Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1926)
- Date
- 1926-02-04
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 16 Nr.! 6 D e r H s^ase l x-.t rechte Vorsicht in der Annahme -fremder-Ansichten zu wahren im Stande ist, wird aus diesem Werke Gutes schöpfen. Rabbiner Dr. L. 2L Rosenthal. Die auswärtige Bevölkerung im Ptolemäerreich. Von Fritz Heuchelheim. VI. u. 109 S. Leipzig 1925. Dieteruh'sche Verlagsbuchhandlung. Geheftet 7.50 Mk. Wenn wir die Besprechung dieses Merkchens vorgenommen haben, so leitet uns die Aussicht, darin über die jüdische Bevölkerung des Ptolemäerreiches Genaueres zu hören. Denken wir an den Umfang des jüdisch Hellenistischen in Palästina und Aegypten, denke man an Nonien wie Aristobulus, Philo, an die Septuanginta, an die zahlreichen Reste jüdischen Schrifttums im Eusebius und Clemens Alexandrimus, so konnte man diese Erwartunc/.n wohl begreifen. Gerade aber in dieser Beziehung, wo es sich um Juden handelt, werden wir auf andere Werke verwiesen, deren Inhalt uns hier nicht wiedergegeben wird, nur einige Ergänzungen und Berichtigungen, die uns sehr trocken und eintönig vorgekommen sind. Die Arbeit ist sonst sehr gründlich und anerkennenswert, versagt aber vollkommen in dem Hunttö, aus öM m UNS vösondörs llnlvniml. Wir erwarteten hier keine literarischen Auseinandersetzungen, wohl aber solche Angaben über jüdische Verhältnisse, wie sie gerade der Geschichtsforscher über Bevölkerungen ans Licht ziehen kann. Bedenke man, wie zahlreich damals jüdische Gemeinden im ganzen Orient gewesen sind — davon hören wir kein Wort. Dr. L. A. R o s e n t h a l. Ö*7p '»Tll Dritter Sammelband über die Gaonenzeit. Von Dr. Benjamin Manasse Lev in. Chaifa 5685 96 S. Preis 2 Dollars. Zum dritten Male begegnet uns hier eine Sammlung von Briefen aus der Gaonenzeit, von Rechtsentscheidungen, Bruchstücken vorzeitlicher Talmudkommentare und gottesdienstlicher Dichtungen, wesentlich aus dem Zeitalter Hai Gaons und seines Vaters. Außer dem sehr tätigen Herausgeber arbeiteten hier noch Dr. Eliefer, Professor Israel Davidson, Professor A Marx und im kritischen Schlußteil A. Abrunin, Josef Levi und Moses Seidl im Verein mit dem Herausgeber. Es ist nicht leicht, aus dem vergilbten und zermürbten Blättchen, wo der Text selbst erst entdeckt und oft erraten werden muß, noch sichere Folgerungen auf Herkunft und Entstehungszeit aufzustellen und von den oft unbekannten dort genannten Personen etwas zu sagen. Was möglich war, haben Dr. Levin und seine Mit arbeiter geleistet. Dr. Eliefer veröffentlicht ein Schreiben eines uns unbekannten Gaon R. Zemach Zedek bar Jizchock, folgert aus dem noch erhaltenen seinen Wohnort als Masä Mechassia (da Pumbadita in jenen Zeiten in anderen Händen sich befunden) und darf ferner annehmen, daß er der berechtigte Gaon gewesen, so daß wir hier noch einen Vorgänger Samuel den Choffnis vor uns hätten, mit dem man sonst die neue Folge suranischer Schuloberhäupter hat beginnen lassen. Der Adressat Elchanan den Schemarja, ist ein Sohn jenes R. Schemarja aus Alexandria, einer der vier Sendlings, die uns durch Jbn Daud und jüngst durch handschriftliche Funde bekannt geworden sind. Der Brief selbst klärt uns über die Stellung und die Befürchtungen der damaligen Gelehrten auf, welche sie hinderten, große Lehrsitze sich zu erringen. Prof. Marx bringt drei Entscheidungen, deren erste ausdrücklich, deren letzte wahrscheinlich, und deren mittelste vermutlich von R. Josef aus Mofa Mechasja stammen (im Gegensatz zu R. Josef ben R. Abbu und R. Josef bar Chinnena von Pumbaditha). Es war der Gaon, der Seadja nach feiner Absetzung folgte, Josef ben Jakob ben Satia. Marx eignet ihm auch des Stils wegen diese drei Teschubot zu. Er verbessert die Fassung und beseitigt die Fehler früherer Herausgeber. Wir lernen diesen Gaon als einen Mann von biederer und aufrichtiger Gesinnung kennen, der als Oberrichter mit Entschiedenheit vorging und auch sonst die sittlichen Fehler seiner Zeit nicht verdeckt hat. Die Reste von Piutim, die der Herausgeber mit Prof. Davidson mitteilt, führen uns mitten in die synagogalen und z. T. häuslichen Sitten jener Zeit hinein und beanspruchen genaue Beachtung. Wir kennen uns nicht über Alles verbreiten und wollen nur noch Einiges.anführen, was uns bemerkenswert erscheint. Da haben wir (vom Herausgeber) ein Bruchstück aus dem Briefe des R. Mazliach ben Elia Jbn Albazak an Samuel Nagrela, worin berichtet wird, wie R. Hai am Vorabend des Rofch haschana die Worte Abajas (Horijot 12a Kerithuth 6a, Tur und Schulchan Aruch § 583) befolgte, daß mit angenehmen Genüssen man das Jahr beginne. Hat R. Hai diese Sitte so genau befolgt, so sind die Worte merkwürdig, die ihm Jbn Esra über diese Dinge im natrn nus in den Mund legt. Vielleicht wollte er aber hier nur die Uebertreibungen und zu weit gehenden Folgerungen verhindern, die man daran geknüpft hat. Noch eins: S. 72 werden Bestimmungen über Teflllin und deren Herstellung von R. Hai gebracht. Da heißt es S. 75 in beiden Fassungen: „Man legt die Parschiot nach (ihrer biblischen) Ordnung hinein: 'Vip vw dx rrm ,vm 'i:r:p mm, und zuletzt heißt es: „Die Ordnung der ist nicht in der Mitte." Das widerspricht der Auffassung, welchß wir vom Gegensätze zwischen Raschi und Rabbenu Tam in der Frage der Parschiotreihe haben. Die oben angegebene Ordnung i^t die Don SHaf cfji, mährend Rabbenu Ja m bekanntlich vrr mm an dritter und vierter Stelle stehen hat. (S. Menachoth 34b, Tossasot Schlagwort rwipm) Da wird gesagt, daß R. Hai mit Rabbenu Tam die gleiche Ansicht' hat. Hier finden wir aber R. Hai auf Raschis Seite. Da wir uns auf die Tosfafisten wohl verlassen können, so kann der hier gegebene Hinweis, daß das Fragment von R. Hai stamme, nicht richtig fein. Wenn ich einer Vermutung Ausdruck verleihen will, so mag diese Ansicht der des I an rrviv-V entsprechen, wo wir die Quelle für Raschi finden. Auch die vorausgehenden Angaben über die Herstellung derusw. scheinen auf jenes alte Buch für die Sofrimhinzuweisen. Man müßte sonst untersuchen, ob irgendwo R. Hai als Träger der Ansicht jTun m-ens erwähnt wird. Hat nach Tossafot doch gerade er als Zeichen ■nnrrt nv”in bestimmt, daß die beiden mvi in die Mitte kommen, und dem Grundsätze wird hier widersprochen. Schon aus diesen Bemerkungen kann man das Vielseitige dieser Sammlungen erkennen, woraus wir nur Einzelnes beleuchten konnten. Rabbiner Dr. L. A. R o s e n t h a l. iegenite. üöon Samuel Ö e m t n. deutsch von Arno Nadel Mit 7 Holzschnitten von Joses Budko. Charlottenburg. Verlag von Rath e n a u und H o r o d i s ch. Preis Mk. 3.50. Der Herausgeber des Bändchens hat sich offenbar besonders bemüht, eine harmonische Einheit zwischen Inhalt, Form der Darstellung, Vuchtype und Buchschmuck herzustellen. In der tiefschwarzen, tief geschnittenen Fraktur zieht am Auge und in der schwer dahinrollenden, mystischen Sprache des Erzählers an Ohr und Gemüt des Lesers die erschütternde Geschichte des „Lubliner" vorüber, der die Gottheit mit der Gewalt seiner Heiligkeit und feines Gebetes zur endlichen Erlösung Israels zwingen wollte und an dem titanischen Werke in wilder Verzweifluna m Grunde geht. Das Milieu beim „Kosnitzer", dem Bundesgenossen des Lubliner Rabbi, ist ebenso mit Realistik geschildert, die messianische Erregung, die bald ganz Polen wie ein Fieber ergreift und in der nur der alte „Kozker" nüchtern und helläugig die Katastrophe voraussieht. Budkos Holzschnitte atmen wie immer starke seelische Eigenart, neigen aber leider hie und da, als sei er bei Steinhardt in die Schule gegangen, zum Karrikaturenhaften. Das paßt schlecht in die harmonische Stimmung des Ganzen. Das Büchlein wird ästhetischen Feinschmeckern jedenfalls Freude machen. —m. Tycho Brahes Weg zu Gott. Roman von Max V r o d. 33.—42. Tausend. Leipzig 1925. Kurt Wolfs, Verlag. Die neue Auflage des bekannten Brodschen Romans, der. an dieser Stelle noch nicht angezeigt worden ist, gibt willkommenen Anlaß auf dieses für die jüdische Eigenart Brods besonders charakteristische Werk hinzuweisen. Wie. ein intellektuell und nach Lebensstellung und Machteinfluß auf der höchsten Höhe stehender Sterblicher von der mvnv nme>n hinweg über alle Wogen der Versuchung und alle Verstrickung ins Böse, zur sittlichen Reife geführt wird, die sich in höchster Selbstüberwindung offenbart, das ist das thema probandum des historischen Roamns von dem großen Astronomen. Brod bohrt r:*8 förmlich in die Seele seines Helden hinein und zeigt mit Vorliebe den unaufhörlichen Kampf auf, den das Böse mit dem Sittlichen gerade dann aufnimmt, wenn der oberflächliche Selbstbeobachter dem Triumph am nächsten zu sein glaubt. Der ganze Roman ist eine Illustration des talmudischen Satzes: ns' man» una Vvta- Das Auftreten des „hohen Rabbi Löw", der kurz vor dem Ende dem Ringenden die jüdil^e Lehre von dem zum Helfer Gottes berufenen Menschen verkündet, rst leider zu episodenhaft geraten, um sich voll auszuwirken: er hätte die Elemente zu stärkster Herausarbeitung des Grundgedankens in sich geborgen. — Bedauerlich ist der mangelhafte Druck, der aussieht, als bandle es sich um eine photomechanische Wiedergabe Dr. I. Talmudisch-rabbinische Sätze über Rechtsbeziehungen zu Richkjuden. Von Rabbiner Dr. S. K a a tz. 28 Seiten. Berlin, Philoverlag. In diesem Büchlein bewahrheiten sich alle Vorausetzungen, welche man gewöhnt ist, an eine Kaatzsche Schrift zu knüpfen. Wenn uns zuerst dem Umfang des Gegenstandes der enge Raum nicht zu entsprechen scheint, 0 überzeugt uns bald die Behandlung der Sache, daß dabei nicht Ungenügendes herauskommen wird. Die Größe des Ausgangspunktes gibt dem Ganzen von vornherein die Möglichkeit, alles ebensowohl nach bedeutenden Grundsätzen zu behandeln, wie auch trotzdem genügende Ausgestaltung den Einzelheiten zu bieten. Dabei bemüht sich Kaatz dazutun, daß wir zwecks Verteidigung der talmudischen Lebensgrundsätze keine ängstliche Auswahl, keine kleinliche Verfchweigerei nötig haben, er berührt trotz des knappen ihm zu Gebote stehenden Raumes gerade auch solche Gegenstände, gegen welche ich mit Vorliebe die judenfeindlichen Angriffe richten, und es ist merkwürdig, wie ohne jede Drehung und Umdeutung derartige Dinge in seiner Darstellung begreiflich, als notwendige Folgen der Schicksale Israels erscheinen. An anderen Stellen ist es die begreifliche rechtliche Herleitung und Deutung mancher Rechtssätze, die uns als begründet sich kennzeichnen. Kaatz hat nicht nötig, durch Geistreichelei und redensartliche Schwingungen seinem Stoffe einen falschen Glanz zu verleihen - er sucht die ungeschminkte Wahrheit und' ist überzeugt. Kenner umfaßt, läßt ihn trotz des engen Rahmens die Hauptpunkte des Stoffes treffen, so daß dies kurze Heft ihm, den t Eindruck LeZ Vollem, uyd. > .Unst.yffenhßn^..macht; män wünscht unkpMütW, den chtep 'M" mMnW jan» deütüngön in weitereNr Rahtnen begegnest 'zü könneN/Wozu sich hoffentlich noch Gelegenheit bietet. -Um diese Schrift vor Mißdeutungen zu schützen, betonen! wir, daß Verfasser die gesetzlichem Wandlungen nur auf dem Ge-, biete der (wie die..-Gemarm»-:vgl. Sripii, -«fra für möglich hält, während auf religionsgesetzlichem Boden derartige-Veränderungen nicht möglich-sind.. Rabbiner Dr. L. A. Rosenthaü Anklagerede der Kgl. Großherzoglichen Staatsanwaltschaft in Luxemburg wegen Beleidigung der jüdischen Religion und ihrer Dekennner. Mit einem Vorwort von Rechtsanwalt Fürder -Breslau. 28 S. Berlin, Vhilo-Vcrlag Der Philo-Verlag hat mit der Wiederherausgabe dieser Schrift einen guten Griff getan. Wenn sie auch nur emen einzelnen Prozeß betrifft, fo hat der luxemburgische Staatsanwalt feiner Anklagerede eine solche Allseitigkeit verliehen, daß sie vielen anderen Angelegenheiten zum Vorbilde dienen kann. Er spricht mit dem Selbstbewußtfeim des Luxemburgers, dessen Staat nur gleichberechtigte Bürger kennt und alle staatlichen und religiösen inneren Kämpfe von sich ferngehalten hat. Ihm erscheinen die unter Anklage stehenden Antisemiten als Störer der öffentlichen Ordnung und des staatlichen Friedens. Er hat dabei nicht nur das gegenwärtige Judentum im Auge, dessen Lehre er nach genauem Einblicke in das bezügliche ^Schrifttum gegen jede Verdächtigung verteidigt; er blickt auch auf die. schweren Kämpfe zurück, welche das Judentum um fein Bestehen, um Religion und Leben in den finsteren Jahrhunderten zu bestehen hatte und möchte alles verhindern, wodurch jene schlimmen Tage wiederkehren könnten. Er hat einen merkwürdigen Umblick und sich alles angeeignet, was er aus Schriften erreichen konnte, um als geeigneter Vertreter des religiösen Friedens den Störern desselben entgegentreten zu können. Dem Schriftchen ist die weiteste Verbreitung zu wünschen; es ist trotz, oder wegen seiner Kürze, den Kreisen zu empfehlen, denen die Verteidigung des Judentums obliegt. Rabbiner Dr. L. A. R 0 f e n t h a l. Zedakah. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden gibt unter Leitung von Eugen Caspary, Dr. Jacob Segall und Hilde Ottenheimer unter dem Titel „Zedakah — eine „Zeitschrift der jüdischen Wohlfahrtspflege" heraus. Die letzte Nummer, ein stattliches Quartheft von 40 Seiten, enthält eine Reihe ernster und gutdurchdachter Arbeiten aus der Feder von Männern, die auf sozialem, philantropischen und organisatorischem Gebiet Verdienste aufzuweisen haben. Ueber die g e g e nwärtige Lage der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland gibt Dr. Jacob Segall einen kurzen, aber erschöpfenden Ueberblick, welcher zeigt, daß das deutsche Judentum bestrebt ist, den Anforderungen, welche die Zeit an die jüdisch-soziale Arbeit stellt, nach Kräften gerecht zu werden. Eugen Caspary behandelt Z u k u n ftsfra g en der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland. Es folgen dann Artikel über das Verhältnis der Zentralwohlfahrtsstelle zum Landesverband, über ausländische Wohlfahrtspflege, Fürsorgepflicht, Wanderfürsorge, Arbeitsnachweis, Jugendwohlfahrt, Erziehungsfragen, Gefundheits- und Crholungsfürforge. Bis zu diesem Punkte — Erziehung —, wo sich naturgemäß an Fragen der Kultur-- und Lebensanschauung die Geister scheiden müssen, berührt das Ganze durchaus sympathisch und wohltuend. Spiegelt doch die Zeitschrift das ernste und edle Streben innerhalb der deutschen Juden wider, mitten im uferlosen Meere der Not eine grüne Insel zu schaffen. von der aus den Ringenden Hilfe und Rettung wi.'d. Die Aufsätze, soweit sie sich auf rein sozialem und philantropischem Boden bewegen, zeigen auch einen breiten Weg, auf dem unter gewissen Vorbehalten ein Zusammegehen aller wohl möglich und auch ratsam erscheint. Eugen Caspary schließt seine Betrachtung über Zukunftsfragen mit den Worten: „In der sozialen Fürsorge kann es nur eine Judeneinheit in Deutschland geben. Und wir meinen, hat erst einmal der soziale Gedanke die deutschen Juden in eine einzige Organisation zusammengebracht, dann wird die Einheit auch über die engeren Ziele der Wohlfahrt hinaus sich halten, und — sei es durch Erweckung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes oder des „Verbandes der deutschen Juden" zu neuem Leben, sei es durch Neugründung — ein Teilorgan werden in einem Neichsverband der Jüdischen Gemeinden in Deutschland." Wir teilen die Hoffnung Casparys auf ein Tiefergreifen des Cinheitsgedankens, woraus nur eine unheilvolle Grenzverwifchung entstehen könnte, nicht. Darum halten auch wir ein gemeinsames Zusammengehen auf dem Wege der „Zedakah" bis zu einem gewissen Punkte für möglich.