Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1926)
- Date
- 1926-02-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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41. Februar 1926 KorrcspotNienzcti« ßacbricbten. Bund gesetzeskreuer Mischer Lehrer. ISS» Frankfurt a. M., 8. Februar. Der Bund gefetzes treuer jüdischer Lehrer schreibt uns: Es steht uns eine größere Anzahl Exemplare des neu herausgegebenen Tn? jnbp nsp zur Verfügung. Es handelt sich um die neue (nicht übersetzte) Bearbeitung von Rabb. Feldmann in Leipzig. Sie gibt den Text des alten jr»p genau wieder, zeichnet sich aber durch viele Vorzüge vor ihr aus. Sie enthält auch Tabellen über jüdische Maßeinheiten und ihre Umrechnung in europäische Maßeinheiten, bildliche Darstellung zur Anleitung der Anbringung von /'pV’an 'iv ivp ufw. Durch die. letzgenannten Vorzüge ist die neue Bearbeitung für den jüdischen Lehrer von besonderem Wert. Der erste Teil kostet gebunden (zweite Auflage) 3 Mark, der zweite Teil geb. 5 Mark, beide Teile in einem Band 7 Mark. Wir sind in der Lage, unseren Mitgliedern Exemplare zum halben Preis liefern zu können und bitten um zahlreiche, baldige Bestellungen. (Hirschberg, Waldschmidtstraße 115, Frankfurt a. M.) Schulantisemikismus vor dem Preußischen Landtag. , Berlin, 5. Februar. Der Unterrichtsausschuß des preußischen Landtags beschloß kürzlich eine nochmalige Nachprüfung des Verhaltens einer Groß-Berliner Studienrätin. Ihr wird vorgeworfen, im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht antirepublikanische und antisemitische Bemerkungen gemacht zu haben. Eine Untersuchung im Auftrag des Ministeriums hatte kein Resultat ergeben. Das Ministerium wollte keine nochmalige Untersuchung,. die -eine Vernehmung der Schülerinnen dreier Klassen bedinge und bei der zuletzt doch nichts herauskomme.- Der L°nßl«ss°uLschuß stimmte diesen Bedenken m Ministeriums nicht bei. y}n den Neben kam zutti Aus-mck, daß Schüler und Schülerinnen das Gefühl haben müßten, schutzlos einer so eingestellten Lehrperson preisgegeben zu sein. Man wies daraus hin, daß die Studienrätin von dem Direktor verwarnt wurde und daß dies ja ein Beweis ihrer Schuld fei. Der Sprecher des Zentrums trat dem Bescheid des Unterrichtsministeriums mit den folgenden Worten entgegen: „Wir wollen solche Aeußerungen von Staatsbeamten überhaupt nicht mehr, und am wenigsten in der Schule. Und wenn man die Aufregung in der Schule fürchtet, so trifft die Schuld die, die sie zuerst hineingetragen haben.. Nur nicht so prüde!" Man erwartet, daß diese Haltung des Unterrichtsausschusses das Unterrichtsministerium zu einer anderen Stellungnahme veranlassen wird. p-lri». Von der Repräsenlanlenversammlung der jüdischen Gemeinde. W a r s ch a u , 2. Februar. . Die noch im Jahre 1924 gewählte Repräsentanten- Dersammlung der Warschauer jüdischen Gemeinde, der größten Gemeinde der Alten Welt, begann gestern abend;i{;re erste Session. Diese Repräsentantenversammlung hat ihre Geschichte. Zum ersten Mal im neuen Polen dürften Die jüdischen Gemeinden ihre Repräsentanten wählen. Die auf Grund solcher Wahlen zustande gekommene Warschauer Repräsentantenversammlung war kurz nach den Wahlen zusammengetreten. Da sich jedoch die Repräsentanten bei der Eröffnungssitzung zum Teil auch der hebräischen und. der jiddischen Sprache bedienten, verbot der Regierungskommissar auf Grund einer Verordnung, wonach in öffentlichen Körperschaften allein die polnische Sprache Verhandlungssprache sein darf, die weitere Tagung der Versammlung. Diese brutale Maßnahme rief damals unter der Judenheit Warschaus und ganz Polens -große Erregung und Empörung hervor. Im Zusammenhang mit dem Abkommen zwischen den jüdischen Parlamentariern und der polnischen Regierung durfte nunmehr die, Warschauer. Repräsentantenversammlung Neuerdings zusammentreten. Im allgemeinen ist jetzt den De r Israelit jüdischen Gemeinden in Polen freigestellt, über die Verhandlungs- und Geschäftssprache selbst zu bestimmen. Die erste Sitzung nahm einen stürmischen Verlauf. Es gingen Verhandlungen zwischen den einzelnen Fraktionen über die Geschäftssprache voraus, wobei eine Einigung nicht erzielt werden konnte. So wurde die Eröffnungsrede zum Teil hebräisch, zum Teil polnisch gesprochen, wobei die Bundisten, die für jiddisch waren, einen Tuffliflf öttSlWlM-"- . Bei Der Wahl Des PrusMums srttSNkn Front st e n und Misrächlsten, sich der Stimmabgabe enthalten zu wollen, die P o a l e Zionisten und Angehörigen der? Volkspartei (Folkisten) gaben weihe Zettel ab, während die Bundisten für einen Zahl-Kandidaten stimmten. So wurde das Präsidium aus A g u d i st e n besetzt. Zum Präsidenten wurde Sejmdeputierter Kirsch braun, zum Vizepräsidenten Herr Jakob Trockenheim gewählt. Line Spaltung im Jüdischen Klub. W a r s ch a u, 5. Februar. Die Krise innerhalb des Jüdischen Parlamentsklubs in Polen hat ihren Höhepunkt erreicht, eine Spaltung scheint nach der Ansicht eingeweihter Personen unvermeidlich zu sein. Gestern, den 4. Februar nachts, hielt der Klub abermals eine Sitzung ab, um die Meinungsverschiedenheiten endlich zu klären. Es kam zu stürmischen Auseinandersetzungen zwischen der linken und der rechten Gruppe. Der linke Flügel, der sich aus Anhängern des Abg. I. Grünbaum zusammensetzt, forderte energisch die Einnahme einer oppositionellen Stellung zur Regierung, nachdem auch die gegenwärtige Regierung Skrzynski keine Neigung zeigte, die jüdischen Postulate, sowie das Abkommen der früheren Regierung mit der jüdischen parlamentarischen Vertretung zu erfüllen. Ferner stellte die Linke einen Mißtrauensantrag gegen das jetzige Präsidium des Klubs, welches seinerzeit das Abkommen mit der Regierung Grabski abgeschlossen hat, ohne darauf bedacht gewesen zu sein, die notwendigen Garantien für die Erfüllung zu 'erhalten. Der Antrag der Linken wurde mit 17 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Daraufhin erklärten der Präsident des Jüdischen Klubs, Dr? Leon Reich und Vizepräsident Dr. Rosmarin, daß sie ihre Aemter niederlegen, damit eine Spaltung des Jüdischen Klubs vermieden werde und Einheit der WiMn MlllMMlMMn ÄMikstmg gewahrt bleibe. Arese ErklaruttA riöf Bestürzung hervor. Ein Mitglied der Klubmehrheit brachte ein Vertrauensvotum für das Klub-Präsidium ein, welches bei namentlicher Abstimmung mit einer Mehrheit angenommen wurde. Die Abg. Dr. Reich und Dr. Rosmarin erklärten, daß sie trotz des Vertrauensausdrucks auf ihrer Resignation beharren. Daraufhin wurde der Misrachist Abg. F a r b st e i n zum provisorischen Vorsitzenden des Klubs gewählt. (I. T. A.) £itauen. Die Liquidation der jüdischen Gemeinde-Autonomie in Litauen. K o w n o , 1. Februar. Eine Abordnung der Kownoer Jüdischen Gemeinde erschien beim Innenminister und ersuchte ihn um Verlängerung der Amtsdauer der bisher auf demokratischer Grundlage bestandenen autonomen jüdischen Gemeinden. Wie es heißt, ist die Negierung nicht willens, diesem Ersuchen Folge zu leisten; es besteht die Absicht, den autonomen Gemeinden einen Termin von höchstens sechs Monaten zwecks Liquidierung einzuräumen. Eine besondere Kommission wird eingesetzt werden, die die Liquidation der jüdischen Gemeinden überwachen soll. (Siehe Wochenrundschau.) Die Mise-Affäre vor der Rabbiner-Union. New Pork, 31. Januar. Die Union orthodoxer Rabbiner Amerikas (Agudath harabonim) hat eine Beratung abgehalten, die den Zweck hatte, die Stellungnahme der orthodoxen Rabbinerschaft Amerikas zur Angelegenheit Dr. Stephen S. Wise und zur Palästina-Aktion endgültig zu klären. Nach Schluß der Beratung, die einen ganzen Tag lang hinter geschlossenen Türen stattgefunden hat, wurde die folgende Mitteilung herausgegeben: Den Mitgliedern der Union orthodoxer Rabbiner ist wieder freie Hand gegeben in betreff der vereinigten Palästina-Aktion, deren Vorsitzender Dr. Stephen S. Wife ist, nach Ueber- __Nr. 7 Seite 5 zeugung und Neigung zu verfahren, d. h., diese Aktion zu unterstützen oder nicht. Bekanntlich hat das Exekuttv-Komitee der Agudath harabonim einstimmig beschlossen, den Mitgliedern zu untersagen, an der Vereinigten Palästina-Aktion zur Aufbringung von fünf Millionen Dollar solange teilzunehmen, als Dr. Stephen S. Wife diese Aktion leitet. Gegen Teilnahme an der Palästina-Aktion wurde sogar ein religiöses Verbot (iffur gamur) ausgesprochen. Ks UM ttlffl UNvörWNMH, Mk Biß Der Rabbiner-Union bis Beschlüsse ÄM SlQtUtiDe ]0 einfach Umwerfen konnte. £eitf<mfe. Die Gefahr der Zwangssonntagsruhe. Riga, 3. Februar. Der Rechtsausschuß des lettländischen Sejm, der vor einigen Tagen einen Gesetzentwurf betreffend die Einführung der Zwangssonntagsruhe auch für die jüdische Bevölkerung beschlossen hat, trat heute zu einer weiteren Sitzung zusammen, um den Entwurf in zweiter und dritter Lesung zu erledigen. Es lag ein Antrag des jüdischen Deputierten Dr. Meifel (Bund) vor, die Regelung der Frage der Sonntagsruhe den autonomen Ortsverwaltungen zu überlassen. Der Dep. Dr. Laserson (Hitachdut) führte aus, es handle sich hier um einen Kompromißvorschlag, der üble Folgen haben könne, indem die jüdischen Kaufleute und Arbeiter den Ortsoerwaltungen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert wären. Dep. Laserson brachte einen Antrag ein, der lautet, das Parlament wolle beschließen, daß den Juden die Sabbatruhe und den Nichtjuden die Sonntagsruhe gesichert werde. Demnach würden jüdische Angestellte in Staatsämtern sowie in christlichen Firmen nicht gezwungen werden dürfen, an den Sonnabenden zu arbeiten. Nach einer längeren Debatte wurde der Antrag des bundistifchen Deputierten Meifel in zweiter und dritter Lesung mit einer Mehrheit angenommen. (ITA). Antisemitische Exzesse in Rumänien. Bukarest, 3. Februar. Die „Uniunea evreilor Romani", in der die Judenheit SmMunt'Arriens organift^ Ift, W M jWx WM SMllg die nachstehende Resolutivn angenommen unß ßer Dessenllichkeit übergeben: „Seit vier Jahren werden die Juden Rumäniens auf den Universitäten, in den Volks-, Mittel- und allen anderen Schulen, in öffentlichen Lokalen, Theatern, Konzerten, Restaurants, in den Eisenbahnzügen und Tramways, auf den Straßen ja sogar in ihren eigenen Wohnungen beleidigt, geschlagen und verletzt; ihr Hab und Gut wird vernichtet. Seit vier Jahren wurden in vielen Städten zahlreiche Synagogen und Friedhöfe enkweiht, Hunderte Häuser zerstört, tausende Fensterscheiben zertrümmert, wurden Millionenschaden angerichtet. Die Ruhestörer und Excedenten arbeiten am fyeüidjten Tag, ohne daß sie an ihrer Tätigkeit behindert werden, sie werden weder verhaftet, noch bestraft und auch die angerichteten Schäden werden nicht wieder gut gemacht." Diese Resolution wurde der Regierung mit dem Ersuchen, überreicht, Maßnahmen zu treffen, daß sich solche Vorkommnisse nicht wiederholen und daß die Schäden wieder gut gemacht werden. - Fast sämtliche rumänischen Blätter veröffentlichen diesen Appell. Im Parlament brachte das Mitglied der Nationalpartei Lascu den Ausruf zur Sprache und forderte die Regierung auf, gegen die Union rumänischer Juden einzuschreiten. Die Ausschreitungen gegen die jüdischen Studenten hören nicht auf. Für die jüdischen Studenten yat sich ein ganz und gar unerträglicher Zustand herausgebildet. Sie können nur auf Umwegen, und auch dann nur mir: äußerster Gefahr, die Vorlesungen besuchen. patöftfo«. Zur Regelung der Schechika m Jerusalem. Jerusalem, 5. Februar. Aus.den,im „Dar Hajom" veröffentlichten Bestimmungen über das Schechita-Abkommen ergibt sich im wesentlichen, daß die Vereinbarung auf folgender Grundlage getroffen wurde: