Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1926)
- Date
- 1926-01-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sfi •» 4 Nr. 5 D?raelii 28 Januar 1926 und müsse aus einem Kreise stammen, dem die Ideen eines Dion. Areop. nicht fremd wären" zitiert Fahsel die Grundsätze der Attributenlehre des Dionysius vom „Namenlosen Gotte" ohne jeden solchen pseudokritischen Seitenhieb. Es ist eben nicht spezifisch jüdisch oder griechisch, sondern Ergebnis jedes menschlichen höheren Denkens auf menschliche Darstellung und Schilderung überirdischer Dinge zu verzichten, Gottes Namen also als unaussprechlich, sein Walten als ünäüsdenkbar zu betrachten. Nach solchem Höhenflug religionsphilosophischen Denkens ist es nicht verwunderlich, daß gegen Ende der Fahfelschen Vor träge das Urteil über Kant, zu dessen ethischer Gottesidee W. Bräuer einen mühsam ansteigenden Heimweg erklommen hat, lautet: (27) „Ein Kant läßt durch seine philosophische Kritik die Existenz Gottes zu einem unbeweisbaren Postulate der praktischen Vernunft h era b sin ken. Mustergültig für manchen jüdischen Forscher der Gegenwart ist Fahsels . „Ueberwindung des Pessimismus" oder i „Auseinandersetzung mit Schopenhauer" (Freiburg, Herder 1925). Hier wird keine gefällig aussehende Synthese zusammengebastelt; hier heißt es (2): Entweder außerweltlicher Schöpfer und Optimismus oder von Beiden das Gegenteil. Zunächst wird die Lehre Schopenhauers von Beiden und die von der Willensvereinigung in ihrer ganzen originalen Größe unbeschönigt geschildert, wobei selbst Einzelheiten wie Schopenhauers Umdeutung der platonischen Jdeenlehre in selten klarem Lichte erscheinen. Alsdann verzeichnet Fahsel die Tatsache, daß Schopenhauer ein Bewunderer der buddhistischen und der christlichen Aszeten geworden ist, ohne jeden Freudenseufzer, wie ihn manche sich jüdisch nennende Apologeten in solchen Fällen ausstoßen: „Seht, —.der hat's auch gesagt!" — Ganz im Gegenteil. Unverschleiert schildert Fahsel die Feindschaft Schopenhauers gegen die jüdische Bibel und gegen die aus ihr stammenden Gedanken der christlichen! Und daß Schopenhauer dem Aszetentum der christlichen Herpen begeistert zujubelt, — erklärt Fahsel daraus,' daß Schopenhauer deren Lehre und Leben mißverstanden habe! — Das Grundprinzip der Schopenhauerschen Willensver- UkMllllg stl kM MgNttv, stl Völlige AWrMlg des Cinzslwillens, auch in seiner idealsten Mich tung. Das sei zwar ein großer Gedanke, aber hätte weder an stoische noch an kirchliche Lehren angeknüpft werden sollen. Fahsel sagt wörtlich (27): „Deshalb sagten die Stoiker nicht ganz mit Unrecht, daß die Tugend den Menschen glücklich mache, das heißt, daß der Mensch, wenn er der Vernunft gemäß handle, einem großen Teil der Leiden entgehe. Dies hätte Schopenhauer schon bewegen können, die Ursachen des Leidens nicht in die Natur des Willens als solchen zu setzen. Nicht das Dasein der Welt ist der Grund des Leidens, sondern daß einige Dinge in der Welt nicht in ihrer ganzen Kraft wirken. Nicht deshalb haben die christlichen Aszeten ihren Willen durch die Vernrmf gezügelt, um ihn auszulöschen: ja sie sahen nicht einmal in den Leidenschaften etwas Krankhaftes wie hie Stoiker, sondern nur.ein von Gott gegebenes Werkzeug zum Guten, das der Mensch auf Grund einer verkehrten Neigung nur zu leicht mißbraucht, und deshalb unterdrücken sie die Leidenschaften mehr, als es ihnen nach der von Gott gegebenen Bestimmung eigentlich zukommen sollte und uranfänglich zukam." — Die Lektüre dieses -Fahfelschen Buches ist schon deshalb auch im weiteren Verlaufe jedem denkenden orthodoxen Juden zu empfehlen, weil man daraus lernen kann, wie man als Anhänger eines angestammten Glaubens denen, die diesem Glauben ähnliche Denkergebnisse gezeitigt, mit liebevoller Objektivität, doch würdevoller Selbstbehauptung entgegenkommt, und wie der viel im Osten geschmähte Optimismus ein Grundgedanke jede r positiven Offenbarungsreligion fein muß. — Noch immer muß ich jüdischen Kreise falsche Gleichmacherei Triumphe feiern. Mag selbst ein E l b o g e n in seiner Jubiläumsrede „lieber die Wissenschaft des 3üDgntums~ (Berlin. Mich 1935) die färbttttb te manchem Step geschmack- V.. - -W? lose Neutralität , wissenschaftlicher" Lehranstalten bebauen die Mißbilligung dieser Neutralität selbst ger Nachweisen, — es wird fortgewurstel „-,enk- und Lehrfreiheit" in der Lehranstalt einer Bekenntnisgemeinschaft, — kein Wunder, wenn bei solchen „Prinzipien" die wirklich jüdischen, wirklich talmudischen Autoritäten unter deren Dozenten ihre Geistesarbeit außerhalb ihrer eigentlichen Wirkungsstätte ausstrahlen lassen müssen, Geister, die selbst vom Nebel jener neutralen Region nicht In ihrer HimMelsklarheit getrübt werden. Wenden wir uns nun am Schlüsse zu jener Wissenschaft, die bisher die treueste Nothelferin des Atheismus war, zur Orientalistik, so sehen wir: Auch sie hat diesen Nöthelserdienst verlassen. Das Nichtgehoffte ist Ereignis geworden: Man kann wieder einen indologisch-assyriologischen Essay lesen, in welchem keine falschen biblischen Analogien ausgeknöbelt werden, — in welchem die ganze Literatur Assur Und Alt-Indiens nur weltanschaulich äusgewertet wird. Hatte Daccjue in seinem vor kurzem in diesen Blästern besprochenen Werke über die Urzeit dazu einen Anlauf genommen, so ist erst recht die Rede G. Burkkardts über „Ursprünge menschlicher Weltanschauung" (Tübingen, Mohr-Sieleck, 1925) ein wohlgelungener Versuch in dieser Richtung. In Ehrfurcht betrachtet Burckardt die alten, großen Mythen und Epen der Kulturvölker. Da hier Blicke ins Biblische gänzlich unterblieben sind, so genießen wir dankbar Burckhärdts Urzeitklänge, und gern wandeln wir mit ihm, den Weg aus den Anfängen ursinnlicher Welt a n s ch a u u n g zur späteren gedanklichen Welt a u f f a s s u n g. In allen jenen Mythen hat „der Weltenblldner eine Ur-Masse vor sich, aus der er die Welt formt." Nirgends ein Anlauf zu einem Begreifen des Schaffens aus dem Nichts. Die Bildersprache der urmenschlichen Dichter lebt selbst in den Verkündern des wissenschaftlichen Weltbildes (10) fort. Interessant ist die Enthüllung der Herkunft des abendländisch-mystischen Begriffes der Emanation aus indischen Einflüssen, die dem Abendlande durch indogermanische Gemeinsamkeit vermittelt sein soll. Ebenso die Urgestalt des „Makrokosmos" als „welterfüllenden ersten Menfchsn", — Hildes, wir «llerdirrgs «rrs Den Gleichnitzreüen unserer Kabbalisten auch rennen. Burckhärdts Verzicht auf solche Parallelen berührt uns angenehm, nämlich als Zeichen der Einsicht, daß diese Bilder allgemein menschlich, durch den Gegenstand geboten, — daß sie in der Ohnmacht menschlicher Spräche begründet sind. Auch „das ganze menschliche Selbst des ersten Menschen, das beide Geschlechter umfaßt", berührt uns nicht fremd. Wenden wir uns nun unsererseits zu der Frage, wie solche spezifisch urjüdischen Ideen ins Weltall bis Indien hinausgedrungen sein können, so belehrt uns die Betrachtung der Zeit eines Mohammed, daß ungelehrte jüdische Erspäher der min dieselben in entstellter Form an nichtjüdische Denker weitergegeben haben. —. Welche hohen ethischen Begriffe das altindische Denken schon von der (16) „Anwartschaft auf Unsterblichkeit" hat, ist erhebend zu erfahren. - Erst beim Schildern des altbabylonischen Schöpfungsepos wird auf den biblischen Gottesiegriff Bezug genommen, und auch dies in zartühlender Weise. Burckhardt sieht sofort bei Beginn der Abhandlung ein und stellt (mit diesem antiintellektualistischen Unterton) fest, daß letzterer „schon wissenschaftlicher als der dramatischleidenschaftlich bewegte babylonische Mythos", — also eigentlich in diesem Zusammenhänge garnicht am Platze ist. Ein interessanter Anklang an die in Mischle vorkommende Schilderung der Urzeit nixim pK'nw* rrv ly ist die von Burckhardt (19) zitierte Stelle des babylonischen Epos. Daß die leberwindung der Urschlange und der Tiamat im jüdischen Schrifttum (auch im Worte sm) ' e i n e Parallele hat, war zuletzt schon der Schule Gunkel-Bousset klargeworden; so b e g n ü g t ich auch Burckhardt damit, dieses Bild zu schtwern imö feine MserwMltt gegenüber Dem biblischen SchöpsurM- und Kosrnügenie-Typ kaute " ' - . L .6'." ' V“ verhohlen zuzugestehen. Auch ist nach Dacque Burckhardt der erste, der jden vielgefeierten En- Gidu des Gilgamesch als Phantasie-Robinson einer an Höfischem übersättigten! Zeit dartut. -i- Am Schlüsse resümiert Burckhardt zum Vergleiche indischer mit babylonischer Denkweise^ Der Babylonier sah angesichts des Todes das ewigBeständige in der 'Fruchtbarkeit des Lebens selberder Inder in der Ewigkeit menschlichen Werkes.,— Also aus allen, allen Zweigen des Wissens nichts als Schluß mit. dem Materialismus, überall Ehrfurcht vor den wenigen, erhabenen Wahrheiten des Gotteswertes, dessen Widerhall in aller Welt erklingt. Korrespondenzen « ßacbricimn. Jüdisches Wanherproblem. , B e r l i n, 20. Januar. ■ In einer M a f s e n v e r s a m m l u n g im Logenhause, Kleinstrahe, auf der Oskar Cohn. Alfred Klee.' Dr. Lestschinfky, Paul Nathan, Tr. Kr an in u. a. über die jüdische Krisis in der jüdischen Emigration sprachen, wurde eine Resolution angenommen, die u. a. folgendes besagt: ' . . „Die Organisationen, die die heutige Versammlung einberufen haben, und alle Teilnehmer, der Versammlung betrachten es als ihre Pflicht, die jüdische Oeffentlichkeit in der 'ganzen Welt auf die äußerst kritische Lage der jüdischen Massen aufmerksam zu machen, und auf die Gefahr hinzuweisen, die entstehen muß, wenn man die jüdischen Massen ihrem eigenen Schicksal überläßt. Hauptsächlich wendet sich die Versammlung an die amerikgnische jüdische Gesellschaft mit der dringenden Aufforderung, um keinen Preis die Arbeit zu verringern, die bisher für die. Emigranten in Osteuropa geleistet worden ist, sondern sie auch in der großen Hilfsaktion fortzusetzen, die jetzt die Iudenheit der Vereinigten Staaten für die osteuropäischen Brüder wieder eingeleitet hat." und Lehrerwaisen «Jeschurun". Fulda, 3. Januar. , Unter dem Vorsitze des Kollegen Gans, Niederaulä, fand am 24- Dezember 1925 im Saale der Schaß-Chewra hier die Generalversammlung des „Ieschurun" statt, zu der 15 Mitglieder und 2 Gäste sich einfanden. Der Vorsitzende eröffnete um 11.15 Uhr vorm, die Versammlung und richtete. Worte der Begrüßung an die erschienenen Gäste und Kollegen. In seinem Berichte gedachte er der dem Vereine durch den Tod entrissenen Mitglieder Sichel- Wächtersbach und Hecht-Tann. Aus dem Vereine ausgetreten sind Hees-Wiesbaden, Selig-Friedberg und Rotschild-Zwingenberg. Die Mitgliederzahl beträgt 37, wovon 7 pensioniert und 9 abgebaut, aber noch im Nebenamt tätig sind, außerdem gehören dem Vereine 11 Lehrerwitwen an. An Unterstützungen wurden im letzten Jahre ast 400 Mark verteilt: Der Vorsitzende 'weist in seinen Schlußworten noch auf die schwere Zeit hin, welcher die jüdische Schule dadurch entgegengeht, daß es an Lehrern ehlt und daß dieser Mangel durch den für den Lehrerberuf neu geforderten Bildungsgang noch erhöht wird, da die Seminare als geschlossen gelten. Bei der darauf- - olgenden Besprechung betont unter Dankesworten für die Einladung Herr Prov.-Rabbiner Dr. Cahn, Fulda, Wochenkalender. vom 3V. Jan. bis 6. Feb. 1926. vom 18.—22. Schebat 8886 Samstag Jan. 30 15 tnv •wy npnn nT>t7 raw Sonntag 31 16 Montag Feb. 1 17 Dienstag 2 18 Mittwoch 3 19 Donnerstag 4 20 r;’./ ' - -• ' LrsttsZ - - 5 21 -■ v S«Nnst«g 6 1-vr 22 - ' - ' - 9 ' ‘ sl' / ii ' hj ■ ■ ■ 1