Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1926)
- Date
- 1926-03-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«67. Jahrgang. ^rankfur AI., den 18. März 1926 3 Nissan 5686 Nr. 12 Öfijj Ein Centratorgan tfflr das orthodoxe Judentum V fff nnn fD? Oöhmmrn In *77Trrfna II 1 * M Begründet von Dr. Lehmann tn Mainz. Abonnement ab Januar 1884; Deutschland 1 Gowmarl munalttch; Ausland: Btertrl» jahrpretse (entsprechend de« deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streif band-Der» sandes) Deutsch-Österreich: Schillings.-; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 16 Fr.; Belgien 15 Fr.; Holland 8 fl.Italien 8V Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.60 Ltt.; Rumänien 800 Lei; Pole« 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 gloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowaket 86 Kronen; Ungarn 50000Kronen; Dänemark 8 Kronen; Norwegen 6 Krone«; Schweden 8.6V Kronen. Einzelnummer dreißig Noldvfennige Der Isrcu lit erscheint seven Donnerstag. Jii ecütr 10 Eolvpf. für die st Mengest altene Nonpareille zjeile. Abonnenten zahlen bei Su ll rngesuchen und Famtlienauzeigen nur 80 Pf. Dte^ mm breite Reklamezrtle: letzte Te»;s -itc 1.80 Mk., vorletzte itxrfette 8.— Mk.; Thiffregebühr tn Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufttägen tarifm. Preiserhöhung jeder». Vorbehalt. Jnferatenannahme durch dev Verlag des Israelit D. m. b. S., Franks, a. M.. Gr. Eschenheimer Tttaße B. Tel. Hansa 8848 sow. durch sämtl. Annoncen-E»ved. des In- und Auslands Alleinige Insei atenann. für Franks. Gek-däftsan,eigen: I«l. Schmidt, Langestraße 7, N. Platzvorschriften oone Berbindlichke '. »zaytungeu v»ret' an den Verla», auf Poftichetttonto Fi - akfurr (Maini Nr ltt««. — Auherde«-- an. " »tjparlasse Wien Sir. 78««5 - 4<"ifpartafsenamt Budapest Nr. 184itt Postscheckkonto Warschau Nr1l0787. — Postscheckamt Zürich Nr. VM7B4 — I-k^ssn-Bank Rotterdam — Posts<beckami Am ^erdam Nr. 3<^89 — N6i>mts'h> Uni'nban^-vraa - R»n«a Marmaro«^h Blo^v & Co. in Bukarest — Filiale des Wiener Bankverein« in Agram - Der Gerichtsstand für alle aus Abonneme,ts oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpstichtungen ist Frankfurt a. M. Die Berufsaussichten des jüdischen Volksschullehrers. Zu dem Aufsatze, der in Nr. 9 unseres Blattes -unter obiger Ueberschrift erschienen ist, geht uns von einem bekannten jüdischen Schulmann in Bayern eine Erwiderung zu, die inzwischen auch in anderen jüdischen Zeitungen zur Veröffentlichung gelangte. Mit Rücksicht auf die Bedeutsamkeit der zur Diskussion stehenden Fragen für die Berufswahl unserer Jugend und die Zukunft der jüdischen Schule lassen wir hier die sachlichen Einwände der bayrischen Entgegnung, zugleich mit den Bemerkungen des Verfassers des ersten Artikels dazu folgen. Im Schreiben aus Bayern heißt es: Seit Jahren bildet die Frage der Gestaltung der jüdischen Lehrerbildung der Zukunft den Gegenstand der Diskussion in der jüdischen Presse. Eine Lösung ist bis jetzt nicht gefunden; sie kann unseres Erachtens auch nicht gefunden werden, weil bas Pi-Mäm, um das gs sich handelt, oon staatlich politischen Haktoren bedingt ist, aus welche die Judenheit keinen Einsluft hat, und weil selbst der vom Staat beschrittene Weg eben nur einen Lösungsversuch für die Lehrerbildung darstellt, von dessen Gelingen die Unternehmer selbst nicht absolut überzeugt sind. Woher kommt das ganze Problem der Neu- , ordnung der Lehrerbildung? Die Volksschullehrerschaft erstrebt seit Jahrzehnten gleiche Ausbildung mit den Lehrern höherer Schulen; auch der Volksschullehrer sollte Vollakademiker sein. Die demokratischen Strömungen der Umsturzzeit griffen diesen Gedanken auf. Die Sonderanstalten für Lehrerbildung wurden geschlossen, ohne daß gleichzeitig der nötige Ersatz geschaffen worden wäre. Der Staat brauchte sich auch gar nicht beeilen. Preußen hat heute noch einen Ueberschuß von zirka 35 000 Junglehrern, die auf Anstellung warten, somit gemäß dem derzeitigen Jahresbedarf eine Sicherung der Stellenbesetzung auf etwa 9 Jahre. Sachsen und Thüringen haben mit der Verlegung der Lehrerbildung an die Universität zuerst begonnen. Wie sieht der praktische Erfolg aus? Gegenüber einem Jahresbedarf von 450 Lehrkräften für die sächsischen Volksschulen weisen die pädagogischen Akademien in Leipzig und MreSdentzeinen Jahreszugang. von: nur insgesamt SO Lehrerstudenten auf. Der preußische Unterrichtsminister Becker hat unlängst im Preußischen Landtag sich dahin geäußert, daß der sächsische Typ der Lehrerbildung einem Fiasko gleichkomme. Wird der preußische Versuch in der Neuordnung der Lehrerbildung, welcher an Stelle der Hochschule .die pädagogische Akademie setzt, besser gelingen? Jedenfalls spricht es nicht von großer Zuversicht, wenn das Hessische Unterrichtsministerium für seine pädagogischen Akademien durch Inserate in einer Reihe von bayrischen Lokalblättern um Schüler wirbt. Es handelt sich bei der Errichtung der pädagogischen Akademie erst um einen Versuch, dessen problematischer Charakter von der preußischen Unterrichtsbehörde genügend betont, der jedoch von der weiteren Oeffentlichkeit — insbesondere von der jüdischen — nicht in dieser Weise erkannt und entsprechend beachtet wird. In der Denkschrift des Preußischen Unterrichtsministeriums heißt es (Seite 6): „Es kommt somit zur Zeit der Neuordnung der Volksschullehrerbildung nicht so sehr darauf an, Fertiges, als vielmehr Entwicklungsfähiges zu schaffeil. Sie UMkMHlSvkpK'NlUMg beabsichtigt deshalb, vürsest nur drei Versuchsanstalten eingu- ' richten, die erproben sollen, inwieweit die in der vorliegenden Denkschrift enthaltenen Richtlinien für eine Neuordnung der Lehrerbildung praktisch durchzuführen sind." Der preußische Staat mit seinen 35 000 überschüssigen Anwärtern kann Experimente machen und abwarten; die Judenheit Deutschlands, welche heute unter einem außerordentlichen Lehrermangel leidet, kann und darf das nicht. Schon für die jüdischen Volksschulen ist es heute schwer, geeignete Bewerber zu finden; von Religionslehrerstellen sind hunderte verwaist. Kann da jemand ernstlich der Meinung sein, daß aus den Kreisen der Gymnasialabsolventen ein quantitativ und qualitativ genügender Zugang von jüdischen Kräften zur pädagogischen Akademie zu erwarten ist? Insbesondere, nachdem feststeht, daß auch der Volksschullehrer akademischer Vorbildung in der Besoldung hinter dem Vollakademiker weit zurücksteht. Die jüdischen Körperschaften Preußens haben allen Anlaß, der Frage des Lehrernachwuchses die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Sie werden, wie die Dinge in Preußen heute liegen, vielleicht in wenigen Jahren gezwungen sein, bei der Preußischen Unterrichtsyerwaltung um die Zulassung nicht akademisch vorgebildeter Lehrkräfte, soweit sie in bezug auf die allgemeine und pädagogische Ausbildung den früheren Seminarikern gleichstehen, nachzuslrchen. Bei Berücksichtigung dieser Zusammenhänge erscheint die in dem eingangs erwähnten Aufsatz von Rr. 9 des „Israelit" enthaltene, an Richtbayern gerichtete, Warnung vor dem Besuche bayerischer Lehrerbildungsanstalten alten Stils in einem sehr eigenartigen Lichte. Sie ist um so weniger gerechtfertigt, da auch in Bayern eine Neuordnung der Lehrerbildung in Sicht ist. Allerdings will Bayern im Gegensatz zu Preußen die Sonderanstalten alten Stils nicht abbauen, sondern sie erhalten und organisch so ausbauen, daß ein dem preußischen gleichwertiger Bildungsgang verbürgt ist. Einzelne organisatorische Verordnungen in dieser Hinsicht sind für den Beginn des neuen Schuljahres bereits verfügt. Diese organische Weiterentwicklung bildet für die allgemeine Lehrerbildung, sicherlich die Grundlage gegenseitiger Anerkennung und damit auch für die jüdischen Lehrer.' Mit ziemlicher Sicherheit ist zu erwarten, daß dis Verlegung der gesamten jüdischen Lehrerbildung — bL her 93und üßv MelU gionslehrer — auf die Akademie für bis jüllssche Schulwelt ein großes Vakuum schaffen wird. Infolgedessen ist der Strom auch nichtbayrischer Volksschulabsolventen zur bayrischen Präparandie und der Zugang nichtbayrischer Schüler mit Reife für Obersekunda an das bayrische Seminar in den letzten Jahren ein sehr starker. Bei -dem notorischen Mangel an jüdischen Religionslehrern war dieser verstärkte Zugang zu den bayrischen Bildungsstätten auf alle Fälle höchst begrüßenswert, ganz besonders auch für die preußische Judenheit. Die geplante organisatorische Weiterentwicklung in Bayern, welche für die besonderen Belange der jüdisch-wissenschaftlichen und kantoralen Ausbildung der jüdischen Lehrer den weitesten Spielraum läßt, wird jedenfalls die oben'zitierte Warnung auch für den Volksschullehrer illusorisch machen. Erscheint somit diese Warnung selbst für den Volksschullehrer unnötig und zwecklos, so kann sie in ihrer Wirkung auf die Ausbildung von Religionslehrern für die deutsche Judenheit zu einer Gefahr werden. Verwunderlich ist nur, daß man in jüdischen Lehrerkreisen Preußens ernstlich der Meinung sein kann, Bayern würde in bezug, auf die Lehrerbildung rückständig bleiben gegenüber Preußen. Eine vorsichtige, aber planmäßig und organisch begründete Weiterführung einer hundertjährigen 1