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Der Israelit · 1926-04-09 · Heft 15 (9.4.1926) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 15 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 15 ' Der Israelit 2Imev!{a. Die Bestattung des Rabb. Dr. Klein New - Aork, 25. März. Das plötzliche Hinscheiden des Rabbiner Dr. Klein rief hier und in ganz Amerika größte Bestürzung her- »or. In fast allen Bet- und Lehrhäusern wurden in den wenigen Krankheitstagen von vielen Hunderten Gebete »errichtet und „Tillim gesagt". Die Beeerdigung am 23. März gestaltete sich zu einer stillen ergreifenden Trauerkundgebung, wie sie New-Pork noch selten gesehen. Ungezählte Tausende folgten der Bahre und immer schlossen sich in den ferner liegenden Straßen neue Mengen an. Alle orthodoxen Rabbiner New-Porks und unzählige aus dem Lande waren unter den Trauernden. Hespedreden hatte sich der verstorbene Rabbi letztwillig »erbeten. „Wenn ein Denkmal," lautete seine letzte Bitte, „dann möge es eine Talmudthoraschule auf meinen Namen sein." Zur Erfüllung dieses letzten jinb bcrcüs btc crj^cn St^rific urtiernommen morden. Ungeheure Bestürzung bemächtigte sich der großen Anhängergemeinde Kleins, als nach einigen Tagen die gleichstrebende Gattin des Rabbi, Frau Julie, geb. Hirsch (Tochter des Realfchuldirektor Mendel Hirsch Wt Frankfurt a. M.) ihrem Mann, mit dem sie in vierzigjähriger Ehe verbunden war, rasch in die Ewigkeit folgte, rrasan- Der amerikanisch-jüdische Kongreß. N e w y o r k, 17. März. Der gegenwärtige hier tagende amerikanisch-jüvische Kongreß hat den Beschluß gefaßt, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um das gegenwärtig in Paris domizilierende Komitee der jüdischen Delegationen in einer Weise zu reorganisieren, daß seine Basis erweitert werde. Die Hilfsorganisation der jüdischen Arbeiter-Organisationen Amerikas „People's Relief Committee" beschloß, die jüdischen Arbeiter mit einem Dollar jährlich für die Dauer von drei Jahren zu besteuern und den Ertrag dem 20 Millionen Dollar-Fonds des Joint Distribution Committee zuzusühren. Der Konferenz wohnten Vertreter von 300 Arbeiter- und Gewerkschafts- Organisationen aller politischen Richtungen bei. Personalien. Mergentheim, 29. März. Dannan trn ’a cw'vsi amnzn (", o'nann) v'vrm oamai Beobachtet sie und übet sie «us; denn sie sind eure Weisheit und eure Einsicht in den Augen der Völker. Dieses Wort wurde Wahrheit im Leben unseres mit 68 Jahren dahingegangenen Hermann Hirsch. Sein ganzes Leben war dem Dienste des Höchsten gewidmet und ob er in der Familie als Vater und Gatts, ob er tm Vorstand der Gemeinde »&er tm oI> er tm 2^erfirchenral, ot er als Vorstand der Eherore Kadrscha oder oh er tn poltilfdjen und wirtschaftlichen Vereinen wirkte, stets war fein oberster Grundsatz sein Leben mit der Thora und ihren Geboten in Einklang zu bringen. Und in harmonischster Weise ist ihm dies wie. wenigen Menschen gelungen, gelungen durch die innere Wahrhaftigkeit seines Strebens. Ganz außerordentlich zahlreich war die Anzahl derer, welche dem Menschen, dem Juden, dem Bürger, dem durch seine Ehrlichkeit bekannten Geschäftsmann das letzte Geleite gaben. Sowohl Herr Bezirksrabbiner Dr. Kahn, als auch zahlreiche jüdische und 'christliche Mitbürger widmeten dem Verstorbenen Worte höchster Anerkennung seines irdischen Schaffens. Er war besonders dem orthodoren Judentum in Württemberg eine Stütze zu jeder Zeit, und feine Verdienste werden unauslöschlich in den Annalen der gesetzestreuen Juden Württembergs eingetragen sein. Berlin-Lichterselde-W., 26. März. Die seit dem 1. Januar 1906 im Israelitischen Lehrerinnenheim weilende Insassin, Fräulein Bertha Herz, ist am 25. März 1926 entschlafen. Als Tochter des Verwalters vom Jüdischen Krankenhaus in Karlsruhe, widmete sich die Verstorbene während des Deutsch-französischen Krieges in dem zum Lazarett umgewandelten Krankenhaus der Pflege der Verwundeten. Die damals Siebzehnjährige, hochintelligent, sehr anmutig und fein gebildet, unterzog sich ihrer schweren Pflicht mit größtem Eifer. Die Großherzogin von Baden als Protektorin des Krankenhauses besuchte öfters das Lazarett. Persönlich verlieh die Fürstin der jungen Schwester ob ihrer hingebungsvollen Betreuung der Verwundeten das Eiserne Kreuz. Langenselbold, 26. März. Einen großen unersetzlichen Verlust hat die hiesige jüdische Gemeinde zu beklagen. Am Donnerstag den 19. März starb plötzlich und unerwartet unser allseitig verehrtes Mitglied Jakob K a n - t h a I im 63. Lebensjahr. Der Verstorbene übte lange Jahre hindurch die vv'rw in der hiesigen Gemeinde mit seltener Treue und Gewissenhaftigkeit aus. Noch an seinem letzten Lebenstage ging er seinem Berufe nach, und nach kaum einhalbstündigem Krankenlager hauchte er seine reine aus. (Sin für hiesige Verhältnisse ungewöhnlicher Trauerzüg begleitete den zu früh Dahingegangenen auf.seinem letzten Wege. Hier konnte Man erkennen, welche Liebe und Ächtung der Verstorbene als Mensch und Jude genoß; denn auch unsere christlichen Mitbürger waren sehr zahlreich im Trauergefolge vertreten. Am Grabe widmete Herr Lehrer Ehrenreich denk Verstorbenen warme Worte des Gedenkens und spendete den Hinterbliebenen Trost. rraxnrv Langenschwalbach, 23. März. Am 7. März war es unserem allverehrten Herrn Lehrer Spier vergönnt, auf eine 25jährige segensreiche Amtstätigkeit innerhalb unserer Gemeinde zurückzublickm. Mit Einsatz feiler ganzen Kraft war Herr Spier während dieser Zeit bemüht, die in unserer Gemeinde von altersher geheiligten, nach strengem Tauroh-Gesichtspunkte geführten Institutionen von Gottesdienst, Schule und Schechita hochzuhalten und weiter auszubauen. In schönster Weise hat die von diesem v'vv kt ausgestreute Saat Früchte getragen, welche die mühevolle Arbeit eines in Landgemeinden tätigen Lehrers reichlich entlohnte. Eine stattliche Anzahl seiner Schüler, die, an dem leuchtenden Vorbild ihres Meisters sich erhebend, dem wahren überlieferten Judentum die Treue bewahrten, bekleiden heute in vielen Gemeinden unseres Vaterlandes führende Aemter innorSalD Dag lonrorDatiDon MiMn neBens; uor mm In, Jubilar ist vor wLttigsü Wochsii dfe Direktst' dit btc Talmud Thora-Schule nach Hamburg berufen worden. Die allseitige Liebe und Verehrung, welche Herr Spier sich in unserer Gemeinde wie in den zahlreichen Filialgemeinden erworben, fand beredten Ausdruck in dem am Sonntag Nachmittag stattgefundenen Gottesdienst, zu dem viele Nachbarkollegen und auswärtige Freunde erschienen waren. Unter den Klängen von tan -pna betrat der Jubilar, geführt vom Gemeindeoorstand, die festlich geschmückte Synagoge, Eine Reihe von Vertretern verschiedener Korporationen brachten daraus Herrn Spier ihre Glückwünsche entgegen und hoben die gewaltige Arbeit und Pflichttreue in lobender Anerkennung hervor. Im Namen der Gemeinde sprachen die Herren Vorsteher L. R o o s und Dr. Lazarus, Wiesbaden. Für den Lehrerverein im ehemaligen Herzogtum Nassau überreichte Herr E. C a p e l l, Wiesbaden, eine kunstvoll ausgeführte Adresse. Auch der Rabbiner der Altisraelitischen Kultus gemeinde Wiesbaden, Herr Dr. Ansbacher, hatte als Freund des Jubilars es sich nicht nehmen lassen, persönlich seine Glückwünsche zu überbringen. Nach einer zündenden Ansprache verlieh er Herrn Spier den nan-Titel, eine Ehrung, welche dem Jubilar ganz besondere Freude bereitete. Zum Schluß dankte Herr Vorsteher Julius Katz, Wiesbaden, für die Dienste, welche Herr Spier vertretungsweise der Altisraelitischen Kultusgemeinde geleistet hatte; gleichzeitig sprach er im Namen der früheren Schüler. Nach Gesang dankte der Jubilar voll tiefer Ergriffenheit für die ihm erwiesene Ehrung, dabei seine Absicht kundgebend, weiterhin auf seinem Posten im Dienste seiner Gemeinde für Tauroh- Judentum wirken zu wollen. In gehobener Festesstimmung wurde darauf das Mincha-Gebet verrichtet. Die Ausführung des kantoralen Teiles hatte der Nachbarkollege, Herr M. Hes, Wiesbaden, übernommen. Ein Festessen im Hause des Jubilars hielt die Hauptteilnehmer noch lange bei frohester Stimnmng beisammen. rwe? ü’-itpyi nt?» ny! ^ran2enttttn^ötmf 22. SKarj. Der (Sentdtnbe ^ranlens mii i>en ^{Jlafen Srünau unt> es vergönnt, am 12, April das 50 fahrige Ortsfubiläurn ihres hochgeschätzten, in weiten Kreisen hochgeehrten Herrn Lehrers Jos. Kissinger zu begehen. Herr Kissinger wirkte vorher 5 Jahre in den Gemeinden Tauberrettersheim, Veitshöchheim und Schwanfeld und erwarb sich hier wie überall die volle Sympathie sowohl der jüdischen als auch der nichtjüdischen Bevölkerung wegen seiner ungeheuchelten Frömmigkeit und Leutseligkeit. H. Kissinger versieht heute noch in voller geistiger und körperlicher Frische seinen Dienst zur vollen Zufriedenheit von. Gemeinden und Behörden und ist auch in gemeinnützigen Vereinen noch ehrenamtlich tätig. Möge er n:t? D’-iwyi nw nt?» ns den mar seiner Tätigkeit genießen! Themar, 16. März. Das Fest der diamantenen Hochzeit feierten unter Anteilnahme weiter Kreise am 16. März iv-2 n"i, Herr Maier Mayer, Lehrer a. D. und dessen Gattin Karolina geb. Eisenfresser in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische in Themar (Meiningen). Ein feierlicher Festgottesdienst versammelte die ganze Gemeinde in der festlich geschmückten Synagoge. Es war erhebend, als der ehrwürdige Greis von 87 Jahren mit wohlklingender Stimme den Segensspruch über die Thora aussprach. Im Anschlüsse an den Gottesdienst fand die Feier statt, die durch einen sinnreichen Prolog, vorgetragen von drei Enkelkindern, eingeleitet wurde. Darauf folgte die eindrucksvolle Festrede des Schwiegersohnes des Jubelpaares, des dortigen Lehrers, Herrn M. L e v i n st e i n. Lehrer S. Blumenthal, Neustadt a. Aisch als Neffe schloß sich den Worten des Festredners an und überbrachte die Glückwünsche der weiteren Verwandtschaft und die des „Israelitischen Lehrervereins in Bayern", dessen Nestor der Jubilar ist. Namens der Kultusgemeinde Schnaittach, woselbst der Jubilar 47 Jahre wirkte, überbrachte Herr F r e i - mann Glückwünsche, ein Ehrengeschenk nebst einer kunstvoll ausgesührten Ehrenurkunde. Mit Verlesung eines ehrenden Glückwunschschreibens des Reichspräsidenten Hindenburg, des 1. Bürgermeisters der Marktgemeinde Schnaittach, des Präsidiums des D. I. G. B., des 1, SBorft^enbett des israelitischen -QeJjrertseretns in Bayern. des Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Lehrervereine in in Deutschland, sowie der Mitteilung von der I Verleihung des Chowertitels durch den Herrn Distriktsrabbiner . Dt. Weinberg in Neumarkt und herzlichen Dankesworten an die Festversammlung seitens des ältesten Sohnes des Jubelpaares Herrn Lehrer M. Mayer, Fürfeld namens seiner 6 Brüder und drei Schwestern schloß der feierliche Akt, der auf alle Teilnehmer einen erhebenden Eindruck machte. Nicht unerwähnt sei, daß der greise Jubilar beim Festmahle eine sinnreiche Rede hielt, die mit Dank für Gottes Gnade ausklang, und daß derselbe mit klangvoller Stimme die Birchas hamofon vortrug. Mögen dem ehrwürdigen- Ehepaare noch viele Jahre der Freude und des Glückes i"va im Kreise der Kinder und Enkel beschieden sein. Vermischtes. Düsseldorf. 6. April. Nachdem das Lehrlingsheim mehrere Jahre geschlossen war, ist gemäß Vorstandsbeschluß seine Wiedereröffnung am 1. April d. I. erfolgt. Es wurde beschlossen, vorläufig bis zu 15 Zöglingen in das Heiln aufzunehmen. Die Aufnahme von Lehrlingen ftrtbei rote in |ru^ercn Sci^ren biesbe^iiatic^e ©csuch? sind «n b?n Verstund zur Avrökrung des Handwerks und technischen Berufsarten unter den Juden, Düsseldorf, Bilkerstraße 25, zu richten. Levers (Graubünden), 6. April. In Bevers, der bekannten Umsteigestation nach Schuls und St. Moritz soll im Juni ein streng rituell geführtes Kinderheim eröffnet werden. (Siehe Inserat.) Damit geht ein von vielen Eltern lange gehegter Wunsch in Erfüllung. Da die Aufnahmefähigkeit des Hauses beschränkt ist, sind Interessenten um baldige Anmeldung gebeten. Briefkasten. Anfrage. Bis jetzt find noch keine Offerte» eingegangen. M. B. Der neue Mandelkern ist von F. Margolin, Berlin-Charlottenburg herausgegeben worden. Rabbi Jofelman von Rosheim von Dr.M.Lehmann ist bei I. Kauffmann in Frankfurt a. M. wie auch bei H. Bergmann in Frankfurt neu erschienen. Historisches Material über das Thema finden Sie auch bei L Feilchenfeld. „Rabbi Joffe! von Rosheim", Straßburg 1898. I. Tr. in H. Wir können das Vorgehen eines Mohels, der für eine am Jomkippur vorgenommene Miloh den mittellosen Vater für den Restbebetrag von 20 Mark, nachdem dieser 20 Mk. entrichtet hatte, eingeklagt, nicht billigen. Hier Üben die Mohelim diese Mizwoh unentgeltlich aus und nehmen zuweilen durch Reisen nach ausivärts auch über b"t»i raw große r^pfer auf sich. Familiennachrichten. Geburtstag: Frau Jettchen Goldschmidt, geb. Strauß, Hochstadt bei Hanau, feierte am 4. April 1926 ihren 80 Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische. Sprkchsmrl, lii bringt matt tu fertig, hentMigge tim Eynggdz» zu Bauen? Der Zahn der Zeit hatte im Stillen seine Wühlarbeit vollbracht und vor einigen Wochen ward der Unterzeichnete in seiner Eigenschaft als Gemeindevorsteher in Dieburg, Hessen, von einer baupolizeilichen Mitteilung überrascht: Die Synagoge ist baufällig! Unerwartet war nach einer längeren Pause die Feuervisitationskommission wieder erschienen und bei dieser Gelegenheit wurde obige Erscheinung festgestellt. Ich konnte mich bei dieser Erklärung nicht beruhigen, ging zu meiner Vorgesetzten Behörde, an das Kreisamt und dies beauftragte das Bau amt, em Gutachten auszufertigen. Nachdem die Synagoge von Baurat und Inspektor gründlichst geprüft war, erstattete das Bauamt folgendes Gutachten: „Wenn auch nicht gerade augenblicklich die Schließung der Synagoge erforderlich erscheint, war doch bel der erfolgten Besichtigung festzustellen, daß das Gebäude baulich so vernachlässigt ist, daß in absehbarer Zeit mit dem Eintritt der Notwendigkeit dieser Maßnahme gerechnet werden muß. Jedenfalls bedarf das Gebäude fortwährender Beobachtung. Am Dachfuß über dem Straßengiebel wäre eine besonders schadhafte Stelle jetzt schon zu sichern. Eine durchgreifende Instandsetzung der Synagoge wird sich nach ihrem schlechten Zustand nicht lohnen, so daß die Gemeinde sich mit dem Gedanken eines baldigen Neubaues vertraut machen muß." Das Kreisamt verfügte wie folgt: „Von dem durch den Bausachverständigen des Regierungsbaurates bei der Kreisverwaltung Dieburg anläßlich der Besichtigung der Synagoge seftgestellten Befund geben wir Ihnen in Abschrift nachstehend Kenntnis. Wir beauftragen Sie, die darin erwähnte schadhafte Stelle am Dach über dem Straßengiebel alsbald sichern zu lassen. Da nach dem Ergebnis der Besichtigung im Hinblick auf den baulichen Zustand der Synagoge mit einer Schließung demnächst gerechnet werden muß, empfehlen wir Ihnen, wiegen Beschaffung einer Wohnung für hen Lehrer fotote etttes Saales für Abhaltung bes.

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