Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. >3 setzen, daß der Klub eine Oppositionsstellung gegenüber der jetzigen Regierung einnimmt. Ferner beschloß die Konferenz, den Oberrat der polnischen Zionisten zu ersuchen, die wirtschaftlichen An- Kelegenheiten der jüdischen Bevölkerung in einem breiteren Maßstabe als bisher zu berücksichtigen und ein ständiges Wirtschaftsresfort zu schaffen. Estland. Die Zahl der Juden in Estland. Riga, 15. März. Die letzte Zählung ergab, daß in Estland 3010 Juden leben, die estnische Bürger sind. Die Ausländer eingerechnet, beträgt die Zahl der Juden in Estland 4700. Lseheests-Slswakei. LandeS'Rabbinerversammlung in der Tschechostovakei. P o p r a d, 12. März. Äm 23. Adar (9. März) tagte in Poprad die Jahresversammlung der orthodoxen Rabbiner in der Slooakei. Fast sämtliche Rabbiner des Landes waren erschienen und beteiligten sich lebhaft an den Verhandlungen. Den Vorsitz führte der Obmann des Rabbinerkomitees, Oberrabbiner Schreiber von Bratislava. Auf der Tagesordnung standen in der Hauptsache Fragen, die mit der Sicherung des religiösen Charakters der Gemeinden und der religiösen Lebensordnung zusammenhängen. Im Vordergründe behandelte die Versammlung die Wünsche, die in der Kosicer Versammlung von Seiten der orthodoxen Mitglieder der Gemeinden zum Schutze gegen die Bestrebungen der Zionisten zur Verweltlichung der Gemeinden laut wurden. Die Rabbiner-begrüßten ausnahmslos die Initiative der Kosicer Versammlung und faßten einstimmig Beschlüsse zur Einleitung von Schritten, durch welche der Gefährdung des religiösen Judentums durch die zionistischen Bestrebungen wirksam vorgebeugt werden soll. In der Versammlung herrschte allgemeine Begeisterung und unter den religiösen Führern der Gemeinde vollste Harmonie. Httmättlett* Schließung der rumänischen Universitäten. B u k a r e st, 16. März. Da die Studenten im Streik verharren, beschlossen die Senate der Universitäten Bukarest und Jassy, diese Universitäten bis zum 15. April geschloffen zu halten. Der Lervllllv Der MkMn m beschlossen, dem Rektor der Unwersiwr Mgilch über mc Angriffe auf jüdische Studenten Bericht zu erstatten. Seit Beginn des Streiks wurden 70 jüdische Studenten teils leicht, teils schwer verletzt. Wie schon mitgeteilt, bietet das jüdische Studentenheim das Bild eines Lazaretts, indem alle Inwohner verletzt sind und Bandagen tragen. Die Struktur der Londoner jüdischen Gemeinde. London, 15. März. Dem soeben veröffentlichten 67. Jahresbericht des Londoner jüdischen Armenamtes ist zu entnehmen: Die Zahl der Personen, die vom Amt unterstützt werden, ist seit mehreren Jahren stabil. Das charakterisiert den Zustand, daß keine Zuwanderung aus dem Kontinent und auch keine Abwanderung vor sich geht. Im Berichisjahre wurden 2357 Familien und Einzelpersonen unter- . stützt (gegen 2444, 2418 und 2200 in den letzten drei Jahren). Alle Unterstützungen des letzten Jahres betreffen Inländer, mit Ausnahme von 8 Personen, die weniger als 7 Jahre im Lande wohnen. In dem Bericht wird darüber geklagt, daß die Gesetze eine Zuwanderung unterbinden. Die Londoner Gemeinde bekommt immer mehr den Charakter einer in sich geschlossenen Körperschaft. Auch die Kolonien wehren sich gegen die Einwanderung von Juden, da jüdische Einwanderer in der Regel nicht aufs Land gehen, sondern sich in den Städten ansässig machen, wo sie den Arbeitsmarkt belasten. Während in den vergangenen Jahrhunderten, heißt es in dem Bericht weiter, vom Kontinent immerzu Juden zuströmten, hat der Strom in diesem Jahrhundert aufzehört; heute sinkt die Zahl der Juden Englands rapid. Viele jüdische Familien aus dem 18. Jahrhundert sind entweder ausgestorben oder deren Nachkommen gingen m der allgemeinen Bevölkerung auf; ihr Platz wurde »on der Nachkommenschaft eingewanderter Juden einge- ' D e r I s r a e l i t kommen. Aber auch diese Generationen anglisieren sich allmählich und verlieren die besonderen jüdischen Wesens- Züge. Als das Armenamt vor 67 Jahren errichtet wurde, zahlte die Londoner jüdische Gemeinde etwa 40 000 Seelen. Die Gesamtmittel, die dem Armenamt im ersten Jahre zur Verfügung standen,' waren 440 Pfund als Beitrag der drei Stadtfynagogen und 914 Pfund an Privatspenden. Dennoch schloß das Jahr mit einem Aktioum von 200 Pfund ab. Später natürlich wuchsen Einnahmen wie Ausgaben. Seit 1881, als infolge der infamen russischen Mai-Gesetze und der Judenverfolgungen in Rumänien eine starke. Einwanderung einsetzte, bis zum Kriegsausbruch 1914 und darüber hinaus waren die Bedürfnisse so hoch, daß die Gemeinde sie kaum bestreiten konnte. Auch das Jahr 1925 schloß mit einem Passivum von 20.043 Pfund ab. (ITA.) Die nördlichsten jüdischen Gemeinden. Kopenhagen, 18. März. Man schreibt uns: Die Notiz über die nördlichsten jüdischen Gemeinden stellt in ihrem Schlußsatz eine Behauptung auf, die zur Verbreitung irriger Vorstellungen über die Entwicklung der „Jüdischkeit" in Skandinavien geeignet ist, zu falschen Schlußfolgerungen Veranlassung geben könnte. Mögen auch die jüdischen Gemeinden in Helsingfors und Drontheim den Beginn einer aufsteigenden Entwicklung zeigen — was gewiß jedes jüdisch fühlende Herz freudig erhebt — so darf demgegenüber jedoch nicht vergessen werden, daß in ganz Skandinavien, insbesondere Dänemark (Kopenhagen) und Schweden die Mischehen seit Jahrzehnten eine starke Tendenz zur Zunahme zeigen, ja in Schweden sogar die Zahl der Mischehen die der jüdischen Ehen überwiegt. Bei allem Optimismus für die Zukunft wird man den Mahstab nicht aus der Entwicklung des religiösen und synagogalen Lebens zweier Gemeinden gewinnen dürfen. Das jetzt in zwei Gemeinden pulsierende jüdische Leben ist nicht im geringsten in der Lage, das zu ersetzen, was infolge der Mischehen in Skandinavien dem jüdischen Stamme an physischer, und geistig-sittlicher Kraft verloren geht. Gerade die Tatsache, daß die Propaganda gegen die Methode des jüdisch-religiösen Schächtens bloß der Unkenntnis der Dinge entspringt, ist ein schlagender Beweis dafür, welche Scheu bei dem Einzelnen besteht, sein Judentum den Andersgläubigen gegenüber offen und Uk»er-zs»,gt 31t bekennen. ÜButtber, bafe bsi solch einer nssiwn^tvrisktzerr Otniasitilimg ber 5irtl4|em!l:!srrtL£^ trt £>er Oeffentlichkeit nicht bemerkbar ist, daher aus dem Versteck mit umso stärkerer Wirkung seine Giftpfeile entsendet. So zufrieden wir auchim einzelnen über die religiöse Entwicklung der zwei Nordgemeinden sein dürfen, so sollten doch die Führer des Judentums in Skandinavien sich diesen Erfolg nicht zu hoch anrechnen, sondern gerade jetzt Weiterarbeiten an der Verbreitung von Thora und Awaudoh, um so den gefährlichen Assimilationsbestrebungen entgegenzuarbeiten. Die Schächifrage in Norwegen. Oslo, 17. März. In der hiesigen Presse ist, nachdem die Regierung (welche im übrigen inzwischen demissionierte) die Vorlage wegen des Schächtverbots fallen ließ, eine heftige Polemik entstanden. Besonders die Zeitungen der Bauernpartei, welche im Parlamente eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt, wendet sich mit aller Schärfe gegen die Minister, welche zugunsten der Schechitoh stimmten und fordert eine neuerliche Behandlung der Frage durch die Regierung. Es ist jedoch zu hoffen, daß die neugebildete Regierung, trotzdem sie sich aus den Rechtsparteien zusammensetzt, die Angelegenheit gar nicht zur Diskussion kommen, läßt. In dieser Richtung ist besonders eifrig Herr Rabbiner Sch. I. Lewithan von der Gemeinde „Jsraelitiske Menighed" mit seinem Vorstande, dem Herrn I. Fein, tätig. Auch bei Abwendung des letzten Regierungsbeschlusses war der Herr Rabbiner energisch tätig und hat in kluger, voraussehender Weise alle Anordnungen getroffen, welche nötig waren, um die Minister umzustimmen. Die persönlichen Verhandlungen mit der Regierung führte Herr Rabbiner Dr. Friediger aus Kopenhagen und dem gemeinsamen Wirken gelang es, das Ganze zu einem G. s. D. glücklichen Ende zu führen. 25. MM1SS8 paiäftin*. Juden werden in die palästinensische Gendarmerie ausgenommen. Jerusalem, 16. März. Es verlautet, daß demnächst eine neue DerordnüN'g der palästinensischen Regierung über die Reorganisation 8er palästinensischen Schutzwacht veröffentlicht Mied. Äüüt dieser Verordnung werden Juden in die neuen palastinensisch-transjordanischen Schutzkorps ausgenommen werden. — Die erste Verlautbarung über die Reorganisation der palästinensischen Gendarmerie lautete dahin, daß die Zivilpolizei aus Arabern und Juden, dagegen die' Grenzschutzkorps nur aus Arabern und Cirkassiern, d. h. unter Ausschluß von Juden, bestehen sollten. Diese Verlautbarung hat unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas scharfe und anhaltende Proteste hervorgerusen; der Ausschluß von Juden aus den Schutzkorps wurde als eine Zurücksetzung der jüdischen Bevölkerung empfunden. Dsr Waad Leumi hat in einer Arsölution gegen die Form der geplanten Reorgan^arwn protestiert und die Aufstellung eines speziellen jüdischen Grenzschutzkarps gefordert. Auch die ehemaligen jüdischen Legionäre in Palästina und die Arbeiterschaft prvtestiirrten gegen den Ausschluß der Juden aus der Gendarmerie.- Ttmcvifa. Der amerikanische Kongreß für die Kofcher-Bi8. Washington, 15. März. Wie schon mitgeteilt, hat das jüdische Kongreßmitglied Dickstein ein Gesetz vorgeschlagen, wonach diejenigen Geschäftsleute und insbesondere Fleisch-Verkäufer, die das Wort „Koscher" auf ihrem Geschäftsschilde führen, verpflichtet sein sollen, tatsächlich nur nach jüdischem Ritus einwandfreie Waren feilzubieten: jede Übertretung soll schwer geahndet werden. Ein ähnliches Gesetz besteht bereits im Staate New-York. Die. Kongreß-Kommisston hat zunächst beschlossen, den Antrag Dickstein dem Kongreß nicht vorzulegen. Nunmehr wird mitgeteilt, daß der Columbia-Distrikt des Kongresses es übernommen hat, das Projekt dem Kongreß zu unterbreiten. Unter den Kongreßmitgliedern ist die Stimmung für die Annahme des Projektes. Der britische Reichsrabbiner Dr. Hertz hat das Kongreßmitglied Dickstein gebeten, ihm den Text der Kofcher- Bill zu übermitteln, da er die Absicht habe, ein ähnliches Gesetz für das britische Reich und die Kolonien anzureoen. Rabbiner Dr. Milwv Mein Newyork, 24. März (Telegr.). Einer der Senioren der hiesigen orthodoxen Rabbiner, der bekannte Raw der Ohew Zedek-Synagoge, Dr. Philipp Klein, ist am Sonntag, zwar nach längerem Leiden, aber doch gänzlich unerwartet verschieden. Ein tragisches Geschick hat es gefügt, daß seine Gattin, noch in den besten Jahren stehend, ihm am Dienstag in die Ewigkeit nachfolgte. Dr. Klein war Ehrenvorsitzender der amerikanischen Agudas Jisroel. Seine Gattin war die Tochetr des Direktors der Frankfurter Realschule, Mendel Hirsch Die Agudas Jisroel veranstaltet morgen eine große Gedenkfeier. Personalien. Rabbiner Dr. A. Cohn, Bafel Frankfurt a. M., 24. März. Eine ansehnliche . Gemeinde, aus dem gefehestreuen Teile der Frankfurter Jadenheil bestehend, fand sich Montag in später Abendstunde in der Bahnhofshalle ein, um den Baseler Rabbiner auf seiner letzten Fahrt noch einmal zu grüßen und den Angehörigen, die den Trauerzug begleiteten, in Verehrung und innigster Teilnahme die Hand zu drücken. Rabbiner Dr. Cohn hat vor einem Jahre eine vierzigjährige aufopfernde, segenausst.ömende und sieggekrönte Tätigkeit abgeschlossen, und nun, ein Jahr später, man hatte die Saobathlichter angezündet, wurde er rasch, wie von einem Gotteskuß berührt, in die Welt des ewigen Sabbat hinübergerufen. Jetzt rollte der Zug mit der Bahre, die die irdischen Reste eines gottf gesegneten Lebens bargen, nach Berlin, wo sie nebcht denen der Väter die letzte Ruhe finden; auf dem Friedhof, auf dem auch sein Lehrer, „der Rebbe", wie er immer schlecht in sagte, Asriel Hildesheimer V'st, schlummert. Das rabbinische Wirken Cohns bildet ein kampfbewegtes Kapitel der Geschchte der Gemeinde, der Geschichte des schweizerischen Judentums. Zu Beginn der achtziger Jahre, kaum ein Jahrzehnt, nachdem dre schweizerischen Juden ihre volle Emanzipation und das Recht der Freizügigkeit erhielten, war die Baseler Geminds