Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1926)
- Date
- 1926-03-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Gelte L Nr. 12 D e r - S s r a e 1 i i 18. 32läig 1926 SrtltulcHung fyat ftc^ nodj immer fori[<^rUHti^er und für bir Kultur zweckdienlicher erwiesen ais ein gewaltsam plötzlicher Umsturz mit ungeklärten Plänen für den künftigen Neuaufbau. Wir fassen zusammen: Für die Zukunft wird die Lehrerbildung in Bayern nicht hinter der preußischen zurückstehen; für die gegenwärtige Uebergangszeit mit ihrem großen Lehrermangel, insbesondere hinsichtlich der Religionslehrerstellen, ist der Fortbestand und die Wirksamkeit der jüdischen Lehrerbildungsanstalten in Bayern ein Segen für das deutsche Judentum. — Die „bayrische Eigenbrödelei", dank welcher in den bayrischen Lehrerbildungsanstalten im kommenden Schuljahre in 6 Jahrgängen zirka 75 Schüler als Anwärter für den Beruf des jüdischen Lehrers vorhanden sein werden — eine achtunggebietende Zahl, durch welche in absehbarer Zeit vielc Lücken ausgefüllt werden können — verdient nicht Tadel, sondern Anerkennung. Ein bayrischer Eigenbrödler. Dazu äußert sich der Autor des Artikels „Die Berufsaussichten des jüdischen Volksschullehrers" wie folgt: Die angegriffenen Ausführungen über „Die Berufsaussichten des jüdischen Volksschullehrers" verfolgten lediglich, wie der Verfasser glaubt, für den ullvvseingknommknkn Lehret eine d«tch- MtM Tendenz; Angesichts der schweren Verantwortung, die jede Berufsberatung mit sich bringt, gar erst, wenn dabei in hohem Maße auch Klallinteressen berührt werden, die aufgeworfene Frage nicht klipp und klar mit ja oder nein zu beantworten, sondern dem vor der Berufswahl Stehenden das gesamte Material zu unterbreiten, dessen er für seine Entschlußsassung benötigt. Mit allem Nachdruck lehnt es der Verfasser ab, sich irgend welche anderen Absichten unterstellen zu lassen. In strikter Verfolgung seiner Absicht wurde also zuerst gezeigt, wie sich voraussichtlich die Entwicklung der jüdischen Volksschule in den Gebieten gestalten wird, wo sie bisher stiefmütterlich behandelt wurde, namentlich also in Preußen, Baden, Hessen, Sachsen. Das kann nur im Rahmen der allgemeinen politischen Wahrscheinlichkeiten, nur im Zusammenhang mit dem Reichsschulgesetz geschehen. Eine allgemein gehaltene Darlegung der Zusammenhänge zwischen konfessionellen und politischen Faktoren ist dabei nicht zu umgehen; sie bilden die Grundlage der Urteilsbildung. Welche Möglichkeiten aber das Reichsschulgesetz, und nur dieses, der jüdischen Volksschule bieten i wird, das sollte selbst ein bayrischer Eigenbrödler! wissen, wenn anders er überhaupt das Recht beanspruchen will, in schulpolitischen Dingen mitzu-; rehert. Ern großer Teil seiner Aufregung ist recht überflüssig; denn der Aufsatz beschränkt sich ja ausschließlich auf die Ausbildung der Volkss ch u l lehrer. Wie auch letztlich die Lehrerbildungsfrage gelöst werden mag, es ist heute ziemlich sicher, zumal es doch auch einen Art. 143 in der Reichsverfassung gibt, daß der Religionslehrer einen anderen Bildungsweg einschlagen wird als der Volksschullehrer. Es ist möglich, diese neue Ausbildung besser auszugestalten als sie bisher war, und dabei auch die durchaus wünschenswerte Einheitlichkeit des Lehrerstandes zu wahren. Warum aber im übrigen den Kopf in ben Sand stecken, um die Dinge nicht zu sehen, deren Entwicklung wir nicht aufhalten, kaum nennenswert beeinflussen können, weil sie. von Regierungen und Parlamenten gemacht werden, die sich bei der Regelung keinen Deut um die Sorgen der Juden kümmern? Es ist und bleibt eine Tatsache: in einem großen Teile des deutschen Reiches wird die Lehrerbildung neu geregelt. Damit ist weder gesagt, daß dem Verfasser die Neuerungen Freude machen — nein, sie vermehren nur seine Sorge um die Zukunft der jüdischen Schule —, noch daß er die jetzige Gestalt für die endgültige hält; darum sprach er auch vorsichtig von den drei oder vier Probeakademien. Da er auch weiß, daß diese kaum eine sehr große Besucherzahl ausweisen werden, trotz der lockenden sofortigen Anstellung n«ly «bgkleglein Exumen, wird er schwerlich erwarten, daß sich die jüdischen Anwärter besonders stark drängen werden. Trotz alledem ist für eine Reihe von Jahren mit dem Versuch einer ernstlichen Durchführung der Reform zu rechnen. Es hat nur wenig Zweck, der Erwiderung auf das innerpolitische Gebiet zu folgen. Genug, der Gegensatz Bayern—Reich besteht; auch in dieser Frage und trotz der vor einigen Wochen gefaßten Entschließung des Reichstags, die Regierung solle Maßnahmen treffen, um die Durchführung einer einheitlichen Lehrerbildung durch die einzelnen Länder im Sinne des Art. 143 R. V. zu gewährleisten, wird er wohl noch lange Zeit bleiben. Nun befindet sich die Erwiderung im Irrtum mit der Meinung, es bestehe eine gemeinsame Uebereinkunft über die Anerkennung der Prüfungen zwischen Bayern und Preußen; die bestand niemals und kommt ganz sicher nicht, solange nicht eine Einheitlichkeit der Lehrerbildung erzielt wird. Die Riesenzahl der preußischen Schulamtsbewerber ist allbekannt; wissen aber die Eigenbrödler in Bayern auch davon, daß Bayern an dieser Not ein wenig Mitschuld trägt? Darum gerade muß die Oesfentlichkeit wissen, daß Preußen der früher möglichen ausnahmsweisen Anerkennung bayrischer Prüfungen derzeit ziemlich ablehnend gegenüber steht; es gibt überbtes auch ein Elemes Häufchen jüdischer Abgebauter und Flüchtlingslehrer, für die der preußische Staat Stellen sucht. Ist es danach ein Unrechts junge Leute, die in Preußen späterhin eine Anstellung als Volksschullehrer suchen, vor der Ausbildung in Bayern zu warnen? Was nützt das Philosophieren, ob die zukünftige bayerische oder die preußische Lehrerbildung die bessere ist, ob organische Weiterbildung (unter dem Konkordat und dem Einfluß von sonst auch in jüdischen Kreisen nicht gerade gerne gesehenen politischen Mächten) oder neue Wege vorzuziehen sind, also kurz ob preußische Revolution oder bayerische Evolution — entscheidend sind nicht unsere Hoffnungen und Wünsche, sondern die nackten Tatsachen. Und diese zu beleuchten, war die Absicht des Aufsatzes. Ob die sich daraus ergebenden Folgerungen von Bayern aus widerlegt worden sind, das zu beurteilen ist die Sache der vorurteilsfreien Leser, besonders aber derjenigen, die, vor der Berufswahl stehend, ein praktisches Interesse an der Frage haben. St. wschsnrrrn-scharr. Krim und Chasarien. Nach einer Mitteilung des „Matin" haben die bolschewistischen Geschichtsforscher der Regierung einen neuen Köder für die jüdische Ansiedlung in der Krim geliefert: die Krim sei früher das Land der Chafaren gewesen. Die Chasaren gehörten aber bekanntlich seit dem achten Jahrhundert dem Judentums an. Als sie später auswanderten, bildeten sie die Judenzentren in Polen und Rußland. Nun sei es ein Akt historischer Wiedergutmachung, daß die Abkömmlinge der Auswanderer sich in der alten Heimat der Väter wieder ansiedeln. Das alles ist blühender Unsinn, und es verlohnte sich kaum, sich ernstlich damit zu befassen, wenn nicht dieser Unsinn über den „Matin" bereits den Weg in die Weltpresse gefunden hätte. Die „Neue Züricher Zeitung" und auch andere angesehene Blätter des Auslandes widmen dieser These ganze Leitartikel, in denen nach mehr oder weniger kritischer Betrachtung zumindest eine starke Blutvermischung im jüdischen Osten bejaht wird. Die „Neue Züricher Zeitung" sieht aus der Tatsache der Bekehrung der Chasaren- Und unsere Häuser errettete Er. Von Dr. Simon Goldmann in Köln. B'Bnrr vm nrn Ennn* Dieser Monat ist euch oer Ansang von Erneuerungen! Silbern strahlt die sich erneuernde Mondesstchel am bestirnten Firmament. Aus dunkler Nacht zu leuchtender Hebe wstdergeboren zeig! sie uns. wie einst Gott dem Mose und Ahron, den Weg des sittlich strebenden Inden, das Ringen aus Nacht und Finsternis zu Reinheit und Helle So hat einst Gott bei jener ersten Forderung an Israel uns den Weg vorgeschriebe n, so ist er uns sei, Jahrtausenden der gleiche geblieben. Im Hinblick aus die zwischen Licht und Finsternis ringenden Pyasen des Blondes immerfort kämpfen und ringen um sollen zu innere Reinheit. ——s.~ Vier Wegweiser kennzeichnen diesen Psad"Der Schekelrus zur Sammlung und zum Aulbou der jüdischen Heiligtümer durch Einsetzung seines ganzen Könnens, die Sochaurmohnung zum Kampf geuen den uns auf diesem Weg behindernden Feind, der Parahgedanke der Reinhei'serstredung von den Flecken des irdischen Kampfes und Hac» odesch, das ewig neue Vorbild menschlich sittlichen Siedens im Kan.pf mit den irdischen.Gewalten. Sie bilden die Etappen zu der befreienden Tat, die Ueberleitung zu dem dem großen Sabbat, der die Befreiung aus Knechtesjoch gewährleistete. Zu den Worten jm dd1? inj?i iDffa erzählt uns der Midrasch: Zur Zeit, als Gott dem Moses be- Ml; m MslMlMIM p MvHMr Mlllh AilW zu ibm: Herr ver Weil, wie kann ich solches nm? Weißt du nicht, daß das Lamm die Gottheit der Aegypter ist? denn es heißt (II. B. 8. 22): Siehe, sollten wir, was der Aegypter verehrt, vor ihren Auaen opfern, ohne daß sie uns steinigen?" Da antwortete ihm Gott: . Bei deinem Leben! Nicht eher zieht Jisroel von hier, bis sie die Götter der Aegypter vor ihren Augen geschlachtet haben, damit ich ihnen kund tue, daß die Götzen der Heiden nichtig sind." Der große Sabbat wird jener Tag genannt, an dem jene befreiende Tot geschah, an dem sich die Kinder Israel von den Götzen der Zeit losristen und sie als Opfer bestimmten für den Dienst Gottes. Und diese Tat war es, die ihnen die rbim herbeiführte. Als Jcilkob nach Aegypten kam. da war es eine kleine Familie, aber ein jeglicher kam im imi w’K mit seinem Hause, seinem innigen und reinen Wunder, irro nK» daß durch die Jahrhunderte des Druckes und der Schmack in der Knechtschaft, inmitten eines entarteten Landes sich dieses Familienleben in seiner ganzen Innigkeit und Reinheit erhielt. Frisch und lebendig pulsierte das jüdische Bewußtsein durch die Adern des ncugewordenen Volkes, "as sich leuchtend uns der ägyptischen Finsternis hervorhob gleich dem Sicherst» eif am nächtlichen Himmel, zu dem es als seinem Vorbild emporblickte. So erlebte Jisroel durch die Tat sein erstes Fest, das Fest unserer Freiheit und in der Folge auch die weiteren als die lebendigen Zeugen des wirkenden Gotteshauches in der Geschichte und so setern wir die späten Enkel, seit Jahrtausenden in historischem Erleben diese Tage mit gleicher Innigkeit im stillen Frieden unseres häuslichen Glückes. Dieses jüdische Haus bildete ein Bollwerk gegen die Stürme von wnö jo roäctjtig «uctj 2ttnatelisgetjt «nj lobtr, umso stärkst reami dafür die Pfeiler, auf denen die jüdischen Heilig ümer inbien. Don den Weisen zu Bne B'rack, die in die Erzählung vom Auszüge aus Aegypien so vertieft waren, daß sie den dämmernden Morgen nicht bemerkten, erzählt uns eine hübiche Auslegung, daß jene sich unter dem Druck der römischen Verfolgungen in ein finstcres Kellergewölbe zurückgezogen hatten und daher die Strahlen des kommenden Morgens nicht bemerken konnten. Dieses Bild des lebendrn. allen feindlichen Mächtcn trotzenden Judentums ist dasselbe geblieben von jenen ersten Römeroerfolgungen bis in die finsteren Zeiten des Mittelalters und in die schmachvollen Tage der spanischen Jnguisiiion. Den Juden mochte man schlagen, drücken, verbrennen, sein häusliches Glück konnte man ihm nicht rauben. Wer zu behaupten wagte, das Judentum fei erstarrt, in dürren Formen eingeschrumpst, der werfe doch einen Blick aus die jüdische Festestafel, von der wie einst in die dunkle Nacht dir aus Gmtes Lob nach allen Himmelsrichtungen erklingt, wie es delloufjubelnd sich emporjchwingt, frei von materielle» Nesteln, losgelöst von allem, was Menschen an die Erde fesselt. (Schluß folgt).