Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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"0 Südiscfter (o •oll o—o II o-—PIIM Do ( fesf v e und sum Isvndit Organ des Vereins für die jüdijehen 3nfcrcfJen Stheintands c.D. t»«n D<t. rvslf in Lsln n. Utz. ^Wö S[ö: ■o o- ■öirö •o o- 20. Jahrgang Frankfurt a. M., 25. März J926 / JO. Nissan 5686 Nr. \ An unsere Mitglieder! Bei -er am 21. Februar d. Js. ftattgefundenen Generalversammlung wurde folgender Beschluß gefaßt: 1, Der freiwillige Alitgliederbeilrag für das laufende Jahr wird auf Mk. 12.— festgesetzt und soll in vierteljährlichen Raten bezahlt werden. 2. Außer dem Jahresbeitrag soll eine freiwillige Tagesspende von 5 ober 10 Pfg. eingeführt und das Ergebnis dieser Tagesspende allmonatlich unserer Vereinskasse zugeführt werden. In Anbetracht dessen» daß unser Verein infolge der Wirtschaftskrise besonders in Mitleidenschaft gezogen ist. geben wir uns gerne der Hoffnung hin, daß uns jedes einzelne Mitglied durch Einsendung dieser kleinen Tagesspende in die Lage versetzen wird» unsere nötigsten und dringendsten Ausgaben bestreiten zu können. Der Vorstand des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands (E. V.) Postscheckkonto Köln 50648. Verlag der Bibliothek des Jüdischen Volksfreundes. In unserem Verlag erschienen und sind noch Vorrätig: Vorschriften für die Mahlzeit; Anhang: Erklärung des Tischgebets^ Vorschriften für die Trauerzeik; - , Speisegesehe II; Samson Raphael Hirsch (Biographie); Sprüche Salomons I (Kap. 1—9); Rochalaß Seeb (gebunden); Dijukim al Hatauroh (rn*?in - -nwia) Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und vom Verlag Eöln, Hohenstaufenring 14. Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins für die jüd. Interessen Rheinlands e. V. vom 7. Adar (21. FebruUr) 5686 (1926) zu Köln. In dem großen Saale des Coloniahauses fandest sich in diesem Jahre die Mitglieder und Freunde des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands zusammen, um, wie alljährlich, Aussprache über die jüdischen Belange der rheinischen Summt m MMN. MG Wr DHUttC sich vik Zeitlage in der Frequenzziffer aus. In den letzten Satitßii feitöem ine UJUtgittDertagung m simm Treffpunkt däi» Fsuülrsn gsrvordön ist, dursten wir nach Hunderten zählende Besucher begrüßen. Diesmal war das erste Hundert nur wenig überschritten. Der Vorsitzende, Herr Nathan Kahn-Köln eröffnete die Versammlung gegen 12 Uhr mit folgender Ansprache: Namens und im Aufträge des Vorstandes des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands begrüße ich Sie aufs herzlichste und rufe Ihnen ein freundliches Willkommen zu. Ich stelle die satzungsgemäße Einberufung der heutigen Mitgliederversammlung fest und gebe meiner besonderen Befriedigung darüber Ausdruck, Sie trotz der wirtschaftlichen Ungunst der Zeiten in stattlicher Zahl bei uns zu sehen. Ganz allmählich hat sich aus dieser jährlichen Versammlung so eine Art Familientagung entwickelt, auf der sich Binoreinu, Uwiskeineinu, Jung und Alt von Nah und Fern, aus Stadt und Land zusammenfindet, wo sich alle Gleichgesinnten, alle, die ein gemeinsames Band religiösen Fühlens und Denkens umschlingt, glücklich fühlen, auf wenige Stunden die täglichen kleinen und großen Sorgen vergessen und sich an den Gaben laben zu dürfen, die unsere geistigen Führer aus dem reichen Schatz ihres Wissens darbieten. — Sie, meine Damen und Herren, bilden gewissermaßen die jüdische Wacht am Rhein, denn Sie sind mit dazu berufen, Bannerträger des travmonellcn, unverfälschten Judentums rh^tNtfchstt GklUSN zu sein, es gegen alle Gefahren zu schützen, die ihm von außen und innen drohen. Dieser Gemeinschaftssinn und dieses Verantwortlichkeitsbewußtsein führt Sie zu uns, hier sollen Sie neue Kraft und neue Anregung empfangen, die Sie innerlich befestigen und für den Kampf für unsere heilige Emunoh stählen. — Und so wünsche ich Ihnen allen von Herzen, daß auch diese Tagung Sie voll befriedigt und Sie sich recht wohl bei uns fühlen mögen. Ganz besonders begrüße ich die Vertreter der uns angeschlossenen Gemeinden und den Vertreter der hiesigen Synagogen-Gememde Adaß Jeschurun und danke Ihnen für Ihr Erscheinen. Meine Damen und Herren! Bevor ich Ihnen meinen kurzen Geschäftsbericht erstatte, lassen Sie mich den Gefühlen der Trauer über den Heimgang eines unserer Besten Ausdruck geben. Der Platz, der seit dem nunmehr 24jährigen Bestehen unseres Vereins unser lieber und alter Freund und Vorstandskollege, das Ehrenmitglied, Selig Hanauer, Euskirchen einnahm, ist verwaist und er selbst im gesegneten Alter von 80 Jahren uv die himmlischen Gefilde eingezogen. Seiner Anregung und seiner Tatkraft verdankt unser Verein seine Begründung, sein nie versagender Optimismus, seine glühende Begeisterung für das Judentum, feine Treue zur Tauroh Hakdauschoh, seine jugendliche Schwungkraft und Operfreudigkeit trugen mit dazu bei, daß der Verein sich zu dem entwickeln konnte, was er heute ist. Herr Rabbiner Dr. Wolf und der Vorsitzende nahmen mit kÜiMU Mitgliedern unseres Vereins an der Beerdigung teil und suchten in einer Trauerjjj ijiyy in Enskir«^en wnb ttt einem Nachruf dem Wesen und Wirken des Heimgegangenen gerecht zu werden. Welch großes Ansehen er in allen Kreisen genoß, bewies die ungewöhnlich große Anzahl der Teilnehmer an der Beerdigung und ehrende Nachrufe von nichtjüdischer Seite in den Tageszeitung in Euskirchen, in denen ganz besonders auf die vorbildliche Frömmigkeit und das lautere Wesen des Verstorbenen hingewiesen wurde. Von dieser Stelle aus möchte ich dem entschlafenen Freunde den Dank des Vereins in die Ewigkeit nachsenden für alle Liebe, die er ihm erwiesen. Möge sein Verdienst uns beistehen, auf daß.die Erinnerung an ihn uns stets zum Segen gereiche. Meine Damen und Herren! Wenn ich nun einen Rückblick auf das verflossene Jahr halte, so darf ich wohl sagen, daß der schmale Silberstreifen, von dem ich auf der vorjährigen Mitgliederversammlung sprach, sich erfreulicherweise wenigstens in einer Hinsicht vergrößert hat. Das dunkle Gewölk an Deutschlands politischem Himmel beginnt zu weichen. Um so trauriger aber steht es um die Wirtschaftslage. Der hinter uns liegende Jahresabschnitt trug den Stempel schlimmster und höchster Not. Unzählige Existenzen sind zu Grunde gegangen und noch ist das Ende der Krise nicht abzusehen. Unsere Freunde und die Förderer unserer guten.Sache waren nicht mehr in der Lage, uns m pkm Nktll?sU-igfU llpd gen>üns^ten M«he zur Verfügung zu stehen. Die Beiträge unserer Mitglieder flössen nur langsam und zum Teil in viel geringerer Höhe ein, und gar oft standen wir . vor schweren Fragen und Entschlüssen. Wenn uns nicht die Hochherzigkeit und der Edelmut einiger weniger Freunde und Gemeinden — unter letzteren sei lobend hervorzuheben die Gemeinde S i e g b u r g — im letzten Augenblick zur Seite gestanden hätten, wäre unser Bestehen bedroht gewesen. Ihnen von dieser Stelle aus zu danken, ist mir eine besonders angenehme Pflicht. Mögen alle Gemeinden und Private, die abseits standen, denen aber der Segen unseres Vereins auch zuteil wird, sich dem leuchtenden Beispiel anschliehen und in edlem Wetteifer nachholen, was sie versäumt haben. An einer Fülle von Arbeit hat's auch im Berichtsjahr nicht gefehlt, wenn auch manche uns lieb gewordenen Einrichtungen unseres Vereins aus geldlichen Gründen nicht in vollem Maße wirksam sein konnten. Unser verehrter Herr Vereins-Rabbiner hat etwa 70 Reisen in die uns angeschlossenen Gemeinden gemacht, wo es gar oft galt, alte Beziehungen, die der Krieg und die Nachkriegszeit, insbesondere auch der Ruhrkampf unterbrochen oder getrübt hatte, wieder anzuknüpfen. Es galt, überall nach dem Rechten zu sehen, wiederaufzubauen und neue Einrichtungen ritueller Art zu schaffen. An zahlreichen Plätzen hielt unser Herr Rabbiner belehrende Vorträge und der stets zahlreiche Besuch und der Wunsch um Wiederholung sind Beweis für die Beliebtheit, deren sie sich erfreuen.