichkeiten. % In Genf fand der Kampf seinen vorläufigen Abschluß. Nach vielen Interventionen gelang es der Aguda, die Selbständigkeit der Sonnenfeldschen Gemeinde durch den Völkerbund zu er-