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Der Israelit · 1926-02-11 · Heft 7 (11.2.1926) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 7 (11.2.1926)
Date
1926-02-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 Nr. 7 Der I s/r a e \ i ' > 1:4 Februar 192b es die Herren aus der dünnen Oberschicht, der sogenannten „Intelligenz", die auch schon zur russischen Zeit das Judentum nach außen repräsentierten, in guter Ausnützung der Konjunktur, die Macht und die Herrschaft an sich zu ziehen. Assimilation, Nationalismus und Bund reichten sich über dis Vsth Harnedrasch-Juden und dis großen M«ss?n fcfT 8ss?tz??tr?n?n ^cmbfer, K-rrrfleuie urxk Handwerker, die aus der gewohnten Ruhe nicht zu locken waren, die Hand. „Jüdischer Minister", „Nationalrat", „Kehilla-Verwaltung", Instrumente, die viel Segen hätten schaffen können, wären sie aus der jüdischen Atmosphäre heraus gewachsen und auf die Interessen der Bevölkerung berechnet. Es war dem nicht so. Indes sind diese Organe nicht an ihrer inneren Unnatur gestorben, sondern an äußeren Umständen. Der neue ultramontane Wind, der sich in Kowno unvermittelt erhob, warf sie um, und damit begann im allgemeinen eine Aera der religiösen und wirtschaftlichen Not für die Juden, die in mancher Beziehung an die russische Zeit erinnert. Letzteres gehört in ein anderes Kapitel. Nun abermuß die erste größte Gemeinde Litauens in der Hauptstadt doch irgend wie verwaltet werden.' Die alte Verwaltung, klammert, sich kramphaft mit beiden Händen an ihre Macht und proklamiert, daß sie nach wie vor die kompetente Behörde sei, und bis zu den nächsten nach einem von ihr erlassenen Modus ausgeschriebenen und vorbereiteten Wahlen auf „demokratischer Grundlage" keine andere Verwaltung neben sich anerkenne. Die „demokratische Grundlage" ist so gemeint, daß die Kehilla ihren bisherigen, weltlich-nationalen Charakter behalten müsse. Religiöse Belange sollen „nach Möglichkeit" und nach Umständen, wohl an dritter und vierter Stelle, wenn alle nationalen und kulturellen Bedürfnisse befriedigt sind, auch Berücksichtigung finden. In den acht Jahren „litauische Republik" hat aber auch die Orthodoxie, die in Litauen gleichbevmteiw ist mit achtzig ober neunzig PrMM V“ Vsvölksrung, Krvas gelernt, vor allem ge- : aus der Erfahrung mit ihren Wohltätern Bvlksbeglückern im Ministerium und Natioat. Die Kownoer Orthodoxie will dierelife Gemeinde, wie sst de facto ohne ilisation von oben und viel Lärm nach der e Jahrhunderte lang existiert hat und die Nährboden war für Thoralehre und Thorax von anderswo unerreichter Reinheit und nsivität, weiter haben und den Herren .maginäre Macht, an die sie sich noch wie an (Vom jüdischen Mh.) Ein frommer östlicher Glaubensgenosse besuchte aus Neugierde in Berlin eine Reformsynagoge radikaler Art. Da er gewohnheitsmäßig in die Rezitationen des Oberkantors mit lautem Omen einfällt, weist ihn der Synagogendiener zurecht. Der Mann sieht sich diesen Schammes, den Rabbiner und talarbekleideten Oberkantor mit ihren glattrasierten Gesichtern an und sagt: „Nun verstehe ich doch den Possuk: pinm ni^ipn „mit lauter Stimme beten, ist verboten, w 'w xb -nam und „Bort" (Bart) gibt es auch nicht mehr." Als man aushob und aus der Thora nur wenige Teile vorlas, gab der Besucher seiner Enttäuschung etwas lauten Ausdruck. „Bitte mitten im Leinen!", mahnte der Nachbar. „Was? Das nennen Sie Leinen?" antwortete der Fremde, „ist nicht einmal Halbleinen!" * * * Draußen schlug er vor, über das Portal die Worte anzubringen: 1222 pnm rraa (Von innen und außen voller Kesiroh.) Wochenkalender. vom 13.—.20 Februar. 1926./ vom 29. Schebat bis 6. Adar 8686 ■D’Vpt? nens Samstag Feb. 13 2'vSVv 29 V2V Rausch Thaudesch benschen. Mauled, Freitag abends 7** Sonntag 14 30 1. Tag Rausch Chaudesch Montag 15 1 ■YTK 2. .. .. „ Dienstag 16 v. 2 Mittwoch 17 B” Donnerstag 18 4 Freitag 19 5 Samstag 20 nnnn 6^ nposn -? ü. --y einen letztem RettMrgSgedanken klammern, aus der Hand nehmen. " . Der A u f r uf z ur B ildun g d.e r reit - giösen G e m einde, von dem wir unseren Lesern bereits Kenntnis gegeben, ist von Männern unterzeichnet, deren Namen von bestem Klange auch außerhalb der Grenzen Litauens jtrikj. uni es das Sflil ÄH* lsiFilifitzöll Judenheik aus den einzelnen markanten kästen dieses Appells an das jüdische Herz, an den jüdischen Gemeinsinn, an die jüdische Einheit, die nur von dem Gedanken der Thora zusammengefügt und getragen sein kann( Die bisherigen Machthaber beantworten diese Kundgebung mit „Proklamationen" , und „Erklärungen", in denen sie sich gnädiglich dazu verstehen, den orthodoxen Zusamemnschluß als „religiösen Verein" neben sich zu dulden. Nun aber wird aus Kowno mitgeteilt, daß das Ministerium, in Berücksichtigung der wahren Sachlage, die religiöse Gemeinde, ohne sich mit den bisheri ge n O r - ganen in Verbindung zu setzen, gen e h m i g t h a t. Damit wäre einer großen Reihe von Ungerechtigkeiten doch ein Akt der Ge- .recht i-g k e i t gefolgt,der der litauischen Judenheit, vorab der Gemeinde Kowno, die Möglichkeit gibt, ohne allzu kostbare Dekorationsstücke wie „Minister", und „Nationalrat" sich von innen heraus zu entwickeln, wie man es in den. Bahnen, die ein Rabbi Jizchok Elchonen Spector Wt gewiesen hat, wünschen und. erwarten müßte. Man darf hoffen, daß allen Protesten von der Gegenseite zum Trotze mit dieser Regierungsverfügung das letzte Wort in der Sache gesprochen ist. Gefahr. Bon Gottfried Gokdschmidt in Kaköerftadt. Die Idee, für die manche Zionisten opferbereit sind, istder Nntionnlisrnns., (Sv ist ihr S^ma Jisroel, für ihn ist ihnen sogar die bürgerliche Gleichstellung der Juden in ihren Staaten feil. Man muß den Idealismus achten, eben weil er Opfer für die Ueberzeugung zu bringen geneigt ist. Uns Thoratreuen ist dieser Idealismus aber wesensfremd. Er ist uns keinen Pfifferling wert. Wir wünschen nicht nur keine Anerkennung nationaler Minderheit in den Golusländern, wir verwerfen sie geradezu. Unsere Stellung zu den Staaten ist von der Thora geregelt; unsere Ansprüche an die Staten sind mit der Gewährung freier Reljgionsübung und voller Bürgerrechte erfüllt. Jeder Machtanspruch ist uns thoragesetzlich verboten. Das Heil des Staates, der unsere Ahnen aufnahm, dessen Bürger wir sind, haben wir zu fördern; nationale Sonderbeziehungen haben wir im Staate nicht zu erstreben. Weil das aber so ist, lehnen wir uns dagegen auf, daß jüdisch-nationalistische Idealisten die bürgerliche Presse und das nichtjüdische Publikum in die falsche Meinung zu versetzen versuchen, jüdischer Neu-Nationalismus und Judentum seien gleiche Begriffe. Das ist nicht der Fall. Die Mehrheit der Juden ist gegen die zionistischen Aspirationen. Die Mehrheit der Juden weist die nationalistischen Machtansprüche ab. Die Mehrheit der Juden will von zionistischer Weltpolitik nichts wissen. Die Mehrheit der Juden nimmt zum Befreiungskampf Asiens einzig und allein die Stelung, die den Interessen des Staates entspricht, des deutschen, englischen, amerikanischen, polnichen usf., des Staates also, dem sie angehören: ruch des palästinensischen, wenn sie palästinenische Bürger sind. Allein der deutsche Jude ist nicht zugleich palästinensischer Staatsbürger. Es ist nicht wahr, daß der Jude staatsrechtlich zwei Vaterländer hätte oder haben könnte. Er hat taatsrechtlich nur ein einziges Vaterland, und düs st dasjenige, das auf. seinem Passe steht. Juden laben nicht als Juden um den runden Tisch der Völkerfamilie zu sitzen, sondern, nkr, wenn überhaupt, als Vertreter ihrer Staaten. Es ist nicht, wahr, daß der Jude entjudet würdewenn er kein Sonder-Nationalrecht in feinem Staate bekäme - oder beanspruchte. Der Jude in Deutschland, England, Frankreich und sonstwo hat überhaupt staatsrechtlich keine Sondernatisnalität; und mit Ausnahme einer Anzahl von Zionisten w 0 l l e n die Juden keine Sondernationalirät; sie beklagen das zionistische Wagnis und wollen nicht.teil daran haben. * öem .:3uDon zwei MtsrlänWml mim rmeren, ist wm fo verwunderlicher, als letzte Macht der Erde, also auch nicht etwa England, daran denkt, Palästina zum jüdischen Vaterland herzugeben. I n Palästina ein jüdisches Nationalheim zu errichten, hat die Balfour-Erklärung verheißen. In Palästina jüdische Siedlungen zu gründen, ist denjenigen Juden möglich, die danach streben..Das bedeutet, daß der nach Palästina übersiedelnde Jude palästinensischer Staatsbürger werden kann. Dgs. bedeutet aber nicht, daß der in Deutschland, Frankreich, England oder sonstwo ansässige Jude, der nicht übersiedelt, nun auch in diesem Staate Palästinenser rüürd'e. Das bedeutet auch keineswegs, daß Palästina nun plötzlich (durch die Balfour-Erklärung) für den deutschen Juden das würde, was etwa Polen für den in Deutschland weilenden Polen ist. Nichts hat sich durch die Balfour-Erklärung für die jüdischen,Staatsbürger der Länder geänbetl; Und nichts soll-sich .für sie ändern, solange sie Staatsbürger der Länder sind. Das ist zum Ueberfluß in der Balfour-Erklärung hervorgehoben. . Die Anerkennung einer staatsrechtlichen Nationalität ist uns keinen Pfifferling wert, also auch kein noch so winziges bürgerrechtliches Opfer. Also auch nicht Anzweiflung unsrer deutschen Gesinnung durch Regierung, Stadtbehörhe, Parlamente und Mitbürger. Damit aber spielen die jüdisch-nationalistischen Heißsporne in aufreizender Art. Es ist Zeit, daß alle die jüdischen Kreise, denen die Betonung jüdischer Nationalität vor der nichtjüdischen Oeffentlichkeit als wertlos erscheint, als gefährlich obendrein, sich dagegen wehren und endlich die Gefahr erkennen, in die wir geraten, und zu Gsgsnrnaßrsgeln schreiten. ist hohe Zeit. Eine Auseinandersetzung, die die „Frankfurter Zeitung" klug und vornehm dieser Tage mit einem jungen zionistischen Stürmer führte, ermahnt erneut zur Gegenwehr. Das für uns Wesentliche aus dem zionistischen Artikel ist im Vorstehenden gewürdigt worden. Erschreckt nimmt man wahr, wie weit auf das Meer der hohen Politik hinaus der aus Idealismus waghalsige Schiffer seinen kleinen Nachen führt mit Außerachtlassung von Klippen, Untiefen und Stürmen. Damit nicht Zehntausende von Existenzen unnütz beunruhigt werden, wird dieses Notsignal gegeben. Unser Nationalismus? Unser Verhältnis zu Erez Jisroel? Unsere Politik? Mit den Ländern und Völkern, mit der nichtjüdischen Oeffentlichkeit geraten sie nur in Fühlung, wenn es gilt, unjüdischer, thorawidriger Politik zu begegnen, wie es jetzt leider oft der Fall ist, gegen unseren Willen, vom Gegner erzwungen. Unfern Nationalismus, unser Verhältnis zu Erez Jisroel, unsere Politik diktiert die Thora, deren Organisation die Agudys Jisroel.ist. Unser Nationalismus besteht in der Treue zum Nationalgesetz. Für Erez Jisroels Besiedlung zu arbeiten, ist uns religiöse Pflicht. Unsere Politik heißt, jeden Wert am Maßstabe der Thora zu messen, jede auftretende Frage im Geiste der Thora zu erfassen und zu lösen. Verrat! werden die nationalistischen Organe rufen, Verrat an der jüdischen Nation! Doch sie sind keine Organe der jüdischen Nation. — Assimilanten! werden sie uns schelten. Doch auf Assimilation an die Völker der Welt gehen gerade sie aus. Wer zur Thora steht, dem Nationalgesetz, ist kein Verräter. Wer thoragewollte Assimilation vollzieht, lächelt ob des Vorwurfs der Neu- Nationalen. "" .'i5v mp’ «Vi irr ihnt nsrii nfcjrräy Wir machen auf die der heutigen Nummer bergedruckte ■Xaföl 3ur' Erlernung oes Bindens 00n XefiUih k n Öfen aufmerksam. Interessenten stehen Sonderabzüge auf besserem Papier zur Verfügung.

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