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Der Israelit · 1926-04-09 · Heft 15 (9.4.1926) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 15 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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ieraiirgegeben oon kt IdtidesoggonifflHon dcp Updm-jistoet in Dey(fglilfl«< \Q. 3üi)rgang Kmffttf! J- \?S(; J 2E- SLSS Hummer 8 Bericht des Mrtschaftsamtes der Ägudas Zisroel in Tel Aviv. Ausgegeben im Nissan 5686. Allgemeine Lage. Das Wirtschaftsleben Palästinas wird seit dem Frühherbst von einer allgemeinen Apathie völlig gelähmt. Die Stagnation umfaßt nach wie vor fast alle Wirtschaftszweige. Es wäre weit verfehlt, bereits von sirm ii&MranmmiiQ Dieter MMUflell Mille m sprechen. Denn die Voraussetzungen ZU einer normalen wirtschaftlichen Funktion der Produktion und des Konsums sind noch nicht gegeben. Das Land leidet in erster Linie an einem einschneidenden Kapitalmangel, der — und das ist das Erstaunliche — nicht nur als absolut, sondern auch als r e l a t i v bezeichnet werden muß. Wohl kommt eine ziemlich beträchtliche üumme Geldes von Monat zu Monat ins Land, aber sie wird weder volkswirtschaftlich und meistens auch nicht privatwirtschaftlich richtig angelegt, das heißt, sie %um „GM" unD mirD ntcDt „Kapital"! es werk den keine neuen Produktionsmittel angeschafft, es entstehen keine neuen Betriebe. Palästina hat bekanntlich eine hochpassive Handelsbilanz, die nur durch die ins Land strömenden Gelder der politischen, der religiösen und der Wohltätigkeitsorganisationen ausbalanziert werden kann. Die christlichen religiösen Fonds verwenden ihre Gelder nur für den bloßen Konsum, der zumeist beim Araber gedeckt wird. Die religiösen Fonds der Juden sind sehr zersplittert, zum Teil stark reduziert, aber noch immer stellen sie eine beachtenswerte Kapitalquelle dar, die — bankmäßig richtig organisiert — , auch wirtschaftlich nutzonaaenv arDkllkn rnnw mim?”?gebeJrie" Ämmsbilisnbssitzö Dar aingainan BanDsmann* schäften als Kreditbasis zu einer wirtschaftlichen Produktivierung des alten Jischuw Verwendung finden würden. Auch der Lebensmittelkonsum der Familien, die den Kolelim angehören, ist vollkommen desorganisiert, während gerade hier die Möglichkeit zu einem organischen Warenaustausch zwischen den landwirtschaftlichen Kolonien der gesetzestreuen Juden und den städtischen Siedlungen gegeben wäre. Ungefaßt versickert diese noch immer beträchtliche Kapitalquelle zu einem großen Teile (Fleisch, Mehl, Geflügel, Eier usw.) in die arabische Umgebung, geht 14 n e r e m freite oerioren. Dia Kolonisation Lorganislltioe nen schließlich (Zionistische Organisation, Pica, Jca usw.) geben zwar den Hauptteil ihrer Gelder direkt oder indirekt für wirtschaftliche Zwecke aus, aber sie sind noch immer auf die'Idee eingestellt, aus Palästina ein Agrarland zu machen, was es — wenigstens im üblichen Sinne — niemals werden kann. Extensive Getreidekultur ist sehr kostspielig und daher wenig rentabel; dies bezeugen alle Kolonisten, die schon Jahrzehnte sich mit dem palästinensischen Boden abmühen. Wenn aber irgendwo ausreichend Wasser vorhandsn ist. Dann können rMliiM CMMk aus dem unscheinbaren Boden herausgeärbeitet werden. Die Versuche, die Herr Dr. S o s k i n in dieser Richtung in Kabarra macht, sind in diesem Zusammenhänge von besonderer Bedeutung. Damit ist das wirtschaftliche Problem charakterisiert, das wir vorhin relative Kapital a r m u t nannten. Wenn man alle Gelder, die einerseits für charitative Zwecke, andererseits für reine Getreidekultur ausgegeben worden sind, verwendet hätte, um eventuell mit Unterstützung der Regierung (aber auch ohne sie) wenigstens eine Hafen-Mole in Haifa oder Tel-Awiw zu bauen und das Ruthenbergprojekt im kleinen Umfange zu realisieren (Audscha), so wäre dann im freien Spiel der wirtschaftlichen Kräfte alles andere von selbst gekommen. So aber ist hier auch dem anlagelustigen Unternehmer wenig Spielraum gegeben, weil die noch immer unmögliche Ausbootung in Jaffa oder Haifa bei vielen Artikeln fast genau so viel Auslagen verursacht, als die Seefracht bis oder von einem palästinensischen Hafen. Dies alles erklärt zum Teil, warum heute noch ganze lÖlljllflllDllllgen ssez MS MMMtz m (bei Znaim) nach dem vorderen Orient verfrachtet werden, warum noch immer Möbel aus England, Frankreich und Oesterreich nach Aegypten importiert werden, Schuhe aus Paris und Wien usw. Rohstoffe wären (abgesehen vom Zoll) in Palästina ebensogut wie anderswo, zum Weltmarktpreis zu erhalten, und bei einiger Bemühung könnte man auch wirkliche Facharbeiter ins Land bringen. Woran aber alle Kalkulationen trotz der beispiellos günstigen Verkehrslage Palästinas scheitern, ist zunächst die Hafen- und die Kraft- Tragti iffißf Stk lktzm? f° fäixrtic mart mit einem KapitalsaufwanD, Der nicht jenseits der finanziellen Möglichkeiten liegt, wenigstens das kleine Ruthenbergprojekt, das Audfchakraftwerk, realisieren. Wasser gibt es im Lande genug, aber nur während des Winters. Wenn man Stauwerke und Talsperren errichten würde, wozu reichlich natürliche Voraussetzungen gegeben sind, könnte man Erez Jisroel nach dem Vorbilde der Schweiz mit billiger Kraft versorgen, und es könnte ebenso wie die Schweiz seine günstige Verkehrslage ausnützen. Eine weitere, ja fast die wichtigste Voraussetzung der wirtschaftlichen Landesentwicklung ist ferner erst dann gegeben, roercrc bxe 9'iegitevitrtg bert bsvZsitigSU QatLiaV if einer gründlichen Revision nni?rgi?hi, f« heutgen Verfassung legt er dem Industriellen beinahe eine Strafe für jede Aktivität auf, denn sogar die importierten Rohstoffe müssen verzollt werden. Erst wen die Hafen-, die Zoll- und die Kraftfrage eine gute Lösung gefunden haben werden, wird man davon sprechen können, daß der notwendigste Unterbau zur wirtschaftlichen Entwicklung Erez Jisroels gelegt ist. Inzwischen aber ist man gezwungen, anstelle erfreulicher Ansätze in dieser Richtung, nur eine Zunahme der Krisenerscheinungen zu konstatieren: Unterbeschäftigung und Stillegung der roentgen ^r-obixiiiortsbeirtebe, furifjifmrffce 9 frbeiisloflgreii, Verschleppung Der Zahlungen auch durch große und bisher potente Firmen. Die wenigen entgegengesetzten Erscheinungen haben noch einen sehr problematischen Wert, so z. B. die immer bestimmter lautenden Nachrichten über Anleiheverhandlungen der Regierung (für Hafen-, Straßen- und Eisenbahnbauten), ferner kamen Meldungen über eine überaus günstige Aufnahme des palästinensischen Frühgemüses auf den europäischen Märkten. Das Letztere kann als ein deutlicher Hinweis auf die Zukunftschancen gewertet werden, die eine intensive Gemüse- und Ovmuchl Dem LMDe ermöglichen, insbesondere wann eine rationell nrMtanDa KonsarvaninDnsiriy damit in Verbindung steht. Denn in Aegypten, Palästina und Syrien werden nach wie vor in recht beträchtlichen Mengen niederländische und englische Obst- und Gemüsekonserven konsumiert. Außer der günstigen Aufnahme unseres Gemüseexportes kann noch eine andere Wirtschaftsnachricht als fympthomatisch gewertet werden: Eine inländische Teigwarenfabrik stand vor der Stillegung, da durch die Konkurrenzmanöver der Importeure der Preis in den einschlägigen Waren (Makkaroni) künstlich gedrückt wurde. Die Situation zwang den Inhaber, aus dem ägyptischen Markt auf Absatzsuche zu gehen und der Versuch gelang. Die Fabrik ist mit der Aufarbeitung der ägyptischen Aufträge überbeschäfttgt. Wieder ein Beweis, daß die Bedeutung Palästinas für den Warenverkehr des vorderen Ostens noch immer nicht richtig eingeschtzt wird. Eine jüdische Handelskammer für Erez Jisroel vermag in diesem Zusammenhang selbstverständlich nicht als ein direktes Heilmittel gegen unsere Wirtschaftskrise eingejefjero roerbert, aber immerhin fftmt fte ff zum Konzentrationson aller wirtfchaMcheu Aktivitäten ausbilden. Eine allgemeine jüdische Handelskammer, die innerpolitisch absolute Neutralität wahrt, wird im In- und Auslande Wirtschaftskräfte mobilisieren können, die der Unternehmeregoismus und der Parteihader zersplittert hat. Insbesondere bei Zollverhandlungen, bei der Hafenfrage, in Konzessionsfällen könnte eine Handelskammer, in der alle Erwerbsstände straff organisiert sind, überaus wirksam die Interessen der jüdischen Be- «ölksrung gsgsnüvsr der Negierung vertreten. ÄUkh da§ totir&e ÜJ Existenz einer exakt arbeitenden Auskunstsabteilung an Seriosität und Resonanz gewinnen. Politisch können gegen die Gründung einer solchen Handelskammer keinerlei wesentliche Bedenken, sei es von welcher Seite auch immer angeführt werden. Denn die beiden maßgebendsten politischen Verbände des Jischuw, die Zionistische Organisation und die Augudas Jisroel haben ein vitales Interesse daran, daß die. Wirtschaftskräfte der jüdischen Bevölkerung einheitlich gesammelt und planmäßig verstärkt werden. Agudas Jisroel wird derartige Bestrebungen (zu denen auch die Tel-Awiwer Messe gebürt) insolange unterstützen. nte p sich MW auf Dqe MN wirMaslliche Gebiet beschränken. Die Tel-Aw!wer Messe, die in den nächsten Tagen zum zweiten Male ihre Pforten öffnen wird, hat durch ihren unparteiischen, sachlichen Charakter den Nachweis erbracht, daß auf wirtschaftlichem Gebiete ein einheitliches Vorgehen des zersplitterten Jischuw möglich ist. Die Tätigkeit des Wirtschaftsamtes der Agudas Jisroel war angesichts der allgemeinen krisenhaften Verhältnisse weniger der Errichtung neuer Positionen als dem Ausbau des Bestehenden gewidmet. Der Informationsdienst ist nach wie vor einer der wichtigsten äai WtttsrHgstMMtes. um so mehr, als die Anfragen der letzten Zeit fast ausschließlich von seriösen und fachkundigen Firmen und Interessenten gestellt wurden. Auch die Terrainverwaltung hatte in Gemeinschaft mit der Bodenkaufskommissisn grundlegende Arbeiten zu absolvieren. Durch die grundbücherliche Uebertragung von „Olam" und „Madhar", sind nunmehr diese ausgedehnten. Terrains auch formell in das Eigentum der Ägudas Jisroel übergegangen.^ Von besonderem Interesse ist die schöne Entwicklung von M crchns Qtsroel, her erftett AguDawlonic. Dhre Einn?vhn?d(st stieg in «>*- nigen Monaten auf 120 Seelen. Neben der Fortsetzung der Bautätigkeit der „The Habaith Co. Ltd." war es insbesondere die landwirtschaftliche Arbeit, die viel Arbeitskräfte absorbierte. Die Musterheimstätten der „The Habaith Co. Ltd." wurden nahezu fertiggestellt, ebenso ein Krankenheim und ein Gemeinschaftshaus mit Gesellschafts- und Küchenräumen und einer schönen gedeckten Terrasse. Da im Winter die Bautätigkeit naturgemäß eine geringere ist, arbeiten die Poalim von Machne Jisrael nur drei Tage im Be-

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