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Der Israelit · 1926-02-18 · Heft 8 (18.2.1926) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 8 (18.2.1926)
Date
1926-02-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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18. Fe-btüar. 1926 D U r '"J .s t u 61 i i Blätter nicht auf Gesinnung und Führung der I n d i - v i d u e n an, sondern auf die Führung der G e - m e i n d e. Und hätte sie zu sieben Achteln abtrünnige Gemeindemitglieder, sie als Gemeinde aber verstieße in ihren Einrichtungen nicht gegen die Zibbur-Pslichten, so kann sie dem Bunde angehören. Und bestünde die Gemeinde zu sieben Achteln aus Gesetzestreuen, sie gewährte aber dem Restchen Neologer seine Abfall-Einrichtungen, neben den einwandfreien für die Mehrheit, so wäre sie vom Bund abzulehnen. Mn M' W MHHöN wollen im lMdMll Lager, im sogenannten Preußen-Verband, man hat versucht, ihn bei der Regierung als Nullität abzutun, den Bund. Doch das mißlang; der Bund wirkt. Er wirkt aber nicht nur für seine Vundesgemeinden, sondern zugleich für die Gesinnungsgenossen im andern Verband, für die Gesetzestreue überhaupt. (Vgl. Leitartikel in Nr. 44 des „Israelit", 66. Jahrgang). Auch der Gemeinde-Orthodoxie, die naturgemäß nur im andern Verbände vertreten sein kann, ist der Bund ohne ihr Zutun ein Bundesgenosse: ohne ihn OoriotQ jiß in LMlMungWM. ®unD unD Mm band können ohne Reibung nebeneinander bestehen, zu mancherlei Zwecken sotzär miteinander arbeiten. Auch der Bund will den Kampf meiden; er kann es kraft der Wahrheit und Klarheit seiner Idee und kraft der Thoramacht, der er dient. Dem Preußenverband bleibt nichts übrig, als sich damit abzufinden. Sein Sträuben ist nur letzte, zwecklose Reflexbewegung. 5. Mit dieser Organisationstätigkeit, die in solchem Maße von allen Juden der Welt nur den mmm zu tim tft, um UMll MMIMI im seinen organisatorischen Vau „bis zur. letzten Giebelverzierung" vollendet. Nichts fehlte, was .achlich zum Zweckdienst erforderlich war. Zur friedlichen Gemeinschaftsarbeit aller Thoratreuen, zum gemeinsamen großen Ziele war der Weg klar gezeichnet und so umfriedigt, daß kein Stein von Abtrünnigen mehr hineingeworfen werden kann. Jedoch in den eigenen Reihen loderte der Zwietracht Fackel weiter. Der örtliche Streit zwischen Gemeinde-Orthodoxie und orthodoxer Gemeinde wurde ohne innere Notwendigkeit hinüber getragen in die Organisationen. Es tat ben ©emeinbe=£)rt^obogen roe^ es DerTeijie i^r Mbstgefühl, vatz ihreS ach e nicht ovj'eMv als ebenso gut gewertet wurde, wie die der reinen, von/, der Neologie nicht abhängigen Orthodoxie. Verstärkt'wurde dieses Unbehagen, als auf der Kenessioh gedauloh zutage trat, daß auch' die Vertreter aus -den Ländern jüdischer Massensiedlung die Neologie (heiße sie Reform oder heiße sie apikorsus oder heiße sie Zionismus) nur als Erziehungsobjekt, nicht aber als gleichberechtigten Faktor für Jüdischkeit ins Äuge faßten. Die warnenden, bittenden, mahnenden Stimmen vereinzelt anwesender, mit wackerem Mut dagegen aufireienben Sy&rren aus ©eutj'cfjfctnb |anben fein Echo, stießen sogar auf lebhaften Widerspruch und Unwillen bei einem beträchtlichen (nicht deutschen) Teil der Versammlung. Daraus zogen die Einheitsfreunde den (freilich,durchaus unzutreffenden) Schluß, die Kenessioh gedauloh habe in dem deutschen Meinungsstreit über den Austritt für diesen Stellung genommen. (In Wirklichkeit galt der Widerspruch lediglich den geäußerten Ideen im allgemeinen, keineswegs dem gemeindepolitischen Verhalten der Redner in ihrer Heimat.) Ferner wendeten sich die Slovakei und Polen auf ber Kenessioh gebctrtlolj» sc^crrs gegen ben 5Dflisrochi, wöem einen unD nnveren misillchifreundlichen Herrn aus Deutschland stark mißfiel. Es. kam in die Satzung der Gesamt-Aguda die Bestimmung; daß iw die ob erste Leitung der Weltorganisation nur Persönlichkeiten berufen werden, die nicht zugleich gegnerischen Organisationen angehören, sondern ausschließlich und allein dem Agudo-Prinzip ergeben sind. Und schließlich — es war schade, doch nicht verwunderlich und kaum vermeidlich.— haben innerhalb.Deutschlands einige angesehene Anhänger der orthodoM'Organisationen und Ideen zugleich mif der S a ch,L auch Persönlichkeiten der gesetzestreuen Gegner scharf angegriffen, wie es übrigens umgekehrt ganz ebenso geschah und dauernd, weiter geschieht. Alle diese Vorgänge wirkten begreiflicherweise verstimmend und verärgernd und riefen ein tiefgehendes Mißtrauen gegen die orthodoxen Organisationen in Deutschland bei denjenigen hervor, die die Einheit der jüdischen Gemeinschaft als das vornehmste Ziel ersehnen. Die Tatsache, daß die orthodoxen Organisationen bestehen und die anderen Organisationen und Anschauungen als Mi-aüföüiiR. bMmpstsn, Miji Tatsache rief in ihnen das beschämende Gefühl hervor, man achte sie persönlich als Gesetzestreue zweiten Grades. — Purim-Aktion der Palästina-Zentrale der Agudas Zisroel. In Uebereinstimmung mit dem Gefchäfksführenden Ausschuß Dien wurde beschlossen, für Purim 5686 eine Aktion für den Keren Hajischuw in allen Landesorganisationen zu veranstalten. Auch an die deutschen Orts- und Jugendgruppen der Agudas Jisroel, in welchen trotz der ungünstigen Wirtschaftslage das Interesse für das Palästina-Werk der Agudas Jisroel nach wie vor au^erorben8!tb rege!{{, etgeijl unser Ruf, bie Purim-Woche zu einer allgemeinen Sammlung für die Zwecke der Palästina-Zentrale zu benutzen. Einen besonders eindringlichen Appell richten wir an. die Aguda Jugend- und die Esra-Gruppen, sich recht zahlreich für die Haussammlungen zur Verfügung zu stellen. Unseren Vertrauensleuten bezw. Palästina- Kommissionen haben wir in einem Rundschreiben g?"“- TNALMns tn Purlm-Akllon gemacht. Von einer Anzahl Gruppen steht noch der Bericht über die für die Aktion getroffenen Vorbereitungen aus. Wir hoffen, daß allerorts die Aktion fo rechtzeitig und gründlich vorbereitet wird, daß ein entsprechender Erfolg gewährleistet ist . Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Frankfurt a. 2R. Die. Vereinigung „Ächduth" wurde gegründet. 6. Im Gegensatz zu den bestehenden orthodoxen Organisationen hat sie sich zum Ziel gesetzt, die „Einheit der jüdischen Gemeinschaft stark zu betonen". Bald nach ihrer Gründung nahm der Delegiertentag der deutschen Agudo am 10. und 11. Februar 1924 Stellung zu der neuen Vereinigung.. SXiadp -|org^äü:tger Sfusj^rcicfje tjt bie oor ÜtaDDiner Dr. MeM'Mnrnberg ennoorfene Msm lution folgenden Wortlauts mit großer Mehrheit angenommen worden: „Der Delegiertentag bedauert - die Gründung der Achduth aufs 'tiefste, weil sie die Gleichberechtigung der Neologie mit der Orthodoxie zu stärken geeignet ist; weil sie, angesichts der vorhandenen, bewährten gesetzestreuen Organisationen überflüssig ist, weil sie scharfe - Kämpfe innerhalb, der deutschen gefetzestreuen / Judestheit entfesseln und die Aussicht auf fried- - liche gemeinsame Arbeit aller Gesetzestreuen auf lange Zeit zerstören muß. Nr. s Seite 3 Der Delegiertentag ruft alle gesetzestreuen Brüder zur Einheit auf dem Boden der Tauroh auf und streckt ihnen allen die Bruderhand entgegen, auf daß sie den Weg zur einträchtigen Arbeit finden." Aus Jacob Rosenheims Erläuterung zu dieser Resolution wird inhaltlich wiedergegeben: (der Wortlaut ist im Bericht über den Delegiertentag S. 41 bis 50 abgedruckt, sowie in den Agüdo- Blättern, 10. Jahrgang, Nr. 3 v. 28. Febr. 1924). Die Grundanschauung der Agudas Jisroel ist: Bw Thrvä ällm (ä)u{ iw Mischz machte die Juden zur Einheit. Die Thora allein ist das wesentliche bestimmende Merkmal der Judenheit. Nicht Blut, und Rasse, nicht Familien- und Stammesgefühle sind das ausmachende Band. Dieser Grundidee der Agudas J.sroel steht entgegen die Auffassung, daß der Thora-Beweggrund eines unter vielen anderen nationalen Merkmalen sei. Zwischen diesen beiden miteinander ringenden Anschauungen gibt es keinen Ausgleich. Der Kampf dieser beiden miteinander ringenden Ideen kann nicht erspart, kann nicht umiip mim. I WW ist mti 8?m besonderen Vorsatz ins Leben getreten, die „Einheit der jüdischen Gemeinschaft stark zu betonen." Damit stellt sie sich in offenbaren Gegensatz zu unseren orthodoxen Organisationen. Achduth hat mit dieser Betonung nicht die bewußte Absicht, etwa die Neologie als gleichberechtigtes Judentum anzuerkennen. Allein bei unseren liberalen Stammesgenossen muß sie naturgemäß die Vorstellung nähren und stärken, der Abfall vom Judentum bedeute keine Spren- 8^8 Ml!MMi eine Partei-Schattierung im Judentum dar. Daher bedauert die Resolution die Gründung der Achduth tief. Denn sie ist geeignet (wenn auch keineswegs darauf berechnet) die Gleichwertung der Neologie mit der Orthodoxie zu stärken. Achduth ist auf praktischem Gebiete überflüssig; was praktisch zu geschehen hat und getan werden kann, leisten die vorhandenen Organisationen ohne die Achduth; das ist eine Tatsache. Es ist ebenso eine Tatsache, daß sie scharfe Kämpfe entfesseln muß und den Frieden unter den Gesetzestreuen auf eine harte Probe stellt; die Ereignisse haben das betötefen unb t»crben es, tote befurc^fef roerben muß, nvch weiter beweisen. Demgegenüber ruft die deutsche Aguda nochmals die Kreise auf, die hinter der Achduth stehen, sie möchten innerhalb der Agudo brüderlich Mitarbeiten. Die, deutsche Agudo stellt fest, daß die ideellen Auseinandersetzungen auch innerhalb des organisatorischen Ägudo-Rahmens bei einträchtiger Arbeit auf praktischem Gebiet ausgetragen werden können. Damit hat der Delegiertentag einer Pflicht vor Gott genügt und darf die stille Hoffnung hegen, daß seinem ehrlichen Werben eines Tages die Erfüllung nicht fehlen und daß auch jeder diefes ganzen Solfes in ^rtebert an bie t^m gefciilj>= renbe Riefte kommen wird. Die Achduth-Jdee und die Achduth-Orgamsa- .tion ist nach unserer, festen Ueberzeugung als irrig tief zu beklagen. Ällein die Menschen, die diese „Achduth" tragen, sind gesetzestreue Brüder; ihren religiösen Persönlichkeitswert haben wir in brüderlichster Gesinnung zu würdigen. Wohl gehören sie einer Vereinigung an, der eine irrige Idee zu Grunde liegt. Doch mit dieser Zugehörigkeit werden sie nicht die V e r k ö r p e r u n g der irrigen Idee. Sie tragen nicht allein diese Idee. stk nnp unfrer ©rimDawtfmiiima mm gsuKtzsötzflä) sMdlich Uttd oertüerfert sie nicht aösolut. In ihnen wogt ein Widerstreit; die Rechnung geht ihnen nicht glatt auf; sie schwanken, weil sie Menschen sind, Menschen von Fleisch und Blut, mit mancherlei Widerspruch in Denkm, Fühlen und Tun behaftet/ Der Umfang von Gründen, die den einzelnen in die Achduth führten, ist vielgestaltig. Man kann die Gründe nichl ohne weiteres durchschauen: und mankann und darf-daraus allein nicht eine rellgiös-siMche Wertung" feiner Persönlichkeit herleiten. . L. Daraus ergibt sich für uns: Scharfe Absage und unbedingte Ablehnung gegenüber der Idee

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