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Der Israelit · 1926-01-14 · Heft 3 (14.1.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 3 (14.1.1926)
Date
1926-01-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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D er Is r a e l i t Nr- 3 Seite 3 1i. Januar 1926 _• orthodoxen Rabbiner in den erwähnten Beschlüssen der Exekutive der Zionistischen Organisation und des Komi t e e s für d i e P a - lästina-Aktion mit Recht eine Herausforderung der Orthodoxie sehen, so, demnächst eine Konvention sämtlicher orthodoxer Rabbiner Amerikas über die weiteren Schritte und das weitere Verhalten zur Zionistischen Organisation beraten. Als erste Folge dieses Erwachens ist zu verzeichnen, daß der bekannte Herausgeber des „Jüdischen Tageblattes", Gedaliah Bublik, aus dem Verwaltungsrat der Zionistischen Organisation und Rabbi Herbert Goldstein, der Vorsitzende des orthodoxen Rabbinerverbandes, aus dem Misrachi ausgetreten ist. Unsere Stellungnahme zu der Sache ergibt sich aus dem Leitartikel der jüngsten Nummer. Die liberalen und zionistischen Zeitungen Deutschlands, die sich alle mit der Sache befaßten, glaubten sich abwartend verhalten zu müssen, bis Dr. Wise geantwortet und selbst das Wort zu seiner Verteidigung ergriffen hat. Die I. T. A.-Ausgabe vom 10. Januar, die den Protest der orthodoxen Rabfnner tm Wortlaute und zugleich auch die E r- WlskDringt/Mgt«M, wie wenig Unterer her chm zuv ßflft 0QlQ0tßII Anklage entgegenzuhalten hat. Der rabbinische Protestbeschluß lautet; „Da sich Dr. Stephen S. Wise in seinen öffentlichen Reden als „Meisis und Madiach" (Verführer) benommen hat, — wir zweifeln, ob es einen größeren Verführer unter den Juden gibt — so müssen wir mit Nachdruck dagegen, protestieren, daß er ein Führeramt behält; er muß von jederlei Leitung jüdischer Angelegenheiten ferngehalten werden. Insbesondere protestieren wir dagegen, daß er Präsident der Vereinigten Palästina-Aktion bleibt, und wir richten an die Zionistische Organisation Amerikas das nachdrücklichste Ersuchen, ihn zu veranlassen, daß er den Vorsitz niederlegt. Sollte er fernerhin Vorsitzender der Palästina-Aktion bleiben, so werden wir gezwungen sein, autoritativ zu erklären, daß eine Unterstützung dieses Fonds, so sehr er uns heilig und teuer ist, ein „Jffur Gamur,, sei." Darauf erklärt Dr. Wise: „In meiner Ansprache habe ich nichts Neues gesagt. Neu waren nur die schreienden Ueberschriften in den Zeitungen." Eine weitere längere Erklärung in der Presse berichtet einzelne Punkte, ohne den Kernpunkt der Sache in Abrede zu stellen. Die orthodoxen Rabbiner haben aber nicht nach den „schreienden Ueberschriften" in den Zeitungen gehandelt, sondern in genauer Prüfung und Berücksichtigung der Sachlage, an der die Erklärungen Wises nichts zu ändern vermögen. ga den Lebensregel zurückschreckenden Ueberzeugungs- Ireue, die einen Hirsch hal werden lassen, eine Adatz Jisroel gezeitigt und den Gedanken der Agudas Jisroel ungebahnt hat. Wird noch vor Moschiachs Zeiten ein auf das Gottesgesetz basierter Staat erstehen? Das ist nicht mit Gewißheit abzusehen. Wenn er aber da sein und zum musikalischen Sinne seiner Bürger wird sprechen wollen, dann kann sein Lied nicht vom Nochnichtverlorenen träumen und auch nicht von menschlicher Waffe klirren: Es mütz Ledowid Boruch heißen. — Stumm kann man nicht gegen Schreiende kämpfen. Will eine orthodoxe Organisation all jenen Bünden standhalten, die mit Gesängen locken, so muß sie 1112 2VtV zu ihrem Liede machen. Ans klingt jene hirschifche Diesseitsheiligung und Gottessreude, jene rastlos aktive Knn1?“? xnnzmx. die der Tadler im „Jeschurun" dem deutschen Judentum so übelnimmt und die er anderwärts nicht wahrgenommen haben will. Ein Thorafreund des Ostens mag zwar geistreichere Purimpoffen reißen als ein Mizwausfreund des Westens, — aber die Grenzen der Freude sind bei beiden gleich weit gesteckt; die Diesseitigkeit der Freude ist bei Beiden das Gleiche. Wenn wir Gott dafür danken wollen, daß in unsere Kreise noch kein Feind Mut- und Ratlosigkeit eingehämmert habe, dann müssen wir das Davidslied von dem Docke singen, dessen Werke heilig sind und dessen Wohlstand Gott segnet. — Als Hirsch zu 221 n «2' bi '2VX niVyan w jene bekannte Melodie komponieren ließ, — geschah das wirklich nur. um. wie berichtet wird, das Hinauseilen der Beter nach der n^nan zu verhindern? Sicher klingt in diesem Psalm vom Heile des Mannes, der von seiner Hände Mühen lebt, der Auswege zu idealer Welkanschauung. Von Rabbiner Dr. W. Haken in Schönranke. II. Die erwähnte Schrift von Rüssel nimmt in oberflächlicher Weise Stellung zur Frage des Einflusses des wissenschaftlichen Fortschritts auf die Gestaltung deyMenschengefellschaft. Dabei wird grundsätzlich'dem Wissen der Menschen die Möglichkeit, ihre vorhandenen Institute auszugestalten, abgesprochen. Es läßt den Kampf zwischen nationalen Interessengruppen, ja den zwischen Anarchismus und Bürokratie unbeeinflußt, und wissenschaftliche Anschauungsunterschiede sind ebensowenig (28) ihre wahren Streitmotive, als je religiöse Gründe der wahre Grund der früheren Religionskriege waren. Ja, Ruffel versteigt sich zu der Behauptung: (39) „Seit Medizin und Hygiene die Kindersterblichkeit herabgesetzt haben, kann (wenn man die Geburtenbeschränkung aus dem Spiele läßt) nichts anderes mehr der Uebervölkerung wehren als Krieg und Hungersnot." Aus solchen finsteren Voraussagen ergebe« si«H bann mte von selber Unkenrufe wie dksr??n der SnfertorUai iültjlflH StOffQ DlS $U deren völliger Vernichtung &olbne¥Hü&lU (41) der Schwarzen, Einschränkung der Fruchtbarkeit der Untertanenvölker usw. Die Träume gehen hier mit der gleichen Ungebundenheit wie bei Haldane, nur zum entgegengesetzten Extrem. Von da ist es nur ein kleiner Schritt zum Standpunkt F. C. S. Schillers, der im Gegensatz zu der etwas reservierten Haltung der Vorgenannten alles Heil von weiterer Ausgestaltung der Eugenik und der Psychologie erwartet. Diese Ausgestaltung hat nach Schiller in der Richtung zu erfolgen, daß die „Hemmnisse der Auslese", die „contraselektiven Momente" aus dem Wachstum der Menschheitskultur ausgeschlossen werden, vor allem aber, daß die Lehre von der seelischen Anlage der Menschen in den Dienst der Propaganda dieser Selektions-Idee zu stellen fei. Den gegenwärtigen Stand der Eugenik verspottet Schiller (41) durch die Behauptung, „daß mit einziger Ausnahme der Bergleute keines der innerhalb der Nation vorhandenen wünschenswerten Elemente das Seine zur Erhaltung der Volkszahl tut und daß deren beständige Zunahme ausschließlich der unbeschränkten Kinderzeugung durch die Gelegenheitsarbeiter und die geistig Zurücrgebliebenen zuzuschreiben ist." Uns mag ja sonst vom ethisch-humanitären Standpunkte die Auslese als ein grausamer Spartanismus erscheinen; liest man aber Schillers diesbezügliche Ausführungen, so wird man unwillkürlich an die Tatergänzende Nachklang zum Volkssange des aVr^ “pan* Zu Dyn '1VX gehört -P2VX ^>axr> '2 *pS2 y’i'. Uns ist asm '2wx des Gottes staates Hymnus; '2VX '2 rn' t>2 ist der des schaffenden Bürgers. Wir brauchen uns nicht an diejenigen zu assimilieren, die das Lied vom Volksheil und das vom Familienheil als Pharisäermärchen verlachen. Diese Gestalten der irdischen Glückseligkeit sind uns göttliche Sittensorderung, denen wir Dinge zu unterordnen haben, die anderen Völkern höchstes Ideal find. Unser Staatshymnus 2122 Tn1? und unser Arbeitshmnnus 8T *?2 '“MX, — sie beide sind echte Seelenklänge bewußten orthodoxen Judentums. Mögen an jedem Wochenbepinn sieuns zu Gotteskampf. Ueberzeugungstreue, Wohlfahrt und Segen rufen. Uleines Feuilleton. Heinrich Heine als Baal Teschubah. Heinrich Heine, der sein Lebtag an.dem ungeheueren und unheimlichen Zwiespalt zwischen Taharo und Tumo, zwischen begeisterter Hingabe und ätzender Gelbstperfiflage, zwischen Judentum, dem er innerlich bis zum letzten Atemzuge ungehörte und seinem äußerlich angenommenen Proselytentum krankte, dieser Heinrich Heine hat vor seinem Sterben ehrlich und aufrichtig Teschubah getan. In feinem am 13. November 1851. also etwa 4 Jahre vor seinem Tode niedergeschriebenen Testament findet sich folgendes denkwürdige Bekenntnis: .Seit vier Jahren habe ich allem philosophischen Stolze entsagt und bin zu religiösen Ideen und Gefache erinnert, daß eine gewisse automatisch wirkende Auslese auch im Begriffe des n"D ni'tt enthalten ist. Doch wird uns sofort das ganze Grauen der Eugenik offenbar, wenn wir den bitteren Spott kosten, mit welchem Schiller feststellt (67), daß „die Sanftmütigen ein vortreffliches Geschick dazu haben, das Erbe des Erdreichs anzutreten, nachdem ihre Herren und Meister einander gegenseitig totgeschlagen haben, und daß passiver ^derstand die ärgsten Gewaltmethoden erschöpft, Wüstenhafte Einwendungen den listenreichsten Opportismus überwinden, wenn man nur genug von der Sorte beschaffen kann." Damit sind wir an dem Punkte angelangt, wo die Polemik des Judentums gegen seine Leugner die bitterste Gestalt annehmen muß: Wir erkennen die vorgebrachten Tatsachen als wahr an und bewerten sie im umgekehrten Sinne als ihre Vorbringer. Wir wollen zu den so gehöhnten Sanftmütigen gehören; wir sagen '2 n "panx 'jn^'2 und px nrn" D’pnx; ja mit Stolz sagen wir px W2" wiivi und möchten zu diesen D'iiy gehören. Hier hört unser wissenschaftlicher Protest auf, und hier hört für unsere Begriffe auch die Wissenschaft auf, objektiv zu sein: — das Grab des Nationalismus. — ©mftEFf beofcacf>±en unh itefe, reine Dsliremtnwsphärc utmrn wir m 5>r. SmfJ Wasa Brauers (bei I. A. Barth, Leipzig 1d28 erschienener) „Ueberwindung der Materie". Er versucht eine Umkehrung des längst von Driesch gebahnten Weges. Während Driesch Nachweisen will, daß die Denkgesetze den Modus des Auffaffens der Naturgesetze bestimmen, versucht Bräuer aufzuzeigen, daß selbst die empirischsten Naturgesetze gar kein „Ding an sich" zum Gegenstände haben, ja, daß (S. 11), auf die. Frage na ch dem Objekte, nach dem Etwas, für das diese Gesetze gelten, im Reiche der Physik die Antwort ausbleibt. Es gelingt der Physik, die von uns unabhängige Stoffwelt restlos darzustellen als ein leeres, sinnloses System von Bedingungsgleichungen. Die Welt rechnet sich weiter." Oder erläuternd ebendort: „Das Elektron A erschöpft sich darin, Bahngesetz des Elektron B zu sein. Und das Elektron B erschöpft sich darin, Bahngesetz des Elektron A zu sein." — Auf die Menschenwelt übertragen (S. 25): ^,Was kümmert es mich, was drüben in Amerika das Schicksal braue! Aber wenn dieses Schicksal einen Menschen veranlaßt, fein Land zu verlassen und er unvermittelt mir hier in Europa gegenübertritt, dann sind alle Vorgänge drüben im fernen Lande plötzlich für mich Denkbedingung, Denkgesetz, geworden." — Hier sehen wir eine ethische Auswertung des relativistischen Weltbildes. Auch die ethischen Beziehungen der fühlen zurückgekehrt; ich sterbe im Glauben an einen einzigen Gott, den ewigen Schöpfer der Welt, dessen Erbarmen ich anslehe für meine unsterbliche Seele. Ich bedauere, in meinen Schriften zuweilen von heiligen Dingen ohne die ihnen schuldige Ehrfurcht gesprochen zu haben, aber ich wurde mehr durch den Geist meines Zeitalters als durch meine eigenen Neigungen fortgerissen. Wenn ich unwiffentlich die guten Sitten und die Moral beleidigt habe, welche das wahre Wesen aller monotheistischen Glaubenslehren ist, so bitte ich Gott und die Menschen um Verzeihung. (Abgedruckt in der von Ernst Elster besorgten Ausgabe von Heinrich Heines sämtlichen Werken). 7. Band, S. 19/20. M. Sp. (Eine halachische Zeitschrift.) Die halachische Zeitschrift aps" xiV>np, herausgegeben von Jakob Josua Grünf e l d in Zborov, Kosicka Zupa, Slovakei, h^ingt in ihrem letzten Hefte eine Fülle von halachifchem Material. Responsen über aktuelle Fragen des Religionsgesetzes aus der Feder anerkannter Rabbinen werden zum Schluß harmonisch abgelöst von einem agadischen Teil und auch von einer Art feuilletonistischen Ecke, in der Rätsel und Preisfragen und sogar Gedichte mit halachifchem Einschlag Platz finden. Die Zeitschrift bietet dem „lernenden Juden" ungemein viel. (Darf man Austritte aus dem Judentum öffentlich bekanntgeben?) In einer Eingabe an den Wiener Magistrat als politische Behörde beschwerte sich der Oesterreichifche Freidenkerbund dagegen, daß die Jsr. Kultusgemeinde die Namen der aus der jüdischen Religionsgemeinschaft Austretenden veröffentlicht und so private Angelegenheiten preisgibt. Der Magistrat lehnte die Beschwerde ab und berief sich auf das Gesetz von 1868, wonach öffentliche Behörden berechtigt sind, alle Mitglieder

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