Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1926)
- Date
- 1926-03-04
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 3 De r Israelit eni||>re(^enb weiter gebaut wirbj ykrrschen, in Wort unD Tchrifl. Gelernt wird in den beiden Aufnahmeklassen (Knaben und Mädchen) nach Druckblättern, die sich der Klassenlehrer zusammengestellt hat. Druckblatt, Tafel und Stäbchen wirken zusammen. Und über allem steht das lebendige Wort des Lehrers, der Geist der Schule. Wenn die Junten ein Jahr später, mit vollendetem siebentem Jahre, zu Chumisch übergehen, so bringen sie fux die heilige Materie, bereits den goldenen Schlüssel mit, einen MAN Schatz von »Ftlmntmlsm unv vor allem enge Vertrautheit mit dem Geist und der Seele der Sprache. Wenn ich auf meinem Redaktionstische die vielen Konzepte mir ansehe, in denen zu neunzig Prozent „Tefillin" mit v und dafür „Talis" mit n geschrieben steht, „Sechus" konsequent mit v am Schluß, „Sukkah" mit T am Anfang, zum Ausgleich aber „Mesufoh" mit zwei v (es kommt diese Orthographie leider auch aus Kreisen, die nicht zu den Unwissenden gehören), so kann ich nicht umhin, in diesen Versuchen eine neue Hoffnung zu erbltcfett, urtb ich kann ni«k)t urnl)in, es hier, sicherlich gegen den Willen der Schule, die sich erst am Anfänge weiß, es aller Welt zu verkünden. Sch—tz. Samson Raphael Hirsch und die Israelitische Religionsgesellschaft. Vor, 3r. Jttenbel V-si- (Forlsetzung.)'' Nicht daher jene in sich selbst zerfallenden anonymen schülerhaften Ergießungen zu entkräften, sondern diesen Totenschein unseres jüdischen Heiligtums nicht durch Schweigen zu bestätigen, ist Zweck dieser entgegnenden Worte. Soziale Bildung? Soziales Wissen und Leben? Die Erleuchtung des Geistes, daß er die Verhältnisse und Beziehungen des allgemeinen so zialen Lebens in ihren auf dem Boden der Natur und Geschichte erwachsenen Entwicklungen der Vergangenheit u<d Gestaltungen der Gegenwart Miss M 1[[|I1 WW ZU IDMpn DBF' stehe, — die Veredlung des Herzens, daß es warm für alles Warme, Edle und Große in weitem, humanen Kreise schlage, und mit freudiger Hingebung überall bereit sei, wo nur immer es gelte, menschliches Elend zu mildren, menschliches Heil zu mehren, — die Entwicklung endlich aller An lagen und Kräfte, daß auch mit dem Willen die Fähigkeit sich eine, für das allgemeine menschliche und bürgerliche Heil segensreich tätig zu fein: das haben wir einfältige, rabbinische Juden in unserer WW kl; j$ B dm ÄWäm Stempel wahrhafter sozialer Bildung gehalten, und waren so einfältig zu glauben, daß diese Erleuchtung des Geistes, diese Veredlung des Herzens, diese Ertüchtigung der Kräfte, diese echte soziale Bildung sehr wohl mit der treuen, unverbrüchlichen Anhänglichkeit an den väterlichen Glauben bestehe, ja, in diesem Glauben und aus ihm erst ihre rechte Wurzel und Nahrung ziehe; waren so einfältig zu glauben, daß der Erleuchtung des Geistes, der Veredlung des, Herzens wenig Vorschub damit geschehe, mit der einen DM Dor 3iiaonD M Mül lllü (MW IßFpu reichen und mti der anderen den §tal> des Leichtsinnes darzubieten, mit vermessenem Leichtsinn sich über Gottes Wort hinwegzusetzen und seine heiligen Gebote und Gesetze sich nach den Bedürfnissen der Modelnd der Bequemlichkeit wegzudeuteln: waren so einfältig zu glauben, daß gerade die vom rabbinischen Judentum gepflegte Durchgeistigung und Verklärung des ganzen menschlichen Lebens, die von demselben rabbinischen Judentum gepflegte und anerzogene gewis- Mhgsts. auf MMi bzzirtzrndr WiMiZnuZ rlW kleinsten und größten Lebensmomente zugleich die sicherste Garantie für die allgemeinste soziale Erkenntnis und Gewissenhaftigkeit biete, also, daß der wahrhaft gebildete rabbinische Jude zugleich der wahrhaft tüchtigste Bürger werden müsse. Alles dies haben wir in unserer rabbinischen Einfalt geglaubt und haben daher, um unsere Jugend der sittlich-religiösen Verwahrlosung zu entreißen, «Nb sik finfF mit 8lyr sllgllller LiwllNg gemamil NMgwsiMi 311 Mwapm, siys Untefkichisanstalt ins Leben gerufen, welcher der erste rabbinische Grundsatz als Wahlspruch zum leitenden Prinzips dient: ohne Religion keine soziale Bildung, ohne soziale Bildung keine Religion. Zu spät leider — unsere Anstalt ist bereits eröffnet, und eine für den Anfang nicht geringe Zahl jüdischer Eltern hat ihr bereits ihre Kinder anvertraut — leider zu spät belehrt uns jetzt der Anonymus eines Anderen, zeigt uns zu spät, daß mir in MbiniM Cinsrlt ßäNg falschen Begriff von sozialer Bildung gehabt.» Sozial gebildet — meint der Anonymus - fei nur, wer den Sabbat keck entweihe, an Feiertagen sich körperlich anstrengende Tätigkeit nicht versage, von Gewerbe und Geschäftsleben an Festtagen sich mindestens unterhalte. Der sozial Gebildete — meint der Anonymus — müsse, wie er, so unwissend in der Bibel sein, daß er die Entfernung des Gesäuerten am Oster feste, das» Verbot, Würmer, Blut, Unfchlitt, gefallene und tödlich verletzte Tiere, zu essen, für rabbinische: Slrtorbrmrcg bwyj^ AlffFlh daß dies für denjenigen Juden ausdrückliche Gottesworte sind, dem überhaupt die Bibel als Gotteswort gilt. Wer im Sommer nicht Milben ißt, — meint der Anonymus, — wer gefallene und kranke Tiere nicht genießt, — wer den Genuß des Blutes und des Unschlitts meidet, — wer gar s 0 r 0 h \lh lttll DemEssklimm MM zuMsHMMir bei dem Essen die Berührung der verhüllten Teile des Körpers zu vermeiden. — der — meint der Anonymus — könne unmöglich zu den sozial Ge bildeten gezählt werden! Wir können nicht helfen. Der Anonymus muß sich beruhigen. Der Anonymus hat Jugendträume. Die Zeit kehrt nicht wieder, wo der Ruf der Bildung im jüdischen Kreise so leichten Kaufs und wohlfeil war, wo religiöse Unkenntnis, wo freche Verspottung des eigenen väterlichen Glaubens und väterlicher Sitte, wo die Zigarre am Sabbat und ungeniertes Gasthof- und Tafsl- JMim B<$ Jefcjjajle Stempel Ber Sitzung war. Die Zeit ist unwiderbringlich dahin. Das können und üben heutzutage die Ungebildetsten schon. Einen anderen Ernst, eine andere Geistes- und Herzensbildung gilt es in unfer.er Jugend wachzurufen, sie zu begeistern gilt es für ihr jüdisches ewiges Gotteserbteil, mit dem Lichte des Gottesgeistes, mit der Klarheit ihrer Väter-Weisheit ihr Auge zu erleuchten, mit der Glut des Gotteswortes, an dem Lebensmuster ihrer Ahnen ihr Herz zu srwartttsu. aus daß srs mtt gottf(bauen* > l Io I 5 ■ dem und mensHheilsliebendem Sinne Gott und Welt und Menschheit, und in der Menschheit die Gottesfendung ihres Stammesberufes und im Stamme ihren eigenen begreifen, achten und lieben, mit freudigster Hingebung alle, alle ihre Pflichten als Mensch und Jude und Bürger üben, und für diese Uebung sich rüsten lernen mit aller Weisheit der Gotteslehre und aller Kenntnis des klar bewußten Menschengeistes. Und wenn sie dann die ganze Fülle des jüdischen Berufes, für alles Edle und Gute, für alles Menschliche und Göttliche, mit ‘aller Gehergte bes ÖGijM und MMUI Uilii^en Ueilert, lann Mb man ste achten, nicht obgleich, sondern weil sie Juden sind, wird sie als die treuen,' wackeren, brüderlich gesinnten Menschenbrüder und Staatsglieder achten, und wenn sie auch nicht — im Sommer Milben essen, und wenn sie auch nicht Blut und Unschlitt zehren, und wenn sie auch an Sabbat und Festtagen die Gottesfeier durch das Opfer des Gewerbes betätigen und aM Versöhnungstage die Versöhnung. mit Gott ' und Menschen feiern. Festlich, roer so, rote' ber Qtrtbrrnrrivts, aitfterr ft l '!! / f: •••‘0" c Iubemum stM und mit solch' enlsremveiem Sinne das Judentum anschaut, dem ist ,eben das Judentum, und nicht das, rabbinische nur, dem ist das Judentum überhaupt ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch.. Er sieht Zeichen, über er kennt nicht ihre Deutung, und kennt nicht und begreift nicht die Befeligung,, mit der sie durchdringen. . . . - (Fortsetzung folgt.) . 4. März 1926 Aüs Gemeinde-- u Veremskeben. (Die Gedenkfeier für die Gefallenen in der Synagoge.) Ernst und einfach, wie. es dem Anlaß entspricht, wuchs die Gedenkfeier für d ie Gefallenen organisch aus dem Gottesdienste heraus und verfehlte ihren Eindruck nicht. Dor dem Einheben der Thorarollen sang der Herr Oberkantor das rnV ona». Der Synagogenchor brachte dann in ergreifendster Weise das m •wiw zu Gehör. Dazwischen wurde die ungemein lange Namensliste der Gefallenen unserer Synagogengemeinde ver? lesen, woran sich Einbeben und Mussaf-Gebst in gs- WMll MM aüMleit. , (Generalversammlung.) Die ordentliche Gemeindeversammlung der Synagogengememde Israelitische Pelrgionsgesellschaft. findet Sonntag, den 21. März 1926, nachmittags 3.30, Uhr in der Aula der Realschule, Am Tiergarten 3, statt. Auf der Tagesordnung steht: Rechenschafts- und Revisionsbericht. Im Anschluß'an die Gemeindeversammlung finden Ergänzungswählen statt'. Aus dem Vorstands scheiden turnusmäßig die Herren Naftali Schwabacher und Jsaac Wolfs aus, aus dem Gemeinderat Herr Leopold Schwab. Ferner sind Ersatzwahlen vorzunehmen: Für Herrn Adolf Stern' s. A. als Vorstandsmitglied und für Herrn Simon Bock s. A. als Gemeinderatsmitglred. (Käschern.) Das Käschern findet in diesem Iahre am MWM mi m MMMag, A. Mvz in der Rsalschnle, Am iTi^garten 6 (Umgang nur durch den Hof) statt. Um den im vorigen Jahre herrschenden Andrang zu mildern, eine raschere Abfertigung zu ermöglichen und um die vorgekommenen Mißstände zu beseitigen, werden Karten mit Nummern ausgegeben. Die Karten zu Mk. 1— sind rechtzeitig vorher aus der Kanzlet zu lösen. Es werden bedient: die, Nummern 1—100 am Mittwoch, 24. Ätärz von 9—12.30 Uhr, 101-200 am 24. SJtärs i»*m 2.30—5.30 llfir,. 004 »»•> ,, (| . ..... «ISO 4Hjo|! 251—soo am Donnerstag, 25. Mürz von 9—12.30 Uhr 300 und folgende, Donnerstag, 25. März von 3.30—5.30 Uhr. Anspruch aus, Bedienung besteht nur innerhalb der durch die Nummer vorgesehenen Zeit' und ttr der Reihenfolge der zum Käschern' Erscheinenden. Die rabbinatlichen Vorschriften, für das' Käschern lauten: Sämtliche Gefäße müssen vollkommen rein unib 24 Stunden außer Gebrauch gewesen sein. Die zu kaschernden Gegenstände dürfen nur ganz locker gebunden sein, so daß das Wasser an alle Teile der Gefäße kommen kann. Gesäße, die enge Mündungen, Risse oder ausgebesserke Stellen haben, dürfen nicht gekaschert werden. Ebenso können siebartige Geräte (Seihgefäße), Reibeisen und dergleichen nicht gekaschert werden. Emaillierte Gesäße dürfen weder gekaschert noch geglüht werden. Tir M mm M mm Denn MM. müssen geglüht werden. (Kafchruswesen.) -Die Kaschrue-Kommission der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft versendet ein Rundschreiben, in dem unter Bekanntgabe der unter Aussicht stehenden Betriebe noch u. a. darauf aufmerksam gemacht wird, daß durch die neuzeitliche Entwicklung der Industrie manches Nahrungsmittel in einem jüdischen Hause heute nicht mehr zum Genüsse erlaubt ist, das früher ohne, Bedenken verwendet werden durfte. Besonders sei z. B. auf die Fisch-Pasten, Pflanzenfette, Cakes und Schokoladen aufmerksam gemacht, die ganz besonderer,/ gewissenhafter Beaufsichtigung bedürst"-. beTX "Tr" ÄSafli MMWM Geschaflcn dürfen nur. Me von unserem Nabbinüte zum Verkauf zugelassenen Waren geführt werden. Bei allem Geflügel, das von anderen Händlern verkauft wird, welche von unseren Schochtim schlachten lassen, muß gewissenhaft aus das Schächtstegel geachtet werden. Dieses muß außer der genauen Bezeichnung unseres Gemeinde- Namens den Schächttag erkennen lassen, da nur solches Fleisch zum Genüsse erlaubt ist, welches innerhalb der ersten drei Tage nach der Schlachtung eingewässert wurde. — Geflügelteile von diesen Händlern stehen nicht unter unserer Aufsicht. Das Geflügelschlachthaus unserer Gemeinde befindet sich jetzt Einhorngasse 3. Die Schächtzeiten werden durch Anschlag in der Synagoge und im Schächtlokal bekannt gemacht. arg^a^fcr m T, mi Bcrt{|§ Mß geeilt, Bea&mrjngt m AguvllZ IisroklsIllgöUvZiUWö am Sonntag den 7, März, abends 7.45 Uhr im Festsaale der Herderschule, Wittelsbacher Allee 10, eine Purim- F e r e r zu veranstalten, zu der insbesondere alle Freunde und Gönner der Jügendgruppe hiermit nochmals eingeladen werden sollen. Vom ^Programm darf vorher nichts verraten werden, doch ist in Erfahrung gebracht, daß . ein. bekannter , humvrbegabter Redner zu hören sein wird, daß ein neuzeitliches Purim- Spiel, verfaßt von' einem jungen Schreiber, von jüdischem Humor zeugen wird, auch enie interne Unterhaltung zwischen zwei bekannten! Persönlichkeiten Wird die Bühne . ausplauderrn jüdischs QI£to6a.ien reerbett, nicht klM. unD ein jlUrrWL gespielt. t,t>« etftett Kräften, dsrs, Mä» mit anfehed. Dre leiblichen Genüsse sind auch nicht zu vergessen, auch hieran wird es nicht mangeln, und dieses alles nur gegen Lösung einer' Eintrittskarte, zu dem Preise ..von Mk. 1.— an. Der Kartenverkauf wird bald geschlossen werden, deshalb empfiehlt es sich, sofort in der Konditorei Grünebaum, Hanauerkandstr.. 4 oder im Vereinslokale, Hayauerländlttaße 17, sich -mit den nötigen. Karten zu" versehen. Saalplätze!sind zu Mk. 2.— und,3 — noch zu haben. Wie. lange noch? Bis.,sie au^verkauft sind (aber: dann ist 'eszu spät). . ' "