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Der Israelit · 1926-01-21 · Heft 4 (21.1.1926) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 4 (21.1.1926)
Date
1926-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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i 'i^.l:..,3'0^Uqf^,926;., ... 'Joürnakistdn im' Kampfe' gTgen die Volksseuche des Antifemjiismüs .sich a ü s e In ßW f b I f ch e n S ch a m g e - f ühl herÄus weniger rührig z ei gen , a l s ihre deMÜkratifchen christlich en Kollegen. Die Behauptung vonder Beherrschung durch Juden ist ein Märchen, die Presse wird von den Führern der Industrie und der, Landwirtschaft, unter Men kaum noch Juden sind, beherrscht. Man darf im Kämpfe nicht erlahmen, damit die Seuche schnell und radikal überwunden .wird. Dr.ÄlföttsSteig e r vom Zentrumsorgan „Germania" chäroklerisierte den Antisemitismus der „Neudeutschen Heiden" und sagte, der Antisemitismus wendet sich gegen den Katholizismus, sowie gegen jede christliche Religion wie gegen das Judentum. Mit vereinten Kräften .muß er bekämpft werden. Abg. Dr. Otto Nuschke, Chefredakteur der „Berliner Volkszeitung" bedauert es .ebenfalls, daß die jüdischen Kollegen nicht scharf genug die .antisemitische Seuche bekämpfen. — Herr Dr. Goetz von der „Vössischen Zeitung." sagte, die antisemitische Presse lebe zu einem großen Teil von jüdischen Inseraten. Die Redner, sämtlich Nichtjuden, ernteten stürmischen mnd begeisterten Beifall. . Der Sochaczewer Rabbi, Samuel Bornstein, gestorben. Warschau, 11. Januar. In dem Warschau benachbarten Kurort Otwock verftarb im Alter von 72 Jahren der bekannte Sochaczewer Rabbi Samuel B o r n st e i n. Der Verstorbene, eine berühmte Autorität im talmudischen Wissen und Verfasser meler halachischer Schriften, war einer der populärsten Rabbiner in Polen. Die Beerdigungsfeier für den „Sochaczewer Rebbe-. W a r s ch a u, 12. Januar. Die Bestattungsfeier für den in Otwofki verstorbenen berühmten „Sochaczewer Rebbe" gestaltete sich zu einer großen Kundgebung seiner Anhängerschaft in Polen. Der. Verstorbene genoß einen großen Ruf sowohl als Chassidim-Rabbi, wie auch als Gelehrter. Mehrere Rabbiner hatten sich in Otwofki eingesunden, um du n-in» und die Ueberführung nach Sochaczew zu über-, wachen. Inzwischen hatten sich in Sochaczew fast die gesamte Rabbinerschast der näheren und weiteren Umgebung, sowie Tausende von Chassidim eingefunden, so daß das in den Kriegen verwüstete Städtchen die Massen der Leidtragenden kaum fassen konnte. Von berühmten .Rabbis wären gekommen der Skernieweizer, der Sokolower, der Mesriczer, der Lukower und der Gerer Rebbe. Die Beerdigungsfeierlichkeiten gestalteten sich sehr eindrucksvoll, ein vielgliedriges Komitee sorgte für die. Aufrechterhaltung der Ordnung. Das Kaddisch-Gebet am offenen Grabe sprach der älteste Sohn des Verstorbenen, der jetzige Tomaschower Raw, der sein Nachfolger als „Sochaczewer Rebbe" sein wird. Elend und Arbeitslosigkeit in Polen. Lodz, 15. Januar. Eine Delegatton des gesetzestreuen Arbeiter-Verbandes „Poale Emune Jisroel" begab sich nach einer Massenversammlung der gesetzestreuen Arbeiter in die Gemeindeverwaltung und überreichten den zu einer.Beratung anwesenden Gemeinderäten ihre Forderungen. Diese stützten sich auf die in der Massenversammlung angenommenen Resolutionen. Es wird zunächst dagegen protestiert, daß durch Machenschaften -und allerlei Schachzüge der Vorsteher der linksgerichteten Arbeiteroerbände die orthodoxen Arbeiter um ihre karge Unterstützung gebracht werden, ja vollkommen unberücksichtigt bleiben. Es wird verlangt, daß mit der Auszahlung der Unterstützungsgelder sofort begonnen wird. Die Auszahlungen sollen zunächst d i e Listen der Arbeitslosen berücksichtigen, die bis zum von der Kehilla an- -gesetzten Termin eingereicht wurden. Es wird ferner verlangt, daß ein Mitglied des orthodoxen. Arbeiter-Verbandes in die Soziale Kommission der Kehilla hineinigkwllUl wirb llllv lllltz ökll und Forderungen ln üritzzzzM MmiiM MM AWimirg geiragen nnro. s-h«»«rz. Die Rabümerwahl. > ' ..... Basel, 17. Jastuax. Nachdem , vergangenen Sonntag bei der stattgefundenen UrnRwW M'-eiffE - Wa'Machgs keine Wahl zu Stande kam, fänd.heuteSöntttag, nach v0räüsgegangener stürmischer Wahlpropaganda Stichwahl statt; , und als Nachfolger des langjährigen, allverehrten Rabbiners Dr. A- Cohn .'"i wurde mit Stimmest Herr Rabbiner Dr. Arthur W e i l l -Straßburg-Bischheim, .der Kandidat der Liberalen, gewählt. Dr. Weist ist aus dem Rabbinerseminar in Berlin hervorgegangen und war früher Lehrer-- an der orthodoxen Gemeinde Weiskdpf, Paris. Der Kandidat der orthodoxen Partei, Herr Rabbiner Dr. Gerome Levy aus Obernei (Elsaß) konnte 194 Stimmen aus sich vereinigen, wobei allerdings nur etwa 60 Stimmen von gesetzestreuen Mitgliedern stammen und die übrigen Stimmen für Herrn Dr. Levy als Toleranzstimmen zu werten sind. Nun wurde aber in den verschiedenen der Wahl vorausgegangenen Wahlversammlungen von den beauftragten Vertretern der orthodoxen Fraktion der. Gemeinde in feierlichster Form erklärt, daß eine allfällige Wahl des Herrn Dr. Weill den Weiterbestand der strengorthodoxen Führung der Gemeinde, wie sie unter. Rabbiner Dr. A. Cohn bestanden hatte, gefährden könne und. die Orthodoxen sich füx diesen Fall alle Schritte bezüglich Austritt und Gründung einer Separatgemeinde Vorbehalten müssen. Obwohl von der Wählergruppe des Herrn Dr. Weill wiederholt erklärt wurde, daß die streng orthodoxe Richtung auch unter tont Rabbinat Weill beibehalten bleibe ist doch anzunehmen, da die bisherige religiöse Führung des nunmehr gewählten Rabbiners in einem Punkte nicht ganz einwandfrei war, daß die orthodoxen Mitglieder der Gemeinde schon dieser Tage zu einer Sitzung zusammen treten werden und sich zur Konstituierung einer Religionsgesellschaft gezwungen sehen dürften. Leider wird damit unsere bisher so schöne Einheitsgemeinde nicht mehr bestehen. ttalciftftta. Die Eröffnung der Nationalversammlung in Palästina. Jerusalem, 12. Januar. Die neugewählte jüdische Nationalversammlung (Asesath Haniwcharim) wurde am 11. Januar abends im |ion-Theater eröffnet. Nach den üblichen Begrüßungsreden wurde ein Präsidium gewählt, welches sich aus Vertretern aller größeren Fraktionen zusammensetzt. Noch in der Eröffnungssitzung erstattete Herr David Pellin Bericht über die von der ersten Nationalversammlung in den fünf Jahre ihres Bestehens geleistete Arbeit. Hierauf hielt U s s i s ch k i n eine Ansprache und schilderte die Lage in Palästina und in der Diaspora. Danach erfolgte Schluß der Sitzung. Zu Beginn der zweiten Sitzung, die am 12. Januar stattfand, erstattete Herr G l i k s o n , Herausgeber der Tageszeitung „Haarez", Bericht - über die Beziehungen zwischen den landwirtschaftlichen jüdischen Siedlungen in Palästina und der Zionistischen Exekutive. Er forderte, daß zwei Vertreter des Jischuw in die Zionistische Exekutive eintreten. Ihm folgte als Redner der Führer der Achduth Haawodah, Ben Gurion, der ein Referat über die autonome Organisation des Jischuw hielt. An sein Referat über schloß sich eine eingehende Diskussion, in der es zu stürmischen Auseinandersetzungen kam, besonders, als der Redner der kommunistischen Sechsmännerfraktion gegen die britische Regierung, das Mandat und die Palästina-Verwaltung scharf loszog und die Versammlung aufforderte, gegen das kapitalistische und imperalistische Regime im Lande einen Kampf zu beginnen. Die Deputierten der Rechten und des Zentrums unterbrachen den Redner fortwährend durch Protestrufe und hinderten ihn schließlich am Weiterreden; er mußte die Tribüne verlassen. Mit einem Referat Dr. Arlosoroffs (Hitachduth) über „Immigration und Arbeit" wurde der zweite Sitzungstag beendet. Brief aus Palästina. Jerusalem, 10. Januar. Die letzte Versammlung des „Waad leumi" vor dem Zusammentritt des neuen „Asefath Haniwchrim" begann mit einem Nachruf des Vorsitzenden David De Hin lllls 888??ntgtieb Bosse. Es Wlkö Bann am Antrag Dr. Larlad uns Sgenr, »sm Wahlkomitee für die Asefath Haniwcharim Dank ausgesprochen und die Tagesordnung für die erste Plenarsitzung' der Asefath Haniwcharim festgesetzt. Darauf wird auch, die ÄfMe des. Dr. Stephen Wise besprochen. Der .Vorsitzende, llj e l l im; der erst vor kurzem von einer Amerikareise zurückgekehrt ist, schildert die Persönlichkeit 9lr. 4 Seite 5 und' die Tätigkeit Dr. Wises mit höchster Anerkennung und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Exekutive seine Demission nicht annimmt. Der als Gast anwesende Schriftsteller Rüben Brainin aus Amerika nimmt ebenfalls Stellung zu dieser Frage. Cr hält das Ganze für stark aüfgebäufcht. Soweit er Wise kenne, habe dieser stets gegen die Taufe gekämpft. Er zitiert zustimmend .ine Aeußerung Mossinsohns, in dem Sinne, daß Wise auch auf.die Gefahr hin gehalten werden muß, wenn Keren Hajesod darunter leidet. In diesem Sinne wird, ein Telegramm an das zionistische A. K. in Amerika einstimmig beschlossen. Es werden ferner Beschlüsse in Sachen der Wohnungsnot gefaßt. Wie aus den Kreisen der Regierung mitgeteilt wird, ist dovt ein großzügiger Plan zur Erweiterung des Stadtbildes von Jerusalem bereits in allen Einzelheiten ausgearbeitet. In der Form eines Gürtels von zehn Kilometern sollen Straßenanlagen rund um die Stadt herum errichtet werden, die in der palästinensischen Hauptstadt Raum für eine halbe Million Menschen schaffen. Es sind Gartenhäuser und Villen geplant, die große breite Straßen und Promenaden in großstädtischer Ausmachung umsäumen. Die ausgearbeiteten Pläne werden demnächst der Stadtverwaltung zugestellt werden, wo Jedermann Einblick in sie nehmen kann. Die Idee stammt von Gouverneur S t o r r s und hat in Herrn Bentwich und anderen maßgebenden Persönlichkeiten warme Annehmer gefunden. Die Bezeichnungen und Erläuterungen auf den Plänen sind in hebräischer, englischer und arabischer Sprache gehalten. In Haifa ist eine große Mazzothfabrik gegründer worden. Das große Unternehmen, mit dem man der amerikanischen Konkurrenz entgegen zu arbeiten hofft, dankt sein Entstehen der Unterstützung des Baron Edmond von Rothschild. Die Wohnungsnot in Jerusalem verschlimmert sich mit jedem Tag. Der Arbeiter-Rat legte geharnischten Protest gegen das neue Mietgesetz ein, das mit Beginn des bürgerlichen Jahres in Kraft treten soll, und das den Hausbesitzern das Recht gibt, alle Mieter, die mir der Mietzahlung rückständig sind, kurzerhand auf die Straße zu setzen. Das Gesetz wird mit der Förderung der Bautätigkeit seitens der Regierung begründet. Die armen Mieter, so heißt es im Protestaufruf, kommen für diesen Häuserbau aber gar nicht in Betracht, da es ihnen am nötigsten fehlt. Für Donnerstag, den 14. Tewes, nachmittags, proklamierte das Arbeiter-Komitee einen Proteststreik und organisierte Demonstrationsumzüge. Zu diesen untauglichen Mitteln griffen die Arbeiter immer wieder statt den Weg der Verständigung einzuschlagen. Die Tagung der Nationalversammlung in Jerusalem. Jerusalem, 14. Jan. In der heutigen Sitzung der Asefath Haniwcharim erstattete Dr. Mossinson Bericht über das Erziehungswesen. Sein Bericht gipfelte in der Forderung, daß die Leitung des Erziehungswesens auch weiterhin in den Händen der Zionistischen Exekutive verbleibe und nicht dem allgemeinen Jischuw übergeben werde. In der Diskussion über dieses Referat forderte Mme. Cohan-Bernstein, Schauspielerin von Berus, als Sprecherin der Fraktion der Zionisten-Revisionisten, daß der ästhetischen Erziehung besondere Aufmerksamkeit zugewendet werde. Ein -Redner der Misrachi-Fraktion trat den Ausführungen der Vorrednerin entgegen und forderte, daß das Hauptgewicht auf die religiöse Erziehung gelegt werde. Zu stürmischen Protesten der Versammlung gab abermals das Auftreten eines kommunistischen Redners Anlaß, der das zionistische Schulwesen hemmungslos kritisierte und behauptete, es erziehe die Kindes zum Rassenhaß. Der Redner wurde aufgefordert, seine Behauptungen zurückzuziehen. Als er sich weigerte, wurde er durch die Versammlung am Weiterreden gehindert und mußte die Tribüne verlassen. Personalien. Distrikksrabblner Dr. Seligmann Meyer V'ST* tJUggnsBurg; i§, San. Mm ZI Remter 18W-1L TsksH M8K ist. Wie schon gemeldet, der Rabbiner der Regensburger Gemeinde und des mit dieser Stadt verbundenen Distriktsrabbinats im Alter von über 72 Jahren zur ewigen Ruhe eingeaangen. 44 Jahre hat Distriktsrabbiner Dr. Seligmann Meyer iw Regensbuxg die Geschicke der dortigen Kultusgemeinde geleitet,. nachdem er vorher schon im jugendlichen Älter in Wiesbaden, Wetzlar und Berlin als Religionslehrer

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