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Der Israelit · 1926-02-25 · Heft 9 (25.2.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 9 (25.2.1926)
Date
1926-02-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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2 . Februar. 1926 Der I s r a e,l i t mehr der Pflege seines religiösen und: Geisteslebens zuwenden, unbekümmert um alle hcün.anitischen Hammer-Schläge. Wie wecken wir das religiöse Interesse? Auf diese Preisfrage der „Jüdisch-liberalen Zeitung" gibt u. v. a. im; genannten Blatte auch Dr. Le h man n, der Prediger der Berliner Reformgemeinde in der Johannisstrahe, Antwort. Alles Uebel kommt seiner Ansicht nach von''den Orthodoxen, die „die Liberalen unter das Joch . »L'rdökal Denkende werden ^6en nach Anftalten, in denen ihre Kranken und Alten sich einer Umstellung zu orthodoxer Lebensweise unterziehen nrüssen. Die Religion in allen ihren äußeren Erscheinungen ist ein Teil der Gesamtkultur und darf nicht hinter ihr Zurückbleiben. Der G'otteWeNstHenn er Interesse wecken soll, muß eme solche'Ausgestaltung haben, daß jeder kulturell Fortgeschrittene ihm ohne besondere sprachlichen oder historischen Kenntnisse folgen künn. Um das religiöse Interesse, an Schulen und Unterrichtsanstälten zu wecken, Muh' das Blindekuhspielen nüshören" Mas' Missenschaftlich/ erledigt' ist, muß'' erledigt bleiben. —-' ‘ . ... .. Wer qm Festabend zwei Kerzen anzündet, um der Vorschrift' zu genügen, durch Verdoppelung des Lichtes die Festesfreude zu erhöhen und' dabtzi übersieht, daß im Zeitälter der Elektrizität'unser Auge an ganz ändere Lichtesfekte gewöhnt ist, um freudig aufzustrahlen, wer für das Gotteshaus, das Tausende umfaßt, mit dem kläglichen Ton eines kleinen Widderhornes physische und psychische Erschütterung bewirken' will, obwohl unser Ohr schmetternde Fanfarenklänge zur' Genüge kennt,'' — mit dem -läßt, sich. schwer reden. -—- — " - ' Die religiösen Feiern müssen in ihren Formen zweckentsprechend gestaltet werden: Die Brettersukkah am Gotteshaus kann von der Laubhüttenfreude keine Vorstellung geben. Das ganze Gotteshaus müßte in Herbstschmück erglänzen, wie am Wochenfest im Sommerschmuck. Eine Dekoration um die heilige Lade herum ist auch nur ein „.Ersatz". Wir müssen schöpferisch sein mit den kulturellen Mitteln unserer Zeit und sollen nicht immer erst in alten Büchern und Erinnerungen nachkramen, wie man es zu Olims Zeiten gemacht hat. Ob Hillel einstens „so" getan, das mochte die angehen, die noch in seinem Schatten lebten, wsr müssen s ö tun, daß unserer Kinder. Herz und Auge mit Staunen und Bewunderung aufschaut." Run wissen wirs! Hillels Schatten ist schuld. Und' Die Tatsache, daß man in den Berliner jüdischen Krankenhäusern keinen Bissen „streng trepha" essen kann, daß in den Berliner Synagogen zü wenig müstziert, zu wenig dekoriert wird! Um naheliegenden Mißverständnissen vorzubeugen, sei bemerkt, daß diese Mssührüngen nicht ' die Purimb eilage der „Jüdisch-liberalen Zeitung" füllen, sondern schon zwei Wochen vor Püriin dem L e i t a r t i k'e l die Kürze gaben. Also Mrr Dt. Lehmann nimmt sich und seine DüS: Rieichs-gerichF henkt,- aber anders. In einer seltsamen Entscheidungdie das- Reichsgericht! nach einer nichtdementierten- Mittestung. des „Hammer", in Sachen völkischer Rowdies, welche nach einem Tanzvergnügenin einer Stqdl Thüringens mit dem Worte: „Judenrepublik" jüdische Fensterscheiben einschlugen, und Passanten belästigten, getroffen-hat, ist folgendes zu-lesen: „Der Ausdruck „Judenrepublik" kann in verschiedenem Sinne gebrauchtwerden. Er kann die besondere Form der demokratischen Republik bezeichnen, welche durch die SBeinuxret N«trorr«lr,srsanimlung verfassungsmäßig fest- Zestellt ist; er- IllH, tilg gösllMlk StlMlZsörM M' wsien, die in. Deutschland sM -AN göwMllwkn Umsturz im November 19.18, bestanden hat. Gemeint kann sein die neue Rechts- und Gesellschaftsordnung in Deutschlayd, die unter hervorragender Beteiligung deutscher und'ausländischer Juden ausgerfchtet würde. GemMt kann auch sein die übermäßige Macht und der übermäßige Einfluß, den die im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung kleine Anzahl .der Juden nach Ansicht weiter Volkskreise in Deutschland tatsächlich ausübt," Diese höchste Entscheidung führte natürlich zur Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils und Freisprechung der völkischen Raufbolde. Wir gönnen ihnen die Freiheit, die sie voraussichtlich zu weiteren Heldentaten zum höheren Ruhme des jungen nationalen Deutschlands ausnützen werden. Verstanden wird ober die Entscheidung nirgends. Kein einziger Jude hat Sitz in der Regierung des deutschen, Reiches, k^iy einziger Jude hät als Jude irgend welchen Anteil an der Revolution genommen. All die Gerüchte von internationalem jüdischen Einfluß aus die Revolution sind als b l ö d e A m ry e n rn ä rchen und Auswüchse einer überhitzten antisemitischen Phantasie festgestellt worden, find trotz alldem spricht das höchste Gericht von einer „übermäßigen Macht" und „einem übermäßigen Einfluß" der Juden in Deutschland „nach Ansicht weiter Volkskreise", sogar von „Beteiligung ausländischer Juden". Hie fiele erst das Urteil aus, wenn diese Behauptungen von der Macht und dem Einfluß an konkreten Fällen und bestimmten jüdischen Namen erhärtet werden könnten! Ich Ganzen herrscht hier"ein Mißverständnis. Die jungen Rationalhelden Ms dem gesegneten Thüringen dachten gar nicht an Juden, die für das derzeitige Regime' verantwortlich zu machen wären. Eine „Judenregierung" ist für sie j e d e Regierung; Die Die Idee des Rechtes, des Weltfriedens und .her Btirgersreiheit vertritt. Und damit stellen sie uns gerade kein.schlechtes Zeugnis Ms. Mas-den Juden selbst Detrifft, .so .wird er im Lichte , der Freiheit .unddes Rechtes immer einen Sstg des jüdischenHedankens, wie ihn.Propheten und Hästget .fstr hie M.e l t ^erkundet, .stheN. Im.Lichte hieser.Freiheit. aber Mrd er sich umso¬ Ausführüngen ganz .Md hie' „Mdisch-I gänz ernst.' liberale Zeitung" tut es auch. der Königin Wäschst und die Erhebung Esters zur Königin aü ihrer StE könnte man als einen ganz gewöhnlichere. naMrlichen Vorgang auffassen. dem bares enthält. -Anders' Möch die pkötz liche Er« niedrigurig. Hamüns und die fp 0 nta n.e Erhöhung Mardechais. .Hier tritt das Walten.Der, göttlichen DorWüng. offen, zü -Tage, ..in .Wen.beiden Fällen ist düs Wunder.allem Mchtlich.Daher unverkennbar. Nütti. rüeinMÄnsM -WWn: Wie die Erniedrigung L-üsta«8.uM dte:-Erhötzung Mordechais Eis: Wun-i WsUen vöi ZMNchm,Vorschuss > m } eböNfo ist/das tragische. Müe Wäschsts undDle/Hr' hellünat Esters zür Königin 'Nur AM Ms Wauen' der göttlichen; Vorsehung zuMckzuMhrev 'und" als eine Zellen als Zeichen gelten, das .nicht .güsgeroÄet werde/ Das-Murimststsöll,.esv.igpusten.1 ..M^ÄLnWhMnMM^ . Md^MreM etc." Dazu .bemerken ünsete ' Weisen: Unter nmrr- (Licht) sei die Thora, W. g«;, miet nnm (Freude) die Feti^ —— — und unte z§chnen^ und ihn von, iedM' andeMM'^rscheidM.- ein sichtbares und unstchtÜMSj Die Juden in Susa, die „geMrdigt wurden.,Dn.Mr. königlichen Tafel zu sveiseN/!.! haben Icherlich emes dieser Kennzeichen -außer acht gelMn:; entnWxr, . , wollten sie. yaH'MMi als^gute^erser gelten Md^siden vemachlässtgten die Tephillin,.das^äußere' und sichtbare Kennzeichen des Judentums, oder sie'brachen voMändig" mit dein heiligen Väterglauben und gaben selbst diö n’pri preis. Dies alles änderte sich aber nach .'der wunderbaren Errettung Israels „durch Mördechai und Ester. Me.Mörg hielt'Mcher ihren (Sinmg imÖ! alle religitsten Pflichten und Gebote würden wieder freüoig enüllt und tzeballen — von ^chMren H^-'sn) Bis zu. den Unsichtbaren . Weines Feuilleton. Die Mchof deot des und hieMeWch-arsbische .. . W sw Bon De. Kronrr in.Oberdorf-Bopfingen. Mtet /.sich . -jWc '"ünweLselle! EKst. 'Les WäMönides- ÄÄ ' dqs 'WgseK feiner"Ueit^Hith'estt des JÜdeüLuM. ft" ÄuWtzzeichüeL'/zü MtbÄhen/ M: fdgar zu 'vörquMü versteht: "^Jatvosöchn macht "deshÄb mit vollem Recht in einer Note aufdie enge Beziehnüg Hes. .Maimonides zu..Aristoteles. in seiner.Ethik, beson?. Vers in r&r Aüfsafsüntz von der Mgent»,' als dem Mittelmaß MMKskMKi -eine -Änffassung, hie bekänntllch' Mqimonrdes imüter rvieder ist ^deN^W' '^^«^y^WrokW>'Wd, NnWüWruS'NrMt!(^Ät ^der? KdWeN^ MMllHK' ^Wnke Mdäk/' Nr. 9 Seite 3 . „BjalL5 und JesajM" In einer großen Versammlung der Jüdischen Volk spartet plädierte am 12. Februar der bekannte Rechtsanwalt Dr. Klee für „ein Judentum der Welt, e i n Judentum in der " Gemeinde". Das wollen wir ihm, dem Wortführer der „Jüdischen Volkspartei", nicht verübeln. Der Redner wandte sich dann scharf gegen einen Prediger der Berliner RMrmgeMeinde, der in Duisburg recht unliebeNswürdige Aeußerungen gegen die DjtjUÜÜl gktsn hlll be^»au^,tet haben soll, daß ju „Sin Element der UnsallöerLrtt w deutsche Judentum hiyeingetragett". Diesem Proteste des Herrn Klee schließen wir uns rückhaltlos an, um so mehr, wenn es wahr sein sollte, daß besagter Reformrabbiner als Exponent von Anschauungen weiter Kreist d'er Berliüät Gemeinde gesprochen hätte. Dann aber sägte Klee: Mir'wollen'eine lebendige jüdische EkziehüNg und Pflege der hebräischen Spräche. Unsere Kinder sollen I e - sajä ebenso wie- B'ial'ik verstehen." — Das findirrt wir/schon weniger'korrekt. "Es ist, gelinde gefügt,'eine'Geschüiäcklo'sigkeit,'die nur dazu angetan ist, den an sich mehr als berechtigten Protest ins Lächerliche zu zichen. Wenn Herr T)r. Klee gnädiglich neben B i a ft k auch noch I e s a j a gelten läßt, so ist das, abgesehen von der Respektlosigkeit, die aus solcher Zusammenstellung gegen die Propheten und die heilige Schrift spricht, auch rein logisch genommen eine schlimche Vegrifssverschiebung. Bialik selbst ist Zögling des Cheder und der Jeschiwa. Gr hät erst Jesaja und die anderen Propheten gründlich studiert und dann in Woloschin aus dem lebendigen Quell der mündlichen ^ehre geschöpft. Prophetengeist und Talmudweisheit gaben ihm wohl den Impuls für seine ewigen Lieder — die aber noch keineswegs Prophetie find — wie „Mafsö Remirow", und „Der Maßmid". Bialik hat aber eine Reihe anderer Sachen geschrieben, die weit weniger im Geiste der Propheten gehalten sind, von seinen Jüngern, denen er Pörbild war und die Klee ja ebenfalls meint, schon gar nicht zu reden. Den Weg von Jesaja zwBialik haben Manche gefunden, und wir wollen hier nicht prüfen, ob zu ihrem'Und unserem Vorteil. Den umgekehrten Weg von Bialik zu Jesaja', voWden rieuhdbraischen'Schulen zu den Propheten, zü derEschriftttchen und mündlichen Lehre mit ihre! Verbindlichkeit für das gesamte Leben, 'kann man sich leider kaum denken. Es ist zu bedauern, daß in einer Versammlung, auf der, abgesehen von dem ehrlichen Proteste gegen jüdischen Antisemitismus, auch sonst noch

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