Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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0fttp 4 Nr. 13 Der Israelit schnitts genau so, wie wir ihn haben. Ebenso finden sich in der Mischna die Abschnitte m) ^22 vm 11 -7 und n) 12'S fast genau wie wir sie haben. Zwischeniiii *rn ^22 und *p'sV findet sich der Satz . . . '121 72^2 irnm nrr xS Er beruht auf einem Ausspruch von X2-> in der anal, 116b: 2VQ X'Sin unixi 2öX'b> *]'nx X22 ivx- (Schluß folgt.) Nationalismus und Assimilation. Die Welle des Nationalismus, .turmhochgehend in uns nach Um Krim, fängt an, zu nereüüen. Der Geiß von Locarno, gleichviel was er positiv zeitigt, vertreibt nationalistischen Ueberschwang,- der wird unmodern. Es wird für die Modehörigen allmählich nötig, den Zeitgeist neu gu erlauschen und sich danach umzukleiden. Unsere politisch glänzend geschulten Neu-Nationalisten mit ihrer feinen Witterung für Zeitgeist-Wandlungen sind bereits am Werk. Sie, die bisher beileibe nichts wissen wollten von einem irgendwie andersartigen jüdischen Nationalismus als dem aller Völker, fahnden nun doch nach einer neuen Definition, einer. eigenen, die die Unterscheidung von den weltläufigen Begriffen plausibel herausarbeiten soll. Man darf die Neuentwicklung mit Interesse im Auge behalten. Unsere unwandelbare jüdische .Nationalidee werden sie schwerlich schon übernehmen. (Es wäre das unbequemer, als es die Entlehnung des heiligen Wortes Zion für ihre Zwecke war.) Doch jede neue Phase im Werden der Menschheitsideen führt uns, darauf vertrauen wir, dem Endziel nächer und damit auch dem Zwischenziel, das die Heimkehr der Nidchei Jisroel, der in jüdisch-geistiger Hinsicht zersprengten Volksteile darstellt. Dieses Zwischenziel ist noch nicht in Sicht. Das geht aus einem anderen Versuch hervor, einen Weg zur „Formidee des Zionismus" zu bahnen. Er fand sich vor einiger Zeit im Münchner Echo. Da stand klipp und klar: „es gilt, die Assimilation an Tracht und Gebärde Europas zur Assimilation an ven Levens fl ti, üas Lafeinsgc - setz. Ö6J? Völker der Welt zu vertiefen/") '"„Hier erscheint die Möglichkeit, zum Erlebnis der Nationalidee heranzureifen, der Formidee des Zionismus: Als Angehöriger des jüdischen Volkes bin ich den Angehörigen aller anderen V ö l k e r g l e i ch!'") „Hier läßt sich fassen, was der Zionismus zu bieten hat, was er dem Warten und Fragen der Assimilation zuflüstert. D a e r den assimilierten Menschen in des- ') Don uns hervorgehoben. , spiegeln die Krisis deutlicher wider, als es große Artikel zu tun vermögen. Hier einige Beispiele: . „Ls ist schlimm, Bruder, „es kommt noch dazu, daß man sich einen Bettelsack umhängt und betteln geht." „Betteln? Bei wem denn? . . ." - „Warum jetzt schon die Hagada, Herr Lustig, es ist doch erst Tag nach Purim?" „Bei mir ist aber schon so gut wie Pesach. Die Taschen sind geleert, im Hause kein Brocken Chomez mehr, die Kinder fragen schon längst „Ma nischtanoh" und „Moraur" (Bitternisse) fehlt gewiß nicht. Steuerkontrölleur und Gerichtsvollzieher haben „Bdikoh" in allen Ecken und Ritzen vollzogen. Wenn es nur nicht bald zu „Chad Gadjoh" kommt (Chadgadjo im Sprachgebrarche des jüdischen Ostens ein Brzeichnis für Ge.ängnis). Als Hilfspersonal für Mazzobäckereien empfehlen sich die Mitglieder des „Zentralen kaufmännischen .Vereins", des „Fabckiaptenvereins" und des „Hausbesitzervereins". (.-Tateleben"). Wie aus Prag telegraphiert wird, wurde der Führer der in Opposition befindlichen sloroakischen Volkspartei, Pfarrer Hlinka, heute in Preßburg wegen Beleidigung des Präsidenten Masaryk zu acht Tagen Arrest unbedingt verurteilt. Hlinka hatte seinerzeit in einem Artikel den Präsidenten Masaryk wegen seiner Judensreundl'.chkeit „Tateleben" genannt. Die erste Instanz hatte Hlinka sreigesorvchen mit der Begründung, daß der Ausdruck ein politisches Bonmot sei. Mit dem Ausdruck sollte nicht der Präsident, sondern das Judentum charakterisiert werden. (?) Vor dem Berufungsgericht ersch'en Hlinka mit einer ganzen Schar: seiner Anhänger. Nach kurzer Verhandlung wurde Hlinka zu acht Tagen Arrest unbedingt fen Kern bejaht/) läßt sich dieser von det sanften Gewalt gern umschließen . . ." Zionistischerseits ist klipp und klar, offen und treuherzig im Vorstehenden bekannt, daß die Assimilation des jüdischen Volkes an den Lebensstil der Völker der Welt ersehnt wird. Als Formidee des Zionismus wird frisch und frei bezeichnet: Als Angehöriger des jüdischen Volkes bin ich den Angehörigen aller anderen Völker gleich. Ungeniert und stolz wird verkündet, daß der Zionismus den assimilierten Menschen in dessen Kern bejaht.— Nun denn. Was agudistische Denker bisher unter Wwm wniftHtfjem WWefflruß) namftmn sich gsmüht fyabm, das wird zionistischersöits nun schwarz auf weiß bescheinigt: Zionismus ist nationale Assimilation. Diese agudistische Beschuldigung des Zionismus bedarf fortan keiner Beweise mehr. Das Bekenntnis des Beschuldigten wiegt mehr als alle Argumente des Anklägers. In der Tat schrieb der verehrte Freund, der das Echoblatt uns schickte, an den Rand: fyn runm D'iy nx»2 |'> Die nationalistische Welle verebbt. Doch die gestrigen Neu-Nationalisten werden nicht verlegen. Die bisher beschimpfte Assimilation wird zur Tugend umgestempelt, wird Formidee des Zionismus. m__W Korrespondenzen « Hacbricbren. Reietz. Knorr und Knubben. E. B. Berlin, im März. Gar nicht weit von der Stelle, wo Lessing in der Parabel von den zwei Ringen seinen weisen Nathan die Grundsätze einer in ihrer etwas matten Gefühlsfeligkeit für den modernen Menschen freilich schwer tragbaren Assimilationstoleranz künden läßt, findet man das schöne 93ori non tem Aiorr,. i>er i>cn Snut&en hübsch üörtragen muß", das sowohl durch die harte Linie des gewählten Bildes, wie durch die lebenswahre Realistik ihrer fentenziösen Meinung jene lebensmüde Kultur des Frieden auf Erden-Ideals wirksam und kraftvoll ergänzt und erweitert. . . . Für den Philister bedeuten Knorr sowohl als Knubben in der tiefsten Seele gleichermaßen unbehaglich empfundene Abweichungen und Ausfchreitnugen der Natur; verunstalten und verunzieren sie doch das ruhige Gleichmaß der Holzfläche, die sich sonst, beispielsweise, vorzüglich für einen Haussegen mit frommem Spruch in Holzbrand hätte verwenden lassen, der verurteilt mit der Begründung, daß in dem Artikel mit dem Ausdruck „Tateleben" nur Masaryk gemeint werden könne, und daß dieser Ausdruck als Beleidigung des Präsidenten qualifiziert werden müsse. (Restaurierung der Synagoge zu Kcrpernaum.) Der Fran-tokanerorden „Terra Santa" (Heilige E de), der in der Gegend der aus dem Altertum stammenden jüdischen Synagoge zu Kapernaum (Galiläa) Ausgrabungen vornehmen läßt,-hat Mit dem deutschen Unternehmer Bäuerle einen Vertrag geschlossen, der die vollständige Restaurierung der berühmten Kapernaum-Synagoge, die aus dem 2. oder 3. Jahrhundert stammt, vorsieht. Die Synagoge soll in ihrer ursprünglichen Gestalt wiederhergestellt werden. Die Ruinen der Synagoge zu.Kapernaum gehören zu den interessantesten Bauresten des Orients. Die seinerzeitigen jüdischen Erbauer haben den Stil der römischen Architektur in einer eigentümlichen, reizvollen Form nachgeahmt. Wie erinnerlich, hat der bekannte österreichlsche Industrielle Klei: «Mädling während seiner Palästinareise im vorigen Jahre an einem Fries der Synagoge zu Kapernaum ein Hakenkreuz-Ornament entdeckt. Die Angelegenheit wurde damals in der Presse viel erörtert. (Institut für zjfakäsiinarviffenschaft). In Greifswald wurde das neuerrichtete, unter Leitung von Prof. Dr. Dalman stehende Institut für Paläfttnafo.ickung in Gegenwart des Universttätskurators und der Dekane der Ibeologifcben und der pdilo fophifchen Fakultät seiner Bestimmung Übergeben. Cs erhält auf Anordnung des Ku'tusminifters die BezeicknungGustaf-Dalman-Institut für Palästinawlffenschaft". ' - - '_ 2\ März 1926 schöner Seelen Herz und Gemüt in den Stunden behaglicher Nachmittagsruhe erhoben und erlabt hätte! Diese Gemeinsamkeit der Unbeliebtheit in weiten Bevölkerungskreisen ist aber das einzige, was Knorr und Knubben eint; in allem Uebrigen bestehen sooiele Reibungsmöglichkeiten zwischen ihnen, sind sie allzu artverschieden, um etwa das Aufgehen des einen in dem anderen im entferntesten denkbar erscheinen zu lassen. Und weil — das ist wohl der Sinn jenes Dichterspruchs — diese Gegensätzlichkeit der Beiden nun einmal in ihrer Natur den letzten Grund findet, so soll jeder Versuch zu ihrer Bereinigung, der ja doch zur Erfolglosigkeit verurteilt bleiben müjjte^ Port oorn^erem unterlaßen Jein^ sondern dahin ziele beider Streben, daß jeder von ihnen abseits von dem andern feinem Säftestrom den Weg ins Freie bahnt, der eine rechts, der andere links sich sein Plätzchen an der Sonne wählt, und, ohne sich in der Problematik ihrer Daseinsberechtigung zu verstricken, einander ertragen, unter einander sich vertragen lernen! Unsere Leser und Leserinnen mögen den an dieser Stelle etwas ungewöhnlichen Ausflug in das Gebiet der Lesfingexegese gnädigst entschuldigen; er soll den folgenden Ausführungen als Folie dienen und. ist vielleicht geeignet, zur richtigen Einschätzung der zu behandelnden Angelegenheit seinen Beitrag zu liefern. Wiederum nämlich einmal hat die Parabel von den zwei Ringen — beileibe nicht das Wort vom Knorr und Knubben! — die Anregung zu einem Leitartikel (Nummer 9 des „Jsr. Familienblattes") geliefert und mit dem durch allzuvielen Gebrauch freilich schon etwas abgegriffenen Glanz ihrer poesiegetrankten Weltbetrachtung die recht dürftige Weisheit feines Inhalts erklärt. In diesem Artikel wird der wegen ihrer gerichtsnotorischen Bösartigkeit sattsam bekannten Separatorthodoxie, im Einzelfall der Adaß Jisroel zu Berlin, zum, ach! soundsovielten Male vor Augen geführt, wie unendlich tief unter der Sublimitäk der Weltanschauung der „Gemeindeorthodoxie" ihre engherzige Intoleranz steht, und daß es Zeit, allerhöchste Zeit sei, in Sack und Asche Buße zu tun, sonst . . . drohe ser „offene Konflikt"! D. h.: In dem ganzen, mehrpaltigen Artikel ist, außer an einer kleinen Stellewodem „Separatismus,, insinuiert wird, daß er auf dem Standpunkt stehe, er allein besitze den echten Ring, von der Parabel, die ihm die Ueberschrift liefert, und von ihrem tieferen Sinn mit feinem Worte mehr die Rede und ^eder SlnMang an die Moral Üjres Se^rin^afis ist sorgfältig vermieden. Immerhin verrät die Titelwahr die intime Vertrautheit des Verfassers mit den Meisterwerken der deutschen Klassikerliteratur und dieser Besitz verleiht ihm den Anspruch auf die Rechtswohltat dichterischer Freiheit in seiner schriftstellerischen Betätigung. . . . Nur daß die Grenzen dieser Freiheit in dem Artikel denn doch allzuweit gesteckt und die Konfliktspunkte zwischen seiner Darstellung und der harten Realität der Tatsachen doch allzu zahlreich find! Bringt er es doch sogar fertig, schon in den ersten Worten mit einer groben Ungenauigkeit zu beginnen. „In der Haupt-Synagoge der Berliner Iren* nungs 0 rth 0 d 0 xie", so lauten die Eingangsworte des Artikels, „hat einer der dort amtieren«, den Rabbiner bei Gelegenheit (sic!) einer Predigt die Mitglieder der Einheitsgemeinde in wilden Worten geschmäht!" Die knappe, scharfe Formulierung, mit der der Verfasser uns sofort in metias ses seiner Beschwerde führt, sei als wohltuend anerkannt; desto bedauerlicher aber muß der sehr aparte Geschmack erscheinen, der von einer „Synagoge der Trennungsorthodoxie" zu reden weiß. Viel schlimmer aber ist die falsche Angabe zu beurteilen, die Verfasser über den Schauplatz der furchtbaren Untat macht. Cr legitimiert s?ch in dem Artikel als einen Zuschauer, der „seit Jahren aus Nächster Nähe" die von ihm behandelten Ereignisse überblickt; dann wußte er aber, m u ß t e er wissen, daß die H a u p ts y n a g 0 g e Wochenkalender. vom 27. Mär, bis 8. Avril 1flS6.' vom 12.-19. Nissan 6888' Samstag :8 27 IX 12 JO’3 Vinn rat? Sonntag g 28 13 f am ppia Montag ° 29 14 noa xvsr Dienstag 30 15 nvs hv rr Mittwoch 31 16 * '3 Donnerstag 55 1 17 Iß Freitag 8» 85 2 18 | S a"mn na® Samstag 3 il ■ 19 { £ V'l'ffN W