Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450401--73027-2530412- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 Nr. 1 und Feder leuchtet und fegt er allüberall aus Fugen und Spalten jedes Gesäuerte. Denken wir uns nun auch etwas bei diesem Tun? Erzählen wir unseren Kindern und uns, warum all diese Umstände und peinliche Sorgfalt MuiZr Eymbvle lmeHen voll! eine sö liche Sprache, wie die Magzoh, wenige Verbots sind auch im Talmud schon so klar interpretiert, wie das des Genusses und des Besitzes von Chomez während der Peßachtage. „Ein Licht Gottes ist die Menschenseele, die die Kammern des Leibes untersucht". „Und nur durch Suchen kann man finde.:". Wer kann da nicht aus sich heraus leicht und einfach kombinieren? Suchen ist am Abend vor dem Rüsttag zu Peßach Selbstzweck. Auch der Segensspruch erstreckt sich auf die Pflicht des Suchens. Man muß nicht finden. Aber suchen, prüfen soll man. Denn auch die Seele muß sich im Körper durchzusetzen suchen, bis auch das Körperlichste geistig durchdrungen ist. Der Wille zum Guten muß sich dem Sollen ausgleichen. Alle Hemmungen müssen ausgeschaltet werden. Man hat den Standpunkt einzunehmen, daß jeder egoistische Eigenwillen zu keinem Ziel führt. Kraftbewußtfein ist Schwäche, wenn es auf menschliche Machtmittel aufgebaut ist. Die Gährungswirkung der Vermögensbildung kann füglich als Staub betrachtet werden, denn kein Geschlecht hat seit dem Untergang Aegyptens und der Zerstörung Jerusalems eine solche restlose Entwertung alles Besitzes erlebt, wie unsere Zeit. Dieses Erlebnis Hütte uns von der Vorstellung fetten miiffen, iia^) iöie ßüö&ö ßtttö öttböüö wmung verdiene, denn «ls Mittel o“™ Das Licht Gottes, die Menschenseele, das Seelische im Menschen hat das Körperliche, das ohne das Seelische Leiche bliebe und Leiche wird, zu beherrschen. Diesem Lichte Gottes ist der Körper, als Träger des Lichtes untertänig. Der Körper steht im Dienst der Seele. Die Erlösung aus allen möglichen Nöten und Leiden, politischer, wirtschaftlicher und sittlicher Natur tut auch uns not. Käme doch ein Engel und rettete auch unsere Häuser. In solchen Zeiten des Druckes und des Elends richteten unsere Vorfahren ihren Blick zum Himmel, ließen ihr Wehklagen empordringen. Und sogar fremde Völker horchten auf die Worte jüdischer Prediger. „Und Gott sah ihre Taten." „Gott sah ihren Sack und Asche" — steht nicht, sondern „Gott sah ihre Taten". Da wahre Erlösung nicht Menschenwerk ist, richten wir unsere Augen zum Allvater. Sein Auge sucht dann aber nicht Aeußerlichkeiten zu entdecken. Wenn wir uns nur traurig st e l l e n (2, 33,4), dann ist unser Schmuck vertan. Unser Lebensinhalt ist Ernst. Lebensgesetz und nicht Lebensanschauung harrt der Erfüllung. Drum müssen Taten unsere Würdigkeit erweisen. Wie die Sünde aller Sünden, die in allen Auswirkungen immer a?ieber geal^nbei roerben muß, bas goldene Kalb war, so ist der Materialismus unserer Tage das Uebel, an dem Geist und Sitte, Menschlichkeit und Jüdischkeit zu Grunde geht. Bevor die Träger der Gemeindesteuer auf dem Lande ihre Pflicht tun, lassen sie lieber die Kinder ein ganzes Jahr ohne Religionsunterricht. Und bevor ein Mann in der Stadt, zugegeben er verdiene heute nichts, für gute Zwecke, für Tauroh und Awaudoh und Gemilluth Chesied seine „Sustanz" angreift, läßt er blühende Schulen ein- Jüdischer Voltsfreund gehen, läßt er Arme ohne Mazzaus und Wöchnerinnen ohne ausreichende Hilfe. Heilige Substanz! Du bist ein noli me tangere. Hands off! wer daran rühren wird! Schon einmal, da die Not am Mann war, schrieben wir in biejen Blättern, daß das Judentum in Deutschland — vielleicht Dezennien hindurch — von hen materiellen Opfern der beamteten Personen lebte. Sie durften ihre Substanz angreisen. Da ihre Gehälter nicht ausreichten, durften sie von dem Vermögen zehren, bis nichts mehr da war. Das störte die Kaufleute, die damals noch vermögend waren, gar nicht. In der Inflation hatten die Beamten das Nachsehen, das störte die Geschäftswelt gar nicht. Ab und zu fielen Brosamen auch auf dem Wege des Almosens, als Gnadengeschenk, auch für den Beamten unter dem Tisch. Jetzt ist die allgemeine Geschäftslage eingetreten, die keinen Zuwachs des Vermögens gestattet. Jetzt öffnet eure Vorratskammern! Weit gefehlt! Die Substanz der Kaufleute darf nicht angegriffen werden. Schulen gehen zu Grunde. Mazzaus werden nicht geliefert, Sieche schmachten dahin. — Aber die Substanz muß gerettet werden. Aber fromm stellen wir uns hin zu unserer Chomez — Substanz, über deren Suchen wir soeben einen Segensspruch gesprochen haben und sagen: Jeder Sauerteig und jedes Gesäuerte, das in meinem Besitz ist, das ich gesehen habe und für das mir der Blick und die Ehrlichkeit und die Kraft und die Selbstüberwindung und das Gottvertrauen fehlte, „heilige Substanz", sacro saoismo. es föt dem Staub der Erbe gleich geachtet. ... Aus der Hagadah! „Ich werde in dieser Nacht das Land Mizrajim durchziehen, Ich selbst, kein Engel. Ich werde schlagen daselbst jegliche Erstgeburt, Ich selbst, kein Seraph. Und an allen Göttern Mizrajims will Ich Strafgerichte üben. Ich selbst, kein Bote. Ich, Gott, Ich bin es, kein anderer." Diese Boreitha dient zur Erklärung des Verses II, 12,12 „Ich werde in dieser Nacht das Land Mizrajim durchziehen und schlagen daselbst jegliche Erstgeburt von Mensch bis Vieh und an allen Göttern Mizrajims will Ich Strafgericht üben. Ich, Gott." Wir haben da drei Ausdrücke, welche eine Mittelperson, einen Voten bezeichnen. Sie alle entsprechen dem Sinn der Handlungen, in denen Gottes Macht, selbsteingreifend. Sich offenbaren sollte. Dem 'mnsn ist ^8ba' dem vom ist *pW' dem v'vvv? nw»R ist N'bv gegenübergestellt, und die Schlußworte n ’28 besiegeln das Ganze. Das Wort iay ist im ähnlichen Sinne z. B. HI, 26,6 gebraucht: äaxisa nyn rr*? mm« Das Durchzogenwerden von feindlichen Scharen, die auch auf neutralem 93oben plündern und verwüsten, ist eine Plage für ein Land. Eine solche wird aber nur als Folge politischer Verhältnisse aufgefaßt, und man erblickt gemeinhin in dem führenden Feldherrn nicht einen fR^a strafender Gerechtigkeit Gottes. Diese Erkenntnis galt es aber, den Aegyptern beizubringen. Das Land wurde verwüstet, ohne daß ein Heer mit Waffen und Rossen seine Saaten vernichtet und seine Wege verwüstet hatte. Es mußte daher das Durchziehen, das Schrecken verbreiten sollte. 25. März im solcher Gestalt sein, daß man darin Gott als Richter erkennen sollte, , der mit eigener Hand die Geschicke der Menschheit lenkt, in dessen Hand die Menschen auf dem Schachbrett der Welt nur Figuren sind. ^*6» 8bi '28. Denn "s8ha ist alles, was im Dienste Gottes, Seine Absichten zur Erfüllüüß Wsnn iMH ein ßinDornü ein Zug versäumt ist, Oer verunglückt, so war Das Hindernis ein guter -jH^a- Das Wort 'ron. kommt in III, 26,24 vor aan8 vom* Im V. 25 erhält dasselbe seine Erklärung nicht nur durch a-m as'Vy 'rmani, sondern auch durch 'nnhwi Mama' im, Pest, Seuche, also Strafen, die nicht durch Menschen, sondern die Natur, die Bewohner I des Landes heimsuchen, und welche zusammengefaßt in der Bezeichnung *pw Verseuchung, „Brandfiebe r", Zehrung, verheerendes Wuchern innerer Krankheiten zum Ausdruck kommen — sprechen wir doch auch im Deutschen von einem Krankheits-„H e r d". Solche Epidemien pflegen aber auf ungesunde klimatische Verhältnisse zurückgesührt zu werden, Mangelhaftigkeit hygienischer Einrichtungen, Unpünktlichkeit in sanitärem Verhalten — aber der Gedanken '28 daß Gott heilen kann, kommt immer erst dann, wenn die Heilmittel des Arztes versagen. Aegypten sollte aber lernen, auch in den natürlichsten Entwicklungen eine leitende Hand zu erkennen. Es konnte das Hinsterben seiner Söhne nicht die Folge einer um sich greifenden Krankheit sein - denn die Erstgeborenen allein starben. Eins solche Auswahl trifft nicht sin blind waltendes Gift -pFKVi ’a« ~isa ¥s ’nsm- Uni ^nltlchan allen Göttern Aegyptens werde Ich Strafgerichte üben N'hw 8^2 '28- Strafgerichte an Götzen antiken nud modernen Heidentums übt im allgemeinen in der Weltgeschichte das Volk selbst. Eine fortschreitende Erkenntnis lehnt sich gegen althergebrachte Anschauungen auf. Solche Umwälzungen auf dem Gebiete des Geistes wecken Männer und solche Reformatoren, in denen sich die Geistesrichtung ihrer Zeit verkörpert, treten auf und richten die Gedankengebilde der Vorzeit und lassen neue Wahngeburten an Stelle der alten treten. Sie geben sich als Gesandte Gottes an die Menschheit aus, die gekommen sind, sie vom alten Drucke zu erlösen. Aeußerlich betrachtet, sind sie nur die Repräsentanten der Volksseele ihrer Zeit. Ihre Lehren gelten als Weiterentwicklung des Vorhandenen, man erblickt nicht in ihnen was sie sind: die Verurteilung und Bestrafung aller Versuche des Menschengeistes, seine Gottheit sich selbst zu geben. Moscheh predigte keine neue Religion und gab sich gar keine Mühe, die Aegypter zu neuen Göttern zu bekehren. Aegypten sollte die Nichtigkeit seiner Götzen aber zu seiner Schande empfinden: durch hie einfache Tatsache, baß die Gatter sie den „Judengott" nicht zu schützen vermochten. Die Götzen waren durch Gott selbst entthront: 'N'hwn 8bl '28