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Der Israelit · 1926-03-25 · Heft 13 (25.3.1926) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 13 (25.3.1926)
Date
1926-03-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 2 Nr. l r Herr Rabbiner Dr. Jacobs übte nach wie vor seine Lehrtätigkeit in Vallendar aus, wo er etwa vierzehnmal gewesen ist. Ebenso hielt er Lernvorträge in Kettwig und in Gürzenich und stellte sich auch in sonstigen zahlreichen Fällen — fast jeden Sonntag — unserm Verein zur Verfügnug. In Düsseldorf, wo unser Bezirksrabbiner, Herr Dr. W e y l, amtiert, haben sich die rituellen Verhältnisse erfreulich entwickelt. Es wurde eine koschere Metzgerei, eine koschere Bäckerei und Frühstücksstube geschaffen, auch für koschere Milch ist gesorgt. Die Teilnahme am Rellg'ons-Unterricht, der von Herrn Dr. Weyl erteilt wird, hat erheblich zugenommen. Gemoro und Mischnajaus Schiurim, Dinim-Schiurim für Herren und Damen wurden eingerichtet und gut besucht, Predigten und Vorträge häufig gehalten und für die Gemeinde Dinslaken alle 4 Tage der Besuch des Rabbiners vorgesehen. Herr Lehrer Fein in Boppard erteilte im Berichtsjahre im Hunsrück und an Plätzen zwischen Koblenz und Bingen annähernd 40 Stunden wöchentlich Religions-Unterricht. Auch in der Gemeinde Commern wurde weiterhin Unterricht erteilt. Bezirkstagungen fanden zweimal in Aachen statt, sie waren außerordentlich stark besucht und nahmen einen in jeder Hinsicht befriedigenden Verlauf. In Hagen wurde das Restaurant Sommer unter die Aufsicht unseres Rabbinats gestellt. Die Wohltat dieser Einrichtung, wie auch die des Restaurants Rappaport in Essen ist im Hinblick auf diese vielbesuchten Geschästsplätze nicht hoch genug zu bewerten. In Euskirchen und Neuenahr unterstehen nach wie vor die Schechitah, und am letzgenannten Platze auch das Restaurant G o t t s ch a l k der Aufsicht unseres Rabbinats. DM ist 5fr Mll 5ft BlMeM I. Markus, Burgsiemfim. Besonders segensreich erwies sich die nach langen Bemühungen vor Jahren erlangte Genehmigung des Herrn Landeshauptmanns, jüdische Geisteskranke, die in nicht jüdischen Anstalten sterben und keine Verwandten besaßen, die ihnen den letzten Liebesdienst erweisen konnten, auf einem jüdischen Friedhof der Nächstliegenden Nachbargemeinde beerdigen zu können, was vordem nicht möglich war. Im Berichtsjahr hatten wir mehrere solcher Fälle zu verzeichnen, die wir nach Goch überwiesen. Unserem Vorstandsmitglied, Herrn Oppenheimer-Goch sind wir für seine Mithilfe dankbar. Es ist natürlich, daß die Durchführung dieses Gmilus Chesied Schel Emes für uns mit großen Kosten verbunden ist, da wir für Oraun, Sterbekleidung, Ueberführung usw. zu sorgen haben. Die Synagogengemeinde Goch stellte in sehr anerkennenswerter Weise die Grabstätten kostenlos zur Verfügung. Die Hoffnung, unsere Zeitung, den Volksfreund, der unseren Mitgliedern die Geschehni» innerhalb des Vereins vermittelte und belehrende Abhandlungen brachte, uns zu erhalten, hat sich leider nicht erfüllt. Sie wurde, nachdem sie einige Monate im Berichtsjahr erschienen war, das erste Opfer der wirtschaftlichen Not in unserm Verein. Born gleichen Schicksal nrurde unsere Bibliothek betroffen. Aer Äruck unb bre Herausgabe der von unserm Veremsrabbiner in volkstümlicher Weise verfaßten, sich allseitig großer Belebtheit erfreuenden Erklärungen zum Pentateuch mußte leider eingestellt werden, weil hierzu keine.Mittel mehr vorhanden waren. Anläßlich des 50. Geburtstages unseres verehrten Herrn Rabbiners, von dem wir nur durch besonderen Zufall Kenntnis erhielten, hatte der Vorstand es sich nicht nehmen lassen, ihm in seinem Namen und dem des ganzen Vereins die herzlichsten Glück- und Segenswünsche zum Ausdruck -zu bringen und ihm als Dank für seine aufopfernde Hingebung für die Interessen des Vereins die Herausgabe seiner Schriften, seines Lebenswerkes, in Aussicht gestellt. Die uns an- Jüdljcher Volksfreund geschloffenen Gemeinden und einzelne Mitglieder des Vereins haben sich in dankenswerter Weise an der Ehrung beteiligt. Leider waren die uns zur.Verfügung gestellten Beträge bei weitem nicht ausreichend, um unsere Absicht ausführen zu können und wir nehmen die heutige Tagung erneut zum Anlaß, einen warmen Appell an alle hier Versammelten zu richten, dieser Ehrenpflicht eingedenk zu sein und mit allen Kräften dahin zu wirken, daß wir die Möglichkeit haben, dieses wertvolle Werk, das jeden auf leicht-faßlichem und billigem Wege instand setzt, die Schätze unserer Tauroh kennen zu lernen, zu erhalten und fortzuführen. In das Berichtsjahr fielen auch die Wahlen zum Landesverband preußischer Synagogen-Gemeinden. Ich darf wohl annehmen, daß Sie mit der Materie vertraut sind und wissen, daß im Landtag eine große Summe bewilligt worden ist, deren Verteilung sich die Regierung Vorbehalten hat und die Vorschläge hierzu entgegennimmt. Ich darf es mir wohl ersparen, auf Einzelheiten einzugehen, nur möchte ich im Hinblick auf den Umstand, daß ein Teil der uns angeschlossenen Gemeinden dem Halberstädter Verband gesetzestreuer Gemeinden angehört, daraus Hinweisen, daß dieser und der Landesverband sich hinsichtlich der Verteilung der Gelder geeinigt haben, so daß keine Gemeinde benachteiligt ist. Diejenigen Gemeinden, die keinem Verband angehören, erhalten von der Regierung direkte Subvention. Sie müssen sich aber noch im Monat'März melden. Meine Damen und Herren! Ich habe in dem Dorgetragenen versucht. Ihnen einen kurzen Uebcrblick über das zu geben, was im abgeschlossenen Vereinsjahre geschah. Nur die Zeichnung eines Gesamtbildes, nicht aber eine erschöpfende Darstellung ist möglich, denn wie in einem Kaleidoskop sich die einzelnen Teile, jedes für sich, jufarmrtenfmben, um tri einem (Befamibtfh 311 vrrschmclgcn, so gibt oiolo und gühe Kleinarbeit, die von unserm Herrn Vereins-Nabbiner und feinen getreuen Mitarbeitern ausgeführt wird, erst dem Ganzen sein Gepräge und seine Vollendung. Wenn wir trotz der schlimmen Zeit, unter der wir alle leiden, den Verein bis jetzt erhalten tonnten, so danken wir dies nächst der göttlichen Hilfe vor allem diesen selbstlosen Männern, die mit Hintansetzung ihrer persönlichen Wünsche und Lebensnotwendigkeiten unentwegt nur das eine Ziel im Auge hatten: Förderung und Mehrung echt jüdischen Geistes, Verbreitung von Tauroh und Jiroh. Ich weiß mich in Uebereinstimmung mit Ihnen, meine Damen und Herren, wenn ich unserm Herrn Vereinsrabbiner und seinen treuen' Helfern von hieraus den herzlichsten Dank ausspreche. Möge ihr Wirken unserm Verein noch lange erhalten bleiben, zum Segen der rheinischen Judenheit und des Gesamtjudentums. Dieser unser innige Wunsch und unsere schönste Hoffnung können aber nur dann zur Tat werden, wenn das Samenkorn, das in die Herzen der Jugend gelegt wird, von den Eltern gehegt und gepflegt wird. Nur im harmonischen Zusammenwirken von Schule und Haus kann es zur edlen Frucht heranreifen. Wie der Hirte über die ihm anvertrauten Schäflein wacht und sie gegen drohende Gefahren schützt, so ist Nicht nur des Kindes Ksvosl«. ssudsvu such dssssu Sssls. die wie weiches Wachs für alle Eindrücke leicht empfänglich ist, der Obhut der Eltern überantwortet. Das Glück des Kindes ist ihr höchster Wunsch und größter Stolz. Was aber können wir unfern Kindern als Wegzehrung auf ihrer Lebenswanderung mitgeben, das ihnen ermöglicht, den Kampf gegen innere und äußere Feinde mutig aufzunehmen? „Mikscho Taasse- Aussom" „Sohow Tohaur", so heißt es in unserer dieswöchentlichen Sidroh: „Gehämmert aus reinem Golde sollst Du die heiligen Geräte machen". Aus reinsten und edelsten Stoffen sollst Du sie gestalten und nur Edles und Gutes und Reines und Lauteres sollst Du in die Seele des Kindes legen. Nur Tauroh im De rech Erez kann 25. März 10 die Parole sein. Innigste Vermählung religiösen Wissens und Lebens mit allgemeiner und sozialer Bildung. Da, wo die Tauroh, die Zentralsonne des jüdischen Lebens, dieses Gottesfeuer des jüdischen Volkes in den Herzen und Häusern hell leuchtet und wärmt, da wird auch das Rüstzeug geschmiedet, das unsere Jugend mit Liebe für das angestammte Erbe erfüllt, und sie befähigt, den Kampf siegreich zu bestehen. Dann werden alle Künste der Versuchung ihr nichts anhaben können und die Fluten des Judenhasses, die wie in allen Zeiten, so auch jetzt wiederum uns umbrausen, werden zerschellen. Mögen dann auch Amalek und Haman ihr Schlangenhaupt gegen uns erheben, unser Vertrauen auf die göttliche Hilfe und das Verdienst unserer Kinder werden uns retten. „Mipi Aulalim Wejaunkim jisadto Aus!" „Durch den Mund der Kinder und der Säug- / linge hast Du Deine Macht begründet!" In Midrasch rabbo zu Megilloth Esther wird uns erzählt: An dem Tage,, als Haman an der Mahlzeit mit Esther teilgenommen hatte, ging er froh und gutgelaunt fort und fertigte den Galgen für Mordechai an. Dann suchte er den Mordechai und fand ihn auch im Beth Hamidrasch, im Lehrhause, und die Kinder saßen vor ihm. in Säcke gehüllt, beschäftigten sich mit dem Lernen der Tauroh und schrieen und weinten bitterlich ob des traurigen Schicksals, das ihnen bevorstand. Haman zählte nun die Kinder und stellte fest, daß es 22 000 waren. Er ließ um sie herum einen eisernen Kettenzaun machen, stellte Wächter an, damit keines von ihnen entweichen könne und sagte: „Morgen werde ich zuerst alle diese Kinder umbringen und nachher den Mordechai aufhängen." Die Mütter der Kinder kamen und brachten Brot und Wasser und sprachen zu ihnen: „Lieblinge, esset und trinket, bevor ihr morgen sterben müßt. Durch Hunger wenigstens sollt Ihr nicht sterben." Was aber taten die Kinder? Sie tegtert aüe|amt i^re Sj'änbe die Se|orim^ i^re Lehrbücher, unD schworeni Denn Leben unseres Lehrers Mordechai! Wir werden nicht essen und nicht trinken, nein, fastend wollen wir sterben." Und alle fingen an zu weinen und ihr Schluchzen und Flehen drang zum Himmel empor, und der Heilige, gelobt sei Er, hörte ihre Stimme in der Stunde der Nacht. In dieser Stunde übermannte die Barmherzigkeit den Heiligen, gelobt sei Er, er stand vom Throne des harten und. strengen Richters auf, setzte sich auf den Thron der Gnade und Barmherzigkeit und sprach: „Was sind das ür laute Stimmen, die ich höre, ähnlich den Stimmen von Böcklein und Schäflein?" Und da trat Mausche Rabenu vor Gott hm und sprach: „Ribaun Hoaulom, Herr der Welt, das sind keine Böcklein und Schäflein, es sind Ktanei Amecho, die Kleinen, die Kinder Deines Volkes, sie fasten chon drei Tage und drei Nächte, und morgen will der Feind sie schlachten, als ob es Böcklein und Schäflein seien." In dieser Stunde nahm der Heilige, gelobt sei Er, die schlimmen Beschlüsse, die er bereits versiegelt hatte, zerriß sie und ließ auf Achaschverausch in derselben Nacht noch eine Verwirrung fallen wie es heißt: Vaillo Hahu. In dieser Nacht wich der Schlaf des Königs. Meine Damen und Herren! Wie damals die Rettung des ganzen jüdischen Volkes eine Folge war des Verdienstes, das sich die Eltern erworben hatten, indem sie dis Kinder zu den Ouellen des jüdischen Wissens suhrlen, sc» liegt auch heute noch die Zukunft des Judentums auf den Schultern der Kinder. Dieser Geist der Treue zu Gott kann aber nur genährt und gestärkt werden unter der Leitung eines Mordechai, der lau jichra Wlau iischtachaweh, sich nicht beugt und bückt vor dem ogenannten modernen Zeitgeist und dem Abfall — dieser Geist kann nur durch Lehrer gefördert werden, die im Leben und Lehre wahrhaft aufrichtige und fromme Jehudim sind. Und da möchte ich in diesem Zusammenhang immer und immer wieder auf die traurige Erscheinung Hinweisen, daß es noch Gemeinden gibt, denen die Kosten, sich selber einen Lehrer zu halten oder sich an den Kursen eines ihnen von uns zur Verfügung gestellten Lehrers zu beteiligen, zu hoch

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