Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1926)
- Date
- 1926-03-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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18. März 1926 Der I s r a e (i t Skr. 12 Seile 5 bar widerspruchsvollen, inkonsequenten Politik, Die sie jeweils getrieben haben, — so wird man Doch bei näherem Zusehen in dieser ganzen Kette eine einheitliche Tendenz, bei allen wechselnden Maßnahmen gewisse unverrückbar festgehaltene Grundsätze feststellen können, die bis auf .den Heu- WM ±m M klMM PvlMk in ftspftsn Sr stimmen, (bö geoßs Freiheit und SelBstänMgr feit in feinem Wirkungskreise bem englischen Beamten auch gelassen ist, er fügt sich stets gerne und widerspruchslos in das traditionelle System der britischen Reichspolitik ein und weiß bei aller Elastizität deren letzte Ziele stets im Auge zu behalten. Die Nervosität, mit der man in jüdischen Kreisen die Nachricht von der Ernennung des neuen Oberkommissars empfing, wäre gewiß geringer gewesen, wenn man sich diese Tatsache von vornherein klar gemacht hätte. Aegypten ist heute ein souveränes Königreich, führt eine eigene auswärtige Politik und darf nach Herzenslust harmlose Reisende durch alberne Paßvorschriften schikanieren. Seit 1922 ist Fuad I. nicht mehr Khedive, sondern ein richtiggehender König; man ist auf die neue Würde auch nicht wenig stolz, und jeden Morgen steht im Mattel, was Sa. Mojeste Royale heute zu unternehmen gedenkt. Es V gibt ein funkelnagelneues Parlament, das in einem schönen weißen Palais seinen Sitz hat, das häufig einberufen und noch häufiger aufgelöst wird, ganz wie bei Leuten. Es gibt Patriotismus mit nationaler Heldenverehrung, mit dazugehöriger glorreicher Vergangenheit, mit Ausländerverachtung, es gibt auch schon eine patriotische Schnurrbarttracht nach allerhöckfftem Vorbild, und was ein guter nationaler Mann ist, der haßt feste England. Die Engländer sehen ruhig zu. Unterdessen wird der neue Staudamm gebaut, durch den man dem Lande die Wasserzufuhr sperren kann, wenn es ungeberdig wird, die militärische Position im Sudan wird immer fester ausgebaut, und unter der Zitadelle in Kairo befindet sich eine ganze unterirdische Stadt mit Arsenalen. Pulverlagern und Munitionsdepots: man kann von dort aus in wenigen StunDen g«ng Kairo gusammenschießeri. Ich Habs vorwitziger^ weise in dieses unterirdische Labyrinth einmal hineinlugen wollen, aber die schottischen Tommies, die dort Wache standen, verbaten sich das sehr energisch, und es hätte beinahe ein Protokoll gegeben. Zieht man das Fazit aus der bisherigen Verwaltungstätigkeit der Engländer in Aegypten, so wird man nicht eben behaupten können, daß sie ^um Wohle des Landes gearbeitet haben. Sie haben das Land zweifellos aus einer heillosen Mißwirtschaft gerettet, haben es auf eine hohe Stufe der Zivilisation gehoben und haben vor die weihevollen Abende heran, von denen - es heißt: W'chol hamarbe lesaper, harei se meschuboch: „Wer viel zu erzählen weiß, der ist lobens- W e r t." (Kine Jahrhundertfeier der Wiener Judenheiti. Am 3. März waren es 100 Jahre, seitdem der offizielle Wiener Temvel in der inneren Stadt einqeweih wurde. In diesem Zusammenhang sind die folgenden geschichtlichen. Reminiszenzen interessant: Fm Lahre 1792 erstellen die Wiener Juden beschränkte .Rechte einer religiösen Gemeinschaft: sie durften sich ^als .Kolleg der gebildeten Klaffe hiestaer Israeliten organisieren. 18H gestattete Kaiser Franz I. durch ein Edikt den Erwerb eines Grundstücks in der Inneren Stadt zwecks Errichtung eines T moels. 1820 zählte Wien 137 tolerierte Juden, die mit ihren Familienangehörigen ungefähr 600 Seelen ausmachten. Da;u kamen mehrere sogenannte „Dienstjuden" -(angeblich oei deN^Tolerierten Diensttuende), sowie einige „fremde" 11^1 ** Äsdsr Untolerierte mutzte sich zweimal im! Möiiäl böittt SüäimmI um öaa AMilwllllMM . bewerben; eine Ansncchrtte «ZUkdS NM Bei Emil. Rothschild gemacht. Das Jüdenamt war am Tor-; eingang durch das Schild gekennzeichnet: "5ür Juden. Sesselträger und Fiaker"' Wollte ein Tale-‘ rierter hei aten, so mutzte er warten, bis ein Familienoberhaupt verstorben war, Dann mußte er im voraus die dreijährige Toleranz-Taxe entrichten. Es' war leichter, den Adelsbries als den Toleronzbriel -zu erhalten. Die vollen Rechte, eine religiöse Gemeinde zu bilden, erhielten die Wiener Juden erst, mach Einsühryng der Konstitution im Jahre 1848.. v ‘ Konmtutionell verankert wurden diese Rechte erst fii im Jahre 1867. ''; allem den Fellachen menschenwürdige Daseinsbedingungen verschafft. Aber maßgebend blieben doch immer nur englische Interessen. Sie haben dem Lande, zum Schaden seiner Getreideproduktion, eine Baumwollkultur von unverhältnismäßig großer Ausdehnung aufgezwungen, haben gletrf^geiiig bte ffinlfie^ung ettter »evorbeü lenven Jnvuftne mit «ÜLN Mitteln vertjinkerij fle haben einen starren Fiskalismus eingesührt, der lebensnotwendige Interessen der Wirtschaft außer acht ließ, haben durch eine merkwürdige Zoll- und Steuerpolitik alle Ansätze einer industriellen Entwicklung im Keime erstickt; das staatliche Bildungswesen wurde vernachlässigt und alle kulturelle Arbeit allein der privaten Initiative überlassen. Wir werden ähnliche Erscheinungen in Palästina wiedertreffen, darum hebe ich gerade diese Dinge hervor. Andererseits muß man anerkennen, daß die Engländer die Sitten und Bräuche der Eingeborenen, vor allem ihre religiöse Mentalität, aufs äußerste respektieren. Sie nehmen sich keine Mühe, diese Dinge zu verstehen, aber es wird ihnen nie einfallen, noch so seltsam und unverständlich erscheinende Anschauungen und Lebensformen durch Zwangsmaßnahmen zu vergewaltigen. Manche englischen Behörden schließen am Freitag, dem mohammedanischen Ruhetag, und arbeiten statt dessen am Sonntag (man bedenke, was das für einen Engländer bedeutet!). Sie ließen die religiöse Rechtsprechung unangetastet, und ließen es geschehen, daß jemand, der es wagte, in der Fastenreit auf der Straße eine Zigarette zu rauchen, fünfzig Hiebe mit der Nilpferdpeitsche bekam, oder, daß jahrelang kein Mord gesühnt werden?onnte, weil nach mohammedanischem Recht zur Beurteilung eines Mörders die Aussage zweier Augenzeugen erforderlich ist; man ist von diesen Dingen später abgekommen, aber mehr infolge mnerer Einflüsse und neuer Interpretationen der islamischen Rechtsgelehrten selbst als durch äußere englische Intervention. Diese Haltung bewahren die Engländer überall, wo sie mit fremden Völkern urtb Religionen AN tun haben, und insofern. — öas sei hier schon berührt —, wäre eine Ptteiemahme der englischen Regierung für eine Zwangsorganisation der Gemeinden in Palästina;m zionistischen Sinne ein Novum in der Geschichte der englischen Kolonialpolitik. Zusammenfassend kann man sagen, daß die Verdienste der Engländer vorwiegend auf zivilisatorischem Gebiet liegen, daß sie aber in ein engeres geistig-kulturelles Verhältnis mit dem Lande nicht gekommen sind. Das Schulwesen liegt in der Hauptsache in den Händen des französischen Klerus, aber auch die weltlich geleiteten Schulen stehen meist unter französischem Einfluß; neuerdings merkt man die immer stärker werdende Expansion der italienischen Kultur in Aegypten wie in der ganzen Levante, die von Rom aus bewußt gefördert wird. Es ist bezeichnend, daß das Staatsideal der ägyptischen, (wie übrigens auch der modernen türkischen und arabischen), Nationalbewegung, trotz der engen staatlichen und administrativen Zusammenarbeit mit. England, das der formalen Demokra.tie Frankreichs ist, mit ihrem zentralistischen Verwaltungssystem und ihren sonstigen Eigentümlichkeiten, die in so tiefem Gegensatz zu der englischen Staatsauffassung stehen; es ist dies gerade eine der tiefer liegenden Ursachen, die unsere Verständigung mit der modernen arabischen Nationalbewegung so ungemein erschweren. (Fortsetzung folgt.) Vvn den Quellen der Pessachhaggada. Von Bernhard S. Jacoösön in Kamöurg. micra nt nn onsa nx^'a nsv'? nanan Va ist ein Sqtz aus der Haggada für die Sederabende, der durch das Streben, die in ihm ausgesprochene Forderung zu verwirklichen, eine unübersehbare Fülle von Erklärungen und. Auslegungen zur ^eröarg^rufell >^£rt. ^^te Erklärer hat es. vor allen Dingen gereizt, den Inhalt der einzelnen Partien, ihren Zusammenhang und den Wortlaut zu erklären. Selten nur wird die Aufmerksamkeit den Quellen zugewendet, aus denen der Zusammensteller rrur n ttoö' geschöpft hat. Hebräische Ausgaben bringen wohl hunderte — am ausführlichsten der unter dem Titel n^rm p'? im nibenn mix abgedruckte . Kommentar zur , afia? in Don mit mulslUr NkSkNMng und Erläuterung versehenett Aufgaben, sl) iN Dßl Japhetschen und in der Lehmannschen, fehlen sie entweder ganz oder sind nur sehr unvollständig angegeben. Soweit uns bekannt, fehlt es an einer allen zugänglichen Möglichkeit, sich über die Quellen zur man zu orientieren. Wir wollen deshalb in den folgenden Ausführungen zu den einzelnen Abschnitten der nrn die entsprechenden Fundorte und Parallelstellen aus Mifchna. Talmud, halachifchen und agadifchen Midraschwerken im Original nebst deutscher Uebersetzung anführen. Unserer Arbeit liegt der Artikel über dieses Thema in der Real-Enzyklopädie von Hamburger Bd. 3, S. 113—117 zu Grunde. Der Verfasser resp. Ordner der man ist uns mit Namen nicht bekannt, wir wissen nicht, ob es das Werk eines Einzelnen war, das dann die Billigung der Mehrheit der Gesetzeslehrer jener Zeit gefunden hat, öder ob ähnlich der Ordnung der Gebete und Segenssprüche durch die Männer der großen Versammlung auch die man von einer großen Anzahl von bedeutenden Gesetzeslehrern gemeinsam verfaßt resp. geordnet worden ist. Wir können auch nichts Sicheres über die Zeit aussagen, in der die rmn im wesentlichen die Gestalt empfing, die sie heute hat. Wesentliche Teile der rmn kennt schon die Mischna, andere finden sich in midraschischen Werken, wie Sifre und Mechilta. In dem großen Zeitraum vom Beginn der Tannaimzeit bis tief hinein in die Periode der Amoräer dürfte die endgültige Redaktion der Haggadah zu suchen sein. (Vgl. Zunz, Die gottesdienstlichen Vorträge S. 126.) Aus der älteste und Hauptteil der rmn ist anzusehen von nanwa na bis traVwn Ein Teil der Gesänge, die dann Nachfolgen, stammen aus der gaonäischen Pskioös und aus rm etwas späteren Zeit öer Paitannim, ein «mWer scheint ^est aus Dsm visrzehnten bis fünfzehnten Jahrhundert zu kommen. Der Arbeit Hamburgers folgend, bezeichnen wir der besseren Üebersicht wegen, jeden Abschnitt durch einen Buchstaben des Alphabets. a) X’jy xan^> xn* R. David Abudraham, zirka 1350 aus Sevilla, bringt in seinem Kommentar zur man über xanV xn folgenden Passus: f'san bz nai1? iana# na .Tnna an ana* rmnhw jvpaaa T»nw max anaa nm *p Vism 'w' ixia'v? ’ia naa nnaix vm orpnwW s'iaiv v*n xVi t’tnsr T»n naw VapVi ^naxb vn'a'ar? v»azrn Vxmr $>xw> 'i'aVa nnr» v'ia ’raw wsraw wasn «nt a"nxi ü’nnsn bv inm' vbv 'ia n^nna önix ponaa ."D"? v'aiVxnn anaaa |n^wn nx sn'aaa Rabbi Mattithja (ein Gaon, wie aus Hamburger hervorgeht, der diesen Passus als Beleg nimmt, daß xan1? xn aus der Gaonimzeit stammt) schreibt: was den Brauch betrifft zu sagen: „Jeder Hungrige komme und esse mit," so ist dies ein von den Vätern überkommener Brauch, man entfernte die Tische, (d.h. soviel wie man hob die Sederschüssel hoch), ließ die Türe geöffnet und rief es aus, damit die armen Juden kommen sollten. Sie übten diesen Brauch, um ein verdienstvolles Werk zu tun. In der Jetztzeit aber, da die nichtjüdische Bevölkerung zahlreicher ist als die jüdische, sorgt man schon vor Beginn des Wochenkalender. yytn 89|—s#. Wötj isss. vom 5.—12. 3Hftan 6686 Samsrag 20 Nlp'1 jö Sonntag ff 21 6 Montag i 22 7 Dienstag 23 8 Mittwoch 24 9 Donnerstag 25 10 Freitag.' 26 14 Samstag -• 27 ' w 12