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Der Israelit · 1926-02-04 · Heft 6 (4.2.1926) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 6 (4.2.1926)
Date
1926-02-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 6 Der Israelit Tat bewiesen haben. Gibt es doch in Deutschland neben allen großen und mittelgroßen wohl wenig kleine und kleinste Städte, aus welchen der Kriegswaisenfonds noch nicht bedacht worden wäre; gibt es doch wohl keinen Kreis innerhalb der deutschen Judenheit. aus dein nicht Freunde und Förderer erstanden wären. — Sie alle dürfen das beglückende Bewußtsein empfinden, zu der Erhaltung elternloser und heimatloser Kinder beigetragen zu haben, und auch diejenigen, die heute den Verlust ihrer Habe beklagen müssen, dürfen glauben, daß die dem Kriegswaisensonds gespendeten Summen durch die Art ihrer Verwendung. ihr ewiges Besitztum geblieben sind. Der Weg des Kriegswaisenfonds war mühevoll; nicht alle seine Pläne konnten Verwirklichung finden; mit Widrigkeiten vielfacher Art hatte er zu kämpfen, und Enttäuschungen sind ihm nicht erspart geblieben. Es war ihm nur vergönnt, einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Waisen Rettung zu bringen, und er mußte schweren Herzens einer weit größeren Zahl seine Hilfe versagen. Aber dennoch; wenn er die bis jetzt zurückgelegte Strecke überschaut, so darf er doch einer freundlichen Fügung danken, die ihm das Glück zuteil werden ließ, einen Tropfen Balsam in den überschäumenden Becher des Leides unserer Tage geträufelt zu haben. Versuchen wir in flüchtigen Strichen die einzelnen Hilfswerke des Kriegswaisenfonds festzuhalten. Seine Tätigkeit gliedert sich in die Errichtung von Waisenhäusern, in die Unterstützung bereits bestehender Waiseninstitutionen und in die Fürsorge für einzelne Waisenkinder. Der erste Teil dieses Programms fand in der Gründung von sechs Waisenanstalten seine Verwirklichung. Zn den Jahren 1916 bis 1918 wurden in Kalisch, an der deutsch-polnischen Grenze, in Warschau und in Bialystok fünf Waisenhäuser ins Leben gerufen, welchen sich zwei Jahre später das Waisenhaus in Baden bei Wien, eine Gründung des österreichischen Kriegswaisenfonds, zugesellte. Diese Häuser bergen etwa 225 Kinder der verschiedensten Altersstufen und erzählen in ihren Insassen heute noch von dem Weh, das in dem letzten Jahrzehnt in vielgestaltigster Form über unsere ostjüdischen Brüder hereingebrochen ist. — Eine große Zahl der Zöglinge der Anstalten ist inzwischen herangewachsen und den verschiedensten Berufen zugeführt worden; manche haben die Heimstatt des Waisenhauses verlassen, um die Gestaltung ihres Lebens selbst in die Hand zu nehmen. An ihre Stelle sind andere getreten, so daß sich die Zahl der zu versorgenden Kinder nicht verringert hat. Die mit Blut geschriebene Namensbezeichnung des Kriegs- Waisenfonds beginnt allmählich zu verblassen — ob man sie ganz auslöscht und in Zukunft nur noch von dem Waisenfonds der Agudas Jisroel spricht? — Die Waisen des Krieges werden bald den Häusern entwachsen sein — Waisenkinder aber werden immer wieder an ihre gastlichen Pforten pochen. Nälutrgetttäß hüben die Ansgüben des Miezswaisenfonds hinsichtlich der Erhaltung seiner Waisenhäuser mt, Lauf der Jahre eine Veränderung erfahren. In den ersten Jahren waren die jüdischen Gemeinden der polnischen und litauischen Städte durch die Lasten des Krieges außerstande, den in ihrer Mitte errichteten Waisenanstalten Zuschüsse zu leisten, so daß dem Kriegswaisenfonds allein die Erhaltung der Anstalten überlassen blieb; auch heute ist erneut Mangel und Sorge in Polen eingekehrt, trotzdem aber muß nunmehr ein erheblicher Teil der Erhaltung der Häuser von den Gemeinden selber getragen werden, da der Kriegswaisenfonds nicht mehr die Möglichkeit hat, die Aufwendungen für die Fortführung seiner Anstalten allein zu tragen. Angesichts der geradezu katastrophalen wirtschaftlichen Lage in Polen darf die Zusicherung der polnischen Regierung, wenigstens dem Warschauer Waisenhaus eine staatliche Beihilfe zu gewähren, als eine erfreuliche Tatsache mitgeteilt werden. Die Schilderung der Waisenhausgründungen des Kriegswaisenfonds wäre unvollkommen, wenn nicht auch die geplante Errichtung weiterer Waisenhäuser in Kowno, Lemberg und in den Städten der Ukraine Erwähnung fände; Schöpfungen, die mit einer Fülle mühevoller Vorbereitung in Angriff genommen waren, um schließlich an mannigfachen Widerständen zu scheitern. Auch ein weiteres (Mädchen) Waisenhaus in Kalisch, das von dem Kriegswaisenfonds geschaffen und während mehrerer Jahre von ihm allein erhalten wurde, ist ihm durch beklagenswerte Machenschaften gewisser jüdischer Kreise in Polen während des Krieges aus den Händen gespielt worden. Zu dem zweiten Tätigkeitsgebiet des Kriegswaisenfonds übergehend, ist es ein großes Maß verschiedenartigster Hilfeleistung, das in dem verflossenen Dezennium von ihm vollbracht werden konnte. So hat er Institutionen für Waisen in polnischen, litauischen und ehemals galizischen Städten dauernd oder einmalig mit nennenswerten Summen unterstützt. Es fei hier an die Waisenkinder in Warschau, Wilna, Kowno, Sokolka, Sdunska-Wola, Lasczow, Glaniani, Valkani und anderen Plätzen erinnert. Hierbei darf auch die Tätigkeit des Kriegswaisenfonds für die Ukraine nicht vergessen werden. Vor etwa fünf Jahren erklang durch Deutschland der Rettungs- WM/'- Allerlei über „vov"- Nachklang zur Schiroh. Von <Ä. Wanuyeimer in Iettetöach. * Des Juden tiefste Seelenregung kleidet sich in das Wort ynw* Mit diesem Ruf bestiegen Tausende von Märtyrern einst die lohenden Scheiterhaufen; unter seinem Klang möchten wir einst die Seele aushauchen. Es ist das letzte Fädchen, das den Letzten unscrer Brüder noch mit dem angestammten Däterglauben verbindet. Im Wochenabschnitt lesen wir n-rw nsns^ die jenem Sabbat Namen und Gepräge verleiht. Die poetische Verherrlichung des wunderbaren, grandiosen Abschlusses des nK'B' fanden die Weifen bedeutungsvoll genug, ste in die tägliche Morgenandocht einzufügen. Wie ein roter Faden zieht sich das cpix» 221 durch unser Gebetbuch. , Bei seinem schweren Ringen ums tägliche Brot schöpfe der Jude Kraft und Vertrauen aus fluna deren tägliche Lesung uns empfohlen wird In letzter Linie stammt das Stückchen Brot doch vom Himmel. Ja es wird das Ernährunaswunder direkt mit tjio ei' nsrnp in Verbindung gesetzt Pv B' DTK bv 1'rmiw Beides ist der denkenden und dankenden jüdischen Volksseele gleichwertig. Ünd gar erst im Golusgange, umlauert von Amalekstücke. Wir leben stets mit Daß wir noch bestehen, ist ein Wahrzeichen der „Größe und Furchtbarkeit- Gottes, xmn Tiaan* Tüglich sollen nur auch n2T rnzna lesen. Es ist kein Zufall, datz wir im Tischgebet der Bitte -71222 «in gleich den Wunsch ünsügen bw im*1» «in 021 Tie Worte p .n-yw ergeben in ihren Anfangsbuchstaben das Wort "yölP"* Wie letzteres künden jene Gedanken von universalistischer Größe und Bedeutung, von täglicher Aktualität. Zur Haftora zum Wochenabschnitt. Ein Gleichnis.*) Von Rabbiner Dr. Ielir Kanter, Imittau (Mähren.) Diese Haftora gehört zur N22NB über die im Allgemeinen nicht viel gesaot oder geschrieben werden darf. Nur aus eine Schwierigkeit soll in diesem Prophetenabschnitt üingewiesen werden. Der Prophet erzählt: „Ich sprach: Wehe mir .... denn ein Mann unreiner Lippen bin ich und unter einem Volke von unreinen Lippen wohne ich.Da log einer der Seraphim an mich heran, mit einer *) Aus meinem nrtav toö' Gleichnisse für Reden über jüdische Angelegenheiten. Verlag von Kauffmann, Frankfurt a. M. 1911. Dieses Gleich, nis wird im bnv Vij? (Wilna 1897) im Namen vom Dubner Magid nacherzählt. Hier erscheint es mit einigen Abänderungen. 4. Februar 1926 ruf für Ukraine-Waisen, deren Eltern in den grausamen Pogromen der Nachkriegszeit ein frühes und schreckliches Ende gefunden hatten.. Allgemein war man des Glaubens, daß der beste Weg der Hilfeleistung darin bestände, die verlassenen Kinder aus den Gebieten des Schreckens und Hllllgsy-8 üt ütid^ye Üätider üb erfuhren, um ihnen dort ein Asyl des Friedens zu schaffen. Leider ließ sich dieser Plan durch unvorhergesehene Schwierigkeiten nicht zur Ausführung bringen. Zuvörderst verstrichen viele Monate, bis die für bicv Kinder erbetene Einreisegenehmigung gewährt wurde, daneben waren es die fast unüberwindlichen Hindernisse, in die Sowjet- Ukraine selbst, als auch in ihre Grenzgebiete zu gelangen, und schließlich waren es die Verwandten der Kinder und diese stlbst, die einem Herausbringen aus der Heimat den heftigsten Widerstand entgegensetzten. So blieb dem Kriegswaisenfonds nichts anderes übrig, als Lebensmittelpakete, Kleidungsstücke und später Geldsendungen an seine Vertrauensleute in den verschiedensten Städten der Ukraine zu senden, ein Hilfswert, das er auch heute noch fortzusetzen sich bemüht. Schließlich wäre der Liebestaten zu gedenken, die von dem Kriegswaisenfonds an einzelnen Waisenkindern geübt wurden und werden, die zn schildern den Rahmen dieser flüchtigen Darlegung freilich weit überschreiten würde. Der Kriegswaifenfonds hat Waisenkinder sowohl in deutschen Waisenhäusern als auch in Familien untergebracht, er hat für ihre Berufsausbildung, für ihr- Fortkommen, ja sogar für ihre geschäftlichen Unternehmungen Sorge getragen; er hat Adoptionen vermittelt, er hat sich auch gemeinsam mit anderen Organisationen an der Fürsorge für Waisenkinder beteiligt und hat, wenn es ihm selbst nicht möglich war, versucht, andere zur Hilfeleistung heranzuziehen. — In den Briefsammlungen des Kriegswaisenfonds finden sich viele ergreifende Zuschriften, die eine packende Schilderung der einzelnen Wohltaten des Kriegswaifenfonds darstellen. — Was nun die finanzielle Lage des Kriegswaifenfonds betrifft, so zeigt sie die Uebelständs aller Wohlfahrtsinstitutionen. Die mühsam angesammelten Kapitalien sind bis auf einen Bruchteil, der der Aufwertung harrt, zerronnen; die scheinbare Fülle der Inflationszeit brachte Sorgeir schwerster Art, da die deutsche Mark — auch irr märchenhaften Beträgen — bis sie die polnischen Waisenhäuser erreichte, beinahe entwertet war,, und lediglich Spenden aus dem Ausland warerr es, die dem Kriegswaisenfonds die Möglichkeit! gaben, fein Hilfswerk über diese Zeit hinüberzuretten. — Und heute! Die deutsche Wirtschaft: Kohle in der Hand, die er mittels einer Zange vom- Altäre wegoenommen hatte. Er berührte damit: meinem Mund, indem er sprach: Nun hat dies deine Lippen berührt; getilgt ist deine Schuld, deine Sünde: gesühnt". Die Schuld und die Sünde des Propheten;, meinen unsere Weisen, bestand darin, daß er Israel, als ein Volk „von unreinen Lippen" bezeichnete. Diese Schuld mutzte der Prophet büßen: sein Mund wurde von glühender Kohle berührt. ma -N22 Nun hat drrselbe Prophet (Jesaja) gegen Israel noch schärfere Ausdrücke gebraucht und noch schwer rere Vorwürfe gegen dasselbe erhoben; warum wurden ihm diese nicht als Sünde angerechnet, warum wurde er deshalb nicht zur Rechenschaft gezogen und so hart bestraft? Hat doch derselbe- Prophet gleich im ersten Kapitel des nach ihm benannten Prophetenbuches Israel mit Sodom und. Amora verglichen, es als „Räuberbande" bezeichnet, die Bestechung annimmt und das Recht der Witwen und Waisen beugt etc. Dafür wurde er nickt de-' straft, destomehr für den verh ltnismäßig harmlosem Ausdruck, den er im sechsten Kapitel gebrauchte, dem er Israel als d’jisp «vv bezeichnete Diese Schwierigkeit wird durch folgendes Gleich-- nis des Dubner Magid beHoben. Ein reiches Ehepaar in Polen hatte einen einzigen Sohn, der schon im zartesten Alter außergewöhnliche Talente und seltene Geistesgaben auswies. Zu seiner Erziehung nahm der Vater, dessen sehnlichster Wunsch es war, daß sein einziger Sohn einst ein großer Rabbi in Israel werde, einen berühmten Gelehrten auf. der aber kein pädagogisches Talent befaß. Er beging nämlich die Unvorsichtigkeit, feinen selten begabten. Abling ins Gesicht zu loben, feine seltenen Anlagen über Gebühr zu preisen. Das Lob war zwar nicht:

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