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Der Israelit · 1926-03-25 · Heft 13 (25.3.1926) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 13 (25.3.1926)
Date
1926-03-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
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ü i> f ch 35 I k f 01iL 1 S£Ü£ 5 Werden die unsere Lebensbestirnmüng, „ein Reich I Das Dasein kann nicht weg disputiert werden und von Priestern und ein Volk der Lebensheiligung .. ‘ ~ - zu sein", selbstverständlich mit sich bringt. Der scharf lblickende Haman gab dem König Achaschweragsch folgenden Rat: Der Gott dieses Volkes nm iuw haßt Nacktkultur. Bereite ihnen ein Mal rund gib ihnen Gelegenheit zur Ausschweifung. Der König willfahrte und lud die Juden ZÜm 'Fest. Da erhob Mordechai warnend seine Stimme: Geht nicht zum Fest und nehmet nicht an ihren Gelagen teil. „Du Israel hast dich nicht auf jauchzen zu freuen, wie die Völker." Der Freudenrausch wird dir zum Ankläger vor deinem Gott. Dein dir anerzogener Opfersinn, dein Brot von deinem'Gott zu empfangen, soll dich hintreten lassen an Den Altar, den Altar, auf dem dasWeld, das andere dem Genussesleben widmen, in Manch ausgehen soll, um duftverbreitendes rnvp vor des höchsten Antlitz zu legen. Nichts Irdisches ist Selbstzweck des Daseins, gilt nur soviel, als es MWel bleibt, geisüg sittlichen Segen zu Verbreiten. Wir kämpfen und siegen nicht für unsere Freiheit And das Glück der Welt mit ihren Waffen Nur unter dem Zeichen der Gotteshuldigung wirken wir zu unserem und der Menschheit Heil, gewinnen wir auch die Krone des Priestertums auch in den Äugen unserer erbittersten Gegner,, deren Anschlag auf unser Leihen dann abgewendet ist. III. Der Ausspruch des dritten Kindes lautet: 46,4); , **3 m ’msrsr ’a« Vas« ’a« .na^ “ran «in 'S« najpT isr vbvm h2vrr -»ist «Vrr Meine Damen und Herren! Eine tiefe Ehrfurcht ißrgreift uns, wenn wir so weitausblickende Worte unserer Propheten lesen. Dritthalbtausend Jahre sind es her, seitdem Jesajas dieses Wort gesprochen hat. An der Stelle, an der wir stehen, war noch Urwald, und die alten Deutschen lagen noch auf der Bärenhaut und tranken immer noch eins. Da sprach der jüdische Prophet schon Worte, deren Erfüllung wir heute vielleicht aufdämmern sehen, die wir jedenfalls bester als die meisten seiner Zeitgenossen begreifen können. Noch stehen wir aufrecht da. „Bis zum Alter bin Ich es, bis zum Greisenalter trage Ich die Last. Ich habe gestaltet und Ich erhebe. Ich trage die Last und schaffe Rettung." Wer staunte solches Prophetenwort nicht an, und gewönne nicht die Ueberzeugung daraus der Wahrheit unserer Taurohsache, der Berufung Jisroels? Wahrlich rum iiVro “ins m (H. L. 2,9): Sieh Ihn, der hinter unserer Mauer schützend, wartend, steht! Fast zweitausend Jahre ist der Midrasch alt. Und mit felsenfester Bestimmtheit spricht er ^ni2 nr nrDffnw nn ianro Bnpan rra bv ->217» Niemals wird die Westmauer des Tempels zerstört werden; denn im Westen ruht die nrsff- - Rückschauend erleben wir Spätgeborene solche goldenen Worte. Und wir dürften, könnten noch vorausschauend Zweifel an unserer Zukunft hegen? Die Trümmer d^s Tempels, die Westmauer, die noch in unsere Zeit hineinragt, an der tausende Jahre hindurch die Tränen unseres Volkes flössen und fließen ob des herben Schicksals, ÜllS uns nwrö unD mirD, diese oüe ötütre unseres einstigen Herlrglunrs falh» MÜÜ ÜM u^Tpaoipo 7i^"i?3 (3erem. 17,12) ist ein Thron der Herrlichkeit, höher als der erste. Diese Mauer ist der Zeuge unserer Vergangenheit, der uns in die Gegenwart geleitet hat, um mit uns eine heitere Zukunft zu erwarten. Wenn Hirsch bei der Bestätigung der Sendung Mosis durch Gott gegen Korachs Erhebung schreibt: „Die Wahrhaftigkeit eines Faktums kann nur durch ein Gef ch e h n i s, kann nicht durch innere Gründe erklärt werden", so gilt das auch für die Sendung Israels im allgemeinen. „Innere Gründe können die Wahrscheinlichkeit einer historischen Tatsache, ihre N 0 t w e n d i g l e 11, nimmer aber ihre Wirklichkeit beweisen." Die Tatsache, daß Jisroel noch da ist, erhärtet zur Genüge seine Geschichte und feine Ueberlieferung. somit ist auch die Geschichte seiner Entstehung erfahrene Tatsache. Jisroel und seine Geschichte sind gegebene Lebenstatsachen, sind der Inhalt geschichtlichen Wissens. Wir, Jisroel, sind die lebendigen Kinder eines Vaters, v'33 cmrr sp'an '3*0 Ihr seid Kinder und Ich bin Euer Vater! Die Kinder leben, aber auch der Vater lebt. Er steht noch unsichtbar, und doch in die Erscheinung tretend, hinter der Westmauer zu Jerusalem, hinter der Wand, die die Pfeile auffängt, die gegen uns geschleudert werden. Was anderes aber erhält uns, welch andere sichtbare Machtfaktoren aber mögen es sein, die bis zu unserem hohen Volksalter, bis zur Schwäche unseres Greisenalters uns all die Geschickeslasten, die uns auferlegt wurden und werden, tragen ließen, was anderes retteten wir immer wieder mit hinaus ins Golusleben, von dein Zusammenbruch unseres Staates und Heiligtums und den Blüteperioden, die wir. in Ländern des Ostens und Westens auch während der Zerstreuung erlebten, als ein Buch? Das Buch der Tauroh ist unser Lebenselement. Die Tauroh ist unser Leben und unsere Kraft. Sie zu pflegen, ist das Problem aller jüdischen Probleme, bedeutet die Lösung all dieser materiellen und ideellen Probleme unseres wirtschaftlichen, geistigen, gesellschaftlichen, sittlichen und staatlichen Abbaus und Aufbaues. Was soll man aber zur Verständnislosigkeit gegenüber der Taurohpflege in unserem Zeitalter sagen? Jeder, der sich bestrebt und dessen ihm aufgetragener Beruf es ist, Hü muß ßsllle!ll die verzweifelnden Worte des Propheten Micha einstimmen (2,11): „D, wäre ich ein Mann, der mit Tand umgehen wollte, und Lügen der Fälschungen erdichten würde, dann dürfte ich dir predigen,zu Wein und Rauschtrank, das wäre ein richtiger Prediger für dieses Volk." So aber rufen sie: „ihr sollt nicht künden." iepö’ sis'vn ^rr Es sei drum, wir lassen mit göttlicher Hilfe nicht nach im schwachem Streben. In den Süden und Norden und Osten und Westen unserer Provinz wollen wir tragen das Wort, das Buch. — Denn cogito ergo sum. Solange wir über es denken, in es uns vertiefen, solange leben wir, lebt Jisroel, lebt Jisroels Zukunft. Auf Kindermund, wenn die Erwachsenen nicht wollen, soll Israel geistige Lebenskraft und Widerstandsfähigkeit im Lebenskampf sich gründen. Von der Erziehung zur Opferfreudigst ausgehend, läßt Tauroh uns zu wollenden, bewußten und denkenden Juden erstarken. Der Welt wollen wir die Kleinodien der Menschlichkeit mit unserem Blut erhalten. Der Menschheit leben wir, bis sie erkennt, daß Mb K3*i3 imana allein durch den Anschluß an unseren sittlichen Gedankengang ihr Heil winkt. Denn die Krone der Tauroh überragt alle anderen Kronen. Beim Tische und Altar heißt es ndi'bei der Tauroh-Lade aberi'^p jvwjn- - Erlangt der Mensch die Tauroh Krone — dann ist er mit allem Glanz gekrönt, dessen der Mensch sich freuen darf. „Vis Er Sein Wort in Sicherheit bei der Menschheit weiß, solange trägt Gott es durch seine Auserwählten durch die Zeit." Meine Damen und Herren! Der König AgNWll, so erzählt der Mwraslh (210 inw zu Ps. 33,35) wollte einst tausend Opfer an einem Tage darbringen. Er sandte zum Hohepriester und ließ ihm sagen: heute soll außer mir niemand opfern dürfen. Da kam ein Armer. Er hatte zwei Tauben in der Hand. Er bat den Priester, sie für ihn zum Opfer zu bringen. Der Priester lehnte die Bitte mit dem Hinweis auf den Befehl des Königs ab. Da sprach der Arme: „Mein Herr und Hohepriester, vier Tauben fange ich jeden Tag, mit zweien ernähre ich mich und zwei bringe ich zum Opfer dar. Wenn du mir meine Bitte verweigerst, dann gräbst du mir meine NV3NS ab. Da willfahrte ihm der Priester. Darauf hatte der König Agrippa einen Traum. Es wurde ihm mitgeteilt: das Opfer des Armen ist dir zuvorgekommen. Es ist wertvoller, als das deinige. Da verlangte der König Rechenschaft vom Priester, derweil er gegen seinen Befehl gehandelt hatte. Darauf der Priester: „Hätte ich dem armen Mann, der sich die Hälfte seiner täglichen Errungenschaft entzieht, um sie Gott zum Opfer zu bringen, abweisen dürfen?" Nein, sagte der König, du hast recht gehandelt. Denn also heißt es im Psalm, der auf Esther bezogen wird:rrb '2 nuy fpv rr^i mn Er verachtet und verwirft nicht die ärmliche Gabe des Armen! Meine Damen und Herren! Nach kurzem Traum von lauter Flitter und kurzer Wahnvorstellung von Reichtum und Größe sind wir erwacht — und sind arm, ganz arm. Das erste ist, wir entziehen uns dem Opfer für Hohes und Erhabenes. Für Tauroh und Awaudoh und Gemilluth Cheffed haben wir kein Geld mehr. Wer noch königlichen Reichtum besitzt, der mag tausend Opfer jeden Tag bringen, der mag den Altar des Judentums für uns sperren! Nein, blickt hin auf den Armen. Er bringt mehr Opfer, als der Reiche, er hat immer mehr Opfer als der Reiche gebracht. Unsere Scheinreichen haben nicht genug getan. Nun, da sie alle arm sind, sich arm fühlen, dürfen sie nicht geizen. Wer noch vier Taubett hat, er spende zwei. Das heißt kein Opfer, wenn ein Reicher spendet. Jetzt ist es Zeit zum Opfern. Das Opfer des A r in e n ist Gott wohlgefällig. Da gilt heute keine Sorge um den morgigen Tag. Der Altar der Tauroh darf nicht leer stehen: Denn Er verachtet und verwirft nicht die Armut des Armen und Er wendet Sein Antlitz nicht von ihm atz. imw «ü# mm) Wenn wir in Arm demütig, opferfreudig, reuevoll uns zu unserer Bater im Himmel wenden, dann wird Er un erhören. Und wiederkehrt die Zeit, in der ä'*rvr 1,7 1 |im nnatpi uns nrv»n Juda wieder werde möge „Licht und Freude und Wonne und Ehre! In der nun folgenden Vorstandswahl werde Herr Grünsfeld und Herr Loewenstei. wiedergewählt und an Stelle des Herrn Jaco Cohen, der eine Wiederwahl ablehnte, Her Afchkenasy neugewählt. Herr Kaufmann-Düsseldorf und Her H a r t m a n n -Mayen werden zu Mitglieder: des Ehrenrates gewählt. Als Kaffenrevisorei Herr Carl Bier und Herr Victor W e y l. D« Herr Direktor Dr. R 0 ts ch i l d -Dinslaken leide verhindert war, an der Versammlung teilzuneh men, mußte das von ihm angekündigte Refera ausfallen. An seine Stelle trat und sprach in lie benswürdiger Weise Herr Studienrat Dr. R 0 t h ' ch i l d -Köln humorvoll und eindringlich übe: Tagesfragen. Seine Worte, vielfach durch lauter Beifall unterbrochen, wurden dankbar aufgenom men. Gegen 6 Uhr schloß der Vorsitzende die harmonisch verlaufene Versammlung. Die «heilige" Substanz. „Aller Sauerteig und alles Gesäuerte, welches sich in meinem Besitz befindet, was ich gesehen und was ich nicht gesehen, was ich weggercmmt imb was idj rtidji tpeggeräwmt als Nicht vorhanden betrachtet und dem Staub der Erde gleich geachtet werden." Die Kreise, für welche diese Zeilen bestimmt sind, sagen obige Worte sehr gewissenhaft. Sie versammeln ihre Kinder dazu, um mit ihnen die Jnaugurierung des Peßach ernst und würdig, heiter und in Festesstimmung zu begehen. Und wenn sie diese Worte sprechen, ist im Hause nach wochenlanger emsiger Arbeit alles von jedem kleinsten Krumen Chomez gesäubert. Alles blinkt und blankt schon im Hause, wenn der Vater mit seinen Söhnen die letzte Jnspektonsreise durch alle Räume antritt vom Keller bis zum Speicher, in Haus und Hof, im Garten und Garage. Mit Licht-

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