Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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67. Jahrgang Orraruyuri Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Atvanmcai ab ^anuui IDüi. £>cuttd)luab 1 SuUtaiact uiunuiltcto, Auslanh. Ütertei* tatjrpreife (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Konen des Ttr»tfband-Ber> kandes) Deutsch-Österreich; Schilling 8.-; Amerika 1 Dollar; England 4 fbi; Frankreich 15 Fr.; Belgien 15 Fr^ Holland 8 fl.; Italien 30 Lire; Jugoslawien 70 Dt».; Litauen 7.50 Sit.; Rumänien 900 Sei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tfchecho-Slowakei 85 Kronen; Ungarn 50000Kronen; Dänemark 5 Krone«; Norwegen 5 Kronen; Schwede« 8.50 Krone«. Einzelnummer dreißig Goldpfennige Ler Isla ltt erscheint teveu Dunnerslag. J -irlr.tr tv Bowps. lu, vl fl orngr,»utt«n, Nonpareille Heile. Abonnenten zahlen bei Sn ll.ngesuchen und Famtktena»zeigen »ur so Df. Dte^ mm breiteJKeflamtgcUt; letzte Tervf.ttr 1.60 AN., vorletzte Tertsette 8.- Mt.; Ehiffregebühr in Höhe einedopp. Fer»brte,«.ortos. 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INärz (nvs any)- Nr. 15: Freitag, den 9. April '*>)• Es fällt also durch die Feiertage keine Nummer aus. „Auszug" und «Erlösung-.'' Das messianische Moment, der Gedanke der späteren letzten Sammlung und Erlösung spielt ln unserer Pessach-Hagada eine fast ebenso wichtige Rolle wie die Erinnerung an den Auszug. Und dennoch ist ein nicht unwesentlicher Gegensatz zwischen der Erlösung von einst und später •am Ende der Goluszeit nicht zu übersehen. Rabbi Elasar, Sohn Asarjas (Zitat aus Talittub QSerac^ot 12,2) spricht: „Äch bin rnis sieb- MMNg und habe es noch nic$t erreicht, gw beweisen, daß vom Auszug aus Mizrajim auch bei Nacht gesprochen wird, bis es uns Ben Soma erklärt hat. Heißt es doch: „Aus daß du gedenkest des Tages deines Auszuges aus dem Lande Mizrajim a l.l e Tage deines Lebens." In dem „alle" ist auch die Nacht enthalten. Die weisen Lehrer sehen aber in dem „alle" einen Hinweis auf die B eit d es Moschiach, in der man ebenfalls noch vom Auszug aus Mizrajim sprechen wird. Ben Soma hehnt sich in der Gemara gegen diese Ansicht auf m'Vvn rra’5 D'nxa mr?’ pTDta '2i Warum in den Tagen des Moschiach noch Mizrajims gedenken? Es ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, warum Ben Soma, und mit ihm Rabbi Elasar den Asarjah, sich so sehr gegen den Gedanken wehren, daß man in der messianischen Zeit noch von Mizrajim spreche. Warum sollte man nicht nach Errettung aus schwereren Gefahren auch noch früherer, kleinerer Leiden und Nöte und der Befreiung aus denselben gedenken dürfen? Es scheint hier ein innerer prinzipieller Gegensatz trennend zwischen den Ansichten beider Ge- •j Der Grundgedanke dieser Betrachtung ist dem MVVani Eman von Rabbi Jecheskel Libschütz, -Kullsch entnommen. lehrtengruppen zu stehen," der von tief einschneidender Bedeutung für das Grundwesen unserer Messiashoffnung ist. All die Errettungen, Befreiungen und Erlösungen in unserer bisherigen Geschichte spielten sich auf die Weise ab, daß Gott, der Lenker der Erde, der Meister der Völker- und Menschengeschicke, den „Arm des Frevlers brach", so daß er gelähmt, machtlos dem zum Siege gelangenden Prinzips des Guten gegenüberstand. Nicht das Eis im Tyrannenherzen war geschmolzen, sondern man ging, von Gotteshand geführt, unversehrt darüber hinweg. Nicht war das Herz des Pharao und der späteren Despoten umgestimmt, ihre Hand wurde nur schlaff. Die Bosheit blieb, aber ihr wurden die Krallen genommen. Die Wölfe blieben, was sie waren, aber ihre Zähne wurden stumpf gemacht und das Lamm aus ihren Klauen befreit. Ist diese Art von Befreiung unser letztes Ideal? Wir erstreben eine Zeit, da nicht die Sünder, sondern die Sünden restlos zu Grunde gehen, T«vin «^i nvo m«vn larr Dahin gehen auch alle Prophezeiungen unserer Propheten, die UNS b«S Sbe«(bi(b bev ßwfwnfi m dein Bersarnmensein von Wolf und Lamm, Leopard und Hirsch usw. zeigen. Messianische Zeit bedeutet: Alle Völker werfen ihre Götzen — wie auch die Götzen der Zeit heißen — hin und ziehen dem Gottesberge zu mit dem Rufe: „Haus Jakobs auf! Wir wandeln im Lichte Gottes!" Dann ist nicht der Arm des Bösen gebrochen, sondern sein Wille, sein Herz, umgewandelt. Dies das Idealbild von der goldenen Zeit der Zukunft. p«n fv nsn "N •»nasm versteht Rabbi Jehuda so, daß die wilden Tiere gänzlichäuf - Horen. Rabbi Nachman aber meint: na 'M ',ipT> «^i '\TtP «•?« »n'apn «in Nicht darin zeigte sich die Größe Gottes, daß die wilden Tiere nicht mehr da wären, sondern darin, daß sie da sind und keinen Schaden mehr anrichten. (Torath Kohanim 'nipna 's). Und dann Midrasch: n^a ^«'w i7>r»2 T"nya* In der Welt unseres Erlebens und Gedenkens ging der Erlösungsprozeß mitten in der Nacht vor sich, d. h. die Nacht blieb ungebrochen, nur daß wir des Lichtstrahles teilhaftig wurden, av rum n^n «in1? imp. Die spätere und letzte Erlösung geschieht aber am hellichten Tage, da alle Völker und Menschen von der milden Sonne der Liebe und der Gerechtigkeit geküßt sind. Ohne dieses letzte Ende irgendwie aus Auge und Sinn zu verlieren, mögen sich in der Zeit der Tanaim, noch unter dem frischen Schmerz des zweiten nationalen Zusammenbruches aus der Sehnsucht geborene Meinungsverschiedenheiten darüber herausgebildet haben, ob die messianische Zeit schon gleich zu Anfang diese letzte und höchste ideale Form annehmen muß, ob nicht vielleicht auch darin noch ein Entwicklungsgang denkbar wäre, ausgehend von der jüdischen Befreiung, vom Wiederaufbau des Tempels, der schon vor Erfüllung der letzten Voraussetzungen vor sich gehen könnte. Es sah damals in der Römerzeit so trübe und nächtig ringsherum aus, daß Ungeduld auf eine Erlösung auf kürzere Sicht, unbeschadet des Prophetenideals als letzten Zieles, drängte. Wie oft kommen im Talmud diese widerstreitenden Meinungen über das Wesen der Geulah zum spontanen Ausdruck! Insbesondere weiß man von Rabbi A k i b a . daß er führend die Hoffnung der baldigen Erlösung vertrat, ohne Rücksicht auf 'die momentane Weltgestaltung. Er hielt Moschiachs Ankunft auch in der Nacht, wie bei der Erlösung MMKjlM, fW MMch My schsinlich. Als Bar Kochba vis Fahne vss Aufstandes gegen Rom erhob, so erzählt uns Talmud „Sanhedrin", ließen die Weisen Nachsehen, ob dieser Bar Kochba den von Jesajas geschilderten Voraussetzungen des Erlösers entsprach. Da es n i ch t der Fall war, wandten sie sich von ihm ab. Rabbi Akiba sparte sich diese Untersuchung, weil er diese Voraussetzungen fürs erste nicht für unbedingt erforderlich hielt und schloß sich mit ganzem Herzen diesem „Stern der Erlösung" an, der bald, wie viele nach ihm, leider als Irrlicht erkannt werden mußte. Im Talmud Chagiga 14 deutet Rabbi Akiba den Satz aus Daniel 9, der von zwei Thronen Gottes spricht, so, daß npxb nmo pr*? in«' der eine für das Gericht und der andere für die Liebe bestimmt ist und zieht sich damit eine scharfe Rüge seines Freundes Rabbi Elasar ben Asarjah zu: 'im Tn« l?s« -f? na «a^sr- „Was befassest du dich, Akiba, mit Agada (von der du nichts versahst)? Kehre zu deiner Halacha zurück. Von den zwei Stühlen dient einer als Thron und der andere als Schemel." Man würde die Korrektur und den heftigen Ton des Rabbi Elasar ben Asarjah nicht verstehen, wenn man nicht jenen grundsätzlichen Unterschied in der Auffassung der messianischen Zeit ins Auge faßte. Rabbi Akiba sieht auch später in die Welt des