Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1926)
- Date
- 1926-02-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Die Purimgabe für den Keren Hajischuw. Purim ist der Tag, an dem die jüdische Gebefreudigkeit ihre Triumphe feiert, und die krisenhafte Zeit wird an dieser altgeheiligten Gepflogenheit nicht viel zu ändern vermögen. Äst auch Purim das typische Fest des Golus, dessen Geschichte im Exil spielt und dessen die Begebenheit krönendes Wunder, das Wunder ^er 3 Pa | o r o , £>as eixnge öBun&eü Xes nen Lammes unter den siebzig Wölfen" ist, so hatte doch in der Seele des Volkes auch Erez Äisroel von jeher seinen Ehrenplatz an Purims Freudentafel. Die „Machazis Hasch^ekel-Gelder" flössen und fließen heute noch vielfach, für Erez- Iisroel-Zwecke. Und so kommt Keren Hajischuw der Agudas Jisroel just zur rechten Stunde mit seinem Appell an alle, denen der Aufbau Palästinas auf der Grundlage des Thoragesetzes Herzenssache ist, kräftig Hand anzulegen am großen Werke für die jüdische Zukunft. Man hörte wohl letzthin in der gegnerischen Presse mit Bezug auf die Amerika-Aktion der Aguda, die Aguda kopiere nur das Werk des Zionismus, suche dort zu ernten, was andere (Keren Hajestod), gesät hätten. Es verlohnt nicht, darauf Antwort zu geben, darauf hinzuweisen, daß, seit Zerstörung des zweiten Tempels fast, das Judentum der Thora nicht aufgehört hat, für das heilige Land zu f ü h l e n, zu beten und auch zu a r b e i t e n. Von Rabbi Jechiel aus Paris, Nachmanid e s, Rabbi Obadja aus Bartenora bis zu Rabbi ÄesajaHurwitz (Scheloh), und von ihm bis zur Zeit der K o l l a l i m und der Reorganisation der C h a l u k a durch die Deutsch-Holländische Palästina- Verwaltung und der Bildung des Keren Hajischuw geht eine einzige gerade Linie. Ändere kommen von einer anderen Seite, aus anderen Prämissen und unter anderen Gesichtspunkten und errichten auf Grund des Altgepflegten manches Reue. Wenn sich aber die Reuen über das Alte hinwegsetzten, mit einem mitleidigen Lächeln über dasselbe hinwegsähen, erinnerten sie da nicht unwillkürlich an die lächerliche Posse des Zwergleins, das, auf den Schultern des Riesen sitzend, sich hoch und erhaben über ihn fühlte? Schüttelt nun der Riese den Ballast ab und beginnt sich zu recken und zur Arbeit auf den alten Bahnen unter Zuhilfenahme der neuen Erkenntnisse und Errungenschaften auszugreifen, so spreche man nicht von „Kopieren" und „Nachahmung", ohne dem Fluche der Lächerlichkeit für alle Zeiten zu verfallen. Doch lassen wir die Auseinandersetzungen und sagen wir, was Keren Hajischuw i st, und was er geleistet hat. Was er ist, läßt sich in folgenden Sätzen zusammenfassen. Keren Hajischuw ist der Wirtschaftsfond der Agudas Jisroel für Erez Jisroel. Er ist das Finanzinstrument für den Aufbau von Erez Jisroel im Geiste der Thora und ist somit der einzige Erez Jisroelfond, dessen Gelder laut sr«lllt Nils M sklltzk MMstpgbn verrvanbt den dürfen, welche auf der Grndlage des Thvrugefetzes errichtet . und geführt werden. Was er geleistet hat? Keren Hajischuw hat die Gründung der ersten agudistischen Kolonie „M a ch a n e h Jisroel" in Emek Jesreel ermöglicht. Er hat durch die Beschaffung von Baumaterialien die Errichtung billiger und solider Heimstätten in Erez Jisroel gefördert. Er hat außerdem in T e l - A w i w ein Emigrantenheim für die erste Unterkunft mittelloser Einwanderer errichtet. Sowohl in Jerusalem wie in T e l - A w i w hat er eine von mehreren Hunderten täglich frequentierte rituelle Ärbeiterküche eingerichtet, und hat auch Hunderten agudistischer Arbeiter in Erez! Jisroel - Arbeits- und Verdienstmöglichkeit geschaffen. Agudistische Aulim wurden als Handwerker und Bauarbeiter ausgebildet. Jetzt wurde mit den Vorarbeiten zur Gründung einer Siedlerschule in Emek Jesreel begonnen. Sechzigtausend Dunam Böden in Erez Jisroel wurden für agudistische Kolonisationszwecke erworben und weitere Bodenkäufe vorbereitet. In Tel-Awiw ist eine I n - formationsstelle zur Beratung von Emigranten in allen wirtschaftlichen Angelegenheiten eingerichtet und es soll weiter dem Strom der orthodoxen Einwanderer durch Verschaffung von Verdienstmöglichkeit, durch Förderung von Industrie und Handwerk im alten und neuen Jischuw, durch Ausbau der agudistischen Arbeiterorganisation und Bildung von Lehrfarmen und Lehrwerkstätten für Handwerker Rechnung getragen werden. Das sind Tatsachen, die, in den Aufruen mit Daten .und Zahlen belegt, für sich sprechen und eines weiteren Kommentars entbehren können. Die historische Gebefreudigkeit, von jeher eng verbunden mit der Palästina-Sehnsucht, wird auch dieses Jahr nicht fehlen, und es ist ihr ein leuchtendes Ziel gewiesen, es heißt dieses: Keren Hajischuw! 25. Fe .- Wochenrundschau. Schuschan und das Reichsgericht. Wir bekommen in diesen Tagen Einiges von einer '..Judenregierung" zu hören — im alten UliZ ZäL BezeichttättZö Zäöel ist, tzäß unter dieser „Judenregierung" nicht die Juden allein, sondern die „S t a d t S ch u s cha n", das Volk von Persien, wie befreit von schwerlastendem Joche, aufjauchzte. nnavi n^>nx \vw vvm Wie früher unter Hamans eiserner Faust nicht allein die Juden seufzten, sondern die „S t a d t" bestürzt, in Trauer und Sorge.gehüllt war. vym rcDJ jtzniy.. Wenn aber von einer „Judenregierung" gesprochen wird, bei der das Volk jubelt, so denke man nicht an Glauben und Rasse, die die Männer an der Spitze bestimmen. Man denke nur an eine Gesetzgebung, eine Politik, an eine Regierungstaktik, die des jüdischen, d. h. des göttlichen Geistes einen Hauch in sich trägt,, des Geistes, der aus dem alten Gesetz zu allen Völkern spricht. Ist eine Regierung und^ift das Aufwärtsstreben eines Volkes von dieseR Geiste beseelt, dann steht, wie auch die MännepHn der Spitze heißen, die Sache so, daß nmwi nfcra&jww vynv Heute ist dys. Wort „Judenregierung" ein Schlagwort deM'Antisemiten und eine Beleidigung. Wie der Ehrenname „Jude", aus unflätigem Munde, als Beleidigung klingt. Wer soll aber dabei beleidigt sein? Die Regierung, der man damit sagen will, daß sie gegen das Volkswohl regiere? Oder die I u d e n , von denen mit dieser Zusammensetzung vorausgesetzt wird, daß sie ein schädliches, zersetzendes Element bil? den? Unstreitig beide. Man haßt die Juden, weil man in dieser Zeit der schweren Rot doch etwas hassen muß, doch irgendwo den bis zum Brechen aufgespeicherjen Haß und Groll abladen muß. Man haßt auch die Regierung, weil sie die Spitze eines Systems bildet, das mit dem Gestern gebrochen und damit manche trübe Quelle verstopft hat, aus der diese dunklen Elemente ihre Kraft zogen. Man haßt sie beide mit gleicher Inbrunst und trifft sie mit einem Worte: „Judenregierung". Eine doppelte Beleidigung, die als Hetzparole im politischen Kampf, nach Recht und Gesetz, das Bürger und Behörden vor Verunglimpfung schützt, unstreitig geahndet werden müßte. 'Wut. Zu D’IID' Kurze Betrachtungen zu Purim und Megilla.*) Von Rabbiner Dr. Iettr Kanter, Arvtttau (Mähren.) Samuel sprach zu Saul: „Ungehorsam ist wie 8anderer und Avgötlertt und Götzendienst ist die Ziderfpensttgkeit etc." Cn» vvv nuvn '2). Es wird nirgends gesagt, warum der Ungehorsam ausgerechnet mit Zauberei und Abgötterei verglichen wird, namentlich der Ungehorsam, den sich Saul zu Schulden kommen ließ. Und doch war niemand so berechtigt, den Ungehorsam Sauls in seinem Kampfe gegen Amalek als Sünde der Zauberei und Abgötterei zu qualifizieren, wie gerade Samuel, der Prophet Gottes war. Dieser Ungehorsam hatte bekanntlich tatsächlich zur Folge. daß Saul zur Zauberei später seine Zuflucht nahm. Man beachte genau den Wortlaut der Bitte, die Saul in seiner Verwirrung und Verzweiflung an die Zauberin in En-Dor richtete (1. B. Samuel, Kap. 28. 8). Er sprach zu ihr: airra kj ’aop ( Zaubere mir mittelst Ob"). Hier stimmt der Vusdrnck nop ganz genau. Und in demselben Kapitel <Vers 18) kommt Samuel in seiner Unterredung mit Saul abermals aus dessen Ungehorsam im Kampfe gegen Amalek zurück ') Nach *pi» ’ant und hnv bip* (pbasn "."7 bipa nyaip awxa). Es ist dies der bekannte Grundsatz von .Tray naan na’as?' den Samuel mit prophetischem Scharfblick vorausgesehen hatte. mi mi . Der Befehl Hamans aa#bi ia,aV so erzählt der Midrasch, setzte die Erzväter in Bewegung. Auch Moses und der Prophet Elia gaben sich Mühe, diesen Befehl-zu vereiteln. Nur wollte Moses wissen, ob dieses Verhängnis besiegelt sei, ob mit Erde oder mit Blut (aaa irr v'va arr). In ersterem Falle könne es nämlich noch abgewendet werden, im lOttrm Fülle mi man, Die Mage WV2 os □13 ik hat eine sehr tiefe Bedeutung. Das Verhängnis kommt nickt von selbst oder durch Zufall, man mutz es verschuldet haben. Und auf die Art der Schuld kommt es sehr viel an. Man kann sündigen mit dem avin (-v'v)' man kann auch sündigen mit dem u/B] (vom um cnn m) Wenn die Sünde in des Menschen Schwäche und Hinfälligkeit, in seiner Erschaffung aus der dde ihren Ursprung hat. dann ist es um ihn bei weitem nicht so schlimm bestellt, als wenn er mit Vorbedacht und Absicht sündigt und die Sünde als eine Folge seines schlechten Blutes zu bezeichnen wäre. In Susa konnte es sich nur um eine dieser beid«"» ^"nden handeln, entweder jwa bv vniyD» un: m ist diese Sünde als v'v zu betrachten, o r n^> vmrwnip, dann allerdings ist diese - v viel gefährlicher. Der Prophet Elia, so erzä! Midrasch, gab zur Antwort v'va« Und dari nd die Rettung Israels. Bekannt ist die. 1; unserer Weisen w ariOK minn "wo ist C - der Thora ängeoeütei?" und die Antwort dm ,? ar ms "pdok anon MrtK’i (5. B. M. Kap. 31, 18). Ueber diese Frage und Antwort wurde bereits viel geschrieben. Hier eine Erklärung im Namen des Wilnaer Gaon In der ganzen Megillah kommt bekanntlich der Name Gottes nicht vor. auch ist dort von keinem Wunder die Rede. Nun gibt es bekanntlich zweierlei Wunder, solche die vavv nbvnb' übersinnlich und übernatürlich sind (wie das Spalten des Meeres, Manna, der Untergang Korachs etc.), und solche, die scheinbar auf ganz natürlichem Wege fick vollziehen und denen, oberflächlich betrachtet, nichts Wunderbares anhaftet. In der Thora ist meist von den ersteren. si ch tb a r en <2Z?tmherrt Me 3?cbc. Auch bte Erzählung ber 2Heolflß ist nichts anderes als einziges (Wunder, aber dieses Wunder vollzog sich scheinbar pavN NNNU' im Rahmen des Möglichen und AlltäglichtN, so daß es nicht jedem gleich als Wunder erschien. Dies ist der Sinn des Ausspruches unserer Weisen: Wo ist das verborgene, scheinbar unsichtbare Wunder der Ester-iRolle) in der Thora angedeutet? Die Antwort daraus lautet-. Im Verse m a*>nöK anon 'aik> In ähnlichem Sinne ist auch folgender Ausspruch unserer Weisen zu verstehen: Anknüpfend an den Vers iznaa nb»’ visyj.a nnn (Iesaia. Kap. 55, 13) bemerken unsere Weisen: An Stelle Hamans wird Mordechai erhöbt werden, an Stelle Waschtis wird Ester zur Herrschaft gelangen ,»,a tn rismn rinn) Mi m asaon*nnm wj» m wiaa nfcp). Hier drangt sich die Frage auf. warum die Erniedrigung Hamans und die Erhöhung Mordechais früher genannt wird als die Verurteilung Waschtis und die Ernennung Esters zur Königin, die in der Megilla zuerst genannt werden? Der Tatmub will-uns aber aUf das einheitliche Wunder itt der ganzen Megilla aufmerksam machen. Das tragische Ende