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Der Israelit · 1926-02-11 · Heft 7 (11.2.1926) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 7 (11.2.1926)
Date
1926-02-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 7 »Gibt es bloß eine Mische Religion ober mehrere?" Bon Rabbiner PH. Fischer in Sarospakak (Ungarn). Es ist ein merkwürdiges, mit dem Aufgebote großer Belesenheit abgefaßtes Buch, welches Herr Dr. L. Kecskeme'ti, seines Zeichens Rabbiner der neologen Gemeinde in Großwardein, unter dem in der Ueberfchrift genannten Titel vor einigen Jahren veröffentlicht hat. Und nur den Kriegsjahren, in denen das Buch erschienen ist, ist es zuzuschreiben, daß dasselbe nicht die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich gelenkt hat. Denn trotzdem das Buch ungarisch, also in einer Sprache, die nur einem Bruchteil der Gesamtjudenheit zugänglich ist, abgefaßt worden ist, so kann es doch rechtmäßigen Anspruch darauf erheben, das. Interesse weitester Kreise wachzurufen. Sollte doch auch das Buch nach ursprünglicher Absicht des Verfassers und seiner Initiatoren, wie dies aus der Vorrede ersichtlich, zugleich auch in deutscher und französischer Uebersetzung erscheinen. Und der in dem Buche behandelte Gegenstand ist in der Tat ein solcher, der die Judenheit, speziell die jüdische O r t h o d o x i e der anderen Länder ebensosehr angeht,wie diejenige Ungarns. Der Verfasser stellt sich zur Aufgabe, an der Hand von Hunderten der jüdischen Geschichte entnommenen Daten die These aufzustellen, wonach es inmitten des Judentums stets verschiedene, einander entgegengesetzte Richtungen gab, daß im Kreise bessßlüßll KlffMvlMMMM imö MMM8Mll8 ffßtS einen heftigen Kampf miteinander geführt haben, dennoch aber niemandem der Einfall gekommen ist, die E i n h e i t des Judentums in Frage zu stellen. Dieses herostratische Unternehmen blieb der „ungebildeten" Orthodoxie in Ungarn und der „gebildeten" Austrittsorthodoxie S. R. Hirschs in Deutschland Vorbehalten. Nun wird es uns der Verfasser zufolge der ^^genschweren Tragweite dieser Grundthese des iches gestatten müssen, daß wir uns die Freiheit Men, den Unterton seiner These, die riesige torische Datenmenge, womit er operiert, einer tischen Untersuchung zu unterziehen. Wir woli einmal sehen, ob die vom Verfasser geleistete cweisführung eine richtige ist. Doch sei dem Schreiber dieser Zeilen eine ganz rze Bemerkung pro domo gestattet. Die Bemermg nämlich, daß er es für seine besondere Pflicht und Schuldigkeit hält, das vorliegende Buch einer ausführlichen Besprechung zu würdigen, da er vor einigen Jahren in dem um die einheitliche Organisierung des ungarischen Judentums pro und contra entbrannten Kampfe in einer ° ganzen; D e r I s r;Ve l i 't : Reihe von größeren und kleineren Arbeiten, von denen einige auch f. Zt. in diesem Blatte erschienen waren, auf die zwischen Orthodoxie und Reologie gähnende unüberbrückbare Kluft hingewiesen hat. Zur nachträglichen Entkräftung meiner nicht ohne Erfolg gebliebenen Beweisführung wurde nun dieses Buch in die Welt hinaus geschickt. E^or allem will ich über den Eindruck berichten, den dieses zweifelsohne mit einem großen Aufwands von Fleiß und Belesenheit verfaßte Buch auf mich gemacht hat. Der Verfasser häufte eine solche riesige Menge geschichtlicher Daten zwecks historischer Bekräftigung seiner These aus, daß der in dem Labyrinthe der in einem recht eigentümlichen Stile vorgetragenen Beweisführung des Autors sich verirrende Durchschnittsleser, dem es gewöhnlich an der gehörigen wissenschaftlichen Sachkenntnis mangelt, fast betäubt von der Menge und Mannigfaltigkeit der historischen Daten, in Ergebenheit beteuern muß: Fürwahr, der Autor hat Recht! xvnw 's bv «js xinVxir»1) Wo auch immer der Jude fehlt, er bleibt dennoch Jude! Auf mich aber haben die Ausführungen des Buches einen ganz ähnlichen Eindruck gemacht^ wie s. Zt. der zuerst erschienene vierte Band des von unserem Verfasser reichlichst benutzten Grätzschen Geschichtswerkes auf S. R. H i r s ch, den als den Begründer der deutschen „gebildeten Orthodoxie" unser Autor häufig zitiert. Ja, dessen Manen er einen ganzen Abschnitt seines Buches widmet.2) Ql(s rtämftcf) Rglx!>err $<rV .jüdischen Geschichte gehörende Persönlichkeit, den zuerst erschienenen Band des erw. Geschichtswerkes zur Hand bekam, da gab er seinem Entsetzen über die Verirrung eines ehemaligen Schülers und Schützlings in einem an einen Freund gerichteten Briefe, mit einem treffenden Gleichnisse Ausdruck. 3) Erst später schrieb er seine niederschmetternde Kritik gegen die Grätzschen Geschichtsfälschungen und zwar mit solcher zermalmden Beweisführung, daß man dieselbe bis zum heutigen Tage nicht zu widerlegen vermochte, ja solches nicht einmal versuchte, hatte doch selbst Grätz bloß mit einer Anrempelung seinem ehei) Der richtige Sinn dieses Ausspruches, womit so viel Mißbrauch getrieben wird, ist natürlich bloß der, daß der als Jude Geborene bis zum Grabe sich von dem nixm min nicht befreien kann, aber keinesfalls der, daß, was immer auch der als Jude Geborene tut, „Judentum" heißt. In diesem Falle. müßte doch auch n^s, das von Manasfe im Heiligtume aufgestellte Götzenbild i"n als „Judentum" gelten. -) Siehe mein „In seinen Spuren . . ., S. 16 u. f. 3) S. Ges. Schriften, S. 318. 11.-Februar 1926 maligen Lehrer und Wohltäter zu antworten vermocht^' Hirsch schreibt nun in 1 jenem Briefe, daß er einen taubstummen Freund hätte, der ein ziemlich beliebter Maler in einer deutschen Residenz war. Dessen. Porträts waren ähnlich. Aber sie waren auch -wiederum nicht ähnlich. Er chatte nämlich die Manier, alles in kolossalen Dimensionen aufzufassen. Seine Bilder waren alle übernatürlich; groß, und hatten dadurch ein fremdartiges, geisterhaftes Aussehen. Man -konnte aber nicht sagen: Der ist's! Man erkannte sofort, daß der Maler nicht die o b j e k t i v e Wirklichkeit gemalt, sondern nur den s uch j e k t i v e n Eindruck wiedergegeben, den die Erscheinung. der Persönlichkeit auf ihn gemacht. (Ges. Schriften, 5, S. 318.) . Mit dem Autor unseres Buches verhält es sich ebenfalls so. (Es ist wohl wahr, daß ich kein Hirsch bin, aber auch K. ist kein — Grätz!) Auf zweihundert enggedruckten Oktavseitett argumentiert er dafür, daß das von ihm glorifizierte ^prophetische" Reformjuderttum ein wohlgelungenes Porträt des traditionellen Judentums sei. Auf zweihundert enggedruckten Oktavseiten tut er anderes, als daß er auf Grund -immer aufs neue angezogener historischer Daten neue Beweise dafür erbringen will, daß es im Judentums immer kleinere oder größere Differenzen, also verschiedene Richtungen gegeben hat. Nun, wer leugnet denn das? Inmitten einer jeden organisierten Konfession gibt es solche durch kleinktk SZU MMk KWkkllgM 88Nklll8lMk MlWvöm MMuiMN. Die Mmatischen, gesellschaftlichen und anderen Einflüsse drücken den inmitten der einen und derselben Konfession vorhandenen verschiedenen Gruppen unzweifelhaft ein besonderes Gepräge aust Schon zu den Worten Mofis: ’pb’X 'n iip-rn /im msrn ty.wx r.irrnn „Es bestelle der Ewige, der Gott der Geister allem Fleische, einen Mann über die Gemeinde"bemerkt Raschina*? ninn.n 'p°?x INX bb bv wsn-’paaV ■»to srim nax .*iaxa 'i3i nr*? nt pan p'xi inxi Warum heißt es: „Der Gott der Geister!" Damit wollte er sagen: Herr der Welt! Bor Dir 4) „Ketzerriechenden Klausner" nannte er den Mann, der, wie dies aus dem von M. Braun u. d. T. „Aus H. Grätzens Lehr- und Wanderjahren" herausgegebenen Tagebuch Grärtz' hervorgeht, ihn vor geistiger und materieller Verkämmung errettete, ihn fast vier Jahre in Oldenburg in seinem Hause hielt und ihn mit größter Güte behandelte, und der nach Ph. Bloch, hem Bibliographen Grätzens, der einzige Mensch war, von dem die spröde Natur Grätzens geistige Impulse empfing, und den Grätz selber in der Widmung seines Erstlingswerkes „Der Gnostizismus ufw." als seinen „unvergeßlichen Lehrer" und „väterlichen Freund" apostrophierte. Gollesbewußksein und Rechtssinn. Zu o'vSV» von Rabb. Dr. Hermann Ktern - Merlin, mno Tir.1 nrras^ s-^51 ISP« S'vSV'NN nVm nrxn mm» mim vvD» n™ jms "j^nx npis ■pra nput w? bv pna “j^nx ro^na nx nnn*6a pam pan rrnnn obvü mi’m rftxi 'iv nnns*?i vsvai pin ih nv uv 'm .ras^a Onan tma) -v'vsvan Während in dem Thoraabschnitte der vergangenen Woche uns die große Gottesoffenbarung geworden, die uns die ewigen Wahrherten vermitteln, die in erster Reihe das Verhältnis des Menschen zu seinem Gotte zu regeln bestimmt sind, während diese Gottesoffenbarung vornehmlich der Sicherung des nax, der Wahrheit, die die eine Säule der Welt ist, gilt, bringt uns der Abschnitt D't5B!Pa Rechtsvorschriften, die das Zusammenleben der Menschen untereinander regeln sollen, die als dem gleichgestellt nach dem Ausspruch der Weisen ebenfalls eine der Säulen der Wett bilden, na# und p*r, Wahrheit und Recht find die Vorbedingung für die dritte Weltsäule für Friede, wir erlebten es ja-, ist sicher ein Tragbalken der Welt; wo er fehlt, da schwankt alles. Ohne Frieden geht die Welt aus einem Vulkan einher, der jeoerzeit ausbrechen kann und alles Leben zu vernichten geeignet ist. a'rbv fehlt aber nur dann, wenn feine Vorbedinaungen mangeln, wenn die Wahrheit kein Gehör findet und das Recht gebeugt wird. Wahrheit ist die Grundlage des Friedens zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer und Recht das Unterpfand des Friedens der Menschen untereinander. Physich und psychisch differenzierte Wesen können nicht miteinander leben, wenn die v'vSVa nicht zum Gemeingut der Menschen werden, wenn der Geist der O'vSVa nicht von den Seelen der Menscben Besitz ergreift, datz dis eiosnt-- inBQn anssüm fl. fl. ms SlNMnsu«s nismälz «st. wendig, wird. Die MHm sollen nicht dazu dienen, das verletzte Recht herzustellen, sondern sie sollen einer jeden Rechtsverletzung oorbeugen. Die o'vswa erfüllen nur dann ihre Bestimmuna. wenn sie durch ihre allgemeine Beherzigung einen jeden bejip überflüssig machen. mxxi laix inx mro 1VX3 x^x V371X mxxi laix *mx oiroi öd’öbw nx stl"aj pil'.n nx jaixn XV'. Der Wärter pflegt und trägt den Säugling, hat aber das Bestreben, sich selbst Überflüssig zu machen, den Säugling aus eigne Füße zu stellen. So soll das Bestreben der v'vsiN dahin gehen, das ü3'vsiV m msxi in ein nixxi 03nx umzuwandeln. Erziehungsmittel sollen sie sein, die O’BBiP»' damit bei fortschreitender Entwicklung ihre Anvendung überslüisig wird. Rechtsachtung ist nur ein Glied der Wahrveitskette, o'BStfa nur ein Teil der Heileswahrheitev, die uns offenbart wurden. Rechtsachtung ist eine Vorbedingung der Wahrheit und auch ein Resultat der Wahrheit In einer Gesellschost, die gewalttätig, ist, ist kein Raum für die Gottheit. . Ein biIan "in, das voller oan ist. kennt keinen Gottesbegriff, ihm ist Macht, rohe körperliche Kraft, die allein die Gewalt erfolgreich zu machen verspricht, die oberste Gottheit. Erst wo primitive Rechtsbegriffe sich zu bilden beginnen, da ist Raum für den Gottesgedanken und erst dieser Gedanke bringt das Recht zur eigentlichen Entfaltung. Es ist vielleicht dieser Gedanken gang, den unsere Weisen im Auge hatten, wenn sie über die Ableitung der sieben noachidischen Gebote verschiedener Meinung sind. Der eine meint um, zuerst kommt der Rechtsbegriff, dann ry it v'p^x n, dann der Gottesgedanke, während der'andere aus u yy den Gottesgedanken und aus pr^ v'p^x ableitet. ®er sine glaubt^ erp bie TT||f &e2>anfeen ihrer MÜssSN, datz sie das Bedürfnis einer Unterordnung unter eine höhere -ntelligenz empfinden und erlernen müssen, datz nicht alles, was der Mensch instinktiv will, auch gut sei. daß Gewalt nicht höchstes Recht fein könne, wenn der Gottesgedenke in den Kreis den Kreis der Menschen einziehen soll. Der andere hingegen meint, daß der Rechtsgedansie nicht fruchtbar fein könne, wenn er nicht in dem Gottesgedanken verankert wird. Sind die Rechtsvorschriften nur Menschenwerk, so können sie nicht gestattend und veredelnd auf das Menschengemüt einwirken, Menschengesetze werden aus Furcht vor der Strafe beobachtet, aber sie werden umgangen, wenn diese Furcht überwunden ist. Als Gottesgesetze werden sie zum Bestand der menschlichen Seelen. So ist es eine Wahrheit rrnnx'm '^a pan minn. Der Offenbarung der Goitheit muß der Rechtsbegriff vorangehen, damit die Gottheit überhaupt ihren Einzug halten könne, ixm kann pan bedeuten, daß im Menschen eine gewiffe seelische Disposition vorhanden sein mutz, sicd zu unterordnen, Befehle entgegenzunehmen, sein persönliches Wohlbehagen nicht als oberstes Seinsprinzip zu betrachten, dann kann O'p^x bei den Menschen einkehren,, es kann aber-

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