Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-02-04 · Heft 6 (4.2.1926) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 6 (4.2.1926)
Date
1926-02-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450394--72874-2530252
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6 Nr. 6 Der Israelit 4. Februa. 1926 Mitglieder der Aguda, sowie Abraham Spielmann und Samuel und' Esther Pkaschik. Man sieht darin antisemitische Schikanen. (JTÄ). Ein jüdisch-religiöses Konsistorium in Litauen? Korona, 26. Januar. Wie die I. T. A. berichtet, erließ, der Innenminister, ohne sich mit der jüdischen parlamentarischen Vertretung auseinandeczusetzen, eine Verordnung betreffend d i e Bildung eines jüdischen religiösen Konsistoriums sür Litauen,: welches die Stelle vsn. der Regierung und dem Parlament aufgehobenen Autonomie der jüdischen Gemeinden einnehmen soll. Die Führer der bisher vorhandenen jüdischen Gemeinden legten Protest gegen die Bildung des.Konsistoriums ein. Sollte diese Verordnung eine Anerkennung, der gesetzestreuen Bestrebungen zur Bildung der religiösen Gemeinde bedeuten, so wäre damit der Erfolg der guten jüdischen Sache in Litauen besiegelt. Einer Auseinandersetzung mit der bisherigen Gemeinde, die nicht mehr zu Recht bestand, bedurfte es für die Regierung nicht. Weitere Berichte bleiben abzuwärten. Jüdische Erziehung m England. London, 29. Januar. HM KviMk M MWk MWösr EMM« vkr«nftaltete heute Mn Hyde-Parkhotel zu London eine Zusammenkunft, die der Aufbringung des ErziehuNgsfonds für die nächsten drei Jahre gewidmet war. Ehrengäste des Abends waren der Schatzkanzler Winston S. Churchill und Lord Cuftace P e r c y. Der Abend hatte einen vollen Erfolg. Bott den auszubringenden 15.000, Pfund wurden 12.000 Pfund sofort gezeichnet, Nach der Eröffnung des Abends durch Sir Robert Waley Cohen hielt Winston Churchill eine Ansprache, in der er einleitend sagtewährend seines politischen Lebens hübe er mit der jüdischen Gemeinschaft stets die freundschaftlichsten Beziehungen rmterhalten. Während seines Besuches in Palästina habe er Gelegenheit gehabt, die wundervolle Arbeit, die dort von den Juden geleistet wird, zu sehen. Das jüdische Erziehungssystem in England ist das Resultat politischer Kämpfe und eines glücklichen Kompromisses. Die auf Freiwilligkeit beruhende religiöse Erziehung hat weit größere Wirkung als ein mechanisches Crziehungssystem des Staates. Mr. Churchill kam auf die Lage der Juden in der ganzen Welt zu sprechen und sagte, nur durch unerschütterliches Festhalten am Glauben der Väter habe das jüdische Volk die Jahrhunderte der Verfolgung und Unterdrückung aushalten und sich sein Ideal für das Gute, feinen Einfluß auf die Entwicklung des menschlichen Geistes erhalten können. In England, schloß er, ist den Juden ein unbeschränkter Anteil an den Angelegenheiten des Staates und des Volkes gesichert. 60 000 Juden dienten während des Weltkrieges in der britischen Armee. Der größte Teil der jüdischest Soldaten setzte sich aus Freiwilligen zusammen. Die "Juden in der englischen Armee hatten 240.0 Tote zu beklagen und zöhlten 6500 Verwundete. Es sprachen noch Lord Custace P e r c y, Mr. Ernest Schiff, Lionel L. Cohen- Oberrabbiner Dr. Hertz, Rabb. Joel Blau und Mr. Philipp Guedella. Mr. Schiss teilte mit, daß der jüdische religiöse Erziehungsrat in seinen Schulen 5000 jüdische Kinder erziehen läßt. Für jedes Kind wird jährlich 1 Pfund ausgegeben. Tragobie jüdischer 'pafäffitur~C£inwatiberer. Jerusalem, 33, Januar. Aus dem Wege über Bagdad sind heute hier vier jüdische Einwanderer aus Rußland eingetroffen. Sie bilden den Vortrupp einer großen jüdischen Wandergesellschaft, die schwere Erlebnisse hinter sich hat. Vor Jahresfrist verließen etwa 500 Juden ihre Heimatorte in Rußland, um sich über Persien zu Fuß nach Palästina zu begeben. Bei der Ueberschreitung der russischen Grenze wurden viele von den Sowjetgrenzbehörden verhaftet und zum Teil nach Sibirien deportiert. Die restlichen Wanderer setzten ihren Weg unter größten Entbehrungen fort. Etwa 150 von ihnen sind auf der Wanderung in Rußland, Sibirien und Persien den Strapazen und Entbehrungen erlegen. (ITA). Krrschtüs gesetzlich geschuht. Washington, 21. Januar. Das Mitglied des amerikanischen Kongresses Dickstem (Nerv-Port) hat zwei' Gesetzesanträge in den Kongreß eingebrücht, die den Verkauf von Fleisch rituell geschlachteten Wehs uM die jüdisch-ritualen Speifevorschriften betreffen. Es werden gesetzliche Maßnahmen gefordert, daß jeder, der auf seinem Schilde das Wort „Koschev" führt, aber Fleisch nicht rituell geschlachteten Viehs oder andere Wärest, die Nicht den jüdisch-religiösen Vorschriften "gemäß sind, Aust Verkaufe bringt, zu bestrafen ist. Ein ähnliches Gesetz ist bereits im Staate New-Pork in Geltung. Jüdische EittMttderung. New-Pork, 10. Januar. Das Internationale Arbeitsamt des Völkerbundes teilt Mit: Im Ouotenjahr 1924/25 sind nach den Vereinigten Staaten aus allen Teilen der Welt 294314 Einwanderer gekommen. 92 728 wurden deportiert; somit betrifft die reine Einwanderungsziffer 201586 Einwanderer. Die Einwanderung hat sich sogar gegenüber dem Vorjahre verringert. Unter den Einwanderern im Üuotenjayr 1. Jüli 1924 bis 30. Juni 1925 zählte man 12100 Juden. Personalien. 16. &müör. Herr M 1t Ttt « n n h?grht dieser Tage in voller körperlichen und geistigen Frische seinen achtzigsten Geburtstag. Sein /ncnx und mi'vn sind in weiten Kreisen bekannt. Von aller Welt überaus geachtet, war er besonders der Liebling verschrödester -mn so besonders des vor einigen Jahren verschiedenen berühmten nw aus Unstadt. Rabbi Rofenberg Seine Kinder wandeln alle streng in den Wegen der Thora. Einer seiner Söhne ist der be- Wlax Altmann kannte Oberrabbiner Alt mann in Trier. Seine Liebe zu mxöi min ist bewunderswert und das alles trotz überaus Herder und schwerer Schicksalsschläge. Er weilt augenblicklich im Kreise seiner Lieben in Wien. Möge dem Greise ein weiterer heiterer Lebensabend vergönnt ein. Fulda. 26. Januar. Herr Abr. und Julius Stern in Amerika, Söhne des kürzlich hierher verzogenen Loeb Stern, übermittelten der hiesigen jüdischen Gemeinde den Betrag von 1000 Dollars für den Synagogenbauverein. Die Gemeinde, welche vor einem unaufschiebbaren Erweiterungsbau ihrer Synagoge steht, hat den Betrag mit größtsrn Sanf angenommen. Fritzlar, 86, Januar, Herr Hcrg Stern, Veteran von 1870/71, beging in bestem Wohlsein seinen 80. Geburtstag. Aus Anlaß seiner langjährigen Zugehörigkeit zum Kriegeroerein wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Borken (Kurhessen), 26. Januar. Seinen 94. Geburtstag feierte in größter Rüstigkeit Herr Feist Rosenb u s ch, der Senior der hiesigen Gemeinde und einer der ältesten Einwohner des Kreises Homberg. Czernowih» 26. Januar. Bei der gestrigen allgemeinen Wahl wurde der Rabbiner von Biala, Dr. Abraham Jacob Mark, ein Bukowinaer Kind, zum O b e r r a b - bin er der Landeshauptstadt Czernowitz einstimmig gewählt. Ezernowitz beherbergt zur Zeit eine jüdische Gemeinde von etwa 60 000 Seelen. Emden, 20. Dezember. Seinen 70. Geburtstag konnte am 15. Dezember Herr Hauptlehrer a. D. Wilhelm Selig feiern. Der Jubilar, der bis 1921, in welchem Jahve er bte Dienstaltersgrenze erreichte und pensioniert wurde, also 33 Jahre segensreich an der jüdischen Elementarschule wftkte,.war Gegenstand cherzlicher Gratulationen ob dieses. .FveUdentages, den -Sk,-' ist' seltener loxperücher und geistiger) Regsamkeit, im Kreise seiner Gättitt uttd Kinder, verleben. durfte. Nicht-allein, daß der, Jubilar, in idealer Auffassung seines Lebensberufs — Tauro im De'rech Erez — seinen nach Tausenden zählenden Schülern die Grundlagen fürs Leben gegeben hat, sondern er war auch, im Verein mit seiner rastlos fchäffendenden und sorgenden braven Gattin, sozial, im weitgehendsten Sinne des Wortes, tätig. Der jüdischen Gemeinde'Emden war er, ln einer ganzen Reihe von Jahren, ein zuverlässiger, tüchtiger Rendant, und es würde den Rühmen eines kurzen Berichts weit übersteigen, wollte man,-- nur andeUtend —= aufführen, in welch^umfästenber Weise - Herr Selig, segensreich , gewirkt hat. Wiese selbstlose, rührige und durchgreifende Art und Weise des Jubilars, im Interests der der sozialen Hilfe Bedürftigen sowohl, als auch die geschickte Mitarbeit an den Interessen der Gemeinde wurde von.den Vertretern des Gemeindevorstandes und. der betreffenden Vereine dankend; zürn. AusdrW?gebracht. ( Aber; auch der jüdische Gefangoereitt „MußHunden", dessen Mitglieder zumeist frühere Schüler des Herrn Selig waren, ließ es sich nicht nehmen, dem Siebzigjährigen eine Ehrung zuteil werden zu lasten. Am Abend des Geburtstages ließen die Mitglieder, .in gelungener Weife, einige Lieder erklingen, und der erste Vorsitzende des'Vereins, Herr Louis Wolfs, brachte in der Ansprache zum Ausdruck, daß die ehemaligen Schüler ihrem Lehrer unendlich vieles zu verdanken hohen. Daher — so sagte her Redner — sei es wohl für den Jubilar eine besondere Genugtuung, um sich Männer'versammelt zu sehen, die wohl alle ihren Platz im Leben behaupten. Und deshalb fei es für ihn in dieser/Hinsicht gewiß angebracht, den Blickrückwärts zu richten. Nachdem ein dreifaches, Hoch verklungen war, dankte Herr Selig M pfffsgkM WpMll, SÜkll MllllllMlkll weiterhin das Veste wünschend. Trotzdem Herr Selig seit beinahe fünf Jahren hauptamtlich nicht mehr, tätig ist, widmete er sich in reichstem Maße dem Studium der Tauro und der allgemeinen Wissenschaft. Daneben ist aber auch er lehrend tätig, und auch jetzt noch ist mancher junge Mann ihm dankbar für die überaus -gute und durchgreifende Belehrung. -1- Dem Jubilar möge Gott weiterhin stete Gesundheit und viele Jahrzehnte im Kreise seiner Liöben schenken. Straßburg (Elsaß), 26. Januar. Wieder ist eine der Edlen unserer Gemeinde, die Stütze und Vorbild den Jungen war, dahingegangen. Noch ist das ^2»-Jahr um den Mitbegründer unserer Gemeinde, Julius Meyer nicht beendet und schon folgt ihm feine in 40jähriger glücklicher Ehe ihm verbundene Gattin, Frau Berta Meyer, geborene Faber, nach. Die traurige Kunde traf die ganze Gemeinde ganz unerwartet und wirkte unter ihren Freunden, die sie als wahe Vrt nw immer gekannt hatten, geradezu niederschmetternd. Mit Frau Berfa Meyerrr» hat ein Haus in unsrer Gemeinde zu bestehen aufgehört, das jedem, der n Not und Bekümmernis war, immer ein rettender Haen erschien. Sie war ihrem verstorbenen Ehegatten eine wahrhafte .vma nty die ihm in all dem Guten, in dem er in unserer n^np wirkte, in seinem vorbildlichen Wirken 'ür v'ion rrfrwn nroy n->in getreulich zur Seite stand. Ihr Elternhaus, sie war eine Urenkelin des Baalschem von Michelstadt, hat hierzu die erforderlichen Vorbedingungen geschaffen. Nicht nur die Studenten und jungen Leute, die nach Straßburg kamen, wer. immer Hilfe in schwierigen Lagen brauchte, fand den Weg zum Hause Meyer am Studentenplatz und niemand verließ die gastfreundliche Stätte, ohne innerlich gestärkt auch äußere Hilfe gründen zu haben. Ihr tiefes, festbegründetes Gottvertrauen hat sie zu keiner. Zeit verlosten. Es. half ihr, als der einzige Sohn, die Zierde des Elternhauses und seines Kreises, im Kriege fein Leben lasten mußte, und als mit ihrem Gaten ihr Leben vor einigen Monaten den Inhalt zu verlieren fchiey, war sie es, die zuerst sich zurückfand und der Anregung ihrer Kinder, zu ihnen nach Deutschland zu ziehen, zu folgen sich entschloß. Nur um gesund zu ihren Kindern zu kommen, hatte sie die Operation auf sich genommen. n"2?>n hatte es anders bestimmt. An ihrer. Bahre sprach für die Gemeinde Herr Rabiiner Brunschwig und fand zu Herzen gehende Worte mr die dahingegangene Mutter, wie er ausführte, nicht nur ihrer Kinder und Enkel, einer Mutter der ganzen Gemeinde, die den Müttern unseres Volkes an die Seite zu stellen sei. Im 70. Lebensjahre ging sie dahin und hinterließ drei Mttlrmün, himeriW Hauser- Mk der Lahingegangenen würdig zu werden versprechen. Briefkasten. L. G. in D. und Andere. Bei der großen Fülle des uns zugeüenden Materials wüsten oft Personalnotizen zurückgestellt werden, was wir selber sehr bedauern. I. H. in S t. Wir danken Ihnen für die Mitteilung. Für Frankfurt und Deutschland kommt die Warnung zu spät. Wir baden die Darstellung dem Inhalte nach einer jüdischen Zeitung in Polen entnommen. Es dürste ratsam sein, die Sachlage nach Belgien mitzuteilen. Lehrer K. in W. Wir haben die Sache geprüft und den zuviel gezahlten Betrag fürs nächste Quartal gutgefchrieven.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.