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Der Israelit · 1926-02-04 · Heft 6 (4.2.1926) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 6 (4.2.1926)
Date
1926-02-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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„4. Februür 1926 leiten! ©tri unb' öcrfetbe Menschistbarmherzig und unbillig zugleich. Ja, die Unbilligkeit im geschäftlichen Verkehr geht manchmal soweit, daß der sonst barmherzige Mensch hartherzig wird. Oder kommt es nicht vor, daß auch ein gutmütiger Mensch einen armen Handwerker bei Bezahlung -er von ihm geleisteten-Arbeit preßt und drückt? Es ist merkwürdig, wie oft auch der. bessere Mensch, der in der Regel von den edleren Regungen des Herzens, sich leiten läßt, gegen das Gefühl der Billigkeit sich stumpf zeigt und dabei manchmal auch hartherzige wird. Es^ ist» als ob der Mensch, hinter deck Bewußtsein, daß' ihm Las strikte Recht zur Seite steht, vor den Mahnungen des Gewissens Schutz und Deckung sucht und -findet. Demgegenüber muß man sich vor Augen 'halten, dqß das strikte Recht nur als KWlschNgs Richter gu geliert Hai. aber nicht danach angetan ist, dort, »c g» einer Härte führt, dem Rechtsnehmer diese Härte zu gestatten. Denn Billigkeit ist,, wie Rab unter Hinweis auf. daß. Schriftwort dem Rübba bar Ghana sagte, eine Pflicht, die der bessere, moralische MeNsch beachten, erfüllen muß. '; Auf; die Erfüllung: dieser Pflicht^ aus -die Hebung von Billigkeit werden wir auch durch idas menschliche Leben,- das nur in staatlicher Gesellschaft gedeihen 'kann, hingewiesen. Wo keine Billigkeit geübt wird,. cho Jeder an den Ansprüchen, die ihmdas -Recht gewährt,- festhält, auch wenn diese hart sind und das Gefühl unangenehm berühren, da ist ein harmonisches, Zusammenleben .ausgeschlossen,- da herrscht eine /Spannung der Gemüter, und die staatliche Gesellschaftkann, innerlich zerrissen, ihren Zweck nicht ganz erfüllen. Das spricht sich auch aus in dem Worte unesrer Weisen: „Jerusalem wurde nur zerstört, weil sie ihre Angelegenheiten aus das Recht der Thora stellten," das heißt, weil sie keine Billigkeit übten. Wie wir oben gesehen, ist Billigkeit die Musterung, die Betätigung jener freundlichen, wohlwollenden Gesinnung, die das.Wesen des Friedens, wie er von unseren Weisen verstanden wird, ausmacht. Der Frieden, der m einer wohlwollenden Gesinnung und in ihrer Betätigung,' der Billigkeit, besteht, ist demnach eine Bedingung für das Gedeihen der menschlichen.Gesellschaft. Die Menschenwelt beruht also als auf einer ihrer Grundsäulen auch „auf dem Frieden". llomsponclenren * ßacDricDicn. rsfiss Von der Repräsentantenversammlung. Berlin, 29. Januar. Auf der letzten Versammlung der Repräsentanten wurde über eine Vorlage verhandelt, die nt ch t oorläg. , Es-,, herrschte ursprünglich beim- Vyrstand die . Absicht, . zwei Schulen in Berlin-Mitte in jüdische Gemeindeschulen umzuwändeln. Da aber der Vorstand dann zur Einsichtkam,' daß die städtischen Instanzen Schwierigkeiten bereitenwürden, zog er die Vorlage zurück. Die Repräsentanten wollten aber nicht so ohne weiteres die Verabschiedung des Antrages hinnehmen. Man erfährt auch, daß im Vorstände drei liberale Stimmen in Ge- Wochenkalender. , 4X0.«.$.—14.- Frbraar. lSN. . vom 22.-23 S hebat SSA Samstag: Feb. 6 22 V3V ' ■ Sonntag " 7 23 Montag 8 24 Dienstag. '. i: 9 25 Mittwoch 10 26 ' . . , ' Donnerstag 11 27 -JUp *1133 DT Freitag" 12 28 ,D-!>pW n»"is . ^Samstag 13 29 Rausch TÜaudesch bensche". Mauled, Freitag abends 7»» D e r I s r a e l i t meinschaft mit der Stimme des liberalen Vorsitzenden den Ausschlag für - die Zurückziehung des Antrages gegen die drei Stimmen der Volkspartei und Konservativen gegeben haben. Dr. Klee von der Volkspartei nennt dieses Vorgehen eine' Brüskierung der Repräsentantenversarpmlung. Er hält es für unverzeihlich, daß ein liberales Mitglied, der Repräsentantenversammlung Unterredungen mit..städtischen Behörden dazu benutzt, diese gegen den . Antrag zu beeinflussen, statt , vom Vorstände aus die Aemter zu informieren und nötigenfalls sich an die höheren Instanzen zu wenden. Der Umfall des, Vorstandes .in dieser Sache mache diesen für sein Amt uN-. fähig. Die Forderung nach jüdischen Schulen sei von der großen Masse der Wähler erhöben worden, und die Preisgabe der Forderung dieses allen Konfessionen zustehenden Rechtes komme einer Preisgabe der Interessen der Wähler nahe..— Aus. der Mitte der Liberalen bekennt sich Dr. Gutmann zu der Forderung Klees, iWM snMö öiß NMWlilMlkn mit MstiWW, gll beschwichtigen suchen, baß demnächst öttzßNe .jUtzlsW > Schulen Nicht mehr nötig sein werden. Noch leichter macht es sich der inzwischen erschienene Vorsitzende, der Gemeinde, .Gerichtsrat Ä o l f s, der, aus die Souveränität des Vorstandes sich berufend, es nicht für nötig erachtet, der Repräsentantenversammlung die Gründe für Stellung' oder Zurückziehung 'eines Antrages anzugeden. Dagegen polemisieren heftig Professor Heinrich Löwe, Goslar und Dr. Collenscher. Zuletzt brachte die Volkspartei einen D.r i mg lichkeitsa n t r a g .ein,: der in der Praxis eine Wiederaufnahme des vom Vorstände zurückgezogenen Antrages bedeutet und dev auf der nächsten Repräsentantenversammlung als einziger Punkt der Tagesordnung verhandelt werden soll. Völkischer Oftjuden-Antrag. Berlin, 29. Januar. " Während der Debatte im Reichstag über das Vertrauensvotum für das zweite Kabinett Luther führte der völkische. Äbg. . Henning -u. a. aüs: „Wik beantragen, die eingewanderten Ostjuden und überhaupt alle Jnflationsgewinner; entschädigungslos zu enteignen. Die Sozialdemokratie hat sich gerade als die unsozialste aller Parteien erwiesen.' Jetzt aber mehrt sich die Erkenntnis dieser Tatsache unter den Arbeitern. Jetzt kommt der Boden "für die völkische Bewegung." Zum Schluß erging sich Henning in schweren Beschimpfungen der Regierung Luther,- so daß der Präsident, wie aus den Tageszeitungen bekannt, seinen Ausschluß aus der Sitzung verfügte. , Von der Israelitischen Realschule. Fürth i. B., 29. Januar. Aus Fürth wird uns geschrieben: Der Beginn des neuen Schuljahres legt auch den bayerischen Juden wie- Ur Ue Fezss mU, in Mschö MM sie ihre Kinder schicken, ob ste sich für die jüdische oder nicht jüjüdische entscheiden sollen. / Man sollte meinen, daß nach Abschluß des Konkordats, nachdem von der Regierung aüs die konfessionelle Schule als die Normalschule betrachtet und ^gefördert wurde, gar kein Wort, mehr darübet verloren werden, müßte. Und trotzdem muh es sein. Unserer.Viele sind, deutscher wie die deutschen Regierungen. Und wenn noch dazu von den demokratischen Blättern, besonders in unserer Gegend, wo die konfessionell gemischte Schule, erhalten werden soll, aüs die Gefahren hingewiesen wird, die dem konfessionellen Frieden von der Seite der konfessionellen Schule drohen, wenn die Schlagwörter von der Volksgemeinschaft und weltlichen Einheitsschule fallen, dann vergessen sie, daß beispielsweise Frankfurt „auch früher, als es noch keine Simultanschule hatte, religiöse Duldung gekannt und. jahrelang geübt hat," wie Prof. Trommershausen bezeugt, dann vergessen sie, daß hier trotz.der konfessionellen jüdischen Schule -von jeher das beste Einvernehmen. zwischen uns und den Andersgläubigen bestand, dann vergessen sie, daß dieselben Demokraten, die gegen die konfessionelle Schule sind, die Volksgemeinschaft oft selber verleugnen, indem sie ihre Kinder aus sozialen Gründen in private Schulen schicken.dann vergessen sie endlich, daß auch die Simultanschule eine christliche Schule ist und sein, will, was der jüdische Schüler bald genug erfährt. Und wenn der berühmte Pädagoge Pros. Rein in Jena schreibt: „die paritätische Schule ist kein Ideal, sondern, ein. Notbehelf > daNn ist es doch wahrlich an der Zeit, sich zu fratzen»'ob -wir es nötig Haben,, nach einem solchen Notbehelf zu greifen, " , ' Rr.-6 Seite S Seit 64 Jahxen haben .wir in.Fürth eine jüdische Schule. 1862 als israelitische Bürgerschule opp-Dr. Auerbach gegründet, erhielt sie 1882 die Genehmigung zur Erteilung der Reifezeugnisse, hierum Eintritt in die 7. Klasse der Oberrealschule, ins Technikum und ähnliche Anstalten berechtigen) Die Vörschulch die zum Eintritt in alle höheren Lehranstalten vorbereitet, hat gerade im letzten Jahr sowohl in jüdischer wie in profaner Beziehung dürchgreifedne Verbesserungen erfahren. Von der Arbeit der RealstMe legt einerseits die feit kurzem wieder eingeführte Prüfung im jüdischen und andererseits die Unter .dem. Vorsitz des staatlichen Kommissars stättfindende Reifeprüfung beredtes Zeugnis ab. '' Die Heratzbildüng zu sittlichen Charakteren, zu bewußten Juden üstd gebildeten Menschen liegt in der Hand von Persönlichkeiten, die nicht nur' Lehrer, sondern Bildner sein'wollen. Kommt dazu noch, daß die kleinen Klassen eine individuelle Behandlung erleichtern und namhafte pJHüillfü ÖW ©rftüterA bie befiellrtterfunfi gewähren, so erübrigt sich wohl vie Frage, m Schule unsere- Eltern ihre Kinder schicken wollen. 5*»Un. Die Verwirklichung des polnisch-jüdischen Abkockmens. * y *2Bärfchäu, 24. Januar. Der Minister für Äolksbildung, Stanislaw Grabski, hat endlich das Dekret betAffend die Einberufung der im Juni 1924 gewählten Repräsentanz der Warschauer Jüdischen Gemeinde unterschrieben. Die erste Sitzung der neuen Gemeindevertretung wird am Montag den 1. Februar stattsinden. Die Verhandlungs- und Geschäftsspräche ist polnisch, hebräisch oder jiddisch nach dem freien Willen der Repräsentanten. — Wie erinnerlich, spielten sich bei der Eröffnung öeV ersten Session der neugewählten 'Gemeinde-Repräsentanz sehr erregte Szenen ab, indem der anwesende MegierungsköMtnissär den Repräsentanten vorschnell sich nur der polnischen Sprache'zu bedienen. Da die Gemeindevertreter sich weigerten) dieser Vorschrift Folge zu leisten, und sich weiter der hebräischen und jiddischen Sprache bedienten, würde' die Sitzung aufgehoben und die bisherige Repräsentanz mit der Wetterführung der Geschäfte beauftragt. Das jetzt von Grabski Unterzeichnete Dekret bedeutet eine volle Genugtuung für die jüdische Oeffentlichkeit und eine Aenderung der prinzipiellen Stellung der Regierung gegenüber deüjüdischen Gemeindeinstitutionen überhaupt.. Die Rot in Polen. Warschau, 20. Januar. Eine Abordnung der Gewerkschaft der jüdischen Handelsangestellten' besuchte den Warschauer Regierungskommissar und erbat Hilfe für die jüdischen Arbeitslosen) die Her MßeMkll Not ptkisgkgkkm sE, Von 3000 MitgliedernGewerkschaft Mischer HaiMlsangestelller sind 3000 ektverbslos. Der Kommissar versprach, die Bitte in Betrachtczü ziehen. ' - ) ' Großer Brandschaden in Lodz. Lodz, 22. Jaguar. Ein Riesenbrand vernichtete die Textilsäb'rik^eb Hexten Levinson und' Wojdyslawski, sowie mehrerö henüchHrte Wohnhäuser. 'Etwa 60 Familien, zunk großtenl^eil jüdische, sind obdachlos. Auf eine anonMe'M'zelgk^ daß Brandstiftung vörliege, verhafte.Mev besitzer Levinson und Wojdlawski, beide' angesWne Ls ift Ihre eigene Schuld wenn Sie sich mit unrichtigen und sdhiecfit- Sitjendeh ■ Augengläsern heriimquälenf '/vollkommene Abgang. Lieferant sämtlicher Krankenkassen erhalten Sie bei Schlesicky - Siröhlein Tel. Hansa 2208. “*• Kaiserplatz 17 Ml LttM

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