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Der Israelit · 1926-03-25 · Heft 13 (25.3.1926) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 13 (25.3.1926)
Date
1926-03-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 4 Nr. 1 I ü d l s L e r D o l I s f r c u n v m mm 1096 Warum steht bei Tisch und Altar am ->i n'vvi du sollst ihm einen goldenen Reif machen und bei dem jvik du sollst auf ihm ein Diadem anbringen vfy n'vjn? Das will sagen, daß die Thauroh-Krone alle anderen in sich faßt. (Midr. Rabb. niav 34,3), daß sie die Krone aller Kronen ist. Meine Damen und Herren! Es bedeutet uns das Problem der Probleme: Gesundung der Menschheit durch Erziehung. Darum erblicken wir die Welt unter dem Gesichtswinkel der Zentralstellung Jisroels, weil der Mittelpunkt als ungetrübter Lichtkern erglänzen muß, wenn er die Heilungskraft seiner Strahlen an die Peripherie senden will. — Als eine in dem Strahlenbündel mitschwingende unendlich winzige Lichtwelle ist unser Verein gegründet worden. Seinem Begründer, Selig Hanauer der heute in unserer alljährlichen Mitgliederversammlung zum ersten Mal nicht mehr unter uns weilt, weiß die jüdische Gesamtheit Dank. Er war selbst in dem Kreis, in dem er lebte, Verfechter und Erhalter des überlieferten Judentums. Sein Herz gehörte seiner Schöpfung. Unermüdlich war er als Rendant auf seinem Posten. Die Ausbreitung und Erstarkung, die der Vereinsgedanke bis 1914 erfahren hatte, bereitete ihm die reinste Herzensfreude. Der Verein galt ihm als das Kind feiner Seele, mit dem er mit allen Fasern seines jüdi schen Herzens aufs innigste verbunden war. Sein Gedeihen schien ihm eine Erfüllung seiner Lebensaufgabe, der Inhalt seines Daseins. So möge ihm Bas Wirkst! ös§ mmm nnr sein. Mf immer bleibt der Verein mit dein Namen seines Gründers Selig Hanauer verknüpft, und wir wollen in dankbarem Gedenken unseren treuen Freund ehrend im Gedächtnis halten. Die Krone des maVa hat ihm seine Heimat-Gemeinde aufs Haupt gesetzt, als sie ihm die Leitung ihrer Geschicke anoertraute, derweil er ihr im Glanze der mma der Würdigkeit und des sittlichen Strebens vorangeleuchtet, die Krone der Tauroh-Ersüllung hat er sich in seiner Arbeit um das Gelingen unserer Ziele erworben, nanaV pnx nar- Indem uns die Tauroh in dem Tisch, dem Altar und der Lade des Heiligtums drei Kronen erblicken läßt, die das Menschenleben krönen sollen und können, vergißt sie nicht, uns den Weg dorthin zu zeigen. in'->2' 12'p^K nmna \ In den ersten Vorhöfen des Lebens muß zuerst zur Blüte gebracht werden, was nachher zur Frucht reifen soll. Draußen in dem Vorhof des Heiligtums stand der Opferaltar und ruft uns "n -pana zu. In der Hingabe des Lebensblutes empfängst du Leben. Es wird keiner etwas Großes und Gutes im Leben leisten, der nicht früh an Opfer gewöhnt wurde. Drum stellen die Weisen den psychologisch gerechtfertigten Satz auf nun K2N B'My ':aa> Rur von den Söhnen der Armen wird die Wissenschaft ausgehen. Vnna nia' '2 tnx Nur wenn das Leibliche erstirbt, erwacht das Seelen leben. Alle Lehren edelster Ethik, alle Predigten erhabenster Moralphilosophie, die auch in anderen Hallen der Wissenschaft zu vernehmen sind, haben die Welt^ wie das letzte Jahrzehnt in betrübender Weise bewiesen hat, sittlich knum gefordert. Das Bild des Völkerlebens, das Bild des Einzel- und Familienlebens zeigt dunkle Farben auf dunklem Grund. Wo das Gebot des Sollens in straffer Zucht vermißt wird, da stellt sich der Luxus schöner Ideen billig und sieht schön aus. Der yi aber, das Gesetz, zügelt den Willen. Grundsätze, und mögen sie noch so logisch aufgebaut erscheinen, können in der Wirklichkeit versagen und bewähren sich nicht, wenn die Sirenen locken. Das Lebensgesetz der Tauroh ist kein Ceremonial, es bedeutet wertvollste Bindung, vornehmste Hemmung unedler Triebe, Ertüchtigung zur Reinheit, Stärkung zur Standhaftigkeit, Rüstung zum Lebenskampf gegen Drohung und Verführung, Gewöhnung zur Opferfreudigkeit, Erziehung zum Opfersinn, Beherrschung der Jchzucht, Anleitung zu Gerechtigkeit und Liebe. In frühester Jugend muß diese Selbstentäußerung gepflegt und geübt werden, ohne Mitleid und Weichlichkeit. '->«2 naann i?ai Am Morgen des Lebens erstarkt man zu einem Lö wen, sonst wird man kein rechter Gottesdiener im Sinne des Jdealmenschen der Tauroh. Wenn ein Bruchteil der Zeit, die den in der Gegenwart so hoch bewerteten Leibes Übungen gewidmet wird, Seelen Übungen zpr Verfügung stünde dann besäße die Jugend höhere Ideale, als Ringen und Kämpfen um das Weltmeistertum der Körperkräfte und Geschicklichkeit. Die Jugend würde die in Trümmern liegende Welt beglücken ihr neue Bahnen weisen, die in unnahbarer Höhe von Neid und Mißgunst nicht zu erfassen sind Frieden und Wahrheit, Versöhnung und Hoheit würde den neuen Stempel des Menschen zieren, und die Welt würde zum Gottestempel. Drei Kronen lägen vor ihr: des nia^a' der;mna und der min* I. Als 'aria am Tage, an dem Haman die Briefe hinaussandte, welche die Vernichtung Jisroels bezweckten, drei jüdische Kinder aus der Schule kommen sah, lief er ihnen nach und fragte den ersten Knaben, was er an dem Tage gelernt hätte. Dieser antwortete (Sp. 3,25): Kim!?rr Kan n^sTOn NKvai QKns “rnaa „Du hast nicht zu fürchten plötzliche Beängstigung, nicht den Ansturm Gesetzesloser, die da kommen mögen." Meine Damen und Herren! Seitdem Kindesmund Mordechai dieses Wort Salomonischer Weisheit wiedergegeben hat, sind unzählige Schrecken und Verfolgungen über das Haupt des fÜbjfchbN Volkes bafjirtgefcrauj'i:. Nur in einem unterscheiden sich die Zeiten von heute unh früher. Man verstand und wertete früher die Zeichen der Zeit. Heute geht man an den größten Wundern achtlos vorüber. Ein Schleier materieller Sinnesart liegt über unserem Zeitalter ausgebreitet, eine von außen übernommene Lebensanschauung. iv j? nm o yn naK' nem *?aV nvp invrrn kV (Jes. 8,12—13). „Wir sollten aber nicht Verrat nennen, was die gegenwärtige Gesellschaft Verrat nennt." Vor dem was sie fürchtet, haben wir eigentlich nicht zu bangen und zu zittern. Gott, den Herrn der Heerscharen, Ihn sollt Ihr heiligen, Er sei Eure Furcht und Euer Gebieter." Uns ist das Mittel an die H a n d gegeben, wir brauchen nicht in dunklen Versuchen zu tappen, uni die Wirtschaftslage, die die Welt bedrückt, zu heben. Nicht freilich mit den üblichen Mitteln, dazu reicht unsere Kraft nicht aus. Bei solchen Versuchen wäre der Pessimismus berechtigt, der alles ergriffen hat. Das Kapital schont i ch und glaubt sich auch dem Heiligtums gegenüber versagen zu sollen, weil heute nichts hinzuverdient wird. Aber aVwn «Tn kV ^'avai pvan V’ava snu naVi ama vanvnV '1K1 snpan rv»a Die Welt hat keinen Anspruch auf Gold. Gold ist nur für das Heiligtum geschaffen. Es ist nur zur Mehrung der sittlichen Kraft und Stärke da. Der Tisch des Heiligtums sei golden, der Tisch, auf dessen reiner, in ehrlicher Arbeit erworbener Grundlage die zwölf Brote liegen, das Bild treuer Brüderlichkeit. Auf solchem Tisch ruht das Wohlwollen dessen, zur Heiligung dessen Namens der Tisch bereit gestellt wird. Und die Brote werden von SäbbstZuGabbat daraus gelegt. Nicht am Tage der Arbeit,' crnr Tage der N ü h 4, öäf Zuwendung zu Gott, erflehen wir Gottes Segen auf unseren Brottisch. Zu keiner Zeit hätte die Sabbatheiligung geschäftlich weniger gestört als heute. Aber die Macht der Gewohnheit, das Gesetz der Trägheit läßt so manchen willenlos und seelenlos denselben Weg dahin träumend trollen, den er jeden Tag wählt. Die 48 Arbeitsstunden der Woche können so gelegt werden, daß zur endlichen Genesung der jüdischen Gesamtheit der Schabbos wieder der Fessel des Alltags sich entledigen darf. Solange beharrlich Wert und Sinn des Schabbos - - und nur dieses Tages — nicht erkannt und anerkannt wird, haben wir den einzigen Schlüssel, der alle Tore irdischen und seelischen Glückes erschließt, preisgegeben. Es wird uns nie gelingen, naa K^n ^na kV mit Ellenbogenkraft uns einen Platz an der materiellen Sonne, zumal in den heutigen verwickelten Wirtschaftsverhältnissen zu sichern. Wenn wir aber wissen, wo unser Hirt zu suchen ist, der uns unsere Weide zuweist, arm aiK'n’yna jkx '2K2 pixi wenn wir orK a*7K< so sehr wir der na*7K vermählt sind, dem Irdischen nicht entsagen dürfen und wollen, uns gleichzeitig in der Gefolgschaft des Allhirten erblicken, nsnn ’jki '2K2 arm dann Iiahen wir keine “ms und keine n«wa» keine inneren und keine äußeren Widerwärtigkeiten zu fürchten. Wenn wir nicht kargen und nicht feilschen mit dem was dem G o t t e s t i s ch e zukommt, dann wird die Auszeichnung, -die wir selbst unserem Tische geben, die maVa nna die Krone gesellschaftlicher Achtung und Schätzung uns gewinnen. II. Das zweite Schulkind nannte den Vers (Jes. 8,10) . Vp uay 'a mp' kVi nan nai 12m nxv 129 „Fasset nur einen Plan, er wird zerstört, redet nur ein Wort, es hat keinen Bestand, denn mit uns ist Gott." Für Mordechai waren es nvnva mav was dieser Kindermund erzählte. Sie riefen in ihm wach, was in schweren Zeiten unter dem Druck der Geschehnisse leicht vergessen wird, den teleologischen Sinn unseres jüdischen Daseins., Mit unserer Führung im Kampf ums Dasein könnten wir den Aufbau der Welt vollziehen. Denn wir sollten beweisen, wie wenig maßgebend reale Grundlagen für die Realitäten des Lebens sind. Wir sollten hierbei von unserer Erscheinung in der Weltgeschichte lernen. Auch da gründet sich unsere Unsterblichkeit nicht auf Machtfaktoren und zahlsnrnäßigs Größe. Nichts hat uns niederzuringen vermocht &e'm Aäinsiss Jäk-ÜL mit Esaus Genius bis auf den heutigen Tag. Wenn man unser Land zerstören, unsere Zahl dezimieren konnte, dann war es daher, weil unsere Führung derart gewesen ist, daß die Vorsehung es zuließ, daß die Umfriedigung ihres Weinbergs *?Kav n'a niKax n ana 'a — denn Israel ist der Weingarten des Herrn — umgeleQt wurde. Aber der Hüter des Weinbergs arm naiv ’JKi ana schlief doch nicht und schlummerte nicht. So haben auch wir' vor wenigen Jahren im Sünden unseres Vaterlandes so groß und wahr und folgenschwer erlebt; 'pan mv rrm Kinn ns,!?a daß der Weltenkönig in einer Nacht bewies, daß nicht schläft und nicht schlummert der Hüter Jisroels. Doch nur vereinzelt nahm die eine oder andere jüdische Zeitschrift davon Notiz, das Volk in seiner Gesamtheit bleibt kalt und blind und taub — und kein Geschichtsschreiber kündet den folgenden Geschlechtern, daß einst in einem Ratskeller sich wiederholte nnvb lav jam i*?an naaa pnv Tynidaß die Machthaber sich niederetzten, um zu trinken, während die Juden der Residenz für ihr Leben zitterten und daß in selbiger Nachinaai janv T«ni— nicht bei den Juden wohl aber in der Hauptstadt — Verwirrung enttand, msn'nav vk wbw kV ^kJo daß einer den anderen nicht mehr verstand. Warum schreibt man solche Geschichtserfahrungen unserer Tage, die während des Krieges und in feinen Folgeercheinungen sich in nie geahnter Fülle zusammendrängten und die Sendung des jüdischen Volkes erneut durch die Tatsachen bestätigten, warum öjrelBt man solche Srßenserfßijrnngen nicht rna riesengroßen Lettern in die Herzen der Jugend? Warum ruft man sie nicht mit gewaltiger Sprache des Lautsprechers in die Synagogen und Schulen des Judentums? Allein, wenn man es täte, man begegnete in jüdischen Kreisen gar oft einem überlegenen Lächeln. Wieso das? Nun *it und t ist dasselbe Wort. Das Heiligtum der jüdischen Ideenwelt und der jüdischen Gefühlsmomente, bas Heiligtum der jüdischen Welt- und Lebensbetrachtung ist auch denen fremd t geworden, ür die es im praktischen Leben doch noch nr Kronen trägt, die ihm mit Achtstng und Ehrerlietung, nicht nur aus Gewohnheit, auch aus Ueberzeugung, begegnen. Gar leichtsinnig und ohne Ernst des Lebens gehen wir auf die Veruchungen ein, in die das Völkerleben uns führt. Wir vergessen, daß auch im sittlichen Leben Forderungen der Vornehmheit an uns gestellt

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