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Der Israelit · 1926-02-25 · Heft 9 (25.2.1926) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 9 (25.2.1926)
Date
1926-02-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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25. Februar 1926 ..; Der Israelit •_Nr. 9 Seite 5 famen zu^rücktritt. Was sie jetzt schon von Zeit zu Zeit in einer der nicht gerade seltenen Redest des politisch links stehenden ehemaligen badischen Staatspräsidenten Hellpach lesen können. Der schönen Verfassungsvorschrist, daß bei allen unterrichtlichen und erziehlichen Maßnahmen barem: Bedacht zu nehmen sei, die Empfindungen Andersdenkender nicht zu verletzen, kommt doch nur die Bedeutung einer schönen Geste zu. Für uns bedeutet das: Wahrhaft jüdischer Erziehung wird der Besuch einer christlichen Simultanschule ebensowenig förderlich sein wie der einer streng bekenntnismäßig eingerichteten. Bon den Möglichkeiten positiv religiösen Lebens in der jüdischen Volksschule ganz abgesehen. Gar die weltliche Schule ist als die Volksschule der politisch ganz radikal links eingestellten Erziehungsberechtigten nichts anderes als eine Bekenntnisschule mit negativem Vorzeichen, und dadurch noch weniger geeignet als jede andere Schule. Die jüdische Bourgeoisie wird an ihr auch noch aus anderen Gründen manches auszusetzen finden. Wenn aber, woran nicht zu zweifeln ist, die Entwicklung in dieser Richtung verläuft, so heißt das: In den Mittel- und gar erst Großgemeinden hat die jüdische Volksschule gute Aussichten. Dabei ist zu beachten: Das Antragsrecht liegt nicht in den Händen der oft recht widerstrebenden Gemeindevorstände (siehe die letzten Berichte über! die Berliner Gemeinde) sondern ausschließlich im Willen der Erziehungsberechtigten. Es ist hier nicht der Platz für die Frage, wie es mit dem jüdischen.Charakter dieser, von den Städten zu unterhaltenden Volksschulen bestellt sein wird. Es wird aber dabei sehr viel auf den Willen der Erziehungsberechtigten ankommen und mehr noch auf die Lehrer. An Lehrern aber scheint es zu fehlen. Alle Berufszweige sind überfüllt, nur bei den jüdischen Lehrern macht sich ein Mangel bemerkbar. Wenn die Abgebauten und Flüchtlingslehrer alle versorgt oder — zu alt sind, wird sich noch deutlicher als bisher Herausstellen, daß es an Nachwuchs fehlt. Die meisten jüdischen Seminare sind längst geschlossen. Die Lehrerbildung wird vollständig umgestaltet. Eben in diesen Wochen finden in den staatlichen Seminaren in Preußen die letzten Lehrerprüfungen nach der alten Prüfungsordnung statt. Nur für das jüdische Seminar in Köln ist im nächsten Jahre noch einmal eine Ausnahme gestattet worden. Es ist für Volksschulen ganz bedeutungslos, daß Bayern, also auch die jüdische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, sich von der allgemeinen Neuregelung der Lehrerbildung ausschließt. Die heute schon nicht gerade einfache Verwendung in Bayern geprüfter Lehrer an preußischen Volksschulen ist für alle nach Ostern 1926 unter der alten Prüfungsordnung Ausgebildeten gänzlich ausgeschlossen. In Zukunft erfolgt die Ausbildung der Volksschullehrer in den meisten deutschen Ländern — in einigen steht der Abschluß der Neuregelung noch aus — auf pädagogischen Akademien, zu denen nur Abiturienten einer höheren Lehranstalt Zulassung finden. Cs führt in diesem Zusammenhang zu weit, die Frage zu erörtern, ob und wie jüdische Akademien eingerichtet werden sollen, oder ob die Ausbildung in staatlichen Anstalten vorzuziehen ist. Das hätte in anderem Rahmen zu geschehen. Wobei aber an den verschiedenen grünen Tischen nicht vergessen werden möge, auch die Nächstbeteiligten und wirklich Sachverständigen zu Rate zu ziehen. Denn es ist sehr fraglich, ob sich überhaupt jüdische Abiturienten finden, die Volksschullehrer werden wollen. Es wäre traurig, wenn manche Sünden der Vergangenheit sich nun rächten und der Nachwuchs ausbleibt. Kür die Studienzeit auf den in Preußen demnächst zu eröffnenden Probeakademien (Bonn katholisch, Kiel und Elbing evangelisch, etwas später Frankfurt simultan) sind zwei Jahre vorgesehen. Der jüdische Akademiker wird noch mindestens ein Jahr dem Lernen widmen müssen; ein Hinweis darauf, wie dringend nötig die Einrichtung bis zum Abitur führender jüdischer Vollanstalten ist, die schon während der Schulerjahre dem zukünftigen Lehrer ein möglichst hohes Maß jüdischen Wissens vermitteln können. Rechnen wir also mit drei Jahren, so verlangen die meisten akademischen Berufe 6 bis 7 Jahre bis zur vollständigen Ausbildung; für den zukünftigen Oberlehrer ist hier noch kein „Lern"jahr angesetzt.' Dem entspricht dann, daß die materiellen Aussichten der zukünftigen Lehrer geringer sind. Der Hauptwiderstand gegen die neue Lehrerbildung kommt aus den Finanzministerien; nicht wegen der dem Staate entstehenden Ausbildungskosten — dabei werden sogar Ersparnisse erzielt — sondern wegen der späteren Gehaltsforderungen der nach der neuen Art ausgebildeten Lehrer. Die endgültige Regelung der Gehaltsfrage liegt noch im Dunkeln. Höher als nach Gehaltsgruppe 10 werden die auf den Akademien ausgebildeten Lehrer kaum aufrücken. Möglich, daß für einen Teil — etwa ein Sechstel — eine Veförderungsklasie 11 geschaffen wird; als sicher ist das keinesfalls anzunehmen. Im ganzen werden sie in der Endgruppe wohl^erst die Eingangsgruppe ihrer Kollegen an den höheren Lehranstalten erreichen. Damit dürften die Grundlagen für die Beantwortung der Hauptfrage gewonnen sein und zunächst müssen die Möglichkeiten zur Ausbildung an einer pädagogischen Akademie oder zu einer entsprechenden-vollgleichwertigen Ausbildung geschaffen werden. Dann aber scheinen die Aussichten, zumal mit einem großen Zugang keineswegs zu rechnen ist, nicht schlecht zu sein. Nichtbayern sind aus den angeführten Gründen vor dem Besuch einer bayrischen Lehrerbildungsanstalt alten Stils zu warnen; eine Anstellung als Volksschullehrer ist in ihren Heimatländern ausgeschlossen. Zwingt so die auf allen Gebieten staatlichen Lebens sich nicht immer angenehm auswirkende politische Eigenbrödelei Bayerns zu einer bedauerlichen Differenzierung zwischen gleichstrebenden Verufsgenossen, so läßt sich natürlich, schon während der Ausbildungszeit die Trennung zwischen Volksschul-und Religionslehrern nicht aufhalten. Wobei für die letzteren große Werte zu gewinnen sind, die ihrer Schul- und Gemeindetätigkeit von größtem Nutzen werden könnend Für die Volksschule aber ist zu hoffen, daß trotz der gegenüber den akademischen Berufen geringeren materiellen Aussichten sich wie bisher so auch in Zukunft genügend junge Leute finden, die auch das mitbringen und zu schätzen wissen, was für die vielseitige unterrichtliche, erzieherische und soziale Arbest in der Volksschule unentbehrlich ist und was die alte Lehrergeneration vielfach auszeichnete:' die ideale Lehrergesinnung. St. Von INax Landau (Fortsetzung.) Die Stadt ist durchtränkt von Erinnerungen, sagenumsponnen; der fromme Sinn der Bewohner und eine kontinuierliche Tradition haben die Urzeit sichtbar festzuhalten versucht. Neben der Zitadelle, auf einem Vorsprung des rotiraunen Mokkatamberges, zeigt man Josephs Kerker: in einen Bergfelsen ist ein großes Loch gebohrt, von ansehnlicher Breite, etwa neunzig Meter tief; wirft man einen Stein hinab, so dauert es lange, bis man das Aufschlagen hört. Rings um die Höhlung windet sich ein Serpeninengang, der in die Tiefe führt; in halber Höhe ind fensterartige Löcher, für die Wächter, in die Wände gebrochen: ein schauriges Verließ. Unterhalb der breiten eisernen Gitterbrücke über dem Nil zeigen sie mit unbeirrbarer Bestimmtheit ein niedriges Gebüsch am Ufer: da wurde Moses aus )em Wasser gezogen. In Fostat, dem alten Kairo, teht die älteste Synagoge der Stadt, an einem denkwürdigen Ort:. denn hier hob einst Mosche die Hände gen Himmel'und flehte auf Pharaos Bitte zu Gott, daß er die Wagen hoch wieder abwenden' Möge; eine Tafel über dem Älmemor erzählt davon in großen Lettern, und die Häupter »er Gemeinde Kahira bezeugen es mit ihrer stnerschrift. Dann kam — so will es die Legende haben' — Esrä Hasofer Und erbaute an dieser heiligen Stelle eine Gebetsstätte; daher der Name Esräschül; und seither steht hier, oft zerstört, verbrannt, aber immer wieder neu aufgebaut, ein Gotteshaus. Aber ein noch erhabeneres Schicksal wartet dieses Flecks Erde: einst wird, kurz vor der Erlösung, Elijohu Hanowi hier einkehren und, wie vor Tausenden von Jahren der Urahn, an dieser geweihten Stätte die Hände im Gebet zum Himmel erheben. Dies kann täglich, ja stündlich geschehen; darum ist schon alles für die Ankunft des Propheten bereitet: an der Misrachwand ist, durch Vorhänge abgeteilt, ein besonderer Raum errichtet, darin steht ein Betpult und ein Stuhl, niemand darf sich da hinsetzen: das Elijohu-Hanowi-Stübel. In dieser Schul war der Fundort der berühmten Genisa. Im Thoraschrein sind noch heute Fragmente einer Thorarolle aufbewahrt, die aus der Zeit des zweiten Tempels stammen soll; zerfallendes, vergilbtes Pergament mit kaum noch leserlicher Schrift. Seitlich führt eine lange, dunkle Treppe zu einer Mikwoh; die wird vom Nil gespeist, und je nach dem Stande des Flusses sind die Stufen bis hinunter sichtbar oder fast bis an die Tür vom Wasser bedeckt. Hier hat Urmutter Sara gebadet, nachdem Pharao sie entweihen wollte; heute kommen schwangere Frauen hierher, den weiten Weg aus der Innenstadt nicht scheuend: denn ein Bad in diesem heiligen Wasser sichert eine glückliche Niederkunft. Eine andere alte Synagoge, die Rambamschul, steht im Ghetto, im Bazarenviertel. Wie jene ist sie ein unscheinbarer Bau, von der Straße nicht sichtbar, von Mauern umstellt. Ein anderes Stück ays her Vergangenheit des jüdischen Kairo wird lebendig: der große Rambam hat hier gewirkt, Mischne Thora und More Newuchim sind hier entstanden. Eine Tafel im Vorraum kündet: „An dem und dem Tage starb hier Rabbi Mosche den Waimon. Seine heiligen Gebeine wurden nach Erez Jisroel gebracht und in Tiherias bestattet." Im Seitengebäude befindet sich ein Raum mit allerlei Seforimschxänken wie ein Lernstübel, da ist m die Wand eine breite tiefe Nische gehauen: dahin bringt man gefährlich Kranke und läßt sie, in dieser Nische, gen m vierundzwanzig Stunden liegen; Verwandte Ünd Freunde sagen indessen in der Stube davor Gebete und Psalmen her. Oft wird dann ehrfurchtsvoll und hilfeheischend' der Name des großen Heilers genannt, der hier gelebt hat. Das Ghetto selbst mutet anheimelnd an, es ist fast wie in einem jüdischen Städtchen des Ostens. Alte Juden mit langen Bärten und Schläfenlocken — ach, man sieht wieder wallende Bärte statt der ewigen glattrasierten Levantinerschnauzen und der kurzen arabischen Spitzbärte — sitzen hinter Verkaufsständen, bieten freundlich Schalom; jüdische Frauen mit Brotkörben, mit Säuglingen an der Brust — ad), man si^ht wieder ustverschleierte Frauen — stehen laut schwatzend und keifend herum, ganz unbefangen, hier haben sie auch mitzureden. Es ist, wie in der Araberstadt, die gleiche Gemächlichkeit in der Unruhe, die Apathie in der Geschäftigkeit, aber die Atmosphäre ist hier um eine Schattierung witziger, geistvoller, energischer, freilich auch ein klein wenig verdorbener; ein Hauch von Verkommenheit schwebt auch über diesem Ghetto. Modisch gekleidete Jungens, Strohhut im Genick, Hände in den Hosentaschen, mit schiefen, mißtrauischen Blicken lungern herum oder spielen hinterm Ladentisch unter großem Geräusch Karten und Würfel. Halbwüchsige Mädel, dreizehnjährige Rangen mit schon voll entwickelten Formen und einem wissenden Zug um den Mund, frühreife Kinder der Großstadt, laufen mir nach, stellen sich mir, französisch parlierend, in den Wpg: sie wollen photographiert werden. Die Sprache ist arabisch; hebräisch können diese Juden nicht viel, auch von religiösen Dingen wissen sie wenig. Sie haben eine große Menge von kleineren Synagogen, Schulen, Klausen, die meist in dieser Gegend konzentriert sind. Am Sabbat nachmittag trägt da ein Maggid allerlei Erbauliches vor, einige Stunden lang, in arabischer Sprache. Für die Kinder

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