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Der Israelit · 1926-01-28 · Heft 5 (28.1.1926) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 5 (28.1.1926)
Date
1926-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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28. Januar 1926 r 3 s r a ei i t Nr. 5 Seite 8 liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohne Fassung, der eigens für Nase und Gesichtsbildung hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief s tz;nden Kneifern behelfen, die Augen dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fachleuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert. Lieferung für alle Kassen. Orthozentrische Kneifer-Gesellschaft, Opernplatz« Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk. an. Schutzbrillen und Kneifer in allen Farben die Notwendigkeit, junge Leute zu veranlassen, den Lehrerberuf, der'sehr aussichtsreich sei, zu ergreifen. ' Herr Spiro, Fulda, erstattet den Kassenbericht. Danach ist nach Abzug der verteilten Unterstützungen ein Kassenbestand von 513 Mark verblieben. Demnach ist gegen das Vorjahr ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen. Bei der Beratung, wie das Geld angelegt werden soll, stellt Schuster-Großkrotzenburg den Antrag auf Auflösung der Unterstützungskasse und auf sofortige gänzliche Verteilung gller^ eingehenden Gelder. Bei der Debatte, an der sich die Herren Dr, Cahn, Spiro-Fulda, Oppenheim-Rhina, Gans-Niederaula, Freudenberger- Flieden und, andere beteiligten, wurde.darauf hingewiesen, daß der Antrag den Statuten entgegenstände und daher abzulehnen sei. Beschlossen wurde, die Gelder bei einer Bank anzulegen. Außerdem wurde der Beschluß gefaßt, daß die Vollpensiynäre den halben Jahresbeitrag und die noch im Nebenamt tätigen Halbpensionäre den ganzen Jahresbeitrag zu bezahlen haben. Die mit der Zahlung der Beiträge im Rückstände sich befindlichen Pensionäre ' sollen unter Hinweis auf die Besserung des. Vermögensstandes des „Jeschurun" undaus den eventl. späteren Schaden, den sie sich 'verursachen, qn die Zahlung erinnert werden. Darauf nahm der Referent des Tages, Berlinger-Burghaun, das Wort zu seinem Vortrage: „Der jüdische Geschichtsunterricht". Er betont darin, daß der Zweck des Geschichtsunterrichts der sei> die Kinder zu Gottesfurcht zu erziehen. Er redet der Verbindung des jüdischen Geschichtsunterrichts mit der Weltgeschichte das Wort und. will durch Vergleiche ein besseres Verständnis herbeiführen. Der Vortrag fand den Beifall der Zuhörer und der Vorsitzende dankte dem Referenten für seine fleißige Arbeit. ' . Alsdann nahm der Vorsitzende Gelegenheit, den Aufruf des Keren Hathora zur Besprechung zu bringen. Die Mitarbeit der Lehrer an den Sammlungen joU von dem Eintritt der Lehrerschaft in die Leitung des Keren Hathora abhängig gemacht werden. . Herr Dr. Herz, als Vertreter der israelitischen Gemeinde, sprach dem Verein noch seine Wünsche aus. Für die nächstjährige Versammlung übernahm K a tz - Gersfeld das Referat. Mit einem Dank an die Versammlung und mit bem Wunsch eines gesunden Wiedersehens schloß der die Sitzung. Der Prozeß Max Marburg gegen Theodor Fritsch. Hamburg, 26. Januar. Vor Jahren schon Fritsch, der „rühmlich" bekannte Herausgeber des „Hammer", in Artikeln und Broschüren behauptet, Max und Felix Marburg hätten zu Gunsten der Entente die deutschen Interessen verraten. Aehnliche Verleumdungen waren auch gegen Dr. Melchior gerichtet. In erster Instanz hatte Fritsch für diese elenden Verleumdungen drei Monate Gefängnis zudiktiert bekommen. Seit dem 16. Januar befaßte sich nun die Hamburger Strafkammer in zweiter Instanz mit dem Fall. Fritsch sucht auszuweichen und stellt die Sache so dar, als habe er den guten Glauben der Marburgs, Deutschland zu dienen, nie angezweiselt. Dr. Max M. 'Marburg äußerte sich eingehend über die Beschuldigungen und schloß mit den Worten: - - „Der Antisemitismus birgt zwei große Fehler in sich: 1. Mache er es den deütschfühlenden Juden unmöglich, ^ür Deutschland zu arbeiten; 2. lenkt er davon ab, darüber nachzudenken, wie . man die Lage Deutschlands'tatsächlich bessern könne." Das Urteil wurde gestern, Montag, verkündet und s brachte eine ungeheure Ueberraschung. Fritsch wurde bloß zu einer Geldstrafe von 1000 Mark verurteilt. In der Begründung wird gesagt, daß dem Beklagten nicht nachgewiesen werden könne, daß er wider besseres Wissen gehandelt hätte. Die Kläger legten noch einmal Berufung ein. Jüdische Interessen im Rheinland. Köln,' 20. Januar. Der Verein für die jüdischen Interesse n Rheinlands befindet sich in höchster Not! 25 Jghre lang hat-er segensreich gewirkt und zur Erhaltung und Förderung aller jüdischen Aufgaben in Hervorragendem Maße beigellMn. ©ging »Diner und Lehrer Men fteh ihr Bestes gegeben, um die Jugend mit Wissen Uttd Liebe zum Judentum zu erfüllen. Den kleinen jüdischen Landgemeinden gewährte er Beihilfe, wo eine solche erforderlich war. In Schrift und Wort wurde überall in den Herzen der Alten und Jungen Begeisterung für die heilige Sache des Judentums entfacht, Lehrkurse zur Weiterbildung der Lehrer unterhalten» rituelle Speisehäüser errichtet, eine Sterbekasfe gegründet, um Armen, die in den Provinzial-Heilstätten sterben, ein jüdisches Begräbnis zu sichern, Lehrhäuser geschaffen, die im alten Sinne und moderner Form Jedem die Schätze des jüdischen Gesetzes erschließen. Alle diese herrlichen Einrichtungen sind dem Untergänge geweiht, wenn nicht in'letzter Stunde Hilfe und Rettung kommt, denn die Mittel sind erschöpft, die Kasse leer. Der Verein wendet sich mit einem Notschrei an das Verantwortlichkeitsgefühl und an die nie versagende Opferfreudigkeit der Brüder und Schwestern, seinen Bestand weiter zu sichern. Verband der Rabbiner Oberschlesiens. Gleiwitz, 6. Januar. Am 24. Dezember tagte hier unter Leitung des derzeitigen Vorsitzenden, Rabbiner Dr. Braunschweizer -Oppeln, der oberschlesische Rabbinerverband. Der Vorsitzende erstattete zunächst Bericht über die Verbandstätigkeit, besonders über die Zusammenarbeit mit dem oberschlesischen Gemeindebund und anderen Organisationen. In eingehenden Besprechungen wurden Berufs- und Standesfragen erörtert, wie der Religionsunterricht und die Inspektion der religiösen Institutionen in den rabbinerlosen Gemeinden. An wissenschaftlichen. Referaten wurden erstattet von Rabbiner E l l g u t h e r -Neiße: „Neugestaltung des Religionsunterrichts" unter besonderer Hervorhebung der Notwendigkeit einer stärkeren Betonung des hebräischen Unterrichts und von Rabbiner Dr. K a a tz-Hindenburg: „Maimonides und das Talionsprinzip im Anschlüsse an More nebuchim 41"., Die anschließenden weitgehenden Besprechungen dieser Referate nötigten zur Zurückstellung weiterer angesetzter Berichte. OdTSfHtta. Schluß der ersten Session der jüdischen Ralionalttevfammfutuj. Jerusalem, IS. Januar. Die Jüdische Nationalversammlung in Palästina (Ässefath Haniwcharim) hat ihre erste Session beendet. Die Schlußsitzung dauerte die ganze Nacht hindurch bis 6 Uhr morgens. Die letzten Sitzungen waren ausgefüllt von einer zum Teil recht bewegten Debatte über die Arbeitsprobleme und die Arbeitsmethoden in Palästina. Die Sprecher des Misrachi, der Jemeniten, sowie andere Abgeordnete kritisierten in scharfer Form die Methoden der Arbeiterorganisationen. Die Arbeiterdeputierten wehrten sich gegen die Vorwürfe und erhoben gegen die begüterten Kolonisten den Vorwurf, daß sie nichtjüdische Arbeiter beschäftigen. In ihrer Schlußsitzung mahm die Versammlung einige politische Resolutionen an) so u. a. eine Resolution, in der die Regierung aufgefordert wird, die Annahme der jüdischen Gemeindeordnung zu beschleunigen, sowie jene Bestim^müngen des^Palästinamandates zu erfüllen, die die Gewährung von Staatsanleihen an Juden, die Uebergabe von Staatsland an die jüdische Siedlung und die Beitragsleistung für das hebräische Erziehungswesen betreffen. Die Versamlung beschloß, daß das Erziehungswesen vorläufig unter der Kontrolle der Exekutive verbleibe; allmählich soll aber die Leitung des Erziehungswesens dem Waad leumi (Nationalrat der palästinensischen Juden) übertragen werden. Es wurde ferner beschlossen, ein ständiges obligatorisches Schiedsgericht zwecks Schlichtung der Differenzen ayf dem Arbeitsgebiete einzusetzen. Es wurde ein Ausschuß aus 38 Abgeordneten eingesetzt, der den Waadleumizu bilden haben wird. Die extreme Linke schlug Resolutionen vor, mit welchen die jüdischen Massen aufgefordert werden, sich mit den arabischen Massen zu vereinigen und die Einberufung einer gesetzgebenden Versammlung Palästinas zu fordern. Andere Vorschläge betrafen die Bildung .von Arbeiterurrd Bäüernräten in- Palästina, die Einführung der jiddischen Sprache als umkrrichtsMnHk m rm MMN Wo den Ausdruck des Protestes gegen Arbeiter- und Juden-! Verfolgungen in Rumänien, Polen und Bulgarien. Alle diese Anträge , wurden abgelehnt. Vermischtes. Breslau, 20. Januar. Zu der am 7. Februar stattfindenden Wahl der Gemeindevertreter ist eine einheitliche Liste sämtlicher Parteien zustande gekommen, wonach von 21 Vertretern den Liberalen 13, den Zionisten 4, den Konservativen 3 und den Ägudisten 1 Mandat zufallen,; Zu Grunde gelegt wurde das Verhältnis der Wahlergebnisse der Wahlen zum Landesverbände. Personalien. Flehingen, 18. Januar. Ein imposanter Leichenzug, wie er wohl noch selten hier gesehen wurde, bewegte sich am 20. Tewes durch die Straßen unseres Dorfes. Galt es doch, den nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 56 Jahren verstorbenen Synagogenrat Theodor Ettling er zur letzten Ruhe zu bestatten. Die israelitische Gemeinde verliert in ihm eines ihrer besten Mitglieder. Mehr als 25 Jahre fungierte der. Verblichene an den hohen Feiertagen in meisterhafter Weife als Baal tokea. Der Verstorbene war ein guter Jehudi und ein großer Baal Zdoko. Durch sein schlichtes, bescheidenes Wesens seinen vornehmen Charakter- und seine Hilfsbereitschaft mit Rat und Tat. erwarb er sich die Liebe und Achtung, aller derer^ die ihn kannten, wovon das überaus zahlreiche Trauergeleite ein glänzendes Zeugnis ablegte. Vyr.hM Trauerhause entwarf Herr Bezirksrabbiner Dr. Grztsmifch-Brüchfal in beredten Worten ein Lebensbild des Entschlafenen und schilderte die hervorragenden Charaktereigenschaften desselben. Im Namen der Familie widmete Herr Studienrat Dr. Levi- Mannheim dem Verstorbenen warme Worte des Abschieds. " Möge ern der tiefgebeugten Gattin und den zwei Kindern seinen Trost zuteil werden lassen. Die israelitische Gemeinde wird ihm ein treues Andenken bewahren. rragjn. Cbersheim-harxheim, 24. Januar. Am Schabbos Bschalach sind es 30 Jahre, daß Herr Ferdinand Mayer aus Harxheim den Gottesdienst in unserer Gemeinde leitet. Es dürfte besonders hervorgehoben werden, daß der Jubilar dieses Amt nur mx» av1? und aus idealen Motiven heraus ausübte. Besonders während der Kriegszeit war er es, der trotz aller Schwierigkeiten den Gottesdienst aufrecht erhielt und dadurch sozusagen das Fortbestehen unserer Synagoge ermöglichte. Butzbach, 6. Januar. Am 25. Dezember verstarb im 83. Lebensjahre Isaak Füld aus Laubus-Eschbach. Die Beerdigung fand am 27. Dezember auf dem jüdischen Friedhofe zu Usingen statt. Der Verstorbene war der leßlk mZanslissM Mök ösf ns/tfj m i Ms? Mrzolmten blühenden nassaulschen Landgemeinde Laubuseschbach rraxuv Tauberreltersheim (Anterfr.), 1. Januar. Einer der letzten Zeugen von der Blütezeit der hiesigen kleinen Gemeinde ging von uns mit Josef Grünfeld. Erzogen in einer Zeit, in der man noch auf dem Lande minn •a-a hv groß werden konnte, hatte er sich in seiner Jugend ein reiches jüdisches Wissen erworben, das er mit bewunderungswürdigem Scharfsinn handhabte. Und fein ganzes Leben war ein immer wieder erneuerter Versuch, der jüdischen Lehre Gestaltung im Leben zu geben. Lehre und Leben waren für ihn Pole, die nur in ihrem Aufeinanderbezogensein, in gegenseitiger Durchdringung in jedem Momente ihren Sinn fanden. Das zeigte sich in seinem Familienleben, in seiner geschäftlichen Tätigkeit, das zeigte sich vor allem in seiner Lieblingsbeschäftigung als jüdischer Landwirt auf dem Felde. Im Verein mit seiner, einer altehrwürdigen jüdischen Familie entstammenden Gattin Lina geb. Fromm, verstand er es, ein jüdisches Herz par exellence zu errichten und alle seine Kinder auf den iv'n yn des Judentums zu führen. Sein eiserner Fleiß war in der ganzen Umgegend sprichwörtlich geworden; er war ein Fürst der Arbeit, -eine Verkörperung des nhva rraanE? msha nhm- Das Ideal des i3sn nnn V'w iie« nnn - des jüdischen Bauern auf eigener Scholle war ihm ans Herz gewachsen; kein Wunder, daß er dem neuentstehenden jüdischen Siedlungswesen in Erez Jisroel größtes Interesse widmete. Der Bahre folgte eine unübersehbare Menschenmenge, Die gesamte christliche Bevölkerung des Dorfes, viele, viele Freunde aus der Umgegend — Jude und Nichtjude —, war die würdige Erscheinung des Verstorbenen doch jedem Kinde der Umgegend bekannt. Mit welchen Augen ihn die christliche Bevölkerung sah, das zeigte am besten der Ausspruch des christlichen Arztes vom nahen Städtchen: „Er war der Typ des alten Patriarchen, an Würde, an Wissen und an Kraft!" Herr Rabbiner Dr Kahn, Bad Mergentheim gab in warmempfundenen Worten ein treffendes Charakterbild des Verblichenen. Der Neffe, Herr Lehrer Leo G r ü n f e l d -Darmstadt schilderte in wehmutsvollem Gedenken die Lücke, die duch den Tod des Onkels in Familie und Gemeinde entstanden ist. Als nun noch der Sohn, Herr Dr. I. Grünfeld-Hamburg Abschied vom Vatssr nehmen wollte, versagte ihm die Stimme in wildem Schmerz. Sein.- Schweigen sagte mehr, als Worte vermacht hatten. Mögs kW schüWgMlisten Gattin unv seinen Kindern mm Allgütigen Trost erstehen in dom

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