Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1926)
- Date
- 1926-02-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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WCll* 1 Im 9 manch gutes, wahres Wort gefallen ist, wie das des Herrn Abraham Loeb über die U e b e rtz a n d n a h me der Selbstmorde unter den Juden, an der die innerliche E n t - judung infolge der Liberalisierung der I u d e n h e i t nicht unschuldig ist, oder die Feststellung des Herrn Prof. Dr. Heinrich Löwe über die Notwendigkeitder j. ü d i f ch e n Schulen, diese beachtenswerten Aeüherungen und. Forderungen durch solche' unüberlegte ganz und gar unlogische Synthesen, wie sie Herr Dr. Klee zum besten gab, in ihrem Werte und ihrer Wirkung herabgemindert werden. Die Berufs-Aussichten des jüdischen Volksschullehrers. Vor einigen Wochen war im Briefkasten d. Bl. eine Antwort auf eine Frage zu lesen, ob einem jungen Manne zu raten sei, den B e r u f e i n e s Volksfchullehrers zu' ergreifen. Die Frage ist viel zu wichtig, um nur so nebenbei und mehr gefühlsmäßig als vielmehr nach sorgfältiger Abwägung aller in Betracht zu ziehenden Umstände erledigt zu werden. Denn in weit höherem Maße als um die Beratung einer einzelnen Persönlichkeit, die in den steigenden Nöten der Gegenwart nach einem gesicherten Berufsweg sucht, handelt es sich um eine Angelegenheit von schwerwiegender Bedeutung für die jüdische Gesamtheit. Wenn hier ein mitten im Schul- und Gemeindelebender Stehender versucht, einen Beitrag zur Lösung der Frage zu geben, so geschieht das in der Absicht, damit eine klärende Diskussion einzuleiten, für die die Schriftleitung hoffentlich gerne den Raum zur Verfügung stellt. Zuvor ist zu fragen: Wie sind denn die Aussichten für die Entwicklung der jüdischenVolksschule,wo doch alle Beobachter übereinstimmen, daß das noch vor zwanzig Jahren blühende jüdische Volksschulwesen im Untergehen ist? Das ist leider nur allzurichtig. Angesichts des fortdauernden numerischen Rückgangs der jüdischen Landgemeinden in Kurhessen, Hannover, Bayern — die Provinz Posen war schon vor dem Kriege jür die jüdische Schule als verloren zu betrachten — ist das Verschwinden der jüdischen Landvolksschule nicht chehr aufzuhalten. Aber diesem Verluste steht/schon heute eine erfreuliche Zunahme in den Städten gegenüber. Neben den älteren großen jüdischen Volksschulsystemen, israelitische Volksschule in Frankfurt a. M., städtische Volksschultz in Cöln, hat sich in der letzteren Stadt noch eine ansehnliche Volksschule in Verbindung mit dem Seminar entwickelt, bestehen ferner eine Anzahl Volksschulen in west- „Sich anstrengen und abmühen!" Das ist nicht der wahre Sinn des Wortes! .Diese beiden hebräischen Termins bedeuten irr' der Sprache des Maimonides, der für das arabische nrrr'ii risin ein passendes Aequivalent suchte, stets „körperliche. Hebung" oder besser noch „Gymnastik". So aufgesatzt, lösen sich manche Schwierigkeiten des Tertes von selbst. . Die Grundregel heißt also (IV, 14): „Wenn der Mensch reichlich Gymnastik treibt", . . . auch 16 ibidem: „Wer ruhig sitzt und nicht Gymnastik. treibt". So mutz auch IV, 2 ganz anders verstanden werden., Es heitzt nicht: „Als Regel gilt, man nutze seine Körperhaft vormAtags richtig aus" (das Wort ipaa hat eben deshalb auch Schwierigkeit bereitet), sondern „man treibe gleich früh morgens Gymnastik." Das ist ja gerade der moderne Zug der griechischen Medizin, datz sie bereits die Gymnastik als ein so wertvolles hygienisches Mittel erkannte und gerade das „Ueben" früh morgens nach dem Erwachen ist ein Spezisicum des Maimonides. Deshalb ist überall, wo Jacobsohn „sich abmühen oder sich ' anstrengen" übersetzt, an das hygienisch so«^Nichtige „körperliche Erercitium" gedacht. Der Ernährungshygiene gehört auch der Satz an: „Ber einer Mghlzeit genieste man das Geflügelfleisch vdr dem RintzfleW, 'die . Eier vor dem Geflügelfleisch"(7). Er findet., sich wörtlich in Hämorrh. I. Eine bekannte Verordnung , ist auch das „Geniesten von gedörrten.Wüchten nach' hem Essen", sie werden , als Dessert ausgelragen..In. jeder hygienischen ..Abhandlung des Mmmonides' 'figuriert, mit Nachdruch diese Form des DeMls. .Gogar^ in. Pesachim, Perusch./Mischnaj. X,. S weist. MHmönzdes„"sikD.'. Herr Originaltext) das pi-"sn im ..engeW''., Stütze 'f&JI&v rhch geläufigen arabischen Medizin zu deÄenr^p» ';fir»p9, Wfißtf mrsn' kj,t eine Zusammenstellung^ wie sje. sich fast ganz genau sq _D X Ä 8 t flg I t: fälischen Städten (der religiöse Charakter der Schulen soll hier außer Betracht bleiben). In Nürnberg und München sind zwei größere jüdische Volksschulen ln guter Entwicklung. Die alten Schulen in Hamburg (Talmud-Thora- und Mädchenschule) wie auch die neuentstandenen in Berlin, Leipzig, Breslau werden unter dem Zwange des Reichs-Grundschulgesetzes ihre Volksschulklassen in vollauszubauende Volksschulen um-, wandeln müssen. Denn einerlei, was an diesem Gesetze im einzelnen noch geändert werden mag, die Vorschule als solche kommt sobald nicht wieder; die Grundschule wird vielmehr als wesentlicher Bestandteil einer Volksschule erhalten bleiben. Darum eben muß der Selbsterhaltungstrieb alle diese Anstalten zur engeren Verbindung mit zugehörigen Volksschulen zwingen. Freilich, den Abgang in den Landgemeinden wird dieser Stellenzugang in den Städten nicht ersetzen. Wohl aber ist zu erwarten, daß das vielumstrittene Reichss ch u l g e s e tz einer erheblichen Zunahme der jüdischen Volksschulen den Weg bereiten wird. Und dieses Gesetz wird kommen. Schon einmal, unter der Regierung Wirth, war eine Einigung zwischen den damaligen Mehrheitsparteien erzielt, als durch die Ermordung Rathenaus die Weimarer Koalition erschüttert, und, seit der Kanzlerschaft Cuno, eine andere Kräfteverteilung eingeleitet wurde. Auf eine für die Bekenntnisschule noch günstigere Fassung des Reichsschulgesetzes hatte sich eine große Mehrheit schon zusammengefunden: das Gesetz wäre wahrscheinlich schon unter Dach, wenn nicht nach Locarno die erste Regierung Luther von den deutschnationalen Mählermassen entgegen den Absichten der weiterblickenden Führer gestürzt worden wäre. Die zweite Regierung Luther von den deutschnationalen Wegen wandeln wie die erste; die treibenden Kräfte sind dieselben geblieben, wenn auch dem äußeren Anschein nach das Gesicht der Regierung geändert ist. Die Mehrzahl der Zeitgenossen entwirft sich ein ganz falsches Bild von den derzeit im Staatsleben einflußübenden. und ausschlaggebenden Mächten. So ziemlich alle politischen Parteien sind in weit höherem Matze wirtschastlich beeinflußt und von bestimmten Wrtschastskreisen abhängig, als der durchschnittliche Zeitungsleser und Reichstagswähler ahnt. Ueber die gesamte politische Einstellung der z. Zt. mächtigen „Wirtschaft" besteht kein Zweifel, und man versteht auch ohne weiteres, daß die Wirtschaftsmächte, wenn auch nicht für den eigenen Hausgebrauch, so doch kulturpolitisch eng verwachsen sind mit den in der evangelischen Kirche führenden Kreisen. Die Verhandlungen der vor einigen Monaten stattgehabten evangelischen Generalrm Kap. I der Gesundheitsanleitung findet. Eine recht interessante und markante Synthese talmudischer und griechischer Weisheit bei Maimonides! Auch die frischen Früchte . werden nach, arabischer Medizin nach Tisch eingenommen! Deshalb hat Jacobsohn nicht recht, wenn er (6) übersetzt: „Dinge aber, wie. Granatäpfel . . . kann man direkt vor der Mahlzeit essen", sondern „nach der Mahlzeit", gerade im Gegensatz zur vorausgehenden Verordnung! spn kann auch nur „direkt nach der Mahlzeit" bedeuten. Die meisten der rein hygienischen Grundsätze des Maimonides sind eben, wenn auch oft mit Stellen aus Bibel und Talmud gestützt, — was eben ein charakteristischer Zug seiner Vereinigung von Wissen und Glaube — der medizinischen Weisheit seiner Zeit entlehnt, und es ist nicht zu verwundern, daß solche Grundsätze in der jüdischen Literatur keine Grundlage finden, wohl aber in den Quellen, die er mehrfach selbst angibt, bei „den Aerzten" und in dem nirrionivv'womit aber nicht, wie Jacobsohn meint, das kleine -Sefer Refuot, herausgegeben von Grotzberg, gemeint sein mutz, sondern viel eher das mtraan Jiwnan, unter dem Grotzberg selbst (11) das hier, zitierte Sefer Refuot verstehen möchte. — Diese meine Ausführungen sind durchaus nicht der Absicht entsprungen,, an der so schönen und dankenswertem Arbeit Jacobsohns Kritik, zu üben, sondern nur der, die hygienischen Leitsätze des Maimonides aus seinem /Zeitgeiste heraus verstehen zu wollen.- Familiennachrichken. Gold eye Hochzeit: Herr Solomon Deermann und dessen < Ehefrau Ernsilne. Hannover, Gerberstraße 24, begehen nm- .mar^v imv ihre'Goldene Hochzeit. V'W. ' s- :• " — 25 ssebruar 1926 synode, der ersten unter dem neuen Regime/ be-- weisen/ daß die heutige vom Staat (scheinbar!> losgelöste Kirche eine weit größere und selbständigere Machtstellung einnimmt als in der Zeit^ wo z. B. in Preußen der König als summus episcobus im Widerstreit zwischen kirchlichen und staatlichen Ansprüchen auf die letzteren; weitgehende Rücksicht nehmen mußte. Andererseits läßt die Tatsache, daß ohne das Zentrum.im Reiche und Preußen keine Parlamentsmehrheik gebildet werden kann, erraten, wie sich der Einfluß der katholischen Kirche auswirkt. Nichts istbezeichnender für die schulpolitische Lage, als die- Stellung des derzeitigen preußischen Kultusministers zu diesen Fragen. Herrn Dr. Becker rechnet man der demokratischen Partei zu; und trotzdem hat er bei den letzten Kultusetatdebatten im preußischen Landtag immer wieder den Gedanken vertreten, Ruhe und Frieden in der Schul-. Politik wie in der Schularbeit sei nun von einerweitgehenden Berücksichtigung der Bekenntnisschule und von einer bekenntnismäßig fundiertem Lehrerbildung zu erhoffen. Diesen Grundsätzen entspricht seine Geschäftsführung, zum großen Mißvergnügen der Linksparteien. Und endlich: erst vor einigen Wochen, am 22. Januar, hat ber Reichstag mit großer Mehrheit die Reichsregierung äufgefordert, dem Reichstag alsbald den Entwurf eines Gesetzes zur Ausführung von Artikel 146, Abf. 2 der Reichsverfassung vorzulegen, das dem Willen der christlichen Elternschaft Rechnung tragt. Was das kommende Gesetz bringen wird, isst nicht schwer zu erraten: die vollständige Konfessionalisierung der Volks schul e. Schon heute ist die Bekenntnisschule in einem großen Teile Deutschlands rechtens (Preußen mist Ausnahme von Nassau und einigen Städten^ Bayern, Württemberg, Oldenburg, Mecklenburgs die meisten Kleinstaaten). Die Bekenntnisschule des Reichsschulgesetzes wird aber begrifflich etwasganz anderes fein als die heute so genannte Schule. In Preußen ist beispielsweise das einzige. Kennzeichen der Konfefstonalität einer Schule nach dem feit 1906 geltenden Recht die — wenn auch noch so lau, oft nur lediglich im Kirchensteuerzahlen sich dokumentierende — Bekenntnis» Zugehörigkeit der Lehrer. Alle bisherigen Schulgesetz entwürfe fordern hingegen als wesentliches- Charakteristikum der Bekenntnisschule Unterricht und Erziehung im Geiste des Bekenntnisses. Daß diese Forderung auch praktisch wirksam wird^ dafür werden die beteiligten Erziehungsberech^ tigten und die hinter ihnen stehenden kirchlichen Kreise sorgen, denen die Revolutionsgesetzgebungin der Gestalt der von ihnen meist heute schon beherrschten Elternbeiräte ein noch recht ausbildungsfähiges Instrument in die Hand gegeben hat. Diese neue Bekenntnisschule wird. ohne Zweifel recht bald ihren Einzug in die Städte den bisherigen Simultanschulländer (Baden, Hessen, Sachsen, Nassau) halten, wie auch umgekehrt in den anderen Ländern Simultan- und weltliche Schulen ins Leben treten werden. Hinsichtlich der ersteren wird das Gesetz deren ausschließlich christlichen Charakter betonen. Und es ist ganz gut, daß die längst auch tatsächlich bestehende Rechtslage gesetzlich festgelegt wird. Dann können sichgewisse jüdische Elternkreise schwerlich mehr: ein X für ein U vormachen, wenn ihnen auch den Wortlaut, des Gesetzes bestätigt, daß in der Simultanschule lediglich das die einzelnen christlichen Bekenntnisse Trennende zu Gunsten des Gemein- Wochenkalender. vom 27. Februar bis 6. März 1888. vom 18.—2^. Adar 5888 Samstag Feb. 27 .rmtti 13 *WK -nit rrena. Som-tag 28 14 Montag :8 1 15 Dienstag U 2 16 Mittwoch 3 17 Donnerstag 4 18 Freitag 5 19 Samstag.; 6 ••{ns"«nb- ..v .. v'i'ispL's a'rns' " ' -v