Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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IHäffer Kerausgegebei» van deg Eowdesoggowifafioii Jet Mqiida»»3i»goef in AeuffcfiUtid \2. Jahrgang Frankfurt a. M., 25. März 1926 / 10. Nissan 6b^6 Nummer 7 Auf zur Jeschiwoh! Das Landesdirektorium des „Keren Hatorah" in Deutschland erinnert daran, daß der neue S'man auf den Jeschiwos gleich nach Pestach beginnt, fo daß es an der Zeit ist, die in Betracht kommenden jungen Leute und ihre Eltern darauf hinzuweisen. Es ist nicht nur eine heilige Elternpflicht, es itt aixti) ein urtbe^d^reiblid^ großes ©lüjj j'jjj mrsrn,“ ihre mmt 311 vmk tanray mMM zu sehen. Es ist für den jüdischen Jüngling nicht nur eine wichtigste Lebensaufgabe, es ist auch die tiefste und reinste Lebensfreude für ihn, ein den tauroh zu fein und die dazu gehörenden hohen Charakter-, Gemüts- und Geisteseigenschaften auf' der Jeschiwoh zu erlangen; und, nebenbei bemerkt, auch ökonomisch betrachtet ist die auf der Jeschiwoh verbrachte Zeit ein werbendes Kapital, weil sie den Kopf für jeden wirtschaftlichen Beruf hervorragend schult. Ermannet Euch, Eltern. - Zögert nicht, Söhne. Auf zur Jeschiwoh! Die Lage in Ere; Israel. Ein Gespräch mik Rabbiner Dr. Pinchas Kahn. Der Vorsitzende des Wiener Geschäftsausschusses der Aguda-Organifation, Rabbiner Dr. Pinchas K 0 h n , traf — nach fast vierwöchiger MirkskMU — Dienstag TrüD in 3Bien ein. J3n allen Kreisen der Aguda und wähl auch darüber hinaus sah man der Crez Jisroel-Reise dieses markanten Aguda-Führers mit großer Aufmerksamkeit entgegen. Rabbiner Dr. P. Kohn leitet seit fast einem Jahrzehnt die Geschicke der Aguda- Organisation an verantwortlicher Stelle. Die Erez Jisroel-Arbeit nimmt in der allgemeinen Aguda- Tätigkeit seit der denkwürdigen Wiener Kenessio einen immer größeren Raum ein. Infolgedessen ist der Zeitpunkt gekommen, wo auch die verantwortlichen Führer der Aguda Erez Jisroel aus eigener Anschauung kennen lernen müssen. Nebst dieser Absicht, Land und Leute in Erez Jisroel auf Grund eigener Wahrnehmung zu beurteilen, waren bei der Reise von Rabbiner Dr. P. Kohn auch der bestimmte Wunsch palästinensischer Regierungsstellen sowie weiter Kreise der an der inneren Gestaltung der jüdischen Verhältnisse in Palästina sehr stark interessierten Orthodoxie maßgebend. Die für die unabhängige Orthodoxie so beWimr*°-” AWW &B3 OTcrDiinDmm über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden in Palästina haben diesen überaus komplizierten Fragenkomplex in seiner ganzen Ausdehnung aufgerollt. Rabbiner Dr. P. Kohn hat nun Gelegenheit gehabt, den Standpunkt der Aguda dem High Commissioner Lord Plumer und den anderen zuständigen Regierungsstellen gegenüber zu vertreten. Da auf Grund dieser Telegrcmxme kM gIMM? BW Ük! 6!MllN0N ZU M rennen ist, yal mnor uMere Väiüchierstafter Gelegenheit genommen, Rabbiner Dr. Kohn gleich nach seinem Eintreffen in Wien zu sprechen. Dr. Kohn, dem man noch die Spuren einer rastlosen anstrengenden Arbeit anmerkt, informierte unseren Berichterstatter, daß er einen ausführlichen Bericht über seine Reise in aller Oeffentlichkeit erstatten werde. Als vorläufige Orientierung kann ich Ihnen, setzte nun Dr. Kohn seine Worte fort, in kurzen Zügen folgendes Mitteilen: Der Zweck meiner Reise war, Land und Leute kennen zu lernen und mit den maßgebenden Stellen der Mandatarmacht wegen der bevorstehenden Gemeindeordnung zu verhandeln. Es war ein eigenartiges Zusarnrnsntve^en^ d«^ an Zellt Tage m?!n?r Ankunft m Jerusalem das neue Rahmengesetz über die Bildung religiöser Gemeinden erschien. In gewissem Sinne bedeutet dieses Gesetz einen unverkennbaren Fortschritt gegen den früheren Zustand, insbesondere gegen den Entwurf des Waad leumi. Die Tendenz des neuen Gesetzes ist eine Regelung der jüdischen Verhältnisse als die Regelung einer religiösen Gemeinschaft. Es hat sich immer bewährt und bewiesen, daß innerhalb der Religion die für die nationalen Bedürfnisse notwendige Erhaltung der Ligenart der ^üdi^en lWAW unö rmsWllch erfolgt set. m halle an allen tomm tenten Stellen dargelegt, daß die Aguda kernen politischen und wirtschaftlichen Ehrgeiz habe, sondern den großangelegten Versuch unternehme, den Aufbau Palästinas nach den Normen des Religionsgesetzes zu beeinflussen. Wenn auch die Verschiedenheit der religiösen Anschauungen die Bildung einer einzigen, einheitlichen Gemeinde derzeit nicht möglich macht, bin ich dennoch überzeugt, daß wichtige gemeinsame Interessen aller Juden in entsprechender Weise vertreten und durchgeführt werden können. Letzten Endes dürfte man zur Vertretung dieser gemeinsamen Interessen der verschiedenartigen jüdischen Gemeinschaften zu einem System kommen, wie es die Delegationen im alten Oesterreich-Ungarn darstellten. Ich glaube der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten zu dürfen, daß dem Bestreben auf Sondergemeinden gewisse Schwierigkeiten entgigöMOon. Dm RgjMsuZM i\l äüch in Aussühr-ungsbkstkmmungen, gebunden an eine lön'gliche Verordnung (council in order) vom Jahre 1923. Diese Verordnung beauftragt und ermächtigt den High Commissioner jedoch nur in bezug auf die Regelung der bereits unter der ottomanischen Regierung anerkannten Religionsgesellschaften. Würde also eine Sonderstellung der religionstreuen Juden zu einer Anerkennung einer neuen Religionsgesellschaft führen müssen, so könnte dieser Akt nur in London zum Abschluß gebracht werden. Die Ausführungsbestimmugnen zum neuen Gesetz werden seitens des High Commissioners in allernächster Zeit zur Aeußerung den interessierten jüdischen Organisationen übermittelt werden. Schon jetzt kann man sagen, daß ein Zwang zur Zugehörigkeit zu der Jewish Community in keiner Weise geplant sei. Es dürfte die Angelegenheit der Orthodoxie der ganzen Welt sein, ihren Gs-- sinnungsgenossen in Palästina bei der weiteren Milllung Der Jingo WkWiz jur &!k stehen. Es fei außerhalb jeden Zweifels, daß die englische Regierung, nachdem sie von der nationalen Gruppierung der Juden Abstand genommen habe, von der religiös begründeten, staatlich gewollten.und genehmigten Organisation nicht Abstand nehmen könne. Unser Berichterstatter ging auf Fragen wirtschaftlicher Natur über. Dr. Kohn sagte hierüber Qtma fslzsttdes- In wirtschaftlicher Beziehung möchte ich mich vorläufig eines Urteils enthalten, da ich es für ungerecht halte, den Eindrücken, die man in einer Zeit der furchtbaren wirtschaftlichen Depression empfangen habe, das Gepräge der Allgemeingültigkeit zu geben. Was zunächst Tel-Awiw anbetrifft, so sec dessen Schicksal von dem Schicksal der Hafenfrage abhängig. Kommt der Hafen nach Haifa, so muß sich Tel-Awiw vollkommen umstellen und auf all die wirtschaftlichen Quellen verzichten, die in einem Angelpunkt der Einwanderung strömen. Uebrigens sei auch in Haifa eine jüdische Siedlung, die einen sehr soliden Eindruck mache. Vorläufig sei Haifa der Mittelpunkt der DndusMk- Dcwunoernswm fei arnwmi1 m Ausdauer und Hossnungskrast der Kolonisten. Man könne über Kolonien ein allgemeines Urteil nicht fällen, da die Gegenden von Palästina nach ihrer Anbau- und Ertragsfähigkeit auch verschieden beurteilt werden wollen. Unter den augenblicklichen Verhältnissen sei eine Einwanderung zwei?;' Klassen von Menschen zu empfehlen, und zwar solcher, die genügendes Kapital haben, um das erste Jahr der Kolonisation zu überdauern, und solcher, die zur harten Arbeit entschlossen sind. Die Arbeitslosigkeit sei groß in TelmiiSi fflsorenn in OkinsMM MM MS mir für KÜr3ÖFMil TKschAftiZUng vorhanden fei. Sie Aguda wird auch unter diesen schwierigen Verhältnissen ihre stete und ruhige Arbeit fortsetzen, und es besteht kein Zweifel, daß dem Ernste des Wollens der Erfolg entsprechen wird. Mit dieser zuversichtlichen, würdigen Aeußerung schloß Rabbiner Dr. Kohn seine Ausführungen. (Jüd. Pr.) Agudas Israel in Amerika. Der Vorsitzende des Frankfurter G. A., Herr Jacob R 0 f e n h e i m, der am 16. d. Mts. von einem mehrwöchentlichen Aufenthalte in Amerika heimkehrte, teilt uns auf unsere Anfrage über seine Eindrücke und Erlebnisse folgendes mit: Es war vielleicht eine — von den Umständen allerdings vollauf entschuldigte — Unterlassungssünde, daß die Leitung der „Agudas Jisroel" ^st g" beginn MMMaiWMZ einen ernstlichen Versuch nnwrnommsn Hst, statt durch fliegende Delegationen durch Errichtung einer ständigen Vertretung in Rew-Pork jenseits des Ozeans festen Fuß zu fassen. Auch wenn man von allen wirtschaftlichen Momenten absieht, die meist am stärksten in die Augen springen, bleibt „Agudas Jisroel" rein organisatorisch eine Halbheit im buchstäblichen Sinne, solange ihr die gewaltigen Massen und moralischen Kräfte der amerikanischen Judenheit fehlen. Diese amerikanische Judenheit — 2 Millionen Juden in New- Pork allein — ist ein Mikrokosmos; sie birgt geradezu alle Strömungen und seelischen Richtungen des Gesamtjudentums in berückender Mannigfaltigkeit in sich, und es ist eine trostreiche Feststellung, daß auch das, was uns allein wahres Judentum ist, die unbedingte Hingabe an das Gottesgesetz, drüben keineswegs im Aussterben begriffen ist, sondern im Gegenteil, wie ich glaube, eine lebensvolle Zukunft hat. In der älteren G.v.r-vtrvv gäjien jmmjfJJjj flgjj MMrft tausenden diejenigen, die ihr Leben nach den Diktaten der Tradition zu gestalten sich bemühen und in der Jugend — der jiddischen wie der englischen — regt sich, deutlich wahrnehmbar, die Sehnsucht nach historischer Echtheit und sittlicher G a n z h e i t des jüdischen Lebens, wie nur eine Volkserziehung im Aguda-Geiste sie heute gewähren kann. Sv liegen dik Bedingungen für einen Crodernngszng Der „AgudsZ Sijrört“ als Renaissance des alten jüdischen Volksgeistes in hohem Maße vor: ungezählte Massen in chaotischer Unorganisiertheit mit dunklem Sehnen nach jüdischer Lebensgestaltung. Diese Möglichkeiten in Wirklichkeiten zu verwandeln ist allerdings eine Aufgabe, deren moralische Größe überschattet wird von den ungeheuren praktischen Schwierigkeiten ihrer Lösung. Sie fordert außergewöhnliche Opfer an physischen, geistigen und wirtschaftlichen Kräften, verheißt aber, zähe und ausdauernd durchgeführt, in wenigen Jahren reichen Lohn. Daß wir als Pionier keinen besseren Mann hätten hinübersenden können als unseren »er* Kollegen Tr. Ehsm « nn - der seit Kitzlern den Ausbau der amerikanischen Aguda leitet, ist mir während meines Aufenthaltes zur vollen Ge-