Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1926)
- Date
- 1926-02-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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11, Februar 1926 Der Israeli t Nc. 7 Seite 3 ist offenbar. die- Auffassungsweise eines jeden einzelnen^'- donn< die des - einen gleicht nicht der des anderen. Denn es ist absolut unmöglich, daß all die, geringeren oder! größeren Wert besitzenden, mannigfaltigen- Erscheinungsformen des religiösen Lebenssich restlos "uniformieren lassen. Hier ein klassischer Zeuge für diese meine Behauptung: Der große 1L1Üder in einer an den eigentlichen Begründer des Chassidismus in Ungarn, an den ebenfalls-hervorragenden nav ta NV2 gerichteten nawh: folgendes schreibt: irn *pj?; ]ni?w3 nn^-narrn ba> '3 ’aiBn *6r»a ]ds -vivian v mta pi? riwa? hab num nun rwvi nr-'2' -i> p min min «Vi? *7ünan bn p by wn ävnb am maiba D*»im mxa min in^r na i’^sran m?2 i:ij? osr nbi? "mrr pao-p. nrni *ab vnwmm S»na:;.*m pbr 'Ti nnnsn nw anx 'in 'n nv p .’O' •D'wb mixn nniiörö?p*n p i’ffyan naw-a b"Wn ’jn D?mp: •(o^pla’o^miK' 'v^n) bn ap.inxna inin bnrr Es ist etwas beschrverlich, diese in eigentümlichem wunderschönen Stile geschriebenen Worte wortgetreu zü übersetzen. Daher wollen wir uns bloß auf die Darlegung des in diesen Worten zum Ausdrucke gelangenden Gedankenganges beschränken. Hier sagt nun derben bxn-daß die im Schulchan Aruch ratifizierten Gesetze und Regeln wohl verbindlich sind' für einen jeden einzelnen Jehüdi-, w as ab e r d i>e j e n i g e n r e l f-- g i ö s e n Neigungen u n d W ü n s ch e d er e i nz e l neu I n d i v i d u e M bet r i f ft, d i e sich über die streikte Beobachtung der für alte gleichmäßig verbind-! l D k il § ° f | c i f * «- » e S S -b « t 4) ® « M r u cst y i n ll n s D e t a l l 8 S N w V ff? - > f ° geschieht solches je na ch de r i n d i v i - d u e kl e n An l a g e u s w. de re i n z e l n e n Persönlichkeiten. Hier'ist also von einem als nbian nixa anerkannten großen Manne als ’ etwas ganz Selbstverständliches erachtet, daß je nach verschiedenen Zeitepochen und Verhältnissen sich mannigfaltige Variationen auf dem umfangreichen Betätigungsgebiete des i n d i v i d u e i l em religiösen Lebens bilden.") ' (Fortsetzung folgt.) 5) Auch das Landesorganifationsstatut des orthodoxen Judentums in Ungarn fetzt - die Möglichkeiten von Variationen 'inmitten - des e i n h e i t l iche n, (orthodoxen) Judentums yoraus, indem es gleich im ersten Paragraphen ausspricht: „Die seit jeijer auf Grundlage der im Schulchan Aruch kodifizierten Religionsgesetzes stehenden orthodoxen Juden Ungarns und Siebenbürgens, und v^iso konstituieren sich zu einer selbständigen' autonomen Religiönsgenossenschast." Mochenrundschau. Vom Golus in der „jüdischen Stadt". Das ' Wort stammt" nicht von uns.' Der gut nationale „ D o a r H a j o m " , der in großem Format täglich in Jerusalem erscheint und das Sprachrohr des neuen nationalen Lebens in Pa-, lastina ist, ist es, der in seiner Ausgabe vom 4. Schewat dieses Jahres auf dev ersten Seite einest Artikel bringt unter der Ueberfchrift: ilnjw n'nn bna n nbß - _>iefe Ueberfchrift besagt viel. Der Inhalt erst enthüllt ein Bild, das in diesen grellen Farben bislang angeblich nur mit den „bösen Augen der unversöhnlichen Orthodoxie" gesehen werden konnte. ° - Ein Bewohner Tel-Awiws führt Klage gegen die jüdischen Verwaltungsbehörden in Tel-Awiw, die Mit ihren kleinlichen Schikanen all diejenigen, die er inder "östlichen Heimat von Seiten der russischen und polnischen Behörden erlitten, noch weit übertrumpfen. Da er im Begriffe ist, sich in Tel-Awiw ansässig zu machen und sich mit seinem mitgebrachten- Gelde auf ehrlich - erworbenem Grunde ein eigenes Heim zu errichten, werden ihm von Der sogenannten Baupolizei und von anderen zuständigen und unzuständigen Aemtern so viele Schwierigkeiten in den Weg gelegt, daß er an feiner Sache schon'schier verzweifelt ist. „So leide rix«fert ®Socf>ert lxrttet* hem Nsglrns dsr FreiycULpaNLi hKS JU? §??i: heit. Litt ich zu Hause, so war ich eben im Golus. Allein, soll ich auch hier in Tel-Awiw seufzen, unter dem Joche einer Fremdherrschaft?" " Das könnte vielleicht als Ausfluß einer Verärgerung genommen werden, wie sie auch anderswo gegen Aemter und Behörden, begründet oder unbegründet, Nicht ungewöhnlich ist. Aber hören wir, was der Beschwerdeführer, offensichtlich im Sinne des führenden Blattes, weiter sägt: „Denn was ist Fremdherrschaft?: Eine Obrigkeit) deren Sprache nicht die meinige ist, deren Gedanken den memigen zuwiderlaufen, deren Bräuche und Interessen ganz andere sind als die meinigen. Die Gruppe, die zur Zeit in Tel-Awiw regiert, ist in all ihren Astgelegenheiten linksradikal gerichtet. Sie spricht die Sprache der Extremsten. Die Angelegenheiten des Judentums und des Gros dtzrer, d;e, vom Unglück verfolgt, hergekommen sind, um hier das Nationalheim zu errichten, werden nie zufammentreffen mit den Anliegen und mit den Interessen der marxistischen Partei. Wir und sie bilden zwei Pole, bei denen ein Treffpunkt ausgeschlossen ist. Eine Rasse kann sich in verschiedene Gruppen teilen, die nebeneinander in Frieden leben oder auch so, daß die eine Gruppe der anderen übergeordnet ist. Aber das ewige Judentum, die jüdische Seele kann unmöglich unter der Fuchtel einer linken Partei lebenderen Ideen unsere Lebenskräfte vernichten, unseren Be st an d u n d u ns e r e Z u k u n ft, die in d e r N e i n h a l t u n g. u n s.e rer Neschomo v er bürgt sind, unt evH ö hlen. Ich war Hausbesitzer in der Gölusheimüt, hielt am Judentum und das Judentum hielt mich. Ganz anders fühle ich mich im links gerichteten Tel-Awiw, verbannt, verpönt, verdächtigt von allen Seiten. Die Lehrer des Gymnasiums und Erzieher meiner Kinder haben in d e r e n H e r z d a s G i f t d e r B e r a ch t u n g gegen ihren Vater, den Bourgeois, getrau f e.l t, i n i h r e r S e e l e a u s g e - löscht die Flamme der Elternverehrung, die von Generation zu Generation im j üd is'ch e n He rz e n fo rt - f l a mmte." . So weit der „Doar Hajom" unter der Leitung von I t a mar b e n A b i, dem Sohne des ersten Kultürpioniers in Erez Jisroel Etiefer ben I e h u d a, in seiner Nummer 101 von Dienstag, den 4. Schewat. Warum hat man aber diejenigen, die vor Jahrzehnten schon diese naturnotwendige Entwicklung vorausgesehen und vorausgesagt haben) Verräter und Verbrecher genannt? Warum sucht man heute noch dein gutgesinnten Teil he* sich schon immer mit gutem Erfolg gegen *>«= Att gswWrl unü sü Den Grund für neue, gesunbe &nttolSün^ $£* rettet hat, warum sucht man ihm durch Zwangsorganisätionen und die Gewalt einheitlicher Gemeindeverordnungen ' den Weg zu verbauen, die Arbeit, hie er damit für den ganzen Jischuw leistet, zu unterbinden? Wirsind gewiß, der „Doar Hajom", bei dem es in letzterer Zeit stark dämmert, wird auch darauf bald die Antwort erteilen. Was geht in Litauen vor? Wie rasch und gründlich äußere Machtfülle, wenn sie nicht von innen heraus, gespeist ist, zusammenbricht ' zeigt die letzte Entwicklung in Litauen. Nach Gründung der litauischen Republik, in den holden Flitterwochen des neuen Staates, da alles von Liebe, Duldung und Wohlwollen überströmte und ein Gnadenstrahl der jungen Freiheit auch auf Litauens Juden fiel, verstanden auch v'U it im bedeuten, daß ran erst wirksam werden, wenn < wir sie von dem entgegennehmen, dem wir ohne weiteres das Recht einräumen, uns Befehle zu erteilen, daß pn it b’p^K, wenn Gott uns Rechtsvorschriften erteilt, sie lebengestaltend wirken, unser Seelenleben ergreifen und so ihre Bestimmung erfüllen, uns zu veredeln, uns mit dem wahren Geist der v'vSVa vertraut zu machen und dieser Geist ist, daß Recht leicht zum Unrecht wird, wenn man sich auf -den starren Standpunkt des Rechts stellt. Die Rechtsvorschriften sind nicht dazu da. datz der andere vor. uns. und wir vor den anderen geschützt werden sollen, sondern dazü, daß wir Luch fcett" <B'<^arxkert, etiies-lldMeAte melhett, irnfl mir nichts s? s?hr foffen als ein IlttSHf zu W gehen. Und dies führt von selbst nns h^ü GsdiMöen.. daß wir. niemals auf unserem Schern beharren dürfen. Wenn jeder aus dem Boden des starren Rechts verharren wollte, fo könnte das Recht nicht den Frieden begründen, sondern zu einer unversiegbaren Quelle ewigen Streites und Haders werden, die Vernichtung , und Verderben im Gefolge habm. ^bibst bi*min. vpayrns? bv xbn b*»V^i*r> nmn sb mm* Ais Ideal soll einem das Recht vorschweben, dann wird es sicherlich dazu führen, daß in der prgklifchen Befolgung des p das pnn nuva bus'? zurnHerrschäftgelangt. imn nrr onv nimm pn;;.iT nwart*inwan"nKi nLinh' pn mnra b^sV n jivv' IM. Soll die-Tat den Stempel des p tragen, so muß sie im Geiste des pn nuva b>2b^ im Geiste der Liebe und des et waMeü-^Büetzichtss \ ausiereinss: Recht iausgeMhrt Pfade, die Recht von Unrecht trennen, der Pfad des Rechts ist 2M2. ein ganz schmäler, e.nger Pfad, der leicht-übertreten werden kann, wollen wir daher sicher sein, daß wir niemals diesen schmalen Pfad verfassen, njm nnsn. so müssen wir die breite Straße der nps ww wandeln, die gerne auf etwas verzichten, was ihnen vielleicht von Rechtswegen gebührt. damit ihr Wandel -pn vsva mn*»m bleibe. , 7'vn rrh »11 nennt der königliche Sanqer nach einem Worte der Weisen Rom. den Schöpfer des Rechts. Es hat wohl v'2'1 geschaffen, aber Rom kannte den Begriff des pn mwa d^bV nicht, war ket« fei« Reckt atmet keine Liebe und darum kmtitie Ml stmtgö BöMMMllllll ücg Kmrs, großss,' gute üttb Me Msnschsn zu erziehen nicht erfüllen,, seine Aienschen sind nVistt nana W1»« geblieben. Nur ein Recht, dem min vorangeht, das himmlischen Ursprungs ist, vermag Liebe zu wecken, zur Achtung des. Rechtes der Anderen zu erziehen und sonim Verein mit rvsn den ewigen und wahren MenWheitsstieden zu begründen. Meines Feuilleton. Zwölf Jahre «Zeschurun". Im Januar -1914 ist das erste-Hest-des „Jeschurun", herausgegeben von Dv: I. Wohlgemuth, mit einem Prygfamm-Axtlhei. des Herausgebers erschienen. Merlag . dies ...Jeschurun Berlin Nr. 24.) Zwölf gebundene Jahrgänge liegen uns zu Jahresende 1925 vor. WelMmngeheür^Hülle von. jüdischer. Denkvnd« GeistesächjM.! vW -Anregungeni und, Wffentzgut. ist in diesem Dutzend, von.„Jeschuxnn"-Bänden.. äusgespeichertl Es ist nicht möglich, im. Rahmen eines kurzen. Hinweises das, was aus der Geisteswerkstätte zum Mitreden rm jüdischen Lehen Berufener in zwölf Jahren hervorgegangen ist, einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Bedankt man, daß Monat für Monat jedes Heft eingangs eine längere Abhandlung des Herausgebers über aktuelle Vorgänge im jüdischen Leben bringt, und dieser dann Artikel über Weltanfchauungssragen, über jüdische Aufgaben, über wissenschaftliche Probleme, Erziehung, die Einstellung des gesetzestreuen Judentums zu allen Strömungen der Zeit folgen: bedenkt man, daß zu den ersten Mitarbeitern noch Rektor Dr. D. H o f f m a n n, Professor Berliner, Prof. Dr. S u l z b a ch V's: gehörten, bedenkt man ferner, daß keine Erscheinung rm Reiche des jüdischen Geistes in den zwölf Jahren im „Jeöjimur lMMM qjufbsj prochen öltet», w atmt man, welch <3eifteschatz in diesen Sammlungen für alle Zeilen ausbewahrt st. Seit 1920 Ijat der „Jeschurun" auch eine hebräische Beilage, an der eine Zeitlang der früh dahingegangene, unvergeßliche Rabbiner Kaplan mitgearbeit hatte. Zur Zeit steht diese der jüdischen Forschung im traditionellen Sinne ganz gewidmete hebräische Beilage unter der Redaktion von Dr. Samuel Grünberg und zählt zu ihren beständigen Mitarbeitern Rabbiner I. I. Weinberg, N. Telem u. a. m. Wir wünschen dieser vornehmen Revue, in der sich heute um den hochverdienten Herausgeber Mitarbeiter scharen wie Dr. Josef C a r l e b a ch, Dr. Samuel Grünberg, Dr. Oscar Wolfsberg, Prof. Dr. Eduard König, Prof. Dr. Marmorstein, Dr. S. Kaatz, Dr. Moses-Auerbach, Dr. Josef Meist, -Dr. Arnim Blau, Dr. I. Bondi u. v. m. ein weiteres Fortschreiten auf diesem Wege, zur Verbreitung von jüdischem Wissen, zur Stärkung von jüdischem Wollen.