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Der Israelit · 1926-01-14 · Heft 3 (14.1.1926) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 3 (14.1.1926)
Date
1926-01-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 3 Der Israelit der religiösen Freiheit überhaupt zu überschreiten. Dem religiösen Judentum muh vielmehr das Recht gegeben werden, sich vollkommen s e l b st ä n d i g zu organisieren und zugleich mit den religiösen Gemeinschaften auch getrennte Matrikel usw. einzurichten. Aus diese Weise werden sich von selbst zwei Arten von Judentum herausbilden, ein religiöses für sich und ein areligiösesnationales für sich, eine Erscheinung, die ja schließlich auch in Ungarn, der Tschecho-Slovakei, in Deutschland und der Schweiz in den nebeneinander bestehenden Organisationen der religiösen Gemeinden und der Reformgemeinden, die sich getrennt zu Landesverbänden zusammenschließen, zutage tritt. Wenn diese an und für sich nicht erfreuliche Zweiteilung auch im heiligen Lande eintritt, so sind dafür diejenigen Juden verantwortlich, welche die historische Ueberlieferung von sich abschütteln und die Herrschaft der Thora im Gesamtheitsleben verwerfen. Es gibt daher keinen anderen Weg bei dem Aufbau der jüdischen Nation in Erez Jisroel als die Bildung zweiergetrennterOrganif a t i o n e n und alsdann im freien Einverständnis ühUv lmösn DMüniw, Dös röügiöfon unD Des nationalen, bie Brlbung gemischter ölstsjHÜffö. tzjK sich mit den gemeinsamen Fragen beschäftigten und die inneren Gegensätze wenigstens nach außen auf dem Wege der freien Verständigung unter den beiden Gruppen zu überbrücken suchen. Dann wird an Stelle der Vergewaltigung mit all ihren betrübenden Folgen, an Stelle des unausgesetzten inneren Kampfes, ein gegenseitiges Verstehen treten, das den Frieden in den Zelten Jaakauws heraufführt, und man wird in den Städten Judas und in den Straßen Jerusalems nicht mehr die Stimme des Drängers hören, und ein jeder wird bei seinem Lager und bei seiner Fahne ruhen und das ganze Volk wird in Frieden an seii en Ort kommen. Wochenrundschau. Ungarns Erwachen. Als Ungarn, bis 1914 ein wahrer Hort des Liberalismus und der selbstverständlichen, nie in Diskussion gezogenen religiösen Toleranz, als ein Opfer des Weltkrieges nach dem Frieden von > Trianon zerstückelt und dezimiert dastand, erwachten die patriotischen Magyaren, rieben sich den Schlaf aus den Augen und sahen nach den Schuldigen aus. Und es fiel ihr Blick auf die Juden. Seitdem, wütet eine Judenhetze in Ungarn, geschürt und getragen von den „Erwachenden Ungarn", wie sie die Welt kaum gesehen hat. Nachdem die rote Regierung, die sich, wie in allen Ländern, zuerst auf dem Leichenfeld unglücklich versucht hatte, zusammengebrochen war, stürzte man in jüdische Häuser, beging man Judenmorde Tag für Tag, zerstörte man jüdisches Familienglück in Massen, ohne Kläger und ohne Richter. Dann brachte man H o r t h y und setzte ihn in die Hofburg zu Ofen als Staatsverweser, von wo aus der bewährte Judenschlächter H e i - j a s mit seinen Hilfsbanden die Blankovollmacht für sein Toben und Treiben erhielt. Das Toben schien ein wenig nachzulassen, als der zwar rechtsgerichtete, aber besonnene Graf B e t h l e n die Leitung der Regierung als Ministerpräsident in die Hand nahm. Er wollte zuweilen das Beste und die wildesten Exzesse hörten auch auf. Allem seine Kraft reichte noch nicht aus, den Horthy- und Heijas-Männern vollkommen das Handwerk 3u lsgsn,, Edlss Wollen in Budapest ertrank im uori ÄJ^cn. 9Jlan hall hsiils llHch AjU Numerus clausus wie kaum anderswo be jure und de facto fest und freut sich des Sieges des Bildungsministers Klebelsberg in Genf, der den „Erwachenden" nicht allzufern steht. Die „Erwachenden" haben ihr engumristenes Programm: Säuberung des Landes von Juden, Säuberung des öffentlichen Lebens von der „jüdischen Korruption", Säuberung der Moral, die „die Juden in Presse, in Politik, in Kunst und der Industrie vergiftet" hätten. Nachdem es so den „Erwachenden" gewissermaßen gelungen war, den Juden die Alma mater zu schließen, sie aus dem öffentlichen Leben auszuschalten, ihnen alle Bewegungsmöglichkeiten zu unterbinden, gingen die Herren selbst an die Arbeit, mit sauberen Händen, auf sauberem Grunde. . . . Man verschaffte sich erstklassige Notenpressen und fertigte französische Banknoten an, die man in Dutzenden von Millionen mit Hilfe diplomatischer Pässe und staatlicher Sonderwagen über die Grenze und in die Welt setzte. Ein radikales Mittel, die Staatsfinanzen und das Privatvermögen auf die erwünschte Höhe zu bringen! Raus mit dem jüdischen Kleinbürger, dem Kleinhandel, dem jeder Zug ins Geniale fehlt! . . . Es ist nun daraus ein europäischer Skandal, eine Weltaffäre geworden. Daran werden natürlich wieder die Juden schuld sein. Denn ist es nicht so, daß die Presse aller Länder diesen Fall in Beziehung zu Ungarns Juden bespricht? Man 14. Januar 1926 erzählt nämlich, daß die Banknotenfälscher identisch sind mit den Führern der „Erwachenden" und die Fäden sich weiter spinnen bis in die Umgebung des Reichsverwesers Horty. Mit einem Worte: die ganze Fälscheraktion geht Hand in Hand mit der Säuberungsaktion, die den einzigen Zweck hatte, Ungarn von den Juden zu befreien. Wir wollen nicht in den Chor der Rache einstimmen, der sich jetzt in den feindnachbarlichen Ländern gegen Ungarn und seine weitere Existenz als Staatsgebilde erhebt. Ungarn könnte auch heute noch das sein, was es vor dem Kriege gewesen ist, ein Land des Friedens, der Freiheit und der Toleranz, wenn es nur verstände, das erhaltende Element, die I u d e n , wie früher zur Aufbauarbeit heranzuziehen. Die Liebe zum ungarischen Vaterland schlägt heute noch trotz allem und allen in den jüdischen Herzen hoch und warm. Mitten im Kampfe um ihr primitives Bürgerrecht protestieren sie gegen ihre Brüder aus anderen Ländern, die sich anschicken, ihnen Hilfe von außen zu bringen. Sie werden auch jetzt, wie die Besten im Volke, schwer an der Kompromittierung Ungarns in der weiten Wslt iragen. Ungarn müfeie . jetzt t it Wahrheit ertoac^en unb bte „ÖLrrDacJjenj&^H^,. Schand und Schimpf auf Ungarns Fahne geheftet, aus dem Felde schlagen. Dann bekommt die Welt auch Verständnis dafür, daß für Verbrechen von Fälschern und Brunnenvergiftern, die ihre Laufbahn mit der Fälschung der öffentlichen Meinung beginnen und mit der Falschmünzerei beschließen, ein Staat und ein Volk als solche nicht verantwortlich sind. Ein großes Reinemachen wird von Budapest angekündigt, es wird aber nur dann mit Erfolg durchgeführt werden können, wenn bei dieser Reinigungsarbert dieganzeAthmosphäre entgiftet wird, aus der solche herrliche Blüten wie Numerus clausus u. v. m. emporschießen konnten. Die Heilslehre Stephen Wises. Wie zu erwarten war, haben alle zionistischen Instanzen Amerikas fast einstimmig beschlossen, Dr. Wise unter allen Umständen seinen zionistischen Aemtern und Würden zu erhalten. Es wurde auch auf einen Ausgleich mit der „Union orthodoxer Rabbiner" hingearbeitet, der aber, wie nun aus Amerika mitgeteilt wird, vollkommen gescheitert ist. Vielmehr hat die Agudath Harabbanim in einer zweiten Sitzung den Beschluß gefaßt, ihre Unterstützung der geplanten zionistischen Aktionen vom Rücktritt Stephen Wises als Präsident derselben abhängig zu machen. Da die TT - Das jüdische Haus. Daß der Geula Stunde früher als erwartet schlug, dies dankte man dem ins Golus mit hineingelroarnen jüdischen Harfe ins wx* Wohin auch das jüdische Volk ninaus ging, es nahm ietn Haus mit sick. .Es drallste mich der König in feine Gemächer, ich freue mich und jubele mit dir mit dem 2t B, chstaben der heil'gen Schrift" “pmTsr msnn nnn „Unter dem Apfelbaume erweckte ich dich , heißt es im Hohenliede, und es ist, nach M'drosch, damit die Notstätte des. jüdischen F mi lienglückes in Mizrajim bezeichnet. Dian hatte die jüdischen Wohnstätten vernichtet, das lüd fcke Fami lieng>ück zerstört, die Männer auch nächtliche,weise aus dem Hause gedrängt in die Frohn der Arbeit Da kamen die grauen und orachten ihnen das karge Mahl und scköpften ihnen dos Wasser aus dem Brunnen und schlugen rh, Fomil englück unter den Aesten des «pfelbaümes für karge, lichtvolle Rubemomente auf. Und wenn da jüdische Kinder das Licht der Welt erblickten, nahm sie der Boden auf, um sie den feindlichen Amen der Häicher zu ent rücken, und derAcke,pflüg iubr daiüder, wie es in den Psalmen heißt: trtnin iVin '3X by Aber sie sproßten, den Pflanzen gleich, aus der Erde, wie dü s der Prophet Jecheskel schildert: nwn rtBXD nam -",21 *p;inj« Und Engel kamen und nährten und pflegten sie. Und Gott s lber tnttie Freude an dem aus Not und Drangsal wachsenden jüdischen Kinde. Wie r un Gott später am Roteu Meere erschienen ist, waren es diese Kinder, die ihn zuerst erkannten und jubelnd riesen inuxi X m. Es mag auch „ anches für uns und alle Zeiten enthalten sein in dnser poetischen Midraschstelle. Es war und ist so, daß die jüdische Familie unnerwüstlicher Wurzelftock des jüdischen Volkes, der jüdiicken Zuki nft ist. Und so oft man in der Geschichte sckon glaubte, alles H verloren, die Erde habe alle Hoffnungen und Ideale zuged ckt es kam immer und immer wieder ein neues Geschleckt wie aus dem Boden gewachsen, das lauter als es die Väter taten schrie und jubelte: „Es ist mein Gott, ich will ihn preisen!" Dem Hause danken wir die Erlösung. Wir hoben nicht einen ...Heiligenabend i« Jahre, an dem wir die Kinder erfreuen und beschenken. Jeder Sabbat und jeder Fenrtao beginnt mit einem „Kiddusch , jeder Freitagabend ist ein .Heiliaer.'bend , an dem wir unsere Kind>r mit dem Höchsten bescher ken wag wir besitzen, dem Ewigkeitsae^anken. Mit dem Sab at sing auch Moses sein Erlosungsmerk an. indem er in das vorg-ffundene dunkle jüdische Haus Licht, Sabbatlicht 1 itete. .Pharao", so lautete "ach Midrasch die erste Unt«rredung Moses mit dem Könio. .die Hundertt, uNnde von Sklaven, d'e dir sieben Taae in der Wdche dienen, sind er-* müdet, in ihrer Arbeitskraft geschwächt. Gewähre ihncn einen Rubetaa, und sie werden in drn sech s Arbeitstog'N ein Dopreltes leisten". Pharao tals u» d nab ihnrn ahnungslos den siebenten Tag frei. Damit war alnr der Erlösung der Grund gelegt, max ’wy» D’aifiD orai üT3 tzib'A». Wenn sie an diesem Ta^e zusammenkamen, dann gingen die Rollen, darin die Dätergeschichte geschrieben war, von Hand zu Hand, und inne.lich waren sie schon erlöst. Noch klirrten die Ketten, aber die Seele war frei Noch .ze streueten sie sich, um St»oh zu suchen" und Seufzer, unter de, Geißel de, Treiber, hallten durch die Lust, aber im Herzen blühte schon der Frühling, das Sabbotlicht war entzündet. Das durch Sabbat aeweihte Haus war es, an das Mcses, ja Gott selbst anknüpft, der letzte glimmende Funken, der zur mächtigen, welterlösenden Flamme anwächst. Ledowid Voruch. Von B. C. Es ist Mode geworden, sogar in uns nächststeherden Kreisen, dem orthodoxen Judentum, insbesondere seinem deutschen Zweige, den D-del auszusprechen. es ergehe sich in gnadenferner Selbstgefälligkeit, es genüge sich in bisweilen gl ubensgewiffer Rechthaberei und gründe seine Frömmigkeit oft nicht aus das erschütternd Tragische eines Erst bmffes. So erst jünast ein Mitarbeiter des Jefchurun, der sich dafür allerdings einen wohlverdienten Vorbehalt seitens des Redakteurs h. Ite. Der Tadler hat aber eigentlich nicht ganz Unrecht; nur wären d'e meisten seiner Feststellungen, falls sie zutreffen. Lob für die Beirr ff nen Wer lehrt m'ch das? T«xt und Melodie von Ledowid Boruch. Ich weiß nicht, woher die Melodie stammt; vielleicht verdanken wir auch sie einem der unheimlich piodukt'ven Komponisten der Resormzeit; wie sie aber heute in WestdrUischlands Großgemeinden gesungen wir d, ist sie die Liegeshymnc des orthodoxen Judentums. atmet dessen hierzulande bewährten Kampfesmut und dessen vor keiner zeichnenden und sondern-

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