Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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2 9Xti IS S « ¥ S s tftUit 26. MS,z 1229 Messias einen Thron des Gerichtes gepellt, sieht auch noch für diese Zeit die Notwendigkeit einer starken Gotteshand zur Vernichtung der Frevler, die noch ihr Unwesen treiben. Rabbi Llasar den Asarjah will aber von Gericht, von Schuld und Strafe, in der Zeit unserer Erwartung nichts wissen. Der andere Thron kann nur als Schemel gedacht sein. Für einen Thron des göttlichen Richters zur Ahndung menschlichen Fehls ist im Bau der neuen Zeit kein Raum vorhanden. In unserer Hagadah feiert Rabbi Elasar den Asarjah unter Anlehnung an die Deutungen des Ben Soma den Sieg seiner idealen Messiasauffassung, die rein von jeder Trübung menschlicher Bosheit und frei von allen Nachtseiten bisherigen Weltenlebens ist. „Wie ein Siebziger stehe ich da nWn ö-nx» n*pX’ *i»xrw tvot und konnte mich doch mit meiner Meinung, daß die Nacht sich nur auf den Auszug aus Aegypten beschränkt, später aber diese mit dem Aufblühen der neuen messianischen Sonne ihre Herrschaft für immer verliert, nicht recht durchsetzen, bis mir Ben Soma mit der Fomrel zu Hilfe kam: •pn ■>»'» Die Weisen, wohl die Freunde und Anhänger des Rabbi Akiba, versuchen im Gegenteil das auf die „Tage des Moschiach" zu deuten, als könnte noch dem messianischen Zeitalter etwas von der Nacht des Auszuges anhaften und würden sich verwandte Momente zwischen den beiden Erlösungen ergeben. Das alles widerspricht so sehr der Grundauffassung des Ben Soma und Rabbi Elasar ben Asarjah, daß Ben Soma, wie aus allen Himmeln geworfen, erstaunt fragt: onx» rix'X' pTora '21 Wie kommen diese beiden Erlösungen zu einander? War erstere eine Erretung aus Tyrannenhand, so kann letztere nur als Wandlung der Tyrannei in Bruderliebe, als Völkeretnigurtg, als üölett^c^enuerfcriiberurcg ou| ber Grundlage von Recht und Liebe, auf dem Boden des das Weltenleben beherrschenden und bewegenden Gottesgesetzes gedacht sein. (Schluß folgt.) Wochenrundschau. Eine traurige Stat stik. Im Auftrag der Repräsentanten-Versammlung der Berliner jüdischen Gemeinde wurde eine Und unsere Häuser errettete Er. Von Dr. Simon Goldmann in Köln. (Schluß). Erstarrtes $iubeni«m, in dürre formen fffffif' ftirumpji! Wöre es vielle-sht ^rch Mihi sy UUbk°° rechst, t, dieses Schlagwoit? Wir wollen abfehcn von jenen Häuftrn der Grotzstadt. die innerlich länost jede Beziehung zum Jideitum gebrochen haben und einen Blick in die ländliche Stille hineinwer eu. Dort, iro noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts b'ühendes jüdisches Leben herrschte, wo, als in den Grotzst dien die Reform itre Triumphe feierte, sich ursere großen Reservoirs befanden, aus denen die Grrßfiödte Kiaftbildende Nabrung seugten dl rtdin wollen wir unfern Schritt lenken und den Blick durch das Fcnber eines der jüd fchen Häuser werfen. Auch dort wird Eeder gegeben. Auch dorr sitzt wohl die Familie im Kreise herum, auch dort liegen die Symbole des Abends auf dem Tische. Ater welch himmelweiter Unterschied! Wo lesen wir das Bewußtsein einer einst oen und die Erwartung der kommenden nbixä ouslicsen halboe'schlasentn Gesichtern, die trockene Worte aneinander reihen und die höchstens die lukullischen Genüsse der Hausstauenkunst wieder rege macht. Wenn der Vollmond Statistik über die S e l b st m o r d e beiden Juden angestellt, und sie erbrachte Zahlen, die eine erschreckende Sprache führen. Es ist klar festgestellt, daß 1925 der Prozentsatz der Selbstmorde bei den Juden den der anderen Konfessionen weit übertrifft. In den ersten drei Monaten des Jahres 1926 dürften sich diese Zahlen bei der zunehmenden wirtschaftlichen Krisis noch trauriger stellen. Indes können die Ursachen dieser Flucht aus dem Leben nicht allein in der wirtschaftlichen Krisis liegen. Das beweist ein Vergleich mit den Jahren vor dem Kriege, die einen hohen Stand der Wirtschaft und damit im allgemeinen auch einen durchschnittlichen Wohlstand der mit ihr eng verbundenen Juden aufweisen, und dennoch kein erfreuliches Bild in dieser Beziehung boten. Auch da figurieren die Juden auf der Liste der Selbstmörder mit einem bei weitem höheren Prozentsatz als die anderen Konfessionen. Die Gründe liegen, wie gesagt, tiefer, brauchen aber nicht erst ausgegraben zu werden. Alle Welt kennt sie und sie haben jüngsthin, wie eine Korrespondenz unseres Blattes berichtete, auch in der Berliner Repräsentantenversammlung ihren Ausdruck gefunden. Die Liberalisierung der Jugend, die dieser den religiösen Halt nimmt, ihr Stab und Stütze zerbricht, kann allein das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, diese traurige Statistik vermehrt zu haben. Wo der religiöse Lebensinhalt gewichen ist, sind auch Hoffnung und Vertrauen auf eine bessere Zukunft, der Mut für den Lebenskampf geschwunden. Kamen noch die Stürme des Krieges und die Krisen des Nachkrieges hinzu, so hatten sie es leicht, aus dem Leben zu reißen, was schon in sich hohl und zerrissen und entwurzelt war. Mit der statistischen Feststellung der Tatsache ist es nicht getan. Entgegenarbeiten kann man siem UeM einzig unb allein mu MigMr Cr? zishung, mit dem Versuche, das Empfinden der Jugend im altgeheiligten Thoraboden zu verankern; mit einer unentwegten Arbeit, die daraus hinausgeht, unseren Söhnen und Töchtern Kenntnis des Judentums zu vermitteln, ihnen Verehrung für die jüdische Vergangenheit, Liebe für das jüdische Leben der Gegenwart und Vertrauen auf die jüdische Zukunft einzuflößen. Altisrael, das Hagadabuch zeugt davon, hatte Schlimmeres zu überwinden als Wirtschaftsnot und äußeren Haß. Es gilt, einem Jeden von Israel, der jüdischen Welt- und Lebenshoffnung einen Funken zu sichern. Die Kraft wird sich dann von selbst einstellen. am n/chtiichen Himmel erstrahlt, ist hier schon längst alles Licht erloschen Man zieht ein molliges Lager dem Martyrium einer geistigen Anst engung vor. Die Götzen der Zeit. Bequemlichkeit und Genußsucht sind zu starke Herrscher, um sie einem höheren Streben zu opfern. Während wir an den Brennpunkten jüdischen Lebens in den Städten eine blühende Aufwärtsentwicklung beobachten, vollzieht sich auf dem Lande ein langsamer, aber sicherer Zers.tzungsprazeß. Vergebens predioen wir: inpl Ws- Ziebet eure 5ände zurück von den Hettgötzen und ichlachtet sie Gott! Das erste Früblingsblümchen. das unter der Schneedecke zu keimen beginnt, die Sch kelforderung. märe nenn uns Mer zu sucllen. Zu allen Zeiten wr» Jttivrl» Gebeiiknvigkeil eiVinbl. Ev froilvNNa es zum goldenen Kalb ip ndeie, so freudig gab es zum Heiligtum. Hier ober vermißt man dcn Sckeke! zum Aufbau der jüdischen Heiligtümer umso treu« d'ger spendet man den Götzen der Zeit, der Mode und des eigenen Behagens. Der seit jeher bekannte Drang der jüd'schen Eltern, ibre Kinder mehr werden zu lassen, ols sie selbst geworden sind, ofsinbml sich heute in vielleicht noch stärkerem N-oße. ober er ei streckt sich nur aus die praktischen Forderungen des Lebens. Mas oehört dazu, im Leben gut fortzukrwmeu, fragen sich die besorgten Ellern, und je nachdem er strickt sieb ihre Fürsorge auf die Aneignung allgemeiner Bildung von Sprachen. Musik uud sonstigen Fertigkeiten, währ>nd das reiigiöfe Moment nicht nur zurückttet n muß, sondern meist nonz ausgeschattet wird. Was r.i tzt all die große Mühe, mit der der Lehrer — wrun ein solcher noch vorhanden ist — sich bestrebt, Sanier bistnei aus?ustieuen, wenn der Schüler bei der nächsten Gelegenheit fehlt, weil er Der Grenzschutz Palästinas und die Juden. In jungjüdischen Kreisen Palästinas ist man sehr verstimmt darüber, daß bei der Reorganisation der palästinensischen Gendarmerie die Juden unberücksicht blieben. Eine Versammlung ehemaliger jüdischer Legionäre, mehr als 400 Seelen, legten flammenden Protest gegen diesen Ausschluß ein. Im Unterhause in London kam bereits die Sache ebenfalls zur Sprache. Auf eine Anfrage verwies der Kolonialminister A m e r y auf eine von ihm zur Zeit mit dem Oberkommissar in Palästina über diesen Gegenstand geführte Korrespondenz. Von welcher Art die Korrespondenz ist, weiß man vorerst nicht. Es sei zur Orientierung bemerkt, daß dieser Wunsch der Juden Palästinas, in der Gendarmerie und im Grenzkorps vertreten zu fein, 5mt den militaristischen Anwandlungen der Jabotinski- Partei und mit dem Wunsche einer Neuauflebung der Jüdischen Legion nicht das geringste zu tun hat. Ohne irgendwie mit dem Säbelgerassel der einzelnen Heißsporne des neuen Jischuw zu sympathiesieren, muß doch eine palästinensische Gendarmerie unter grundsätzlichem Ausschluß von Juden als Nonsens bezeichnet werden. Wie wir in jeder anderen Ausschaltung aus staatlichen Betrieben und Einrichtungen eine Beleidigung des jüdischen Elementes und ein flagrantes Unrecht erblicken müssen. Die Palästinaregierung darf solche Unterschiede schon im Interesse der Stellung der Juden innerhalb der Gesamtbevölkerung nicht kennen. Ob wir den jungen Juden dann raten werden, sich durch die ihnen hier geöffnete Türe in Massen zu drängen, tut nichts zur Sache. Die Türe muß ihnen aber offen stohsn. E2 ist daher nach all dem nicht zu glauben, daß man es mit einem fait accompli zu tun hat. Wie man hört, soll auch in letzter Stunde für die Bildung des vereinigten Grenzkorps für Palästina und Transjordanien eine Verfügung von London ergangen sein, die prinzipiell auch den Juden den Eintritt ermöglicht. In einem Staate, wo sich, wie in Palästina, „hart im Raume die Dinge so stoßen", muß von der Regierung doppelt auf paritätische Behandlung der einzelnen Volksteile gehalten werden und insbesondere darauf, daß sich die j ü d i s ch e Bevölkerung nicht zurückgesetzt fühlt. zuviel Ausgaben aus hat oder Klavier üben, oder gar Fleisck auslragen mutz. Nicht nur. daß die Kinder zu Lause zu der Erfüllung der allb glichen mix» nicht ongeholten werden, sondern ihr religiöses Empfinden, das in jedem Kinde mehr oder weniger als schlummernde Anlage vorbanden ist, .muß völlig obstumpsen, wenn sie die Eltern in leichtferiiger Weise die Gebote übertreten sehen, die ihnen ln der Schule für die Heiligung des Sabbats und der Festtage ols cnundleoend bezeichnet werden. Wie iraaibowisch hört es sich beispielsweise an. wenn ein Barmizwokend'dat von der bis zum frühen Morgen dauernden Feier berichtet und auf die Frage des Lehrers, ob er auch Tefillin gsisgt Hobo, biss r»srnvlnvn MUß. sösk UZöN» -iö Kinder Jn naAfcrflckUAer EittwlrlU'Ng der letzten Stunle triumphierend berichten. daß sie am Taanis oanz gesaftet haben, aber Zugleich erzädlcn, daß sie sich am Nachmittage aus dem Sportplatz amüsiert hoben. Erstarrtes Judentum sind die dürren Formen, die bei der nächsten Generation schon vollends abgeworien wer dem Und die Eltern sehen müßig zu, wie ihre Kinder Schritt für Ectritt drm Judentum, das ste nie völlig kennen lernten, entfremdet werden und empfinden es vielleicht nicht. Rettungslos steuert so des Judentum auf dem Lande dem Abgrunde zu, geht die Ang eichurg an die nichtjüdifche Weltuud Lebensonscbouung im Jagen und Hasten um die Irdischen Zeitgbtzen vor sich — es vollzieht sich an ihm die Tragödie der ägvptischen Finsternis. Aber mitten in der Nacht leuchtet hell der Vollmond am bestirnten Himmel und seine silbernen Strahlen künden uns von der Erneuerung des Dolksgamen» die sich dennoch und trotz allem vollzieht, vollziehen muß. Die betteiende Tat des naizr wurde einst^ zum Erlösungssymbol aus dem Golus Mir-