Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1926)
- Date
- 1926-04-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450403--73055-2530442- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 2 Nr. 15 9. April 1926 gesamtheit, dann ist Klerikalismus oberste, unerläßliche, gebieterische, gottgewollte Pflicht. Ist klerikal die Organisation, die in a l l e n Anliegen, in allen Fragen, für alles Wollen und Tun -es Einzeljuden und der jüdischen Volksgesamtheit die Entscheidung den durch Gesetzeskunde und Gottesfurcht berufenen, anerkannten Autoritäten überantwortet, dann kann die Agudas Jisroel sich freudig und stolz von Herrn Dr. Melzer unter misrachistischem Beifall klerikal schimpfen lassen. Denn dann kann es keinen höheren Ehrennamen für sie geben, kein besseres Ehren- -eugnis als dieses von gegnerischer Hand gereichte. Es i st aber so. Die Thora überträgt in der Tat jegliche auftauchende Frage dem endgültigen Spruch der jeweils maßgebenden zeitgenössischen Träger der Thora. Wynn immer sich dir, der jüdischen Nation, etwas dex Beurteilung entzieht, so hast du die großen Vertreter der Thora zu fragen. Ganz, wie sie dich lehren, hast du zu handeln. Da gilt es gleich, ob es sich um cn handelt oder um j'H1? )h* ob um jm1? n: »der überhaupt um Streitfragen wie auch immer, man nai- Auf Grund der Thora, die sie dich lehren, nach dem Rechtsspruch, den s i e fällen, hast du zu tun. Von dem Wort, das sie dir kundtun, darfst du nicht weilhen, nicht rechts, nicht links. (V 17, 8 ff. in Verbindung mit Sifri z. St. und Mast. Nasch Haschanoh 25 a.) 8 as {fl & {e Än 1 wor 1 5er an den Herrn Misrachisten. Daß Herr Dr. Melzer und sein misrachistischer Sekundant uns einen Schimpf antun wollen, ist klar. Aber es bleibt bei der Absicht,- sie mißlingt nicht nur, sondern führt im Gegenteil dazu, uns der Agudas Jisroel erneut und erst recht froh werden zu lassen. „Der Rabbinische Rat ist die »berste Autorität der Agudas Jisroel". Das ist Verfassungsgrundsatz der Agudo. „Und die Gebilde der Nacht weichen dem tagenden Licht." Wie aber steht es mit den „selbsternannten Sendboten Gottes", von denen die zionistische Redaktion sagt, daß sie uns auf allen Gebieten des jüdischen Lebens beeinflussen? Selbsternannte Sendboten, so nennt der Sohn einer jüdischen Mutter gewählte große Rabbinen heiliger Gemeinden. Selbsternannter Sendbote ist nach ihm der Chofez Chajim, dieser Onow unter den Menschen. Mit der Redaktion der „Jüdischen Rundschau" sind wir schon fertig. Doch in des Herrn Misrachisten „Jesaja-Buch" müssen wir noch schnell einen Blick tun, weil er es -och neben der „Thora" ausgesprochenermaßen schätzt. Siehe da, schon im ersten Kapitel erklärt der Prophet als wichtigste Vorbedingung für Israels Erlösung das Voranleuchten der in Ge- Opfer. Sidrohbetrachlung von Den Ofcher halewi. (Aus der Sammelmappe seines Schwiegervaters.) Das dritte Buch der Schrift, das wir in diesen Wochen begannen, machl uns mit der Lehre von den Opfern bekannt. Zü Beginn dieses Buches ist die Rede von dem dem Ganzopfer als einer freiwilligen Gabe. Denn das Ganzopser, welches vollständig auf dem Altäre verbrennen mutzte,-es wurde nicht allein von dem Sünder, welcher mit dem Hinbringen dieses Opfertieres seine irrtümlichen Gedanken «7s sündhaft bekennen wollte, sondern auch als freiwillige Gabe, als Ausdruck eines heiligen Strebens, die Seele in der Nähe Gottes zu erhalten, damit sie nach sich Qelöiiferi ZU ÄrJjeB«,. ALBrLdch^- QDölIen J»tr kie kte ket kem IreirozIIzgen Opfer tn Ara ge kommen, etwas naher betrachten. Das erste, was die heilige Schrift von dem verlangt, der ein freiwilliges Opfer darbringt, ist, daß er es von dem Semigen darbringt, von dem, was er sich elbst durch seine Hände erworben, was er durch seinen Fleitz und durch sein redliches Schaffen errungen hat. Es heitzt hier, 2'->p' '2 an» und nicht :p2p> '2 vm. Wer ein Opfer darbringen will, der mutz rein sein vor Gott, dessen Handel und Wandel müssen gottgefällig sein, denn22^> 121 v'r>2 'pz nnn '»,nur der kann den Berg Gottes besteigen und zur höchsten Stufe der Sitten- Der Israelit setzeskunde und Gesetzesachtung maßgebenden Autoritäten: n^nr,33 -pxsm N2DX133 t»ddw na^xi (1,26). Diese Rechtskundigen und Ratgeber setzt Jeschajohus geistig Auge anstelle der „Herrn von Sedaum und des Volkes von Amauro". Dann erst, mit den Gesetzeslehrern, pnnK' kann Israel wieder zu Recht und Gewissenstreue zurückgeführt werden, mp jmn vs? i*? xip' p '"inxi Einen Wehe-Ruf aber hat Jefchajohu, wenn die Thoraträger abgeschüttelt werden und an ihre Stelle diejenigen treten, die nach e i g e - n e r Menschenvernunft raten und handeln, die eine Umwandlung der Volksbegriffe kraft eigener Klugheit erstreben: „Sie sind die Weisen in ihren Augen, die Einsichtsvollen in ihrer Vorstellung", antwortet Jesajas dem Herrn Misrachisten (5,21). Rein, wer von Gottesfurcht durchgeistigt ist, der „urteilt nicht nach dem, was feine Augen sehen, der entscheidet nicht nach dem, was feine Ohren hören" (11, 3) bildet sich feine Begriffe nicht nach wechselndem Zeitgeist, sondern „Emunoh ist der Gurt seiner Hüften". O, sie waren Jefchajohu nicht fremd, die Schlagwort-Erfinder, die Männer der Zungenkunst (28,14), „die dem Menschen durch das Wort zur Sünde verleiten und an dem M a h n e r i n d e r Oeffentlichkeit nach Fehlern suchen" (29,21). Er hofft, daß „die irre gegangenen Geister Einsicht lernen und die Aufwiegler üe^re annelimen^ ^88, ür {fl Künder des „Klerikalismus": „Gott will um seines Rechtes willen, daß die Thora zur Größe und Herrlichkeit gelangt." (42,21). „Erst wenn alle Kinder Schüler Gottes sind, wird groß der Friede deiner Kinder" (54,13). Er ist der Gegner der voraussetzungslosen Wissenschaft auf dem Skopusberge: „Deine Wissenschaft und deine Kenntnis, die ist's, was dich in die Irre führt; so sprichst du in deinem Herzen: „Ich und außer mir keiner!" (47,10.) „Weil meine Gedanken nicht eure Gedanken sind — sind auch eure Wege nicht meine Wege, lautet Gottes Ausspruch" (56,8 ff.). Er bekämpft auch die nationale Assimilation: „Weichet zurück, weichet zurück, geht hinaus von dort, Unreines berühret nicht, seid auf eure Lauterkeit bedacht, ihr seid Träger göttlichen Werkzeugs" (52,11). Er will um Zions willen nicht schweigen, Jerusalems wegen nicht ruhig fein, bis die Pflichttreue wie Lichtstrahl hervortritt (62,1). Darum sind über Jerusalems Mauern Zeitenwächter bestellt, zur Hut gegen Unjüdisches bei Tag und bei Nacht. Darum dürfen sie nicht schweigen (62,6). Klerikale nennt sie der Herr Misrachist; amn 1*13*7 ^x nennt Jefchajohu sie, die sorgend streben, hin zu Gottes Wort, die von Brüdern (zionistifchreinheit' sich emporschwingen, dessen Hände rem sind und dessen' Herz lauter ist. Ein tadelloser Wandel, Gerechtigkeit und Wahrheit müssen die Eigenschaften sein, mit welchen wir in das Heiligtum treten und uns nähern können dem allwaltenden Gotte. 2'ip' '2 D*ra- So wie der erste Mensch, als er seinem Gotte opferte, sicherlich nur sein Geschenk brachte von dem, was er sein eigen nannte — Adam gehörte, als er allein auf der Welt war, ja alles —, sa sollte auch jeder, der eine freiwillige Gabe bringt, immer nur von dem bringen, was er sich durch redliche Arbeit erworben hat, denn nur was m»» von seinem Eigentum auf den Altar Gottes kommt, kann bettachtet werden als ein 'rb 122p, als ein Opfer, welches gottgefällig ist, ihm Gottes Wohlwollen und Gnade zuteil werden läßt und in ihm das Streben nach Vervollkommnung der Seele weckt. Worin besteht nun die freiwillige Gabe, die der Opfernde ins Heiligtum bringen konnte? Die Schrift unterscheidet vier Arten. Entweder war es ein Rind oder ein Schaf, das auf den Altar ins Heiligtum gebracht werden konnte. Erlaubten die Vermögensverhältnisfe ein solches nicht, konnten Tauben ober ttn S.u.%exfteri ^alle eine auf i)em JDpfcr* crl>a oer^rermen. <so richtete sich das Opfer nach dem Äermögen des Darbringenden. Der Wohlhabende, der mit Glücksgütern reich Gesegnete, er mutzte ein vollkommenes, schönes Tier auswählen, das er nicht um billigen Preis sich verschaffen konnte, dessen Ankauf eine seinem Vermögen entsprechende Summe erforderte. Und mit Recht darf er gewitz eine ansehnliche Gabe bringen, denn sicherlich hat er in seinem Reichtum und in seinem dadurch bedingten Wohlleben sich mancherlei Ausschreitung zuschulden kommen lassen, tsstt'i fiiv' inen* In angesehener Stellung, im Glück, im Genutz wird der Mensch leicht übermütig misrachistischen) gehaßt, als „Verräter" geächtet werden (56,5). Sein Prophetenauge erfchäute die beiden jüdischen Gegensätze. Doch den Chareedim hat er verheißen, daß das Werk ihrer Pflichttreue der Friede fein wird (32,17) und Jerusalems Blüte hat er ihnen versprochen: a^sn-ai inrun- Freuen wir uns unsres Thorafürsten-Rates in Dankbarkeit und in dem Sehnen, daß fein „klerikaler" Einfluß stark auf uns wirke: mim -XI,*7 J11X3X ',*7 *jxb» '3 W’Bö lFp3' Wochenrundschau. Das neue palästinensische Gemeindegesetz. Aus den Berichten der zionistischen Presse, insbesondere aus einer Reihe von Aufsätzen, die in den ersten Nissan-Tagen im Jerusalemer „Doar Häjom" veröffentlicht worden sind, geht hervor, dgß die palästinensische Regierung nunmehr aus Grund des jüngst erlassenen allgerneinen Ua^mxngefe^es für W Srgantfatton der Religionsgemeinschaften einen neuen Gesetzentwurf für die jüdischen Gemeinden Erez Jisroels ausgearbeitet und ihn den interessierten Stellen — dem Waad leumi, der Zionistischen Organisation und der Agudas Jisroel — zur gutachtlichen Aeußerung übersandt hat. Das erwähnte Rahmengesetz hatte insofern überrascht, als es Mohammedaner, Christen und Juden schlechtweg als Religionsgemeinschaften und keineswegs als nationale Gruppen betrachtet. Daß hierin ein Widerspruch insbesondere mit dem staatsrechtlichen Begriffe des „national bome“ liegt, ist ohne weiteres klar. Für zionistische Ohren klang es besonders unangenehm, auf dem Boden des nationalen Heimes die Religion als das konstituierende Merkmal auch der jüdischen Gemeinschaft gesetzlich sestgehalten zu sehen. Von unserem Standpunkt aus, der in dem Gottesgesetz in der Tat. die Konstitution des jüdischen Volkes erblickt, wäre es schon zu begrüßen gewesen, wenn durch eine Zurückdrängung des rein nationalen Momentes die r e l i g i ö f e Betrachtungsweise von vorneherein wenigstens einen Anknüpfungspunkt an die vom Staate erlassenen Verfassupgsbestimmungen gewonnen hatte. Leider scheint jedoch der jetzt fertiggestellte Entwurf eines jüdischen Gememschafts-Ge- und vergißt den*/ der ihm das Gute gewährt. Um fein Opfer zu verzehren, genügte datum auch nicht das Feuer, das vom Himmel herabkam, er sollte auch selbst noch Feuer zum Altäre hintragen by vx pi2v pns '22 nrm minn- Denn die Flamme der Leidenschaft, die in seiner Brust glüht, sie ist mächtiger und wirkt verzehrend auf die Flamme, die für alles Göttliche und Höhere km Menschen erglühen sollte. Diese Verbindung des irdischen mit dem himmlischen Feuer sollte dem Reichen, der so leicht der Genußsucht stöhnt, eine Mahnung sein, nicht sich selbst in der Glut des feurigen Strebens zu verzehren. Vielmehr bedenke ec stets, daß er als omr — welches bekanntlich nicht in Plural gesetzt werden kann — als Einzelner dasteht in der Welt und durch seine unsterbliche Seele den Vorzug vor allen andern Wesen hat, seinem Gotte sich dankbar erweisen und seine Seele in Reinheit bewahren zu können. ' * (Schluß folgt.) Kleines Feuilleton. Gtrvcrs von her Tefrlloh Sie haben einen feinentwickelten Sinn für die über die platten Notwendigkeiten hinausreichenden Zierlichkeiten des Lebens und haben von jeher den Standpunkt vertreten, daß Anmut selbst sreudeleeres Dasein verschönen und erhellen könne. Zn unseren Unterhaltungen kam auch manchmal zur Sprache, daß man edlen Wein eigentlich nur in Kristallgläsern kredenzen solle, um ihn auch äußerlich als das zu kennzeichnen, was er ist. Dem würdigen Inhalt ein würdiges Gewand — das war die Quintessenz.