Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1926)
- Date
- 1926-01-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 2 Der Israelit 7 Januar 1926 solcher Anreize nicht bedürfen. Mit Freuden und Ehrungen werden ihn die Gemeinden erwarten. Mit Stolz wird er sich den Mühen des seßhaften und des wandernden Schächters unterziehen, mit frommem Eifer seine Studien betreiben. Auch zum Vorbetepult wird unsere Jugend den Weg finden. Alle Vorurteile werden schwinden. Doch rnufj xtjr jair rncmrfje verständnislose Gebend Asückhalt in Den (Stabten geboten werden, Llinnsi für eine neue, Hirschs Namen tragende Stiftung. Hirsch zu seiner Zeit ließ sich zu seinem Frankfurt „herab", zog es zu sich heran; so wird es mit dem flachen Lande die heutige orthodoxe Jugend unserer Großstädte machen. Palästinafahrk. > Von Max Landau in Berlin. (Fortsetzung.) Der unerschöpfliche Reichtum des Landes hat sich hier seinen Ausdruck geschaffen, in machtvoller und vornehmer Weise, zugleich unbewußt anknüpfend an die Traditionen des alten und des ptolemäischen Aegypten. Der geschmackvolle Luxus der Hotels — großenteils sind es ehemalige Paläste reicher Paschas — ist unübertroffen: mehr noch wie für Kairo selbst gilt dies für die Märchenstadt Heliopolis, die man tollkühn mitten in die Wüste hineingebaut hat, und für den Weltkurort Helouan. Es ist nicht der Zweckmäßigkeitskomfort der Amerikaner, der zu rationell ist, um rein ästhetisch zu wirken, sondern es ist einfach die Freude an der Pracht, an der Ueppigkeit, am Ueberfluß, die heute in Europa verloren gegangen ist. Man versteht es hier sehr gut, die Fremden den „Betrieb" nicht merken zu lassen, so daß man eher das Gefühl hat, Gast eines sehr reichen und gastfreien Hausherrn zu sein, der aber die liebenswürdige Unaufdringlichkeit besitzt, sich garnicht zu zeigen. Die ebenso phantastische Rechnung wird ja auch erst am Schluß vorgelegt. Ueberhaupt, zum Trost sei es gesagt: auch die kleinen Neppereien und Gaunereien, ohne die es in dieser teuersten, Stadt der Welt nicht abgeht, sind überaus großzügig; unter einem halben Pfund zu betrügen lohnt schon gar nicht. Es gibt sehr zahlreiche, aber nur männliche Bedienung. Mein Zimmermäoel ist ein riesenhafter Nubier, der aber alles, was ihm aufgetragen wird, so diskret, umsichtig und geschickt ausführt wie ein gut dressiertes Kammerzöfchen. Er versteht meine Sprache nicht und ich nicht die seine, aber er hat die Gabe, jeden Wunsch zu erraten; man braucht bloß die Brauen hochzuziehen, und er weiß schon, was man will. Wenn er das Eis serviert — jene raffiniert zusammengestellten Eispotpourris, die hier täglich in immer neuen Varianten hergestellt werden —, dann tut er das mit so vollendeter Grazie, der lange Kerl, wie man sie bei der saloppen Haltung des Hotelpersonals selbst unserer besten deutschen Häuser seit langem nicht mehr gewohnt ist. Und während rncrn irn |jDtjer des SjotelSj die köstlich fiiijIenDe Speise schlürfend. Die semmelblonden englischen Jünglinge und die dicken Effendis betrachtet, die hergekommen sind, um das Leben abwechselnd mit Tennis und Shimmy zu verbringen, denkt man zuweilen an die elenden Lehmhöhlen der Fellachen, in denen Menschen hausen, die vierzehn Stunden arbeiten und zehn Piaster im. Tag verdienen. - Ein Land der Gegensätze, auch im Sozialen: unermeßlicher Reichtum und düsterste Armut finden sich unvermittelt nebeneinander. * Man geht durch die lange Monski-Straße, immer tiefer in die arabische Stadt hinein, verirrt sich in die engen winkeligen Gäßchen der labyrinthartig angelegten Bazare, die sich um den großen Chauel-Chalili herumlagern; man schiebt sich, willenlos getragen, durch die hin- und herflutende Menge, an den Verkaufsständen vorbei, mitten durch das lebhafte Getriebe, das laute Gefeilsche, durch das unaufhörliche Rufen, Lachen, Singen der Straße. Schwarze, braune, mokkafarbene Gesichter tauchen aus weißen Umhüllungen empor; der Turban und die Kefije herrschen hier vor, der moderne Fez wird immer seltener. Die Verkäufer preisen ihre Waren an, mit einem gutmütigen, entwaffnenden Lächeln. Viele singen; sie tragen einen Kasten mit irgendwelchen Waren in den Händen, gehen gemächlich über die Straße und singen; sitzen hinter dem Ladentisch und singen, schwermütige arabische Melodien; singen einfach daher. Es ist wohlig und gut. Dys stechende Gefühl der Einsamkeit, das uns oft in belebten Straßen europäischer Großstädte überfällt, fehlt hier gänzlich. Man fühlt sich irgendwie geborgen, in diesem fremden Lande, unter diesen fremden dunkelfarbigen Menschen, deren gurgelnde, gaumenhafte Sprache man nicht versteht. Der Lärm verletzt nicht und regt nicht auf; er ist natürlich, er gehört dazu; man fühlt sich wie unter einem Rudel lebhafter guter Tiere. Warum doch? Wenn ich über die Leipziger Straße gehe, fühle ich mich oft so grenzenlos verlassen; so eine Traurigkeit, Bangigkeit kommt über mich. Die vielen Menschen, denen ich begegne, sind ja gar nicht Menschen schlechthin; es sind Prokuristen, Postassistenten, Lehramtskandidaten, zuerst; jeder ist in ein Netz von Beziehungen hineingespannt, jeder in feste, unverrückbare Ordnungen hineingestellt, jeder hat irgendwelche Ziele und Absichten; jeder ist irgendeine Speiche in irgendeinem Rade, eine Schraube in irgendeinem Mechanismus. Sie haben Examina gemacht, oder werden welche machen, sie.stehen in einer Karriere drin, sie sind poligeilirst si? eieren, man mirD sie versetzen, sie zahlen Menern oder hinterziehen sie. . . Ach, wie kommt man zu diesen Menschen hin, wenn man nicht selbst PostaMstent ist? Jeder ist von Gittern und Drahtverhauen umgeben. Es ist so traurig. Man ist aus einer sehr fernen Insel im Ozean. Hier ist alles so anders. Was tun diese Menschen da, die. stundenlang auf den niedrigen Schemeln hocken und an der Nargileh saugen, die auf den steinernen Stufen der Brunnen liegen, die lachend und schwatzend an der Ecke stehen und gleichmütig durch die Straßen schlendern, was wollen sie „mal im Leben erreichen , sie, die singend hinter ihrem armseligen Verkaufsstand warten? Nichts. Sie tun nichts, sie wollen nichts „erreichen";'sie sitzen halt da, sie stehen halt da, sie singen und lachen, wie es ihnen einfällt: die Sonne scheint, Menschen gehen, die Welt ist schön, und Gott ist gut. Ihr Dasein ist naturnäher und kreatürlicher, darum einfacher und schöner. (Fortsetzung folgt.) und durch die Sprache der Thora zum Geist der Thora kommen, während im Galut der Sabbat und die Sprache der Thora ständig gegen die Kulturen der nichtjüdischen Welt sich wehren müssen. Und überdies: Die Bitte um ivvi und viele andere Mizwos kann man nur in Erez Jisroel verstehen. Schlomäh ben Ascher. . (Neuerscheinungen.) Von Oberrabbiner Altmann- Trier, der sich durch eine Reihe populärphilosophischer Schriften gut eingeführt hat, erscheinen demnächst: 1. „Jüdische Welt- und Lebensperspektiven". (Ein Weltanschauungsbuch von ausgewählten Abhandlungen über alte und neue Judentumsfragen.) 2. „Aus Seelenmachtswelten". Gedichte eines Suchenden und Tröstenden (lyrische und epische nach Selbsterlebnissen). Einige der Gedichte sind in Musik.gesetzt. 3. „Hanna, die Jüdin". (Ein kulturhistorisches Drama.) In Vorbereitung befindet sich: „Aulelaus Umlilaus" ni^iv' ivo) Aehren und Beeren". Ausgewählte Homilien als Weckrufe an die zeitgenössische Judenheit an der Hand der Feste, Sabbate und gehobenen Momente des jüdischen Lebens. (Wieviel Juden wohnen noch in Sowjetrußland?) Laut den soeben vom Zentralbüro der jüdisch-kommunistischen Sektion (Jewsektia) mitgeteilten Ziffern leben gegenwärtig in den Ländern der Sowjet-Union 2 750 000 Juden. Von diesen sind 300 000 in Gewerkschaften organisiert. 120 000 Juden sind Arbeiter, 130 000 sind Landarbeiter, 700 000 Handwerker und Angehörige anderer Berussklassen. Der Statistik ist ferner zu entnehmen: 40 Prozent der Mitglieder der Gewerkschaften in Weißrußland sind Juden. Insgesamt existieren in Weißrußland 330 Handwerker-Genossenschaften mit 97 000 Mitgliedern. 31200 Juden und Jüdinnen waren am 1. Januar 1925 Mitglieder oder Aspiranten der kommunistischen Partei. Allein die Zahl der Frauen betrug 6216. Die 630 jüdischen Schulen werden von mehr als 100 000 Kindern besucht. Es existieren 8 jüdische Lehrerbildungsanstalten mit 800 Studierenden, 80 jüdische Abendkurse, 180 jüdische Klubs, 57 jüdische Lesehallen und 391 lokale jüdische Vereinigungen zur Bekämpfung des Analphabetentums. In 32 kleineren Stadtsowjets ist die Geschäftssprache jiddisch. Es existieren 16 jüdische Gerichtshöfe und 3906 jüdische Mitglieder der Stadtsowjets in der Ukraine. In Weißrußland sind in den Stadtsowjets 30 Prozent Juden. (Jubiläum einer jüdischen Zeitung.) Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz", beging am 1. Januar sein 25jähriges Jubiläum. Das Blatt wurde 1901 gegründet von Rabbiner Dr. Littmann in Zürich, welcher noch jetzt in der Redaktion mitwirkt, sowie von Lehrer Dr. Strauß. Späterhin wurde es herausgegeben von Herrn David Weinbaum, dessen Familie den Verlag weiterführt; die Redaktion führt zurzeit Herr Dr. Erich Marx-Weinbaum. Anläßlich seines Jubiläums gab das Blatt eine reich illustrierte besondere Jubiläumsnummer heraus, in der die Geschichte der wichtigsten jüdischen Gemeinden der Schweiz dargestellt wird, die um viele Jahrhunderte zurückreicht. Familiemmchrichken. Barmizwo: Abraham. Sobn des Herrn Juda Krull, Frankfurt a. M., Bergerstraße 96. jhki 'S- Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.: Inserate i. B.: S Schach, nowitz, ebenda. — Verlag ^israelit^, G.m.b.H., Franyurt M. Druck Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M. Korrespondenzen « ßaebriebten. TLeuorganifierung des Bundes gefehestreuer Lehrer in Deutschland. Frankfurt a. M., 2. Januar. Zum Bedauern des Vorstandes und der Mitglieder hatte der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer in Deutschland längere Zeit seine Tätigkeit einstellen müssen. Auch ihn hatten die Folgen der Inflation schwer getroffen und namentlich seine lange Jahre segensreich wirkende Hilfskasse zerstört. Dazu kam der Tod seines verdienstvollen Vorsitzenden, Direktor Dr. Lange der stets in selbstloser Weise unsere Vereinigung geistig und materiell förderte. Dem stellvertretenden Vorsitzenden, Herr Lehrer Hirschberg-Frankfurt am Main, der seitdem mit großer Hingebung die Geschäfte des Bundes führte, war es in dankenswerter Weise gelungen, Herrn Studienrat Dr. Munk, Frankfurt a. M., zur Uebernahme des Vorsitzes zu gewinnen. So versammelte sich am 24. Dezember der Vorstand des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer sowie Vertreter der ihm angegliederten Vereine im Hause des genannten Herrn, um die Tätigkeit des Bundes neu zu beleben. In warmen, ehrenden Worten gedachte der stellvertretende Vorsitzende des zu früh dahingeschiedenen Vorsitzenden Direktor Dr. Lange W, dessen Andenken die Versammlung pietätvoll ehrte, und begrüßte sodann den neuen Vorsitzenden, Herrn Studienrat Dr. Munk. Mit jugendfrischem Temperament und verständnisvollem Erfassen der Sache entwickelte dieser sein Programm. Es ist bezeichnend für das Denken des neuen Vorsitzenden aber auch für die innere Kraft des Bundes, daß die Besprechung in erster Linie den geistigen Zielen galt. Das Lernen soll gefördert werden, die vorhandenen ü'-iisv zur Fortbildung der jüdischen Lehrer sollen geistig und materiell gestützt, neue gegründet werden, und allerorten, wo Sinn und Wollen zum Wochenkalender. vom 9.—16. Jan. 1926.1 vom 23. Teweth bis 1. Schebat 6686 Samstag Jan. 9 w 23 TD» Sonntag 10 24 Montag 11 25 Dienstag 12 26 Mittwoch 13 27 Donnerstag 14 28 Freitag 15 29 Samstag 16 K181 1 V2V Rausch Thaudesch benschen. Mauled,Donnerst, morq.6^ tmspsns n'tsn pp 11L2 01' «NN iwn